Hier werden der Nestorianismus allgemein, die Geschichte sowie die Lehren des Nestorianismus mit der rechtgläubigen Erklärung der Person Jesu gegenübergestellt.
Der Begriff Nestorianismus kann in zweierlei Weise verstanden werden. Zum einen bezeichnet er die Theologie, wie auch gelegentlich die Kirchenorganisation, der heutigen Nestorianer, auch „Ostsyrer“ oder „Chaldäer“ genannt. Zum anderen bezeichnet der Begriff bestimmte christologische Lehrbildungen, die auch unabhängig von der „Apostolischen Kirche des Ostens“ zu identifizieren sind (Markschies 2003).
Inhaltsverzeichnis
1. Der Nestorianismus allgemein
2. Die Geschichte des Nestorianismus
3. Die Lehren des Nestorianismus
4. Die rechtgläubige Erklärung der Person Jesu gegen den Nestorianismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theologische Phänomen des Nestorianismus, beleuchtet dessen historische Entwicklung sowie die zentralen Lehrpunkte und stellt diese der rechtgläubigen christologischen Lehre gegenüber.
- Grundbegriffe und Definitionen des Nestorianismus
- Historischer Werdegang des Nestorius und seiner Lehre
- Christologische Kernkonflikte (z.B. Gottesgebärerin vs. Christusgebärerin)
- Vergleich der nestorianischen Position mit dem Konzilsbeschluss von Chalkedon
- Bedeutung der Inkarnation für die Erlösungslehre
Auszug aus dem Buch
3. Die Lehren des Nestorianismus
Ausgangspunkt für den Nestorianischen Streit war die in der Volksfrömmigkeit übliche Bezeichnung von Maria als „Gottesgebärerin“ (θεοτóκος). Nestorius selbst plädierte für Maria als „Christusgebärerin“ (χριστοτóκος). Cyrill von Alexandria hingegen argumentierte stark gegen die Lehren von Nestorius. Aufgrund vieler theologischer Auseinandersetzungen, entwickelten sich die Ansichten von Nestorius bis zu seiner Schrift „Liber Heraclidis“ weiter (Andresen 1982:247; Böhm 2003:206; Rist 2015:864-865).
Für Nestorius dominierte das irenäische Thema der Inkarnation als „Anthropophanie“ oder Offenbarung der in der menschlichen Natur gegebenen Möglichkeiten, wie sie in der Person Christi erneuert und aktualisiert sind. Nestorius predigte oft über die Versuchungen Christi. Dabei war er der Meinung, dass die Evangelien als Geschichte menschlichen Strebens zu verstehen sind. Der Ungehorsam Adams würde in ihnen aufgehoben werden. Strittig sind dabei nicht die Einzigartigkeit und Gottheit Christi. Nestorius‘ Anliegen war, den Unterschied zwischen leidensfähiger Menschheit und leidloser Gottheit in Christus deutlich zu machen und die jeweilige Vollständigkeit zu behaupten. Die Grundlage dafür bietet sein zweiter Brief an Cyrill. Dieser behandelt das Nicänische Bekenntnis. Dieses Bekenntnis würde den Glauben an den einen Herrn Jesus Christus, den eingeborenen Sohn des Vater, bezeugen sowie zugleich die Prädikationen bestätigen, die Gottheit und Menschheit gemeinsam sind. Dadurch, dass göttliche und menschliche Natur nicht vermischt seien, sei die Gottheit selbst nicht dem Leiden ausgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Nestorianismus allgemein: Dieses Kapitel definiert den Begriff Nestorianismus sowohl als theologische Lehrbildung als auch als kirchliche Organisation.
2. Die Geschichte des Nestorianismus: Hier wird der Lebensweg von Nestorius sowie die Verbreitung und Entwicklung der nestorianischen Kirche bis in den Osten nachgezeichnet.
3. Die Lehren des Nestorianismus: Dieses Kapitel erläutert die christologischen Kernpunkte, insbesondere das Verständnis der Inkarnation und die Abgrenzung der göttlichen von der menschlichen Natur.
4. Die rechtgläubige Erklärung der Person Jesu gegen den Nestorianismus: Abschließend wird die biblische und konziliare Gegenposition dargelegt, die die ungetrennte Einheit von Gottheit und Menschheit in Jesus Christus betont.
Schlüsselwörter
Nestorianismus, Nestorius, Christologie, Inkarnation, Dyophysitismus, Gottesgebärerin, Christusgebärerin, Konzil von Chalkedon, Hypostase, Theologiegeschichte, Konzilsbeschluss, Naturenlehre, Person Jesu.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Nestorianismus, einer christologischen Lehre des 5. Jahrhunderts, und untersucht deren Verständnis der Person Jesu Christi im Vergleich zur orthodoxen Lehre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Person des Nestorius, der Entwicklung seiner Lehre, den Konflikten um die Bezeichnung Marias und der dogmatischen Verurteilung der Lehre durch die Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen theologischen Argumente des Nestorianismus darzulegen und aufzuzeigen, warum diese von der Kirche als Häresie eingestuft wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung relevanter Fachliteratur und dogmengeschichtlicher Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die detaillierte Darstellung der Lehren des Nestorianismus und die dogmatische Gegenüberstellung durch die rechtgläubige christologische Lehre.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Nestorianismus, Dyophysitismus, Inkarnation, Hypostase sowie die Unterscheidung zwischen leidensfähiger Menschheit und leidloser Gottheit.
Warum lehnte Nestorius den Titel „Gottesgebärerin“ für Maria ab?
Nestorius argumentierte, dass Maria nur den Menschen Jesus geboren habe und Gott nicht aus einem Menschen geboren werden könne, weshalb er den Titel „Christusgebärerin“ bevorzugte.
Welche Rolle spielt das Konzil von Chalkedon in dieser Arbeit?
Das Konzil von Chalkedon wird als der entscheidende Moment angeführt, in dem die Kirche die Lehre von Jesus als vollkommenem Gott und vollkommenem Menschen in einer Person definierte, um den Nestorianismus zu widerlegen.
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- Jasmin Bruhn (Author), 2016, Der Nestorianismus. Die nestorianische Lehre in Bezug zur Rechtgläubigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513011