Unternehmenskommunikation und Auswirkungen von Störfaktoren auf den Kommunikationsfluss

Beispiel der Besuchsberichterfassung auf der HOGA 2019


Projektarbeit, 2019
39 Seiten, Note: 2,2
Anonym

Leseprobe

Vorwort

1. Einleitung

2.1. Was ist Kommunikation?
2.2. Kommunikationsmodelle
2.2.2. Vier-Seiten Modell nach Schulz von Thun
2.2.3. Shannon–Weaver-Modell
2.3.1 Kommunikationsstörungen
2.3.2 Kommunikationsbarrieren
2.3.3 Störungen der direkten Kommunikation
2.3.4.Zusammenfassung
2.4.1. Unternehmenskommunikation
2.4.2. Bedeutung von Kommunikation für Unternehmen
2.4.3. Grundlagen der Unternehmenskommunikation
2.4.4. Kommunikationsstrategie und Ziele:
2.4.5. Integrierte Unternehmenskommunikation
2.4.6. Interne Unternehmenskommunikation
2.4.7. Integration der Mitarbeiter-Kommunikation

3.1. Kommunikation der Firma XY
3.2.2. Aufbereitung und Weiterverwendung der Datenerfassung
3.2.3. Störungen in der Informationserfassung und Übertragung
3.3. Bewertung des Fragebogens
3.4. Mögliche Verbesserungen
3.5. Ausblick und Fazit

Liteaturverzeichnis

Verzeichnis Unternehmensinterner Materialien

Verzeichnis selbst erarbeiteten Materials

Vorwort

„Das Gegenteil von schlecht muss nicht gut sein. Es kann noch schlechter sein“ (Watzlawick 1969, S. 53)

Während der ersten Praxisphase erhielt ich einen Einblick in die Kommunikation der Firma XY und mit den durch die Umstrukturierung entstandenen Schwierigkeiten und Hindernissen im Kommunikationsfluss im Hinterkopf, nahm ich mir vor diesen vorsorgend entgegenzuwirken. Im Zuge der Themenfindung und Exposé-Erstellung für die Projektarbeit 1 habe zu spüren bekommen, wie wichtig zielgerichtete Kommunikation ist. Sei es den richtigen Rezipienten für sein Anliegen zu wählen das richtige Kommunikationsmittel zu finden und die richtigen Worte, um sein Anliegen zu vermitteln. So kommunizierte ich hauptsächlich über What‘s App Sprachnachrichten, da mir dies unkompliziert erschien. Ich richtete mich mit meinem Anliegen an die Assistentin meines Vor-gesetzten, da sie mir als Ansprechpartnerin bzw. Vermittlerin zu meinem Chef vorgeschlagen wurde und in meinen Augen als ehemalige Studentin des glei-chen Studiengangs geeignet schien, da sie wissen müsste, worauf es bei der Projektarbeit ankäme. Als Sie dann das Unternehmen überraschend verließ und somit einen Teil der Nachrichten und Informationen für mich verloren gingen, bereute ich meine Wahl und mein Vorgehen. Ich wollte es besser und mir zu-gleich einfacher machen und tappte in die Fallen, die Kommunikation mit sich bringt.

