Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Vorkommen der sogenannten Dunklen Triade im elementarpädagogischen Arbeitsfeld und gibt Einblicke in die damit verbundenen Auswirkungen. Die Betrachtungsweise erfolgt über organisationspsychologische Zugänge. Sie kann pädagogische Fachkräfte darin unterstützen, bestimmte negativ empfundene Verhaltensweisen einzuordnen, sie sensibilisierter zu betrachten und einen Weg des Umgangs damit zu gestalten.
Die sogenannte "Dunkle Triade", eine Gruppe psychologischer Merkmale, ist seit einigen Jahren in die mediale Aufmerksamkeit geraten und auch in der Wirtschaftspresse finden sich immer wieder Beiträge darüber, wie sich Mitarbeiter gegenüber schwierigen Kollegen und Vorgesetzten erfolgreich verhalten können.
Unter dem Begriff der "Dunklen Triade" werden die drei Persönlichkeitseigenschaften Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie zusammengefasst. Die jahrzehntelange isolierte Forschung dieser Merkmale fand 2002 mit den Erkenntnissen der beiden Psychologen Paulhus und Williams ein Ende, die die bisherige Annahme eines identischen Persönlichkeitskonstrukts der drei Eigenschaften widerlegten und aufzeigten, dass zwischen diesen nur geringe Zusammenhänge und Überscheidungen bestehen.
Die aktuell vorherrschende Sicht ist daher das Bild eines geteilten Kerns und diverser Überschneidungen einzelner Merkmale der Triade. Den gemeinsamen Kern bilden die gesellschaftliche Unerwünschtheit der Persönlichkeitseigenschaften sowie die geringe Verträglichkeit dieser mit der Umwelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das sozialpädagogische Arbeitsfeld
2.2. Der Bereich Elementarpädagogik
2.2.1 Besonderheiten des elementarpädagogischen Arbeitsfelds
2.2.2 Kompetenz- und Eigenschaftsanforderungen an elementarpädagogische Fachkräfte
2.2.3 Teamarbeit als vorrangige Arbeitsform
2.2.4 Selbstreflexion als Schlüsselkompetenz
2.2.5 Emotionsarbeit
2.3 Die Dunkle Triade der Persönlichkeit
2.3.1 Narzissmus
2.3.2 Machiavellismus
2.3.3 Psychopathie
2.4 Forschungsstand zur Dunklen Triade
2.4.2 Die Dunkle Triade im beruflichen Kontext
2.4.3 Auswirkungen dunkler Eigenschaften im beruflichen Kontext
2.4.4 Auswirkungen im elementarpädagogischen Arbeitsfeld
2.5. Präzisierung der Forschungsthematik
3 Forschungsmethode
3.1 Auswahl der Methode
3.2 Der Fragebogen
3.3 Vorstellung der Teilnehmer
3.4 Stichprobe
3.5 Rahmenbedingungen
3.6 Auswertung Fragebogen
3.6.1 Quantitative Auswertung
3.6.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach P. Mayring
4 Ergebnisse
4.1 Narzissmus
4.2 Machiavellismus
4.3 Psychopathie
5 Interpretation der Ergebnisse
5.1 Reflexion der Methode
5.2 Reflexion Befragungsinstrument
5.2.1 Der Fragebogen als Messinstrument
5.2.2 Die Items
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Vorkommen und die Auswirkungen der sogenannten „Dunklen Triade“ (Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie) bei pädagogischen Fachkräften im elementarpädagogischen Arbeitsfeld, um ein besseres Verständnis für antisoziale Verhaltensweisen in diesem von Team- und Emotionsarbeit geprägten Umfeld zu entwickeln.
- Identifikation dunkler Persönlichkeitsmerkmale in der Elementarpädagogik
- Analyse der Auswirkungen antisozialen Verhaltens auf Teamklima und Zusammenarbeit
- Untersuchung des Umgangs von Fachkräften mit schwierigen Kollegen
- Vergleich der Praxisauswirkungen verschiedener Merkmale der Dunklen Triade
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Dunkle Triade der Persönlichkeit
Die Dunkle Triade der Persönlichkeit setzt sich aus den sozial unerwünschten Merkmalen Narzissmus, Machiavellismus uns Psychopathie zusammen. Diese haben einen gemeinsamen Kern, der in emotionaler Kälte d.h. einem Mangel an Empathiefähigkeit besteht und sich in geringer Verträglichkeit äußert.25 Nachfolgend wird eine getrennte Beschreibung der drei Eigenschaften gegeben.
