Erziehungsstil und Bindungsmuster in der stationären Jugendhilfe


Hausarbeit, 2019
9 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bindungstheorie nach John Bowlby
2.1 Bindungsverhalten - Explorationsverhalten
2.2 Feinfühligkeit und Bindungsqualität

3. Definition Heimerziehung und rechtliche Grundlage

4.2 Die Jugendlichen
4.3 Psychopathologische Auffälligkeiten
4.3.1 Methode
4.3.2 Ergebnisse
4.4 Die Bindungsorganisation der Jugendlichen
4.4.1 Methode
4.4.2 Ergebnis
4.5 Zusammenfassung der Studie

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich untersuche das Thema Bindung in stationärer Jugendhilfe, weil ich wissen möchte, welche Bindungsmuster Jugendliche in stationärer Jugendhilfe haben und ob der Erziehungsstil der Fachkräfte einen Einfluss auf die Entwicklung der Bindungsfähigkeit haben kann. Relevant ist dies, weil es zu verstehen gilt, welchen Einfluss frühe Bindungen auf die Entwicklung des Kindes haben. Hierzu möchte ich unter anderem die Bindungstheorie in dieser Arbeit theoretisch darstellen Unter dem Titel „Bindung bei Jugendlichen im Heim" wird eine empirische Untersuchung vorgestellt, welche sich mit dem vorgenannten Thema befasste und dabei zu eindeutigen Ergebnissen kam. In: „Der heimliche Wunsch nach Nähe - Bindungstheorie und Heimerziehung“, wird der Alltag zeitgemäßer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe auf den Prüfstand gestellt. Untersucht werden sie hinsichtlich gegebenen Strukturen, welche die Entwicklung von Bindung nach den Erkenntnissen der Bindungsforschung negativ beeinflussen können, sowie damit einhergehende Problematiken für die Gestaltung der Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen.

Die Bindungstheorie, welche von dem englischen Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby (1907-1990) bereits in den 1950er und 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts formuliert und in den nächsten Jahrzehnten durch die Erkenntnisse der Bindungsforschung weiterentwickelt wurde, beschäftigt sich mit dem Einfluss von Bindungserfahrungen auf die Anpassungsfähigkeit und somit auf die Entwicklung seelischer Gesundheit bzw. Krankheit (vgl. Bowlby 2018, S. 16).

Die Bindungstheorie beschäftigt sich mit den Bedingungen und Kriterien, welche sowohl zu einer gesunden Persönlichkeit als auch zu Entwicklungsbeeinträchtigungen und Störungen der Persönlichkeit führen, und thematisiert damit nicht nur die Inhalte und Probleme der sozialen Arbeit, sondern bietet auch effektive Lösungsansätze an. Deshalb stellt die Bindungstheorie den Bezugsrahmen für das Thema der vorliegenden Arbeit dar.

2. Bindungstheorie nach John Bowlby

„Wenngleich das Bindungsverhalten während der Kindheit besonders deutlich sichtbar ist, wird angenommen, dass es für den Menschen von der Wiege bis zum Grab charakteristisch ist“ (Bowlby zitiert nach Collin et al., 2012, S. 276).

Auch wenn es Kritik an den Forschungsergebnissen von Bowlby gibt, ist er der einflussreichste Forscher bis heute. Die Spektakulären Experimente von Mary Ainsworth und Harry Harlow basieren auf seiner Theorie. Bowlby ist es zu verdanken, dass heutzutage Kinder bevorzugt in Pflegefamilien, statt in Waisenhäusern aufgenommen werden (vgl. Collin et. al. S. 277). Bowlby beschrieb die Grundlagen der Bindungstheorie in seinem dreibändigen Werk „Bindung" (1969), „Trennung" (1973) und „Verlust" (1980), das insgesamt über 1200 Seiten umfasst. Er verdeutlichte seine Theorie in dem bekannten Film „A two-year-old goes to hospital"

Unter Bindung versteht Bowlby „ein durch spezifische Faktoren gesteuertes starkes Kontaktbedürfnis gegenüber bestimmten Personen [...]" (Bowlby 2018, S. 22).

Die Bindungstheorie sagt aus, dass ab dem Säuglingsalter eine angeborene stark emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson entwickelt. Dies zeigt sich dadurch, dass das Kind weint, wenn es von der Bindungsperson getrennt wird. Bei Traurigkeit diese vermisst, weil sie sonst tröstet. Das Kind sucht sich ersatzweise auch sekundäre Bezugspersonen wie den Vater oder die ihm bekannten Großeltern. Für das noch unreife und unbeholfene Kind bedeutet die Schutzfunktion der Bezugsperson Lebensnotwendigkeit (vgl. Bowlby 1988 zit. nach Brisch 2018, S. 222).