1. Einleitung

Eine effektive und effiziente Kommunikation von Unternehmen ist für die Wett- bewerbsfähigkeit sehr wichtig. Oft treten Störungen in der internen Kommunikati- on auf, besonders an Schnittstellen zwischen Abteilungen oder durch die Wahl des falschen Kommunikationsmittels. Das bedeutet, dass Informationen durch gestörten Kommunikationsfluss unvollständig, zeitversetzt oder verändert beim Mitarbeiter ankommen können. Das kann zu Unklarheiten bei der Umsetzung von Aufgaben oder der Gestaltung und Durchführung von Projekten führen und lang-fristig dem Unternehmen schaden. Kommt es zu Informationsverlusten, sollte intern eine Fehleranalyse stattfinden, um zukünftige Prozesse zu optimieren und Kommunikationsstörungen vermeiden zu können. Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der internen Unternehmenskommunikation der Firma XY (im Verlauf der Arbeit mit XY abgekürzt) und die generelle Betrachtung von Störfaktoren im Kommunikationsfluss und der daraus resultie- rende Informationsverlust am Beispiel der Besuchsberichte auf der HOGA 2019. Darüber hinaus soll geklärt werden, wie Kommunikationsstörungen entstehen und inwiefern sie sich auf den Informationsfluss am Beispiel der Befragung auf der HOGA 2019 auswirken, um dann mögliche Gegenmaßnahmen aufzuzeigen. Dazu werden in einem ersten Schritt die notwendigen Begrifflichkeiten erläutert und die im Rahmen des literaturgeleiteten Teils der Arbeit, relevanten theoreti- schen Ansätze beschrieben und die gängigen Modelle vorgestellt. Anschließend soll exemplarisch an den Richtlinien der Firma XY zur internen Kommunikation und des Designs des Fragebogens der Besuchsberichtserfas-sung der HOGA 2019 ein Vergleich mit der in der Fachliteratur dargestellten Best Practice gezogen werden. In einem letzten Schritt wird eine Fehleranalyse des Kommunikationsprozesses zur Messe mit Betrachtung der möglichen Störfakto- ren vorgenommen und das Designs, die Struktur und der Fragenkatalog des Fra- gebogens und verbessert werden.

2.1. Was ist Kommunikation?

Obwohl Kommunikation im menschlichen Miteinander allgegenwärtig ist und die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema bis in die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts reicht, besteht kein Konsens über die Definition von Kommuni- kation. Ausgehend von dem lateinischen Ursprung “communicatio”, was Mittei- lung oder Unterredung bedeutet, begriffen erste Definitionen Kommunikation in erster Linie als direkten Sprechakt zwischen Menschen (vgl. Röhner und Schütz 2016 S.2). Spätere Begriffsbestimmungen integrierten nach und nach auch Kommunikation über Medien, was dazu führte, dass anfangs vor allem Bücher, Briefe und Telegramme, heute aber wie selbstverständlich auch neue Entwick- lungen wie E-Mails, Telefon und digitale Text- und Sprachnachrichten berück- sichtigt werden. Insofern ist es auch erklärbar, dass der Umfang der gängigen Definitionen mit der Zeit deutlich zugenommen hat (ebd. S.4). Insofern sind Defi- nitionen von Kommunikation immer im Rahmen der jeweiligen Entstehungszeit zu verstehen, die vor allem technische Entwicklungen nicht antizipieren konnten. Als Hauptgründe für die Unklarheit von Kommunikationsbegriffen werden ver- schiedene Gründe angeführt. So schreibt Merten (1977) in einer frühen Beschäf- tigung mit dem Thema, dass die Schwierigkeit im Wesen von Kommunikation liegt, die auf der einen Seite so allgemein und omnipräsent ist, dass die Eigen- heiten kaum wahrgenommen werden und sie zum anderen flüchtig und kaum fixierbar zu sein scheint (vgl. ebd. S.10-11).

Röhner und Schütz (2016) dagegen sehen unterkomplexe Kommunikationsme- taphern zur Veranschaulichung, die Ausdehnung des Kommunikationsbegriffes auf immer mehr Phänomene der Moderne, sowie der Einbezug nicht direkt be- obachtbarer Bestandteile der Kommunikation in die Begriffe als Problemfaktoren. Ein weiterer Aspekt ist die Ausdehnung des Kommunikationsbegriffes auf ver- schiedene Formen von menschlicher Informationsübermittlung. Waren es wie beschrieben anfangs vor allem Dialoge von Angesicht zu Angesicht, kamen auch durch den Einfluss verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen u.a. das einseiti- ge Rezipieren von Werbebotschaften und „below the line marketing“ (Esch et al. 2009, S.85-89), die in der Konsequenz zu der verallgemeinerten Feststellung führten, dass “man nicht nicht kommunizieren” (Watzlawick 2011) könne. Dies zeigt sich unter anderem bei Boneberg (2013), die Kommunikation als “eine all- gemeine Sammelbezeichnung für alle Vorgänge, in denen eine bestimmte Infor- mation gesendet (signalisiert) und empfangen wird, auch wenn es nicht wechsel- seitig geschieht” (ebd. S.238) definiert.