Unter den drei Konstrukten der dunklen Triade stellt der Narzissmus derzeit die am besten untersuchteste Komponente dar.26 Der Name für diese Persönlichkeitseigenschaft ist der griechischen Mythologie entnommen, laut der der von allen verehrte Jüngling Narziss nachdem er die Nymphe Echo abgewiesen hatte, mit unstillbarer Selbstliebe bestraft wird, die ihn schließlich das Leben kostet: Narziss blickt in einen See, verliebt sich in sein Spiegelbild und ertrinkt bei dem Versuch, sich selbst zu umarmen.27
Der ICD-10 führt die narzisstische Persönlichkeitsstörung als F60.8 unter einer Restkategorie auf und verweist dabei auf 9 Merkmale, von denen mindestens 5 zutreffen müssen, um eine Persönlichkeitsstörung dieser Art diagnostizieren zu können:
Größengefühl; Phantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Schönheit oder ideale Liebe; Gefühl der Einmaligkeit; Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung; Unbegründete Anspruchshaltung; Ausnützen von zwischenmenschlichen Beziehungen; Mangel an Empathie; Neidgefühle oder Überzeugung, beneidet zu werden; Arrogantes, hochmütiges Verhalten28
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der „Dunklen Triade“ ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für das sozialpädagogische Arbeitsfeld.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel definiert das elementarpädagogische Arbeitsfeld, beleuchtet dessen spezifische Anforderungen und beschreibt die Merkmale der Dunklen Triade sowie den aktuellen Forschungsstand.
3 Forschungsmethode: Hier wird das methodische Vorgehen erläutert, das auf einer Kombination aus standardisierten Fragebögen („Niederträchtige Neun“) und qualitativer Inhaltsanalyse basiert.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die statistische Auswertung und die prozentuale Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie unter den befragten Fachkräften.
5 Interpretation der Ergebnisse: Die Befunde werden interpretiert, wobei die unterschiedlichen Auswirkungen der Merkmale auf die Teamdynamik und die Interventionsmöglichkeiten diskutiert werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Vorkommen der Dunklen Triade in diesem Bereich identifiziert werden konnte und gibt Ausblicke auf die Notwendigkeit professioneller Umgangsweisen.
Schlüsselwörter
Dunkle Triade, Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie, Elementarpädagogik, Sozialpädagogik, Teamarbeit, Emotionsarbeit, antisoziales Verhalten, Persönlichkeitspsychologie, Konfliktkultur, Berufsfeld, Arbeitspsychologie, Führung, Erzieher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Vorkommen und den Auswirkungen von Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie (der „Dunklen Triade“) bei Fachkräften in Kindertageseinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die spezifischen Anforderungen des pädagogischen Berufsfelds, die Identifizierung antisozialer Verhaltensweisen bei Kollegen und die damit verbundenen Herausforderungen für das Teamklima.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, erstmals zu untersuchen, ob und wie diese negativen Persönlichkeitseigenschaften im „weichen“ Feld der Elementarpädagogik auftreten und welche Auswirkungen dies auf die pädagogische Arbeit und die Teamstruktur hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Querschnittsstudie durchgeführt, bei der 50 pädagogische Fachkräfte mittels eines Fragebogens (basierend auf den „Niederträchtigen Neun“) befragt wurden, ergänzt durch eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Abgrenzung des Arbeitsfeldes, der Definition der Dunklen Triade, der Darstellung des Forschungsdesigns sowie der detaillierten Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dunkle Triade, Elementarpädagogik, Teamarbeit, antisoziales Verhalten und Emotionsarbeit.
Warum ist das Ergebnis zum Narzissmus besonders relevant?
Die Studie zeigt, dass über die Hälfte der Befragten narzisstische Verhaltensweisen bei Kollegen wahrnehmen, was auf eine hohe Präsenz dieses Merkmals im pädagogischen Alltag hindeutet.
Wie unterscheiden sich die Reaktionen bei den verschiedenen Triaden-Merkmalen?
Während Narzissmus oft noch mit einem gewissen Maß an Gemeinschaftsfähigkeit oder Toleranz innerhalb des Teams verknüpft wird, lösen Machiavellismus und Psychopathie meist eher ablehnende oder distanzierende Reaktionen aus.
Was bedeutet „Mikropolitik“ in diesem Zusammenhang?
Mikropolitik bezeichnet die alltäglichen Strategien von Mitarbeitern zur Machtsicherung oder -erweiterung, wie beispielsweise Anschwärzen oder Koalitionsbildungen, die in einem harmonieorientierten Umfeld wie dem Kindergarten zu Konflikten führen können.
- Arbeit zitieren
- Heidi Roloff (Autor:in), 2019, Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie im Kontext der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513136