Gründe für die Verwendung von Jugendsprache und Dialekt. Gemeinsamkeiten der beiden Sprachvarietäten


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Übersicht zur Jugendsprache

3 Forschungsgeschichte der Jugendsprache

4 Einflüsse auf die Jugendsprache
4.1 Medien
4.2 Mundart

5 Kiezdeutsch, eine neue Jugendsprache

6 Definition Dialekte
6.1 Probleme bei der Begriffsdefinierung zwischen Mundart und Dialekt
6.2 Dialekt und Standarddeutsch
6.3 Die Ortsloyalität als Faktor für den Gebrauch von Dialekt

7 Aktuelle Lage der Dialekte

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

10 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Standardsprache ist die allgemeine und verbindliche Sprachform. Sie wird gesprochen und geschrieben. Es gibt jedoch Abweichungen, die Sprachvarietäten genannt werden. Hierzu gehören die Jugendsprache und Dialekte. Jugendliche grenzen sich mit ihrer eigenen Sprache nicht nur von den Erwachsenen ab, sondern auch von anderen Jugendgruppen oder -szenen. Dies trifft auch bei den Dialekten und deren Sprechern zu. Ferner soll es das Zugehörigkeitsgefühl stärken. Jedoch geraten Dialekte, oder auch Regiolekte, zunehmend in die Defensive. Wer heutzutage ausschließlich Dialekt spricht, hat es im späteren Berufsleben tendenziell schwerer. Doch was ist die Jugendsprache - oder ein Dialekt - und warum verwendet man sie? Und was macht sie aus?

Mit der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über die soeben genannten Sprachvarietäten gegeben und eventuelle Überschneidungen analysiert werden. Zudem sollen die Hintergründe sowie charakteristischen Züge der beiden Sprachvarietäten beleuchtet werden.

Die Arbeit gliedert sich in acht Abschnitte. Zur Einführung wird eine Übersicht zu der deutschen Jugendsprache gegeben. Darauffolgend wird auf die Forschungsgeschichte der Jugendsprache eingegangen und sich den zwei Einflussfaktoren der Jugendsprache gewidmet. Des Weiteren wird eine neue Jugendsprache, das Kiezdeutsch, vorgestellt.

Im zweiten Abschnitt wird sich mit der Begriffserklärung des Dialektes befasst. Da jedoch Dialekte und Mundart sehr nah beieinander liegen, wird sich ebenfalls mit dem Problem der Begriffsdefinierung zwischen Dialekt und Mundart beschäftigt. Ferner wird das Standarddeutsch mit dem Dialekt verglichen und die Ortsloyalität für den Gebrauch von Dialekt zur Beantwortung der Fragen berücksichtigt.

Zum Abschluss wird auf die aktuelle Lage der Dialekte eingegangen. Die von der Verfasserin, eingangs aufgeworfenen Fragen werden anhand der gewonnenen Erkenntnisse im Fazit beantwortet.

2 Übersicht zur Jugendsprache

Die Jugendsprache hat sich seit den 70ern weltweit zu einem Phänomen entwickelt und dadurch die Aufmerksamkeit der linguistischen Forschung erworben (vgl. Bußmann 2008: S.315). Die Forschungen der deutschen Jugendbewegung und deren Sprachen blieben frühestens bis 1957 „ein unbekanntes Kapitel deutscher Sprachgeschichte“ (Henne 1986: S.221). Die Ausdrucksweise der Jugend scheint auf den ersten Blick nicht relevant zu sein, aber „in Wahrheit spiegelt [sie] sprachliche Verwilderung und emotionale Verrohung wider“ (Lamprecht 1965, zitiert nach Schoblinski/Kohl/Ludewigt 1993: S.9). Damit meint Lamprecht, dass dieses Themengebiet noch immer nicht ernst genommen wird. Es wird mehr als Rückentwicklung der Standardsprache verstanden. Der Mangel an Interesse und Kritik sind zwei extreme Positionen, die jedoch nicht von der Wissenschaft oder Öffentlichkeit vertreten werden. Tatsächlich wurde die Forschung der Jugendsprache erst ab 1970 seriöser und wertneutral.

