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Politische Theorien zum Thema Armut und deren Reichweite

Title: Politische Theorien zum Thema Armut und deren Reichweite

Term Paper , 2000 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Dr. Jürgen Budde (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die folgende Arbeit ist ein Versuch, politische Theorien über Armut, Partizipation und Überlebenstrategien von armen/verletzbaren Gruppen in südlichen Ländern mit neueren soziologischen Erkenntnissen zusammenzubringen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Hoffnung, die doch manchmal formal anmutenden Theorien der politischen Partizipation zu dynamisieren, sie aus starren Stufenmodellen in sowohl flexible, gleichwohl analytische Vorstellungen überführen zu können, ohne sie der Beliebigkeit anheim zu geben. Dabei ist es ein wichtiges Anliegen, die von Cilja Harders immer wieder angemahnte Betrachtung von Geschlecht als Strukturkategorie systematisch zu berücksichtigen. Dieses soll folgendermaßen vor sich gehen:

Unter (2) werden Entwicklungs- und Partizipationsmodelle skizziert und der spezifische Charakter und die spezifischen Grenzen von ‚Stufenmodellen‘ diskutiert. Unter (3) werden ich ausführlich den Armuts- und Partizipationsbegriff von Cilja Harders unter Fokussierung ihres feministischen Forschungsdesigns darstellen und unter (4) gegen den Begriff von “encroachment” von Bayat interpretieren. Zur Erweiterung des Horizontes und zur Klärung der Vorstellung von Kapital, die in beiden Arbeiten eine wichtige Rolle spielen, werden ich anschließend Bourdieus Kapitalbegriff skizzieren (5). Zur Wendung des geschlechtssensiblen Blickes und zur Konfrontation mit einem weiteren soziologischen Modell verwende ich unter (6) das “Modell der hegemonialen Männlichkeit” von Connell, um sozusagen einen Beitrag aus ‚Männersicht‘ zu der Geschlechterordnung unter neoliberalen Blickwinkel zu leisten. Dieses ist dann Ausgangspunkt, um unter (7) zu einer Diskussion über die Möglichkeiten von sozialer und politischer Veränderung zu gelangen.

Da sich die Arbeit mit der Doktorinnenarbeit von Cilja Harders befaßt, die gleichzeitig die Leiterin des Seminars und damit auch die ‚erste Adresse‘ ist, habe ich mir erlaubt, an einigen Stellen voraussetzungsreich zu schreiben und die Gedanken, die Cilja Harders in ihrer Arbeit verwendet als bekannt vorauszusetzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Partizipationstheorien

3. Partizipation, Arme und die Kairoer Verhältnisse

3.1. Partiziptionsbegriff

3.2. Feministisches Forschungsdesign

3.3. Netzwerke

3.4. Fazit

4. Die Theorie Bayats: encraochment

5. Der Kapitalbegriff bei Bourdieu

5.1. Soziales Kapital

5.2. Felder und Habitus

5.3. Kritik an Harders Kapitalkonzeption

6. Connell’s hegemoniale Männlichkeit, ein Versuch

6.1. Die Theorie der hegemonialen Männlichkeit

6.2. Money makes the world go round...

6.3. Was hat das mit Kairo zu tun?

7. Wie entstehen soziale Veränderungen?

Zielsetzung und Forschungsfokus

Die vorliegende Arbeit untersucht politische Theorien über Armut, Partizipation und Überlebensstrategien von vulnerablen Gruppen in südlichen Ländern, insbesondere am Beispiel Kairo. Das primäre Ziel ist es, klassische, oft starre Partizipationsmodelle durch neuere soziologische Erkenntnisse zu dynamisieren und dabei Geschlecht als zentrale Strukturkategorie zu integrieren.

  • Kritik an geschlechtsblinden und elitenzentrierten Partizipationstheorien
  • Analyse informeller Netzwerke als zentrale Partizipationsform für arme Gruppen
  • Anwendung des Kapitalbegriffs nach Bourdieu auf urbane Armut
  • Untersuchung der Auswirkungen von Globalisierung und Neoliberalismus auf Geschlechterordnungen
  • Reflexion über Möglichkeiten sozialer und politischer Veränderung

Auszug aus dem Buch

3.3. Netzwerke

Als entscheidende Partizipationsform für arme/verletzliche Gruppen nennt Harders Netzwerke, die sie am Beispiel verschiedener Kairoer Stadtteile untersucht. Netzwerke werden über Familienzugehörigkeit, Wohnen im gleichen Quartier oder einer gemeinsamen Herkunft gebildet. In Netzwerken wird gemeinsam gespart, Infrastruktur (Wasser, Strom) illegal organisiert, Konflikte verhandelt, Probleme diskutiert, Jobs vermittelt, kurz eine ganz Bandbreite von Aktivitäten zwischen Überlebensmanagement und politischer Intervention kollektiviert.

Die Netzwerke entwickeln sich in der Regel im informellen Bereich, sie sind selten formal organisiert oder registriert. Informell meint dementsprechend die Aktivitäten, die sich dem Staat entziehen und somit zwischen quasi-legal und illegal angesiedelt sind. Gleichzeitig werden in diesen Netzwerken aber staatliche Aufgaben der Ordnung und der Integritität übernommen. Sie sind somit flexible Anpassungsleistungen an die schwierigen Lebensbedingungen, ohne dass sie einen Angriff auf den Staat darstellen.

In Netzwerken werden verschiedene Kapitalien verhandelt, es gibt materielles, soziales oder symbolisches Kapital zu gewinnen. So können über den Aufbau und die Pflege sozialer Beziehungen bessere Jobs erreicht werden, die Erlangung sozialen Ansehens durch erfolgreiches Agieren innerhalb der Netzwerke führt mehr zu mehr Prestige. Diese ‚Kapitalakkumulation‘ funktioniert allerdings immer unter dem Blickwinkel einer „Ethik der Reziprozität“, d.h. Menschen, die dauerhaft nichts oder zu wenig in das jeweilige Netzwerk investieren, werden irgendwann aus diesem Netzwerk ausgegrenzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit setzt sich zum Ziel, Partizipationstheorien durch feministische Perspektiven zu erweitern und mit soziologischen Konzepten zu verknüpfen.

2. Politische Partizipationstheorien: Es werden gängige Transitions- und Partizipationsmodelle kritisiert, da sie durch ihre kategoriale Strenge Randphänomene systematisch ausblenden.

3. Partizipation, Arme und die Kairoer Verhältnisse: Das Kapitel führt einen weiten, akteurszentrierten Partizipationsbegriff ein und analysiert die Bedeutung informeller Netzwerke.

4. Die Theorie Bayats: encraochment: Bayats Konzept des "quiet encroachment" wird als Überlebensstrategie diskutiert, jedoch von politischer Partizipation abgegrenzt.

5. Der Kapitalbegriff bei Bourdieu: Bourdieus Kategorien (Soziales Kapital, Feld, Habitus) werden zur präziseren Analyse der Lebenslagen armer Gruppen nutzbar gemacht.

6. Connell’s hegemoniale Männlichkeit, ein Versuch: Es wird untersucht, wie Globalisierung und Neoliberalismus die Geschlechterordnung in Kairo beeinflussen.

7. Wie entstehen soziale Veränderungen?: Die Arbeit resümiert, dass soziale Veränderung nicht durch Theorien erfolgt, sondern in konkreten sozialen Kämpfen entsteht.

Schlüsselwörter

Armut, Partizipation, Kairo, informelle Netzwerke, Feministisches Forschungsdesign, Pierre Bourdieu, soziales Kapital, Geschlechterordnung, hegemoniale Männlichkeit, Globalisierung, Neoliberalismus, soziale Ungleichheit, Überlebensstrategien, Stadtteilentwicklung, Diskursanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert politische Theorien über Armut und Partizipation, wobei sie insbesondere die Lebenslagen und Überlebensstrategien von armen Gruppen in Kairo beleuchtet.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Verschränkung von Armut, Geschlecht, informeller Partizipation und globalen ökonomischen Veränderungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Erweiterung starrer politischer Partizipationsmodelle um eine geschlechtssensible und akteursorientierte Perspektive, um die informelle Teilhabe armer Gruppen besser erfassen zu können.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung und kritische Interpretation bestehender soziologischer Modelle (Harders, Bayat, Bourdieu, Connell), um diese auf den Kontext der urbanen Armut in Kairo anzuwenden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Partizipationsbegriffe, die Bedeutung von Netzwerken, der Kapitalbegriff nach Bourdieu sowie die Auswirkungen neoliberaler Globalisierung auf die Geschlechterordnung theoretisch hergeleitet und diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind urbane Armut, Partizipation, informelle Netzwerke, Geschlecht als Strukturkategorie und Bourdieu’sche Kapitaltheorie.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Partizipation und "encroachment"?

Während Partizipation bei Harders eine aktive, akteursorientierte Teilhabe bezeichnet, beschreibt "encroachment" nach Bayat eher informelle Überlebensstrategien, die oft individualisiert sind und keine bewusste soziale Bewegung darstellen.

Welche Rolle spielt das Geschlecht in der Analyse von Kairo?

Geschlecht fungiert als zentrale Strukturkategorie. Die Arbeit zeigt auf, wie Frauen in informellen Netzwerken agieren und wie neoliberale Entwicklungen ihre Rolle in der Überlebensökonomie verändern.

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Details

Title
Politische Theorien zum Thema Armut und deren Reichweite
College
University of Hamburg  (Fachbereich Politikwissenschaft)
Course
Die soziale Dimension der Transformation: Armut und politische Partizipation in den Ländern des Südens
Grade
1
Author
Dr. Jürgen Budde (Author)
Publication Year
2000
Pages
25
Catalog Number
V51334
ISBN (eBook)
9783638473361
ISBN (Book)
9783656789420
Language
German
Tags
Politische Theorien Thema Armut Reichweite Dimension Transformation Armut Partizipation Ländern Südens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Jürgen Budde (Author), 2000, Politische Theorien zum Thema Armut und deren Reichweite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51334
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