Diese Arbeit soll sich mit dem Einfluss von Haftstrafen auf die Entwicklung Jugendlicher befassen. Dabei soll kritisch diskutiert werden, ob Legalbewährung und Resozialisierung durch Freiheitsentzug erreicht werden können oder sich dieser möglicherweise auch negativ auf die Entwicklung eines jungen Menschen auswirken kann. Hierfür werden im ersten Teil der Arbeit gesetzliche Grundlagen kurz dargelegt und erklärt, welche Maßnahmen beziehungsweise Konsequenzen bis hin zur Haftstrafe auf normverletzendes Verhalten folgen können. Daraufhin erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Haftstrafen im Jugendalter. Hierfür soll zunächst auf die Ursachen von Straffälligkeit eingegangen werden, um die Sinnhaftigkeit von Freiheitsentzug zu überprüfen, und im Anschluss werden die Folgen für die Entwicklung der jungen Menschen besprochen. Im letzten Teil der Arbeit soll die Aufgabe der Sozialen Arbeit unter Hinzuziehung des Lebensbewältigungskonzepts nach Lothar Böhnisch im Fokus stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Straffälligkeit im Jugendalter
1.1 gesetzliche Maßnahmen bei Straffälligkeit im Jugendalter
1.2 Haftstrafe im Jugendalter
2. Kritische Auseinandersetzung mit der Haftstrafe im Ju- gendalter
2.1 Ursachen für Straffälligkeit im Jugendalter
2.2 Folgen von Freiheitsentzug im Jugendalter
3. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit
3.1 Anforderungen an die Fachkräfte
3.2 Sozialdienst im Jugendstrafvollzug
4. Fazit und Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Sinnhaftigkeit und die Auswirkungen von Haftstrafen im Jugendalter unter Berücksichtigung von Ursachen straffälligen Verhaltens und der spezifischen Rolle der Sozialen Arbeit. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der Freiheitsentzug zur Resozialisierung beiträgt oder die Entwicklung der Jugendlichen potenziell negativ beeinflusst.
- Gesetzliche Grundlagen des Jugendstrafrechts
- Ursachen und Entstehungsbedingungen von Jugendkriminalität
- Auswirkungen der Haft auf die Entwicklung Jugendlicher
- Aufgaben und Anforderungen an die Soziale Arbeit in der Straffälligenhilfe
- Funktion des Sozialdienstes im Jugendstrafvollzug
Auszug aus dem Buch
2.1 Ursachen für Straffälligkeit im Jugendalter
„Nicht der verwahrloste Jugendliche bedroht die Gesellschaft, die Gesellschaft bedroht den Jugendlichen mit Verwahrlosung“ (Schilling und Klus 2015, S.70 nach Hermann Nohl).
Wie der Erziehungswissenschaftler Hermann Nohl in diesem Zitat treffend formuliert, wird Jugendkriminalität in der Gesellschaft als Bedrohung wahrgenommen. Das ist nicht zuletzt dem Umgang der Medien mit Straffälligkeit im Jugendalter zuzuschreiben. In der Jugendgerichtshilfe kann durch den persönlichen Kontakt mit den Jugendlichen festgestellt werden, dass diese sich nicht von anderen jungen Menschen unterscheiden. Die Straffälligkeit scheint Ausdruck familiärer und persönlicher Erfahrungen zu sein. Bei allen Jugendlichen konnten Brüche in der Biografie und Chancenlosigkeit in manchen Lebensbereichen festgestellt werden. Bei pressewirksamen Fällen, in denen von Verhandlungen berichtet wurde, war deutlich zu erkennen, dass die Darstellung der Jugendlichen diesen nicht gerecht wurde. Berichte, in denen Jugendliche als gefährlich und unberechenbar dargestellt werden, mögen zwar öfter gelesen werden als realistische Beschreibungen der Fälle, jedoch verändern diese das Bild in der Öffentlichkeit. Vielmehr lohnt es sich, wie Hermann Nohl anfügt, den Blick auf die Ursachen und den gesellschaftlichen Faktoren zu richten. Dabei kann die Frage gestellt werden, wieso normverletzendes Verhalten vor allem im Jugendalter auftritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Straffälligkeit im Jugendalter: Dieses Kapitel erläutert das Phänomen der Jugendkriminalität, differenziert zwischen jugendtypischem Verhalten und schwerwiegenden Straftaten und führt in die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie das aktuelle Forschungsinteresse ein.