Die Jugendsprache ist eine Zusammensetzung von Merkmalen in unterschiedlichen Jugendgruppen. Sie ist zwar eine Varietät der deutschen Standardsprache, jedoch keine eigene Sprache. Sie lässt sich unter Umständen verändern. Wie entsteht solch eine Sprachvarietät? Laut Ehmann entstehen Unterschiede in der Sprache, wenn eine Gruppe mit eigenen Normen keine entsprechenden Ausdrucksformen in der Standardsprache finden, die sie in ihrer besonderen Umgebung benutzen können (vgl. Ehmann 1992: S.26). Die Jugend gehört zu solch einer Gruppe. Jugendliche wollen sich einerseits von den anderen abheben, aber ebenso innerhalb der Gruppe Zusammengehörigkeit finden. Bemerkbar wird dies besonders in der Sprache (vgl. Schoblinski/Kohl/Ludewigt 1993: S.11). Oftmals finden Angehörige von Subgruppen keine passenden Worte, die sich zur Beschreibung von bestimmten Situationen oder Ereignisse eignen (vgl. Ehmann1992: S.26). Des Weiteren konstatiert Ehmann, dass durch das Benutzen einer Sondersprache, so wie es die Jugendlichen tun, Protest gegen die „sprachlichen und gesellschaftlichen Normen“ verdeutlicht wird (vgl. Ehmann 1992: S.26). Darüber hinaus besitzt die Jugendsprache ihren „Stellenwert in erster Linie als Gruppensprache“ (Ehmann 1992: S.27).

3 Forschungsgeschichte der Jugendsprache

Es stellt sich die Frage, ob die Jugendlichen dieselbe Sprache wie die Erwachsenen oder eine andere sprechen. Henne behauptet, dass es keine linguistische Forschung zur Jugendsprache Anfang der 80er Jahre gäbe (vgl. Henne 1981: S.372). Die Forschung wurde durch die aufgeworfenen Fragen wieder angeregt. Neuland hat festgestellt, dass es bereits im 16. Jahrhundert einen Vorgänger der Jugendsprache gab: die Studentensprache (vgl. Neuland 2008a: S.92). In der Zeit der Universitätsgründungen konnte man deren Anfänge in Deutschland beobachten (vgl. Ehmann 1992: S.32). Dadurch hat sich im Laufe der Zeit die Burschensprache entwickelt, die das Gemeinschaftsgefühl unter den Studenten gestärkt hatte. Erste Untersuchungen der Jugendsprache, auch Studenten- und Schülersprache, fanden erstmals im 19. Jahrhundert statt. Im späteren Verlauf wurde erstmals im 20. Jahrhundert versucht, die Jugendsprache einzuordnen. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wurden die Forschungen in diesem Gebiet vorübergehend eingestellt (vgl. Neuland 2008a: S.109). Nach den 40er Jahren wurden große Fortschritte in der Forschung beobachtet. In den 50er Jahren sind die ersten Jugendkulturen entstanden, die sich bewusst gegen die Normen der Erwachsenen aufgelehnt haben (vgl. Neuland 2008a: S.109). Nicht nur Linguisten beschäftigen sich mit diesem Thema, sondern auch Psychologen. Sie setzen sich mit den Schwierigkeiten der Jugendlichen und deren Sprache auseinander. Des Weiteren ist Androutsopoulos der Meinung, dass die Versuche der Jugendlichen, eine neue für sie angepasste Sprache zu entwickeln, eine Art Unterstützung zur Identitätsbildung ist. Sie ist auf den gemeinsamen Drang der Jugendlichen, sich von den Erwachsenen zu distanzieren, zurückzuführen (vgl. Androutsopoulos 1998: S.35). Zahlreiche Einflüsse haben die Jugendsprache über die Jahre geprägt. Musikalische Einflüsse wie die Popkultur ließen die Anzahl der Anglizismen im Sprachgebrach steigen. Schließlich konnten in den 80er Jahren ausschlaggebende Veränderungen in der Forschung verzeichnet werden.

Zunächst wurde davon ausgegangen, dass die Jugendsprache einheitlich ist. Dies wurde jedoch von Schoblinskis und Hennes Beobachtungen widerlegt, da sie nicht als ein einheitliches System betrachtet werden kann, sondern als ein System, das verschiedene Varietäten aufweist.

