Die folgende Arbeit analysiert Alfred North Whiteheads Verständnis von Ordnung in der der Natur und geht der Frage nach, ob sein Konzept auch auf die Ordnung der menschlichen Gesellschaft angewandt werden kann.
Hierbei wird zunächst der Begriff der Ordnung der Natur im Allgemeinen einführt und verdeutlicht. Dieser bildet die Grundlage für das whiteheadsche Verständnis des Begriffs der Gesellschaft und gewinnt für die organistische Lehre, welche durch die Naturwissenschaften geprägt ist, vorrangige Bedeutung. Außerdem wird genauer auf die vier Grundlagen der Ordnung der Natur eingegangen und diese werden erläutern. Des Weiteren folgt eine Äußerung dazu, worin der Bezug zwischen der Ordnung, den Einzelwesen und dem Begriff der "Erfüllung" besteht. Hierbei werden die drei Eigenschaften der wirklichen Einzelwesen, nämlich die innerliche Determiniertheit, die äußere Freiheit und die Kreativität, genauer ausgeführt. Dieses genaue Verständnis der Ordnung der Natur wird benötigt, um dem nächsten Abschnitt folgen zu können. Hierin geht es um die Definition der Gesellschaft nach Whitehead und wie dies mit der Ordnung der Natur zusammenhängt. Dabei wird verdeutlicht, was Whitehead unter einer Gesellschaft versteht und welche Formen von Gesellschaften es seiner Meinung nach gibt. Außerdem folgt eine Erläuterung dazu, wie sich diese Formen aufeinander auswirken und wie sie in hierarchischen Beziehungen in der gegenwärtigen kosmischen Epoche zueinander stehen. Des Weiteren wird die Unterscheidung zwischen physischen und lebenden Gesellschaften ausgeführt.
Zum Schluss der Hausarbeit steht die Beantwortung der Frage inwiefern Whitehead dem Phänomen "Gesellschaft" gerecht wird, indem er den Begriff in "Prozess und Realität" primär auf die Natur anwendet, gleichzeitig aber beansprucht, dass dieser Begriff auch für menschliche und politische Gesellschaften Gültigkeit besitzt und ob diese Ausweitung des Begriffs überhaupt gerechtfertigt ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Die hierarchische Ordnung der Natur
Die vier Grundlagen der Ordnung
Der Begriff der Ordnung im Zusammenhang mit den Einzelwesen
Der Zusammenhang zwischen Ordnung und Erfüllung
Die drei Eigenschaften des wirklichen Einzelwesens
Whiteheads Definition der Gesellschaft
Die Gesellschaft am Beispiel des menschlichen Lebens
Indifferenz oder Verwandlung
Die Gesellschaft – zwischen der Naturwissenschaft und dem menschlichen Sein
Whiteheads naturwissenschaftliche Bezüge
Whiteheads Bezüge zur menschlichen und politischen Gesellschaft
Fazit – abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch Alfred North Whiteheads Modell der Ordnung der Natur und analysiert, inwieweit seine Anwendung auf menschliche und politische Gesellschaften theoretisch fundiert und gerechtfertigt ist.
- Whiteheads Modell der Ordnung der Natur
- Die Struktur und Eigenschaften wirklicher Einzelwesen
- Definition und Dynamik von Gesellschaften im Kontext der Prozessphilosophie
- Abgrenzung zwischen physischen und lebenden Gesellschaften
- Wissenschaftstheoretische Einordnung und philosophische Kritik
Auszug aus dem Buch
Die vier Grundlagen der Ordnung
Im Folgenden werden die vier Eigenschaften der Ordnung der Natur, unter welchen Whitehead unterscheidet, aufgelistet und ausgeführt.
(i) Die erste Eigenschaft der Ordnung besagt, dass diese in der wirklichen Welt durch die Einführung der Anpassung an das Erreichen eines Ziels vom bloßen Gegebensein unterschieden werden kann. Die Ordnung unterscheidet sich vom Gegebensein also allein deshalb, weil sie einem Ziel zugerichtet ist. Durch das Streben zu einem Ziel wird ein Bewegungsmoment mit hineingebracht. Whitehead bezeichnet solch eine Zielvorstellung als „Zweck“ oder auch „Superjekt“. Dieses ist die Zielrichtung, also das woraufhin sich das Einzelwesen entwickelt und somit den höchsten Entwicklungspunkt eines Einzelwesens darstellt.
Der Endzweck des Werdens der Konstituierung der wirklichen Einzelwesen kann also teleologisch aufgefasst werden. Die Ordnung der wirklichen Welt wird differenziert durch die natürlich gegebene Ordnung, indem Anpassungen und Veränderungen in die wirkliche Welt eingeführt werden um ein neues Telos anzusteuern. Dieses Werden von der zuvor gesetzten natürlich-gegebenen Welt zu einer neu konstruierten Welt demonstriert einen Übergang von einer alten zu einer neuen Konstitution der Ordnung der Natur. Dieses Ziel wird dem Ganzen als Zweck übergestülpt, weshalb eine Ordnungsstruktur hinzukommen muss, die nicht aus den Gegenständen selbst entstehen kann. Aber die vollständige Ordnung, also das Ziel, ist schwer zu erreichen und für die wirklichen Einzelwesen ist immer nur eine Annäherung an diese möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes um die Ordnung der Natur und die Gesellschaft bei Whitehead sowie die Darlegung der Forschungsfrage.