1.1 gesetzliche Maßnahmen bei Straffälligkeit im Jugendalter: Hier werden die juristischen Sanktionsmöglichkeiten nach dem Jugendgerichtsgesetz, von Erziehungsmaßregeln über Zuchtmittel bis hin zur Jugendstrafe, systematisch dargestellt.
1.2 Haftstrafe im Jugendalter: Das Kapitel befasst sich mit den Voraussetzungen für eine Jugendstrafe, dem Begriff der „schädlichen Neigungen“ und dem Ziel des Vollzugs.
2. Kritische Auseinandersetzung mit der Haftstrafe im Ju- gendalter: Hier findet eine kritische Reflexion darüber statt, ob Haftstrafen für die Entwicklung der Jugendlichen förderlich sind oder diese eher negativ beeinflussen.
2.1 Ursachen für Straffälligkeit im Jugendalter: Dieses Kapitel analysiert theoretische Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten, wobei gesellschaftliche Faktoren, biographische Brüche und individuelle Entwicklungsschwierigkeiten im Zentrum stehen.
2.2 Folgen von Freiheitsentzug im Jugendalter: Es werden die Auswirkungen der Inhaftierung, wie Stigmatisierung, Unterbrechung von Entwicklungsprozessen und die Gefahr negativer Lerneffekte durch das Anstaltsmilieu, kritisch beleuchtet.
3. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel definiert das professionelle Mandat der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle im Kontext der Jugendkriminalität.
3.1 Anforderungen an die Fachkräfte: Hier werden notwendige Haltungen und Arbeitsweisen der SozialarbeiterInnen, insbesondere die Bedeutung des Fallverstehens und der Unterstützung bei Entwicklungsaufgaben, herausgearbeitet.
3.2 Sozialdienst im Jugendstrafvollzug: Dieses Kapitel beschreibt die spezifische Rolle des Sozialdienstes in der Haft, insbesondere bei der Entlassungsvorbereitung und der Unterstützung bei persönlichen Krisen.
4. Fazit und Stellungnahme: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet kritisch, inwieweit die Haftstrafe bei Jugendlichen der Resozialisierung dient oder eher entwicklungshemmend wirkt.
Schlüsselwörter
Jugendstrafvollzug, Straffälligkeit, Soziale Arbeit, Jugendgerichtshilfe, Resozialisierung, Freiheitsentzug, Lebensbewältigung, Kriminalität, Entwicklungsaufgaben, Haftstrafe, Jugendgerichtsgesetz, Prävention, Fallverstehen, Stigmatisierung, Bewährungshilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Praxis der Haftstrafe bei Jugendlichen auseinander und untersucht deren Sinnhaftigkeit vor dem Hintergrund der Resozialisierung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Ursachen von Jugendkriminalität, die gesetzlichen Sanktionsmöglichkeiten, die Auswirkungen der Inhaftierung auf die Entwicklung junger Menschen sowie die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Haftstrafen auf die Lebensentwicklung Jugendlicher zu diskutieren und zu hinterfragen, ob diese Maßnahme den angestrebten Erziehungszielen gerecht wird.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven oder Methoden werden genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Konzepten (insbesondere dem Lebensbewältigungsansatz nach Lothar Böhnisch) und bezieht Erkenntnisse aus der Jugendgerichtshilfe mit ein.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Ursachen für Straffälligkeit, eine kritische Betrachtung der Folgen von Haftstrafen und die Darstellung der professionellen Anforderungen an die Soziale Arbeit in diesem Arbeitsfeld.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendstrafvollzug, Lebensbewältigung, Resozialisierung, Stigmatisierung und die professionelle Rolle der Sozialen Arbeit.
Warum wird der Begriff „schädliche Neigungen“ in der Arbeit als problematisch bezeichnet?
Die Autorin weist darauf hin, dass dieser juristische Begriff pädagogisch umstritten und nicht präzise definiert ist, weshalb er als Grundlage für staatliche Eingriffe kritisch zu hinterfragen bleibt.
Welche Rolle spielt die Öffentlichkeitsarbeit der Sozialen Arbeit laut der Verfasserin?
Die Öffentlichkeitsarbeit ist für SozialarbeiterInnen essentiell, um dem durch Medien oft dramatisierten und angstbesetzten Bild von Jugendkriminalität entgegenzuwirken und soziale Gerechtigkeit für Straffällige einzufordern.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Die Haftstrafe im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513000