Der Generationenvertrag und das Problem des demografischen Wandels

Ist die Eingliederung von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt eine Lösung?


Hausarbeit, 2019
35 Seiten, Note: 1,8
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die gesetzliche Rentenversicherung
2.1 Sozialversicherung im Allgemeinen
2.2 Ursprung der gesetzlichen Rentenversicherung
2.3 Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung

3 Demographischer Wandel
3.1 Grundlagen der Demographie
3.2 Demographischer Wandel in Deutschland
3.3 Probleme für die gesetzliche Rentenversicherung
3.4 Alternative Altersabsicherungen

4 Migranten, Asylbewerber und Flüchtlinge
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Migration in Deutschland – geschichtlicher Überblick und aktuelle Lage
4.3 Eingliederung der Zuwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt

5 Chancen und Risiken der Eingliederung

6 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Rechtsquellenverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Generationenvertrag und der gesetzlichen Altersvorsorge in Deutschland. Hierzu wird das aktuelle und immer größer werdende Problem des demografischen Wandels als Ursache für eine unsichere und unzureichende Rente in Deutschland erläutert. Zur Stabilisierung dieses Problems wird die Möglichkeit der Eingliederung von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt dargestellt.

Im Zuge der Arbeit wird deutlich, dass die Zahl der deutschen Einwohner durch den Geburtenrückgang immer weiter abnimmt wird und somit die Anzahl der erwerbsfähigen Personen auch mehr und mehr zurückgeht. Die Zuwanderung der verschiedenen Gruppen aus unterschiedlichen Ländern und aus diversen Gründen kann dazu beitragen, dass es in Deutschland wieder zu einem Zuwachs der Erwerbsfähigen kommt, welche in die Rentenkasse einzahlen können, um somit das System zu stabilisieren. Die verschiedenen Risiken, die für die deutschen Unternehmen und den deutschen Staat dabei auftreten können, werden den Chancen gegenübergestellt.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung 2016

Abb. 2: Lebendgeborene und Gestorbene

Abb. 3: Lebenserwartung bei Geburt

Abb. 4: Drei-Säulen-System der Altersvorsorge

Abb. 5: Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland

Abb. 6: Entwicklung der anhängigen Asylverfahren seit 2010

Abb. 7: Zusammenfassung und Umfrageergebnisse

1 Einleitung

In Deutschland wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des demografischen Wandels vieles verändern. Die Bevölkerung wird immer älter, sodass im Jahr 2050 die Hälfte der in der Bundesrepublik lebenden Personen über 48 Jahre alt sein wird und jede dritte Person über 60. Somit wird es in wenigen Dekaden genauso viele Rentner geben wie Erwerbstätige.

Die Folge dessen ist dann, dass das Rentenniveau halbiert oder der Beitragssatz während der Erwerbstätigkeit verdoppelt werden müsste (vgl. Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forderung, 2006, S. 665). Da es demnach in Deutschland durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren zu gravierenden Veränderungen kommen wird, können hochqualifizierte Einwanderer als Chance für den Generationenvertrag gesehen werden. Unter den Einwanderern, die heutzutage nach Deutschland kommen, befinden sich einige hochqualifizierte, oftmals auch mehrere Sprachen beherrschende Personen. Teilweise sind auch Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende dabei, die studiert haben.

Das Ziel dieser Menschen ist es, ihr Können in Deutschland anzuwenden bzw. eine Arbeit zu finden. Für diese Personen ist deshalb sehr wichtig, die deutsche Sprache schnell zu erlernen. Das Bundesamt bietet diesen Menschen einen Intensivkurs an. Das Problem dieser Intensivkurse ist jedoch, dass die motivierten und teilweise sehr gebildeten Teilnehmer in einer rapideren Geschwindigkeit gelehrt werden, um sie schnellstmöglich in der Arbeitswelt einsetzen zu können (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2019). In der folgenden Arbeit soll genauer behandelt werden, ob und inwieweit eine Stabilisierung der Probleme, die durch den demografischen Wandel aufkommen, durch die Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber entgegengewirkt werden können.

2 Die gesetzliche Rentenversicherung

2.1 Sozialversicherung im Allgemeinen

"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." (Art. 20 GG).

Wie sich bereits durch dieses Zitat aus Artikel 20 des Grundgesetztes erkennen lässt, ist die Bundesrepublik Deutschland ein Sozialstaat. Die Aufgabe des Sozialstaates lässt sich grundsätzlich als Existenzsicherung, bei unzureichenden Eigenmitteln beschreiben (Art. 20 GG). Die soziale Absicherung soll Beschäftigten zu einem ausreichenden Einkommen verhelfen, falls es ihnen selbst nicht möglich sein sollte, dieses für sich oder ihre Familie aufzubringen. Mittel der Sozialversicherung sollen beispielsweise im Krankheitsfall, bei unfall- oder invaliditätsbedingter Arbeitsunfähigkeit und natürlich im Ruhestand an Versicherte ausgeschüttet werden (vgl. Lampert/Althammer, 2007, S. 3).