4 Einflüsse auf die Jugendsprache

Dialekt und Medien sind zwei wichtige - und doch gegensätzliche - Faktoren, die die Jugendsprache beeinflussen. Dies wird besonders im Wortschatz und bei Entlehnungen deutlich. Jugendliche, die in einem Gebiet mit hoher Bevölkerung leben, sind hauptsächlich durch Einflüsse aus den Medien betroffen. Jugendliche aus ländlichen Gebieten, wo hingegen mit höherer Wahrscheinlichkeit Dialekte gesprochen werden, halten sich meist an die lexikalischen Vorgaben (vgl. Ehmann 1992: S.97). Des Weiteren können Fach- und Sonder- sowie die Fremdsprache als mehrere Einflüsse genannt werden (vgl. Ehmann 1992: S.18).

4.1 Medien

Nahezu jeder Jugendliche benutzt in der heutigen Zeit Medien. Die Angebote variieren vom Unterhaltungsfernsehen und Musik bis zu Jugendzeitschriften wie Bravo, Seventeen und Hey!. Für viele junge Erwachsene ist ebenso Social Media nicht mehr wegzudenken. Schönheit und Sportlichkeit werden von der Unterhaltungs- sowie Kosmetikindustrie idealisiert oder gar priorisiert (vgl. Schoblinski/Kohl/Ludewigt 1993: S.28).

Die zunehmende Verwendung von englischen Wendungen (Anglizismen) ist auf die überwiegend „anglophone Musikwelt“ (vgl. Schoblinski/Kohl/Ludewigt 1993: S.28) zurückzuführen. Besonders Jugendliche sind für Einflüsse der Medien empfänglich. Das heißt, Werbung, Social-Media-Kanäle und alle anderen Medien sind starke Einflussnehmer (vgl. Ehmann 1992: 75 f.). An dieser Stelle wird der Fragebogen von Ehmann einbezogen. Er beschäftigt sich mit der Frage, woher Jugendliche ihre Anregungen in Bezug auf neue Wörter und Wendungen erhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Fragebogen: Wodurch erhält deiner Meinung nach die Jugendsprache die meisten Anregungen und Impulse hinsichtlich neuer Wörter und Wendungen? (Quelle: Ehmann 1992: S.74 Tabelle 5)

In den acht Städten wurden insgesamt 400 Jugendliche, ergo jeweils 50 Jugendliche in jeder Stadt, befragt. Durchschnittlich 70 bis 80 % der Interviewten haben angegeben, dass neu aufgegriffene Begriffe und Veränderungen in der Sprache der Jugend auf die Vorbildfunktion der Massenmedien zurückzuführen sind (vgl. Ehmann 1992: S.75). Nach den Auswertungen hören die Befragten die meisten Anregungen/Wendungen mit 43,5 % bei den Film- und Musikstars, wobei die Jugendlichen aus Leipzig sich deutlich weniger Medien zum Vorbild nehmen (vgl. Ehmann 1992: S.75). Nur 26 % der Leipziger haben Film- und Musikstars als Grund für ihre sprachliche Anregung angegeben. Der Grund soll im Misstrauen und in der Distanzierung der ostdeutschen Jugendlichen zu den Medien liegen. Große Unterschiede sind hingegen in der Rubrik „eigene Kreativität“ zu beobachten. Nur 14,5 % der Jugendlichen hat für die „eigene Kreativität“ gestimmt, wohingegen die Leipziger 45 % „ihre eigene Sprachkreativität“ angaben (vgl. Ehmann 1992: S.75). Gründe für diese Schwankungen sind, dass Jugendliche in westlichen Städten nur wenig Vertrauen in ihre Kreativität haben und sich bedeutend unkreativer einschätzen. Längst sind die Medienfluten ein fester Bestandteil für Jugendliche in Städten wie München und Berlin geworden (vgl. Ehmann 1992: S.75).

Abschließend fasst Ehmann anhand der Ergebnisse zusammen, dass die Jugendsprache durch die unterschiedlichen Faktoren und Einflüsse von außen bestimmt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gründe für die Verwendung von Jugendsprache und Dialekt. Gemeinsamkeiten der beiden Sprachvarietäten
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V513114
ISBN (eBook)
9783346091864
ISBN (Buch)
9783346091871
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugensprache, Dialekte
Arbeit zitieren
Thu Dang (Autor:in), 2019, Gründe für die Verwendung von Jugendsprache und Dialekt. Gemeinsamkeiten der beiden Sprachvarietäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513114

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