Jede unternehmerische Tätigkeit ist mit Risiken verbunden, ökonomischen Risiken können Chancen gegenüber stehen. Risikomanagement im anglo-amerikanischen Raum hat seinen Ursprung im Management versicherbarer Risiken, das umfassende Risikomanagement des deutschsprachigen Raums stellt ein Managementsystem zur Unterstützung der Führung dar. Zentraler Bestandteil des operativen Risikomanagements ist der Prozess aus Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikobewältigung sowie Risikoüberwachung. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich im Jahr 1998 stellt Risikomanagement eine gesetzliche Verpflichtung für Unternehmensleitungen fast jeder Organisationsform dar.
Die Ausgestaltung des Risikomanagementsystems ist dabei nicht gesetzlich vorgeschrieben. Eine mögliche Ausführung eines Systems wird vorgestellt. Für die Ausgestaltung sind die Existenz einer Risikomanagement-Strategie, das Vorhandensein einer Risikomanagement-Kultur sowie ein organisationaler Rahmen des Systems notwendig. Zusammen mit dem Frühwarnsystem, dem Risikocontrolling und einem internen Überwachungssystem bilden diese Elemente das Risikomanagementsystem.
Der Krankenhausmarkt befindet sich derzeit in einem risikoreichen Umfeld. Das Metaziel des Risikomanagements, die Existenzsicherung des Unternehmens, ist gerade für Krankenhäuser als Dienstleistungsunternehmen mit seinen branchenspezifischen Risiken aktueller denn je. Nicht nur die Einführung der DRGs mit den damit verbundenen ökonomischen Auswirkungen stellt ein großes Risikopotential für Kliniken dar. Risiken aus dem Behandlungsprozess des Patienten, patientenorientiert im Sinne der Vermeidung von Behandlungsfehlern oder haftungsorientiert im Sinne der Verringerung der haftungsrechtlichen Ansprüche von Patienten gegenüber dem Krankenhaus, bieten eine große Bandbreite für das Risikomanagement im Krankenhaus.
Die Verantwortung und somit auch Entscheidung für die Einrichtung eines Risikomanagementsystems liegt beim Träger, bzw. bei der Unternehmensführung. Die Implementierung sollte im Rahmen eines Projektes erfolgen. Nach einer Pilotphase ist das Risikomanagement im ganzen Unternehmen einzuführen und als Regelkreis fest im Unternehmen zu verankern. Schritte der Implementierung von der Entscheidung bis zur Abschlussevaluation des Projektes werden vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zum Risikomanagement
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 "Risiko" und "Chance"
2.1.2 Abgrenzungen des Begriffes Risiko
2.1.3 Ursprung des Risikomanagements
2.1.4 Risk Management versus Risikomanagement
2.2 Kategorisierung und Systematisierung von Risiken
2.3 Ziele des Risikomanagements
2.4 Ebenen des Risikomanagements
2.4.1 Normatives Risikomanagement
2.4.2 Strategisches Risikomanagement
2.4.3 Operatives Risikomanagement
2.5 Ansätze des Risikomanagements
2.5.1 Menschliches Fehlverhalten als Ausgangspunkt von Risiken
2.5.2 Einsatz technischer Systeme als Ausgangspunkt von Risiken
2.5.3 Organisationsfehler als Ausgangspunkt von Risiken
2.6 Der Risikomanagementprozess
2.6.1 Phase 1: Risikoidentifizierung
2.6.2 Phase 2: Risikobewertung
2.6.3 Phase 3: Risikobewältigung
2.6.4 Phase 4: Risiko-Controlling
2.7 Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements
2.7.1 Corporate Governance als Auslöser für Gesetzesänderungen
2.7.2 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
2.7.3 Kreditwesengesetz
2.7.4 rechtliche Verpflichtung für Nicht-Kapitalgesellschaften
2.7.5 Baseler Eigenkapitalrichtlinien
3 Risikomanagementsystem
3.1 Systembildende Elemente
3.1.1 Risikomanagement-Strategie
3.1.2 Risikomanagement-Organisation
3.1.3 Risikomanagement-Kultur
3.2 Systemkoppelnde primäre Elemente
3.2.1 Frühwarnsystem
3.2.2 Risikocontrolling
3.2.3 Internes Überwachungssystem
3.3 Systemkoppelnde sekundäre Elemente
3.3.1 Risikomanagement und Qualitätsmanagement
3.3.2 Risikomanagement und Balanced Scorecard
3.4 Risikomanagement-Handbuch
3.5 EDV-Unterstützung des Risikomanagements
4 Risikomanagement im Krankenhaus
4.1 aktuelle Situation der Krankenhäuser
4.2 Risiken und Chancen der Krankenhäuser
4.2.1 ökonomische Risiken der Krankenhäuser
4.2.2 Risiken des klinischen Risikomanagements
4.3 Instrumente des Risikomanagements in Krankenhäusern
4.3.1 Incident Reporting System
4.3.2 klinische Behandlungspfade mit integrierten Risiko-Kontrollpunkten
4.4 Notwendigkeit des Risikomanagements für Krankenhäuser
5 Implementierung eines Risikomanagementsystems in einem Krankenhaus
5.1 Implementierung im Rahmen eines Projektes
5.2 Entscheidung der Unternehmensleitung
5.3 Workshop des Top-Managements
5.3.1 Unternehmensziele
5.3.2 Umfang einzubindender Ressorts, Abteilungen, Prozesse
5.3.3 Festlegung der spezifischen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche
5.3.4 Definition der Wesentlichkeitskriterien
5.3.5 Definition der Risikoarten
5.3.6 Festlegung der Berichtsform
5.4 Analyse der Momentansituation des Unternehmens
5.5 Analyse einzelner Abteilungen
5.6 Konzeption des Risikomanagements
5.6.1 Festlegung der Verantwortungen und Aufgaben des Risikomanagement-Prozesses
5.6.2 Festlegung von aussagekräftigen Frühwarnindikatoren
5.6.3 Ausgestaltung des Risikomanagement-Handbuchs
5.6.4 Auswahl geeigneter Software
5.7 Pilotphase
5.8 Einführung des Risikomanagements
5.9 Evaluation des Risikomanagementsystems
5.9.1 Evaluation der Implementierung
5.9.2 regelmäßige Audits
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über das Risikomanagement im Krankenhaus zu geben und einen möglichen Projektverlauf für die Implementierung eines solchen Managementsystems darzustellen, um die Existenzsicherung des Krankenhauses zu unterstützen.
- Grundlagen und Begriffsbestimmungen des Risikomanagements
- Rechtliche Anforderungen an ein Risikomanagementsystem
- Risikokategorien im Krankenhausumfeld
- Klinisches Risikomanagement als zentrales Instrument
- Projektmanagement bei der Implementierung von Managementsystemen
Auszug aus dem Buch
2.6.1.1 Kollektionsmethoden
Zur Identifikation bestehender bzw. offensichtlicher Risiken eignen sich vorwiegend Kollektionsverfahren (vgl. Romeike 2003b: 174). Es werden im Folgenden die Methoden Checklisten, SWOT-Analyse, Interview, Self-Assessment und Risikoidentifikations-Matrix kurz dargestellt:
Checklisten
Die in der Praxis am häufigsten angewendete Form, Risiken zu identifizieren, ist die Verwendung von Checklisten. Hiermit werden in der Regel Risikoquellen identifiziert. Eine Schwierigkeit bei der Verwendung von Checklisten ist der hohe Aggregationsgrad, da in der Regel nicht auf die Einzelrisiken und deren Wechselwirkungen geschlossen werden kann. Eine weitere Problematik bei der Fokussierung auf Checklisten liegt in der mangelnden Vollständigkeit und dem starren Raster, was "...dem revolvierenden Charakter der Risikoidentifikation entgegensteht." (Romeike 2003b: 175) Checklisten können daher allenfalls einen Ausgangspunkt für die Risikoidentifikation darstellen (vgl. a.a.O.: 175).
SWOT-Analyse
Mit Hilfe der SWOT-Analyse (SWOT = strenths, weaknesses, opportunities and threats) können aus der Markt-, Wettbewerbs- und Organisationsanalyse Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken abgeleitet werden. Das Ergebnis der Analyse ist eine genaue Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Zustandes. Sie liefert klare Erkenntnisse über den Ist-Zustand der eigenen Organisation (Kernkompetenzen), die Zielgruppen (Zielgruppenfokus und -bedürfnisse), das Wettbewerbsumfeld (Positionierung, Leistungsumfang, Alleinstellungsmerkmale) und die Aufstellung im Markt (Marktpräsenz) (vgl. a.a.O.: 175).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Wahl des Themas Risikomanagement im Krankenhaus vor dem Hintergrund aktueller gesetzlicher Entwicklungen und der Notwendigkeit zur systematischen Risikofrüherkennung.
2 Grundlagen zum Risikomanagement: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe und erläutert die verschiedenen Ebenen, Ansätze sowie den klassischen Prozess des Risikomanagements.
3 Risikomanagementsystem: Hier werden die strukturellen Komponenten eines Risikomanagementsystems, einschließlich Strategie, Organisation und technischer Unterstützung, detailliert beschrieben.
4 Risikomanagement im Krankenhaus: Das Kapitel beleuchtet die spezifische Situation von Krankenhäusern und differenziert zwischen ökonomischen sowie klinischen Risiken, insbesondere in Bezug auf Behandlungsqualität und Haftungsrecht.
5 Implementierung eines Risikomanagementsystems in einem Krankenhaus: Dieser Abschnitt dient als praktischer Leitfaden für die projektbasierte Einführung eines Risikomanagementsystems, von der Entscheidung bis zur Evaluation.
6 Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Bedeutung von Risikomanagement als Führungsinstrument zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer Etablierung in Deutschland analog zu internationalen Standards.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Krankenhaus, Risikokultur, Risikostrategie, Risikoanalyse, Risikoidentifizierung, Risikobewertung, Risikobewältigung, Risikocontrolling, Patientensicherheit, Behandlungsfehler, Haftungsrecht, KonTraG, Projektmanagement, Qualitätsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung eines Risikomanagementsystems im Krankenhausumfeld.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen des Risikomanagements, rechtliche Rahmenbedingungen wie das KonTraG, klinische Risiken im Behandlungsprozess sowie Methoden zur Einführung eines solchen Systems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Krankenhäuser ihre Existenzsicherung durch eine systematische Identifizierung, Bewertung und Steuerung von Risiken stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die theoretische Konzepte des allgemeinen Risikomanagements auf die spezifischen Anforderungen und Prozesse im Krankenhaus überträgt.
Was beinhaltet der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Grundlagen, der spezifischen Risiken im Krankenhaussektor und der konkreten Schritte für den Projektverlauf einer Implementierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Risikomanagement, Krankenhaus, Patientensicherheit, Risikoanalyse, Haftungsrecht, Implementierung und Prozessoptimierung.
Warum ist Risikomanagement speziell für Krankenhäuser wichtig?
Aufgrund von DRG-Fallpauschalen, steigendem Wettbewerbsdruck und komplexen Haftungsrisiken bei Behandlungsfehlern ist ein systematischer Umgang mit Risiken für Krankenhäuser essenziell zur Existenzsicherung.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Einführung?
Eine positive Fehlerkultur ist zwingend erforderlich, damit Mitarbeiter Risiken offen ansprechen und als Lernchancen begreifen können, anstatt Fehler zu verschleiern.
- Quote paper
- Dipl.-Pflegewirt (FH) Stefan Ertl (Author), 2005, Risikomanagement im Krankenhaus. Implementierung eines Managementsystems zur Minimierung von Risiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51316