2.1 Bindungsverhalten - Explorationsverhalten

Zwei wesentliche Begriffe in der Bindungstheorie sind die Bindungs- und Explorationsverhalten. Bindungsverhalten kann nur dann gestärkt werden, wenn das Kind sich sicher fühlt. Dies sollte auch in Situationen sein, wenn Gefahr droht. Es ist Voraussetzung um die Umwelt beruhigt erkunden zu können.

2.2 Feinfühligkeit und Bindungsqualität

Verhält sich die Pflegeperson feinfühlig, so nimmt sie die Anzeichen wie das Weinen eines Kindes wahr und reagiert entsprechend. Sie tröstet das Kind, wenn es weint und kümmert sich um das Wohlbefinden täglich mehrere Male, sobald dies eingefordert wird. Das Kind entwickelt eine sichere Bindung, denn es merkt diese Bezugsperson befriedigt sein Anliegen. Direkte Bezugspersonen, die diese Befriedigung und Interaktion nicht sicherstellen zu diesen entwickelt das Kind häufig eine unsichere Bindung (vgl. Brisch 2017, S.36 f).

3. Definition Heimerziehung und rechtliche Grundlage

In dem Buch von Greving/Heinemann „Praxisfeld Heimerziehung" sind einige unterschiedliche Definitionen zu Heimerziehung zu finden. Dies zeigt unter anderem auf wie komplex doch dieses Arbeitsfeld ist. Jedes Heim hat seine ganz eigenen unterschiedlichen Schwerpunkte in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Diese können Alter der Jugendlichen, große, kleine Gruppen, Wohnen in der Stadt, auf dem Land. Wenige bzw. ausreichende Anzahl der Mitarbeiterinnen und andere Faktoren sein. Die heutige moderne Jugendhilfe stellt sich in vielfältigen Formen dar, eine umfassende Beschreibung aufzuzeigen ist nicht möglich. Hier im Folgenden die jüngste der verschiedenen Definitionen von Günder „Heimerziehung und die sozialpädagogische Betreuung in sonstigen Wohnformen haben die zentrale Aufgabe, positive Lebensorte für Kinder und Jugendliche zu bilden, wenn diese [...]“ (Günder 2011 zit. nach Greving/Heidemann 2017, S. 36)

Die rechtliche Grundlage hat die Heimerziehung im Sozialgesetzbuch (SGB), Achtes Buch (VIII), Kinder und Jugendhilfe (KJHG) § 34. Ihr Ziel ist von Gesetzes wegen die Erziehung. Jeder junge Mensch hat ein Anrecht darauf. Damit ist Verbunden ihn zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Person werden zu lassen. Die Maßnahmen der Jugendhilfe sollen zu diesem Recht verhelfen. Die Erziehung von Kindern im Heim soll Kindern und Jugendlichen eine andere, verbesserte Lebensweltorientierung geben und sie so gut wie möglich in ihrer Entwicklung begünstigen. Doch dies ist in der Praxis immer wieder mit Schwierigkeiten verbunden. Die Autoren Freigang/Wolf beschreiben in ihrem Buch über Schichtdienst und Fluktuation. Die Betreuerinnen im Heim müssen flexibel im Schichtdienst und hoher Fluktuation zu einer Bezugsperson für ein Kind werden, welches Empathie und ein Eingehen auf seine Bedürfnisse nicht kennt. Für die Mitarbeiterinnen ist es der Arbeitsplatz, für die Kinder und Jugendliche das zu Hause. Rudolf Günther und Marta Bergler (1992) haben die Fluktuation von Mitarbeiterinnen in der Jugendhilfe untersucht, 45% der befragten waren weniger als zwei Jahre in ihrer Einrichtung angestellt der Durchschnitt in der aktuellen Gruppe 4,4 Jahre, Wenn jeder fünf Jahre bleibt bei vier Mitarbeitern muss sich ein Kind in fünf Jahren auf acht Bezugspersonen einstellen (Günther/Bergler 1992, zit. nach Freigang/Wolf 2001, S.64-66). Es stellt sich deshalb die Frage, wie genau pädagogisch auf diese bindungsunsicheren oder sogar bindungsgestörten Kinder und Jugendlichen in der Heimerziehungspraxis eingegangen werden kann, um ihnen einen Weg zu einem sicheren Bindungskonzept aufzuzeigen und welche Rahmenbedingungen dafür zu beachten sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Erziehungsstil und Bindungsmuster in der stationären Jugendhilfe
Autor
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V513288
ISBN (eBook)
9783346093103
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehungsstil, bindungsmuster, jugendhilfe
Arbeit zitieren
Birgit Driendl (Autor), 2019, Erziehungsstil und Bindungsmuster in der stationären Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513288

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erziehungsstil und Bindungsmuster in der stationären Jugendhilfe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden