Die dialogisch-therapeutische Beziehung in der Gestalttherapie


Examensarbeit, 2019

32 Seiten, Note: angenommen und bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangspunkt der therapeutischen Beziehung in der Gestalttherapie

3. Die dialogische Beziehung nach Martin Buber
3.1. Die Ich-Es-Beziehung
3.2. Die Ich-Du-Beziehung
3.3. Das Zwischen
3.4. Gegenwärtigkeit - Präsenz
3.5. Umfassung
3.6. Bestätigung

4. Die therapeutische Beziehung in der Gestalttherapie
4.1. Der Beruf des Therapeuten
4.2. Die Rolle des Therapeuten
4.3. Resonanz
4.4. Übertragung
4.5. Intersubjektivität

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorgehensweise bei der Themensuche für eine Abschlussarbeit nach dem 4. Ausbildungsjahr zum Gestalttherapeuten am Hamburger Institut für gestaltorientierte Weiterbildung (HIGW) war nach dem Gestaltansatz phänomenologisch ausgerichtet. Es besteht beim Therapeuten eine beständige Neugier auf sich selbst in dem Wissen, dass der Mensch mit sich und seinen Themen im Austausch mit dem Umweltfeld und im stetigen Wandel steht. In der Arbeit mit Klienten richtet sich der Fokus auf die therapeutische Beziehung mit ihren verschiedenen Merkmalen, die sie ausmacht. Die therapeutische Beziehung ist eine besondere Art von Beziehung, die für den Therapeuten in seiner Rolle von hoher Komplexität gekennzeichnet ist. Der Umgang, die verschiedenen Ebenen des Klienten und das Schwingen zwischen Klient und Therapeut aus der Rolle des Gestalttherapeuten werden miteinbezogen, wahrgenommen und sind entscheidend für die Beziehungsqualität im therapeutischen Raum. Die dialogisch-therapeutische Beziehung in der Gestalttherapie hat den besonderen Charakter, die Erfahrung im Hier und Jetzt zwischen dem Klienten und Therapeuten in den Mittelpunkt zu stellen und eine sog. „Ich-Du-Beziehung“ (nach Martin Buber) zu ermöglichen.

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst (Kapitel 3) die Merkmale der dialogischen Beziehung nach Martin Buber dargestellt. Im Anschluss (Kapitel 4) wird ausgeführt, durch welche weiteren Merkmale sich die dialogische Beziehung in der Gestalttherapie auszeichnet. In begrifflicher Hinsicht wird im Text von „Therapeut“ und „Gestalttherapeut“ die Rede sein, sowie von „dialogisch-therapeutischer Beziehung“ und „therapeutischer Beziehung“. Beide Begriffspaare werden aufgrund der Einheitlichkeit synonym verwendet. Die Abschlussarbeit erhebt trotz ihrer ausführlichen Recherche keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

2. Ausgangspunkt der therapeutischen Beziehung in der Gestalttherapie

Für Fritz Perls, einem Vorreiter und Mitbegründer der Gestalttherapie, besteht die therapeutische Beziehung hauptsächlich aus Stuhlarbeit und Interventionstechniken. Er ist der Auffassung, dass durch die Exploration der Gefühlswelt des Klienten auf dem „heißen Stuhl“ ein Bewusstsein im Hier und Jetzt ermöglicht wird. Der Klient erfährt sich und seine Gefühle mit einer neuen Qualität. Es bewirkt ein emotional lebendiges Erleben seitens des Klienten im therapeutischen Raum. Für Fritz Perls war das lebendige Erleben und Ausagieren der Gefühle durch Techniken der Kern der therapeutischen Beziehung. Die Stuhlarbeit mit ihren verschiedenen Techniken steht hierbei im Fokus seiner Therapie. Das bedeutet, dass nicht der Therapeut als Person sich vorrangig in die Beziehung zum Klienten einbringt, sondern die Stuhlarbeit und Technik-Therapie diesen Platz innehaben. Diese Form von Therapie schafft es nicht, eine wirkliche, persönliche Beziehung zwischen dem Therapeuten selbst und dem Klienten herzustellen. Es ist vorrangig eine Objektbeziehung. Der Klient ist derjenige, der sich erfährt, und der Therapeut ist in seiner Rolle der Experte, der ihn begleitet. (vgl. Fuhr R./Sreckovic M./Gremmler Fuhr M., (Hrsg.) Handbuch der Gestalttherapie, S. 395)

Friedmann drückte es folgendermaßen aus:

„Fritz Perls sah die Autonomie als den Haupt- und Endzweck aller persönlicher Entwicklung an. Das Ich und Du war für ihn ein Mittel zum Zweck der Autonomie und nicht ein Wert an sich. De facto waren sowohl seine Persönlichkeit als auch seine Methoden in höchstem Grade autoritär.“ (Maurice Friedmann, der heilende Dialog in der Psychotherapie: 1987, S. 138)

Anders als bei Fritz Perls sieht Lore Perls umfassendere Aspekte, die eine therapeutische Beziehung ausmachen. Sie findet die Therapieart von Fritz Perls zu einseitig und kurzfassend. Ihrer Auffassung nach lässt eine zum größten Teil aus Interventionen und Technik bestehenden Therapie keine ehrliche und aufrichtige Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten zu. Der Klient wird zum Objekt der Therapie an dem der Therapeut sich ausprobiert und die Möglichkeit hat sich auf unpersönlich-technische Weise zu erproben.

Insbesondere betont Lore Perls die Haltung zum Klienten.

Lore Perls „versteht Therapie als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die Aufgabe von Therapie sieht sie in der Herstellung einer existenziellen mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinen Patienten.“ (Blakertz S. und Doubrawa E., 2005: Lexikon der Gestalttherapie, S.218).

Sie erweitert ihre Betrachtung, indem sie sich mit dem Dialog in der therapeutischen Beziehung nach Martin Buber auseinandersetzte, der zur Grundlage und zum Prinzip der therapeutischen Beziehung in der Gestalttherapie wurde. Lore Perls stellt deutlich heraus, dass Gestalttherapie keine Technik, sondern eine Einstellung ist. Es war ihr wichtig, wie sie mit Menschen zusammen war. (vgl. Fuhr R./Sreckovic M./Gremmler Fuhr M. (Hrsg.) Handbuch der Gestalttherapie, S. 396 f.)

Die Gestalttherapie nimmt die dialogische Beziehung als Grundlage der Begegnung mit Menschen auf. Im Theorieteil der Abschlussarbeit werden die Ich-Es-Beziehung, die Ich-Du-Beziehung und das Zwischen sowie die Merkmale Bestätigung, Umfassung und Gegenwärtigkeit (nach Martin Buber) vorgestellt, mit ihrem Bezug auf die Bedeutung für die therapeutische Beziehung und die Rolle des Therapeuten.

3. Die dialogische Beziehung nach Martin Buber

Für die Entwicklung des Dialogverständnisses in der Gestalttherapie ist Martin Buber eine Leitfigur. Über den Dialog entsteht Beziehung, ohne Dialog kann es keine Beziehung zwischen Menschen geben. Der Dialog nach Martin Buber umfasst das Zwischenmenschliche, das Zwischen in der Begegnung von zwei Menschen. Das ist der Ansatz seiner dialogischen Philosophie:

„Nach Martin Buber gibt es kein isoliertes Ich als solches, sondern es existiert ausschließlich in zwei Grundworten: dem Grundwort Ich-Du und dem Grundwort: Ich-Es. Sie unterscheiden sich, weil sie gleichzeitig zwei grundlegenden Arten von Beziehungen charakterisieren“ (vgl. Fuhr R./Sreckovic M./Gremmler-Fuhr M. (Hrsg.) Handbuch der Gestalttherapie, S. 396).

„Kurz gesagt, „findet das Dialogische im Bereich des „Zwischen“ statt, gekennzeichnet von den zwei Polaritäten: Ich-Du und Ich-Es. Diese spiegeln die zwei Grundhaltungen, die ein Mensch in der Beziehung zu anderen und zur Welt überhaupt einnehmen kann“ (Hycner R., 1989: Zwischen Menschen, S. 21).

Die dialogische Beziehung in der Gestalttherapie legt ihren Fokus nach Martin Buber auf eine heilende Beziehung durch Begegnung. Das bedeutet, dass eine Ich-Du-Beziehung zwischen dem Klienten und Therapeuten vorrangig erlebt und erfahren werden soll.

Richard Hycner weist darauf hin, dass die dialogische Beziehung nicht nur Ich-Du-Augenblicke, sondern auch Ich-Es-Augenblicke umfasst. Das Dialogische ist eher als Kontext oder Hintergrund beschrieben, der sowohl Ich-Du als auch Ich-Es-Augenblicke umschließt. Außerdem kommt Hycner zu der Aussage, dass der Dialog in keiner von zwei Personen zentriert ist, aber in beiden seinen Ursprung hat. Daher hat der Dialog die Merkmale sowohl der Eigenständigkeit oder Getrenntheit als auch der Bezogenheit in einem (vgl. Fuhr R./Sreckovic M./Gremmler-Fuhr M. (Hrsg.), 1999 und 2001:Handbuch der Gestalttherapie, S. 400).

Friedhelm Matthies beschreibt das Dialogische folgendermaßen:

„Jeder Dialog ist Kontakt, allerdings ist nicht jeder Kontakt Dialog.“

„Das Dialogische ist eine Haltung nach Offenheit gegenüber Andersheit und Einzigartigkeit der anderen Person. Es ist keine Technik. Im Dialog lernen wir, das Unvollständige, die Mehrdeutigkeit und die Zwiespältigkeit als zu uns gehörig zu akzeptieren und das Tempo individueller Veränderung zu respektieren. Das Dialogische ist die Bereitschaft, sich dem Zwischen hinzugeben.“

(Matthies, F., 2014: Was ist Gestalttherapie? Theoretische Schwerpunkte der Gestalttherapie am HIGW, S. )

In den nächsten Kapiteln der Arbeit werden die Ich-Du- und die Ich-Es-Beziehung im Konkreten mit ihrem Zweck und Sinn in der Gestalttherapie genauer beschrieben.

3.1. Die Ich-Es-Beziehung

Bevor die Ich-Es-Beziehung in diesem Kapitel erörtert wird, ist zu erwähnen, dass das Leben aus Ich-Du- und aus Ich-Es-Beziehungen besteht. Jede Interaktion zwischen Menschen weist gleichzeitig beide Dimensionen nach Richard Hycner auf. Als Gegebenheiten durchziehen die beiden Beziehungsarten alle Bereiche des menschlichen Lebens, in denen Menschen auf Menschen treffen. Ich-Du und Ich-Es werden nach Martin Buber auch als Modi bezeichnet, die in der dialogischen Beziehung bestehen. Jede der beiden Beziehungsformen hat seine Berechtigung, Sinn und Zweck, die die dialogische Beziehung bereichern und prägen.

Friedhelm Matthies erläutert:

„Ich-Es“ ist orientiert am Eigenwesen (Individuum). In der Ich-Es-Haltung distanziert sich das Subjekt, grenzt sich ab und geht mit dem Es funktional, analytisch und zweckorientiert um“ (Matthies, F. 2014: Was ist Gestalttherapie? Theoretische Schwerpunkte der Gestalttherapie am HIGW, S. 40) .

Kurz gesagt: “Das Ich in einer Ich-Es-Beziehung sagt ‚er‘, ‚sie‘ oder ‚es‘. Die andere Person wird nicht direkt angesprochen als Person“

Es wird deutlich, dass der Kontakt in der Ich-Es-Beziehung im Gestaltsinne kein wirklicher Kontakt ist. Wirklicher Kontakt setzt voraus, dass Klient und Therapeut sich als gleichwertige Partner begegnen und dass sie dabei einander seelisch berühren.

Das Abgrenzen des Subjekts zum Es ist dadurch gegeben, dass Projektionen, Phantasien, Bewertungen und Vorstellungen des Therapeuten vom Klienten bestehen. Sie geben dem Therapeuten Sicherheit im Umgang mit dem Klienten in einer Ich-Es-Beziehung. Es ist die Aufgabe des Therapeuten bewusst wahrzunehmen, dass er die Ich-Es-Beziehung mitprägt. Der Therapeut ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Distanz zum Klienten. In dieser Haltung kann das Es nicht zum Du werden. Aus diesem Grund ist es für den Therapeuten und für die dialogische Beziehung von essentieller Bedeutung, ob er bewusst in der Ich-Es-Beziehung mit dem Klienten bleibt oder in die Ich-Du-Beziehung übergeht, indem er sich als Mensch mit seinem „Sein“ in die Beziehung einbringt.

Zu Beginn einer dialogischen Beziehung in der Therapie ist es vorrangig eine Subjekt-Objekt-Beziehung (Ich-Es), die von Seiten des Therapeuten ausgeht und vom Klienten erfahren wird: Der Therapeut bespricht die Rahmenbedingungen, das Honorar, den zeitlichen Ablauf. Formal betrachtet ist die dialogisch-therapeutische Beziehung eine zwischen Helfer und Hilfesuchenden. Innerhalb dieser Beziehung hat der Therapeut beide Beziehungsformen bewusst inne und reflektiert diese in seinem professionellen Kontext. Die Ich-Es-Beziehung gibt beiden (Klient und Therapeut) Sicherheit in der Anfangsphase und lässt im Laufe des Prozesses Nähe zu, die vermehrt Ich-Du-Augenblicke entstehen lässt. Es zeigt auf, dass zu Beginn der Therapie die Ich-Es-Beziehung vorherrschend ist und als Gegebenheit dazu gehört. Die beiden Beziehungsformen nach Buber können in der Reflexion des Therapeuten getrennt voneinander betrachtet werden, bestehen aber gleichzeitig und parallel in der dialogischen Beziehung. In der Bewertung der beiden Beziehungsformen stellt die Ich-Es-Beziehung keine minderwertige dar, sondern eher eine mit technisch-instrumentalisierter Qualität, die sich zur Qualität der Ich-Du-Beziehung unterscheidet. Das Es, aus der Ich-Es-Beziehung kann im Laufe des gestalttherapeutischen Prozesses zum Du, zu einer Ich-Du-Beziehung werden. Es geht im Wesentlichen um die Beziehung des Klienten mit dem Therapeuten im Raum. Dort erleben beide die Ich-Du-Augenblicke und spüren sich im Zwischen. (vgl. Blanertz S./Doubrawa E., 2005: Lexikon der Gestalttherpie, S.44 f.)

3.2. Die Ich-Du-Beziehung

Die Ich-Du-Beziehung ist eine Beziehung vom Mensch zu Mensch. Es erfordert eine Haltung, in der sich Klient und Therapeut emotional berühren lassen und Gefühle spürbar werden. Die Ich-Du Beziehung stellt die Basisakzeptanz in der Gestalttherapie dar:

Die dialogische Begegnung findet auf einer Ebene des Unmittelbaren, Persönlichen statt. Sie ist eine Ich-Du-Begegnung von Subjekt zu Subjekt. Wir unterscheiden zwischen einer Ich-Du-Begegnung und einer Ich-Du-Haltung. Eine Ich-Du-Begegnung kann nur dann stattfinden, wenn wir beide dafür offen sind“ (Matthies F., 2014: Was ist Gestalttherapie? Theoretische Schwerpunkte der Gestalttherapie am HIGW, S. 40 f.) .

Ich-Du und Ich-Es „gehören zusammen wie Leben und Tod“. Auch wenn Buber dem Dialogischen mehr Aufmerksamkeit gibt, wertet er das Ich-Es nicht ab. Er weist allerdings darauf hin, dass echte Erneuerung für Menschen und Gemeinschaft nur aus dem Zwischen gedeiht (Muth C., 2015: Das Zwischen!?, S. 24)

3.3. Das Zwischen

In diesem Kapitel werden die Merkmale, die das „Zwischen“ kennzeichnen, erklärt.

Nach Martin Buber umfasst das Zwischen das Ich und das Du einerseits, wenn der Dialog in der Gegenwart vollzogen wird. Bedeutet diese Tatsache, dass ohne Gegenwärtigkeit und Gegenseitigkeit eine Ich-Du-Beziehung nicht möglich, ist? Wird das Zwischen als Gegenstand betrachtet, befinden wir uns nach Martin Buber im sogenannten Ich-Es-Modus. Sind wir Teil des aktuellen Zwischenmenschlichen, leben wir im Ich-Du-Modus und befinden uns im Zwischen. In der dialogischen Beziehung befinden sich Klient und Therapeut in der Ich-Du-Beziehung, wenn beide gegenwärtig aufeinander bezogen sind und eine Gegenseitigkeit zwischen Ihnen entsteht (vgl. Fuhr R./Sreckovic M./Gremmler-Fuhr M. (Hrsg.) Handbuch der Gsestalttherapie, S.396).

Anders gesagt:

„Das Zwischenmenschliche ist der Bereich, in dem wir sowohl getrennt als auch in Beziehung sind. Gesunde Existenz besteht in diesem immer veränderbaren rhythmischen Gleichgewicht von Getrenntheit und Bezogenheit“ (Hycner R., 1989: Zwischen Menschen, S. 24).

In der dialogisch-therapeutischen Beziehung ist es die Aufgabe des Gestalttherapeuten, das rhythmische Ungleichgewicht von Getrenntheit und Bezogenheit wahrzunehmen, in Kontakt mit dem Klienten beide Pole anzusprechen und im Raum gemeinsam mit dem Klienten zu erleben. Der Klient befindet sich mit seinem Leiden häufig an einem der beiden Pole, wo die Schwingungsfähigkeit durch die Fixierung an einen Pol unterbrochen ist.

„Das Zwischen schließt die Getrenntheit und Bezogenheit in der Ich-Du-Beziehung mit ein und gehört auch zu dem Zwischen. Es ist der verbal nicht fassbare Bereich, der größer ist als die Summe zweier oder mehrerer individueller Identitäten, der Punkt des Kontakts jenseits unserer individuellen Identität.“ (Hycner R., 1989: Zwischen Menschen, S. 23)

Der mit Worten nicht greifbare Bereich wird in der Ich-Du-Orientierung zwischen Klient und Therapeut erleb- und spürbar, wo es Momente der Gegenseitigkeit gibt. Die gegenwärtigen Momente der Gegenseitigkeit zwischen Klient und Gestalttherapeut sind das spürbare Zwischen:

„Das Zwischen hat zwei Seiten. Es zeigt sich im Dialog und im Denken, Erfahren und Sprechen. Dialogisch heißt, dass mein Sein immer ein Mit-Sein mit anderen Menschen ist, phänomenologisch bedeutet, dass ich mir leibhaftig bewusst werde, in welchem Modus ich die Welt und meine Mitmenschen wahrnehme“ (vgl. Muth C., 2015:Das Zwischen!?, S.11).

„Das, was zwischen Ich und Du sich ausdrückt ist Gegenseitigkeit und Unmittelbarkeit. Als Geschehen ist das Zwischen unsichtbar.“ (Muth C., 2015: Das Zwischen!?, S. 34).

Das Zwischen ist das, was Ich und Du in der Gegenwart am Leib spüren. Das setzt nach Buber voraus, dass wir eine „Urdistanz“ innehaben, um menschliche Beziehungen eingehen zu können: Buber führt dazu aus,

„dass allein durch unser Menschsein wir im Ich-Es-Modus leben und uns die Umwelt zum Objekt machen. Durch die Urdistanzierung können wir einen Dialog mit unserer Umwelt führen und somit der Urwirklichkeit begegnen. Die Urwirklichkeit ist dann das Zwischen, weil es sich im Zwischen der Menschen gründet. Das Zwischen ist somit Bedingung für die Realisierung meines Mit-Seins“ (Muth C., 2015: Das Zwischen?!, S. 22).

Das bedeutet, dass ohne Urdistanzierung ein Mit-Sein und somit eine gegenwärtige, auf Gegenseitigkeit basierende Ich-Du-Beziehung nicht möglich ist. Nach Votsmeier-Röhr und Wolf ist

„die Urdistanz nach Buber die Voraussetzung, den anderen als Subjekt zu erfahren und mit ihm tatsächlich in Beziehung treten zu können. Es geht hierbei um das Anerkennen der selbstständigen Anderheit des anderen, und dies ermöglicht Klient und Therapeut in der Therapie für sich zu sein und den anderen für sich sein zu lassen“ (Votsmeier-Röhr/Wolf, 2017: Gestalttherapie, S. 61).

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die dialogisch-therapeutische Beziehung in der Gestalttherapie
Veranstaltung
Gestalttherapie
Note
angenommen und bestanden
Autor
Jahr
2019
Seiten
32
Katalognummer
V513210
ISBN (eBook)
9783346106964
ISBN (Buch)
9783346106971
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Abschlussarbeit wird nicht benotet. Die Bewertung der Abschlussarbeit beinhaltet angenommen oder nicht angenommen. Die Abschlussarbeit wurde vom Institut angenommen.
Schlagworte
beziehung, gestalttherapie
Arbeit zitieren
Joannis Lederis-Keller (Autor:in), 2019, Die dialogisch-therapeutische Beziehung in der Gestalttherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513210

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