Anders sieht dies Kulbe (2009 S.84), die Kommunikation als “ein[en] wechselsei- tige[n] Prozess, eine Interaktion in der sich Lebewesen Nachrichten (Wörter, Lau- te, Gestik) übermittel[n]” beschreibt und in Kommunikation im Unterschied zu Boneberg einem wechselseitigen Prozess sieht. Der für die vorliegende Arbeit sinnvolle Aspekt der sowohl ein- als auch wechselseitige Kommunikation in Form von Worten, als auch in Zeichen, findet sich in der etwas umfangreicheren Defini- tion von Boneberg (2013, S.238). Diese definiert Kommunikation als „(…) Infor- mationsaustausch (...) durch den Ausdruck und die Wahrnehmung (Transaktion) von Zeichen aller Art. Diese Zeichen können systematisch einer biophysischen Ebene z.B. körperliche Berührungen und Affekte wie Lachen und Weinen, einer motorischen wie Körperhaltung, Mimik, Gestik, einer lautlichen durch Geräusch und Sprache und einer technischen Ebene mittels Medien zugeordnet werden.“

Kommunikation unterliegt dabei immer einer Interpretation. Welche Informationen man als relevant wahrnimmt, unterliegt immer einer komplexen selektiven Wahr- nehmung, was zur Folge hat, dass die gleiche Information von verschiedenen Empfängern unterschiedlich aufgenommen, verarbeitet und bewertet wird. Dazu kommt, dass immer mehrere Informationen gleichzeitig übermittelt werden, die alle parallel bewertet und verarbeitet werden und alle vor dem Hintergrund eines Prozesses ablaufen, der durch nicht unmittelbar Beteiligte beeinflusst wird (vgl. Kuster et al. 2018 S.318).

2.2. Kommunikationsmodelle

Kommunikation ist als sozialer Akt höchstwahrscheinlich so alt wie die Mensch- heit selber. So wird vermutet, dass bereits der frühe Mensch vor Aufkommen einer verbalen Sprache und in Ermangelung der physiologischen Voraussetzun- gen Worte und differenzierbare Laute zu produzieren, sich mittels einer Zeichen- sprache verständigte (vgl. Tomasello 2009, S.20-22). Das verdeutlicht, dass Kommunikation viel mehr als nur Gesprochenes ist. Kommunikation als wissen- schaftlicher Begriff taucht jedoch, wie bereits erwähnt erst spät in der soziologi- schen Linguistik auf und erst im 20. Jahrhundert entstehen die ersten Erklärungs- versuche und Kommunikationsmodelle (vgl. Rommerskirchen, 2017, S.111). Die Organisationslehre grenzt den Begriff Kommunikation ein - Sie definiert Kommu- nikation als Austausch von Informationen zum Zwecke der aufgabenbezogenen Verständigung (vgl. Theuner und Riedel, 1995, S.33) Es wird davon ausgegan- gen, dass sich der überwiegende Teil der Kommunikation, unter der sprachlichen Oberfläche, also auf der unbewussten Ebene stattfindet. Das bedeutet, dass nur ein geringer Teil der Kommunikation tatsächlich bewusst erfolgt. Diese Theorie konnte nach einer Studie des Anthropologen Albert Mehrabian bewiesen werden. So entfallen 7 Prozent auf verbale, 38 Prozent auf stimmliche und 55 Prozent auf mimische Kommunikation und Gestik (vgl. Mehrabian 1972, S.64-68). Das heißt, dass 93 Prozent der Bedeutung und des Inhaltes einer Botschaft nonverbale Kommunikation ausmachen. Somit ist demnach nicht nur entscheidend, was ge- sagt wird, sondern auch, wie etwas gesagt wird: Die Tonlage, die äußere Er- scheinung und Rang des Kommunikators und des Rezipienten, Mimik und Gestik unterstützen die Botschaft oder können sie sogar ins Gegenteil umkehren.