Hauptteil: Detaillierte philosophische Analyse der Ordnungsbegriffe, der Eigenschaften von Einzelwesen und der gesellschaftlichen Strukturen im Whiteheadschen Denken.
Die hierarchische Ordnung der Natur: Erläuterung des Modells der Natur als philosophische Kosmologie und des ontologischen Prinzips.
Die vier Grundlagen der Ordnung: Systematische Untersuchung der vier konstitutiven Eigenschaften, die das Werden und die Ordnung bestimmen.
Der Begriff der Ordnung im Zusammenhang mit den Einzelwesen: Analyse der Wechselbeziehung zwischen dem Ideal der Ordnung und der Spezifität der Einzelwesen.
Der Zusammenhang zwischen Ordnung und Erfüllung: Diskussion des teleologischen Aspekts der Konkretisierung.
Die drei Eigenschaften des wirklichen Einzelwesens: Darlegung der determinierenden, subjektiven und superjektiven Eigenschaften.
Whiteheads Definition der Gesellschaft: Herleitung des Gesellschaftsbegriffs aus dem Terminus der Ordnung.
Die Gesellschaft am Beispiel des menschlichen Lebens: Anwendung der abstrakten Theorie auf die konkrete Erfahrung menschlicher historischer Wege.
Indifferenz oder Verwandlung: Unterscheidung zwischen physischen und lebenden Gesellschaften anhand ihrer Anpassungsfähigkeit.
Die Gesellschaft – zwischen der Naturwissenschaft und dem menschlichen Sein: Erörterung der Übertragbarkeit naturwissenschaftlicher Begriffe auf soziale Phänomene.
Whiteheads naturwissenschaftliche Bezüge: Darstellung der Verknüpfung von Prozessphilosophie und moderner physikalischer Kosmologie.
Whiteheads Bezüge zur menschlichen und politischen Gesellschaft: Kritische Untersuchung der Anwendbarkeit des Modells auf soziale und politische Gebilde.
Fazit – abschließende Gedanken: Kritische Würdigung des Gesamtsystems und Reflexion über die Lücken bei der Ausweitung des Schemas auf das menschliche Handeln.
Schlüsselwörter
Alfred North Whitehead, Prozess und Realität, Ordnung der Natur, wirkliche Einzelwesen, Gesellschaftsbegriff, Superjekt, Konkretisierung, teleologische Ausrichtung, Prozessphilosophie, physische Gesellschaften, lebende Gesellschaften, Kosmologie, Intersubjektivität, ethische Wertstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das philosophische Hauptwerk Alfred North Whiteheads, „Prozess und Realität“, mit dem Fokus auf den Begriff der Ordnung der Natur und deren Übertragung auf gesellschaftliche Strukturen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Metaphysik der Ordnung, die Konstitution wirklicher Einzelwesen sowie die Unterscheidung und Hierarchisierung verschiedener Gesellschaftsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern die Ausweitung des Whiteheadschen Ordnungsschemas auf menschliche und politische Gesellschaften methodisch gerechtfertigt ist und wo das System an Grenzen stößt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die eine textbasierte Exegese und kritische Diskussion von Primär- und Sekundärliteratur zur Prozessphilosophie anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung naturphilosophischer Grundlagen, die Definition der Gesellschaft und die kritische Reflexion der Übertragbarkeit dieser Begriffe auf soziale Gebilde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Prozessphilosophie, wirkliche Einzelwesen, Ordnung der Natur, teleologische Ausrichtung sowie die Differenzierung zwischen physischen und lebenden Gesellschaften.
Was unterscheidet physische von lebenden Gesellschaften bei Whitehead?
Physische Gesellschaften zeichnen sich durch Indifferenz und Stabilität aus, während lebende Gesellschaften durch Verwandlung und eine aktive, interessierte Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt definiert sind.
Warum wird Whitehead im Fazit teilweise kritisiert?
Die Autorin kritisiert, dass Whitehead beim Versuch einer allgemeingültigen philosophischen Kosmologie die speziellen, komplexen Eigenschaften menschlicher und politischer Gesellschaften vernachlässigt.
Was bedeutet der Begriff „Subjekt-Superjekt“?
Er beschreibt das wirkliche Einzelwesen als ein Subjekt, das sich konstituiert, während es zugleich als Ziel („Superjekt“) eine bestimmte Rolle im Prozess des Werdens einnimmt.
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- Lena Heske (Author), 2019, Natur und Gesellschaft. Ist Alfred North Whiteheads Verständnis von der Ordnung der Natur auf die Gesellschaft übertragbar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512917