Selbst die Wahl des Kommunikationskanals wird unterbewusst durch unsere Persönlichkeit mitbestimmt. Es konnte nachgewiesen werden, dass Menschen mit geringen Selbstwert bei potentiell bedrohenden Kommunikationsanlässen, wie ein Beurteilungsgespräch den E-Mailkontakt bevorzugen. Menschen mit ho- her Selbstwertschätzung bevorzugen hingegen Face-to-Face-Kommunikation (vgl. Joinson 2004, S.479-484).

2.2.2. Vier-Seiten Modell nach Schulz von Thun

Das Vier-Seiten-Modell geht davon aus, dass eine Nachricht immer mehr ist, als eine Mittelung, die bloß Informationen überträgt. Als Grundlage dient eine Art Sender-Empfänger-Modell, bei dem der Sender eine kodierte Nachricht über den Kanal Sprache an den Empfänger sendet und dieser die Nachricht entschlüsselt. Auch wenn Sender und Empfänger dieselbe Sprache sprechen, können sich bei der anschließenden Rückmeldung Probleme zeigen, die durch Störungen bei der Übertragung entstanden sind. Von Thun zeigt anhand seines Modells, dass durch eine Nachricht verschiedene Botschaften übermittelt werden, die anhand von vier Dimensionen veranschaulicht werden können. Sachinformationen bezie- hen sich auf den Gegenstand der Kommunikation, ein Beziehungshinweis be- schreibt die Beziehung zwischen Sender und Empfänger, die Selbstkundgabe beschreibt Aspekte, die man von sich preisgibt und der Appell beschreibt, was man erreichen will. Veranschaulicht wird diese Beziehung in einem Kommunika- tionsquadrat.

Die mangelnde Transparenz von Sprechintentionen sei das Hauptproblem in Kommunikationsprozessen, weshalb Kommunikationstrainer häufig auf das Vier- Seiten-Modell von Schulz von Thun zurückgreifen, da es in einleuchtender und übersichtlicher Art „alltagsweltliche Erklärung[en]“ (Antos 1996, S. 123) zur Inter- pretation möglicher Absichten des Sprechers liefert. Es wird also bewusst oder unbewusst immer auf allen vier Seiten des Modells kommuniziert, woraus sich Missverständnisse in einem Kommunikationsprozess aus der komplexen Vielfalt der gesendeten Informationen entwickeln können. Nachrichten enthalten für Schulz von Thun explizite und implizite Botschaften (vgl. Schulz von Thun 1981, S. 33-35). Implizite Botschaften können anhand des Verhaltens entschlüsselt werden z.B. durch eine bestimmte Mimik oder gebärdende Gestik, explizite Bot- schaften werden meist ausdrücklich formuliert und verbal vermittelt und finden auf bestimmte Kommunikationsebenen statt (ebd.). Nachrichten können als kon- gruent und inkongruent angesehen werden. Kongruent sind Nachrichten, wenn sie in sich harmonisch sind, wenn also alle Signale auf allen Ebenen kompatibel sind. Von inkongruenten Nachrichten spricht man, wenn verbale und nonverbale Signale widersprüchlich sind (ebd. S.35).

Gerade im für diese Arbeit relevanten professionellen Kontext sollten die Aspekte der Sachinformation und Appell die Hauptrollen spielen und die Ebenen der Selbstkundgabe und der Beziehungshinweis nicht im Vordergrund stehen. Am Beispiel des Fragebogens werden diese beiden Faktoren für das Design wichtig und der Anleitung der Befragten vor Ort.

2.2.3. Shannon–Weaver-Modell

Das Shannon–Weaver Modell wurde Anfang der 40er Jahre von Warren Weaver und Clade Shannon entwickelt und gehört zu den klassischen Kommunikations- modellen. In Ihm werden verschiedene Konzepte wie Sender, Empfänger, Infor- mation, Kanal und Signal integriert. Dieses eigentlich im Rahmen einer Arbeit zur Verbesserung von Übertragungstechnik in der US-Armee entwickelte Modell wurde später auch in den Sozialwissenschaften populär und begründete hier die Kommunikationswissenschaften (vgl. Ternes 2008, S.31-32). Die Grundidee des Modells ist es, dass eine durch einen Sender kodierte Nachricht, über einen durch Störfaktoren beeinflussten Kanal zu einem Empfänger gelangt, welche dann wieder vom Empfänger entschlüsselt werden muss.

Bei dem häufig als Telefongespräch veranschaulichten Modell wird durch eine Informationsquelle z.B. eine Person eine Information abgesetzt mit dem Ziel den Empfänger zu einer Handlung oder einer Überzeugung zu bringen. Diese Infor- mation wird mittels eines Transmitters verschlüsselt und unabhängig vom eigent- lichen Informationsgehalt beispielsweise durch Mimik oder Gestik encodiert über den Kanal, das Medium an den Empfänger geleitet, der es entschlüsselt. Im Ide- alfall werden die Informationen vom Empfänger analog zur Verschlüsselung de- codiert. Erfolgreich ist die Kommunikation, wenn gesendete Information und ent- schlüsselte Information identisch sind. Hierbei können Probleme in Form von Störungen auftreten. Im Falle des technischen Modells wären hier physische Probleme bei der Übertragung (Rauschen, Lautstärke) zu nennen, im sozialen Kontext wären falsch verstandener Sarkasmus oder falsch gedeutete Mimik Bei- spiele.

2.3.1 Kommunikationsstörungen

Die Gründe für Kommunikationsstörungen können vielseitig sein. Wenn Kommu- nikation durch einen Mangel an Klarheit und Ehrlichkeit geprägt ist, kein Dialog auf Augenhöhe oder mit gegenseitigem Respekt stattfindet, kann das die Kom- munikation stören und negative Folgen haben, wie das Arbeitsklima, Mitarbeiter- zufriedenheit und Arbeitsergebnisse verschlechtern (vgl. Bruhn 2014, S.1199). Unterschiedliche Charakterzüge, Wertvorstellungen, soziale und kulturelle Prä- gung, sowie eine subjektive Situationswahrnehmung können Interaktionsstörun- gen wie z.B. Antipathien oder Verhaltensunsicherheit verursachen, die das Er- gebnis der Kommunikation negativ beeinflussen (Vgl. Hilke 1989, S. 26-27). Die Kommunikation von Individuen dient, wie bereits beschrieben, dem Austausch von Informationen zur Definition der Situation und zur gegenseitigen Wahrneh- mung der Perspektiven der Interaktionspartner. Kommunikationsstörungen las- sen sich dabei oft auf asymmetrischen Informationsaustausch zurückführen (vgl. Seidel 2007, S.35) Kommunikationsvorgänge und Kommunikationsprobleme werden beim Sender-Empfänger-Modell als Informationsfluss bzw. Informations- verlust in einem Übertragungskanal (vgl. Shannon und Weaver 1949). bzw. einer Interaktion zweier Individuen betrachtet. Kommunikationsstörungen können des- halb von auch aufgrund von Problemen im Übertragungskanal charakterisiert sein. Grundlegend kann davon ausgegangen werden, dass beide Interaktions- partner an effektiver Informationsübermittlung bzw. Kommunikation interessiert sein sollten und dementsprechend ihr Kommunikationsverhalten optimieren. Al- lerdings zeigen sich bei vielen Interaktionsbeziehungen suboptimale Kommunika- tionsverläufe, wie z.B. Paradoxien (Watzlawick et al. 2017, S. 207-208).

2.3.2 Kommunikationsbarrieren

Auch Thayer formulierte (Thayer 1968 zitiert nach Mohr, S.192) mögliche Hin- dernisse, sogenannte Barrieren in der Kommunikation. Er unterscheidet diese in sieben Kategorien:

Die Kategorie der „meaning barriers“, umfasst Probleme, die aufgrund der feh- lenden Kenntnis über Bedeutung und Signifikanz beim Senden und Empfangen einer Botschaft entstehen, wenn also nicht erkannt wird, welche Dringlichkeit und Priorität eine Information besitzt. Des Weiteren kategorisiert Thayer „organizatio- nal barriers“, also Probleme, die aufgrund der physischen Distanz zwischen den Mitgliedern einer Organisation, ihrer spezialisierten Position, sowie ihres Einflus- ses und ihres Status auftreten können. „Economic, geographie, and temporal barriers“, also Barrieren, die z.B. durch verschiedene Zeitzonen und Geschäfts- zeiten auftreten, können die Kommunikation verzögern, aber auch wirtschaftliche oder örtliche Einschränkungen, die auftreten, können Kommunikation verhindern oder bremsen.

Hindernisse aufgrund des Beziehungs- oder generellen Betriebsklimas, sowie aufgrund unterschiedlicher Werte und die sich daraus ergebenden Einstellungen und Vorurteile der Kommunikationsteilnehmer gehören zu „Interpersonal bar- riers“.

Des Weiteren nennt Thayer „Individual barriers“, individuelle Hindernisse, die sich aus den individuellen Fähigkeiten und körperlichen und sprachlichen Einschrän- kungen der jeweiligen Kommunikationsteilnehmer ergeben. Manche Botschaften können besser face-to-face als über Telefon gesendet werden. Probleme, die sich aus der Frage ergeben, wie eine Botschaft am besten zu übermitteln ist, also welches das angemessene Kommunikationsmittel ist, gehören zu „channel and media barriers“. Als letztes sind Kommunikationsprobleme zu nennen, die bei Informationsüberschuss entstehen, die „Technological barriers“ aufzuführen. Sie treten auf, wenn die Masse an Informationen, die Verarbeitungskapazitäten des Empfängers übersteigen.

2.3.3 Störungen der direkten Kommunikation

Die 4 häufigsten Ursachen der Störungen des Vier-Seiten-Modells der direkten Kommunikation (vgl. Seidel 2007, S.100) sind:

„Paradoxe Kommunikation“, welche durch widersprüchliche Definitionen, Infor- mationen und Handlungsaufforderungen charakterisiert ist. Sie kann entstehen, wenn die Kommunikationsform inkonsistent oder Informationen doppeldeutig sind. Paradoxien können nützlich und konstruktiv sein, wenn z.B. durch Ironie gestiftete Verwirrung eingefahrene Kommunikationsmuster aufbrechen (vgl. Watzlawick et al. 2017, S.216). Jedoch muss diese ironische Botschaft erst ein- mal als solche erkannt und dekodiert werden. Problematisch sind paradoxe Kommunikationsformen, wenn sie als Beziehungsfallen konstruiert sind: In dou- ble-binds sind zwei oder mehrere Menschen in einer existentiellen Beziehung, wobei die Beziehung durch widersprüchliche Beziehungsbotschaften geprägt wird. Studien über die Folgen der Entsolidarisierung der Führungssysteme, prognostizieren in Zukunft häufiger auftretende Double-bind-Situationen in Un- ternehmen.

Ein weiterer Störfaktor sind „Attributionsfehler“ (Seidel 2007, S.102) bzw. Korres- pondenzverzerrungen. Sie entstehen durch die Zuschreibung bestimmter Eigen- schaften von Menschen als Handlungsursache, nicht aber der situationsbeding- ten Handlungs- und Kommunikations-Intention. Die Tendenz, dass ein Beobach- ter bei der Verhaltenseinschätzung und Kommunikation eines Menschen den Einfluss der Situation unter- und den Einfluss der persönlichen Veranlagung überschätzt (vgl. Ross 1977, S.174-177) ist ein „fundamental attribution er- ror“ (ebd. S.174). Dies wird auch als Akteur-Beobachter-Fehler begriffen und mit adversativer Wahrnehmungsperspektive erklärt. Die Akteure sehen in einem ge- gebenen Kontext Anforderungen und Eigenschaften der Situation - die eigene Person tritt dabei aus dem Wahrnehmungsfokus, während es bei Beobachtern umgekehrt ist, indem die beobachtete Person im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht (vgl. Jones und Nisbett 1972, S.79-84).

Des Weiteren können „Rollenkonflikte“ die Kommunikation negativ beeinflussen. Sie entstehen durch Erwartungen eines sozialen Raums, sogenannte Rollen- segmente. Sie werden gegen einen Rolleninhaber durch die Bezugspersonen, also z.B. Kollegen und Vorgesetzte, in seinem Handlungsfeld ausgedrückt. Mitei- nander unverträgliche Erwartungen der Bezugspersonen oder -gruppen können zu Rollenkonflikten führen (Seidel 2007, S.105). Die sich widersprechenden oder konkurrierenden Rollenerwartungen einem Individuum gegenüber, die aus der Zugehörigkeit dieses Individuums zu mehreren verschiedenen Gruppen resultie- ren, erschweren das für die einzelnen Rollenerwartungen angemessene Verhal- ten des Individuums (vgl. Arnold et al. 1993, S. 1934).

Als letzter Störungsfaktor ist die „kognitive Dissonanz“ zu nennen, welche ent- steht, wenn zwei gleichzeitig bestehende Eindrücke bzw. Erkenntnisse einander widersprechen oder ausschließen. Das Erfahren dieser Unstimmigkeit bzw. Dis- sonanz führt, dazu, dass die betreffende Person diesen inneren Konflikt aufzu- heben versucht, indem sie sich der Situation entzieht und eine Umgebung auf- sucht, in der sich die Dissonanz verringert oder es werden selektiv Informationen gesucht, welche die Dissonanz aufheben (vgl. Maier 2019). Im Unternehmensall- tag offenbart sich diese Bewältigungsstrategie oft durch selektive Informations- wahrnehmung.

2.3.4.Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Kommunikationsstörungen auftre- ten, da Kommunikation nie nur auf der Sachebene stattfindet und der Empfänger und Sender nicht ausschließlich nur objektiv kommunizieren. Kommunikation wird, wie Seidel (2007) zusammenfasst, stark durch die Dynamik des sozialen Gefüges und Rollensegmente und die Persönlichkeit der Kommunikationsteil- nehmer bestimmt. Auch können, wie Thayer verdeutlicht, die Gründe nicht nur beim Individuum, sondern im Organisationsaufbau, an der Technik oder im In- formationsumfang liegen. Gehen bei der Kommunikationsübertragung Informati- onen verloren oder werden sie verändert übertragen treten Störungen im Kom- munikationsfluss auf.

2.4.1. Unternehmenskommunikation

Für die Vermittlung von Informationen im betriebswirtschaftlichen Kontext seitens eines Unternehmens an seine Stakeholder und Shareholder und die gezielte Präsentation nach außen hin, hat sich der Begriff Unternehmenskommunikation etabliert. Unternehmenskommunikation beinhaltet „(…) alle gesteuerten Kommu- nikationsprozesse, mit denen ein Beitrag zur Aufgabendefinition und -erfüllung in gewinnorientierten Wirtschaftseinheiten geleistet wird und die insbesondere zur internen und externen Handlungskoordination, sowie Interessenerklärung zwi- schen Unternehmen und ihren Bezugsgruppen (Stakeholdern) beitragen. (…) Systematisch unterscheidbare Teilbereiche der Unternehmenskommunikation (…) sind Interne Kommunikation, Marktkommunikation und Public Relations (…).“ (Zerfaß 2014, S. 23)

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Details

Titel
Unternehmenskommunikation und Auswirkungen von Störfaktoren auf den Kommunikationsfluss
Untertitel
Beispiel der Besuchsberichterfassung auf der HOGA 2019
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn
Note
2,2
Jahr
2019
Seiten
39
Katalognummer
V513068
ISBN (eBook)
9783346115379
ISBN (Buch)
9783346115386
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Kommuniktionsstörungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Unternehmenskommunikation und Auswirkungen von Störfaktoren auf den Kommunikationsfluss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513068

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