2.2 Ursprung der gesetzlichen Rentenversicherung

Bis zur Einführung etwaiger Alterssicherungssysteme, gehörte es, vor allem im ländlichen Umfeld, zu einer der grundlegendsten Verpflichtungen junger Generationen, den Lebensunterhalt ihrer Eltern im Ruhestand zu ermöglichen. Dieses System, welches den Ruhestand bis zur frühindustriellen Gesellschaft prägte, kann als Vorgänger des heutigen Generationenvertrags betrachtet werden (vgl. Borchert, 1993, S. 38-40). Mit der in England beginnenden Industrialisierung kam es zur Abkehr von der Agrargesellschaft hin zur Industriegesellschaft (vgl. Universität Münster, 2014). Dies hatte zur Folge, dass eine hohe Anzahl an Bewohnern von den ländlichen Gebieten in die Städte gezogen ist. Die Finanzierung des Ruhestandes durch die nachkommende Generation und den Besitz von eigenem Ackerland, konnte so nicht mehr gewährleistet werden (vgl. Pohlmann, 1997, S. 97). Die Folgen der Industrialisierung waren gravierend. Durch die Binnenwanderung wurde der Bevölkerung nicht nur die Basis ihres Lebensabends entzogen, sondern auch, vor allem aus heutiger Sicht, ein nicht menschenwürdiger Lebensumstand und Standard geboten (vgl. Wendt, 2017, S. 99). Hauptaugenmerk lag auf der Förderung der Wirtschaft und des Gewinns für Unternehmer. So waren lange Arbeitszeiten, von über 70 Stunden pro Woche, verschmutzte Straßen und mangelnde Hygiene Folgen der Industrialisierung. Auch konnte, durch die schnell voranschreitende Industrialisierung, nicht genügend Wohnraum für die neue Arbeiterklasse geschaffen werden. Enge und kleine Zimmer, welche Schlafplatz, Aufenthaltsräume und Kochmöglichkeiten vereinten, wurden teilweise von kompletten Familien bewohnt. Den Bewohnern stand jeweils nur ein Sanitärraum pro Etage zu (vgl. Planet Wissen, 2019). Durch die Abhängigkeit vom Lohn und der mangelnden Absicherung entwickelte sich der Pauperismus (lat. lateinisch pauper „arm“), welcher die Armut der Arbeiterklasse beschreibt und zur „sozialen Frage“ führte (vgl. Wendt, 2017, S. 99).

Resultierend aus der Armut der Bevölkerung und verbunden mit der Unmöglichkeit der Reservebildung für die Zukunft, durch einen viel zu niedrigen Verdienst, spitze sich die Situation so zu, dass auch der Staat reagieren musste (vgl. Zeit Online, 1956). Schließlich kam es am 17. November 1881 zur Verlesung der „Kaiserliche Botschaft“, welche als Ursprung der deutschen Sozialgesetzgebung betrachtet werden kann. Hierbei wurde nicht nur das Ziel verfolgt die arbeitende Gesellschaft im Alter zu unterstützen. Vielmehr sollte die Gesetzgebung einen allgemeinen Schutz bieten und setzte sich aus dem Gesetz der Krankenversicherung im Jahr 1883, dem Unfallversicherungsgesetzt im Juli 1884 und Letzen endlich dem Gesetz zur Absicherung bei Invalidität und im Alter am 22. Juli 1889 zusammen. Das Gesetz der Invaliditäts- und Altersversicherung gewährt den Versicherten die Zahlung einer Rente bei Arbeitsunfähigkeit oder dem Überschreiten des 70. Lebensjahres (vgl. Althammer/Lampert, 2007, S. 82-84).

2.3 Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung

Die primäre Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung wurde über das Kapitaldeckungsverfahren gewährleistet. Bei diesem Verfahren werden die eingenommen Beiträge der Versicherten angelegt und verzinst. Erst bei Eintritt des Anspruchs der jeweiligen versicherten Person wird die Leistung an diese ausbezahlt. Diese Art der Finanzierung ist heute im privaten Sektor üblich. Die gesetzliche Rentenversicherung allerdings finanziert sich, seit 1957, mittels Umlageverfahren (vgl. rentenbescheid24, 2019). Grundlage des Umlageverfahrens sind die so genannten Generationenverträge, welche für ein ausreichendes Budget zur Finanzierung der einzelnen Absicherungen sorgen sollen. So werden die Beiträge der arbeitenden Bevölkerung, ohne Umwege, auf die Empfänger der Leistungen weitergereicht (vgl. Speckbacher, 1994, S. 7).

Die Abkehr von der Finanzierung durch das Kapitaldeckungsverfahren und die Einführung des Umlageverfahrens erinnert an das, bereits angesprochene, System der Altersvorsorge im frühindustriellen Zeitalter (vgl. Schreiber, 2004, S. 24). Der Generationenvertrag bildet die Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung, obwohl er nicht wie ein Vertrag als solcher verstanden werden darf, da er nicht in Schriftform erfasst wurde (vgl. Ritter/Hohmeier, 1999, S. 72).

Der öffentliche Sektor ist im Gegensatz zum privaten Sektor an Budgetbeschränkungen gebunden. Dies hat zur Folge, dass die Höhe der Ausgaben maximal der Höhe der Einnahmen entsprechen darf. Inwiefern das Budget auf beiden Seiten der Bilanz ausgeglichen ist, kann die verwendete Vorgehensweise weitergeführt werden und gilt als wirtschaftlich (vgl. Feist/Raffelhüschen, 2000, S.441). Diesen Grundsatz auf die gesetzliche Rentenversicherung angewendet, muss also gewährleistet werden, dass die Ausgaben, in Form von Rentenzahlungen, nicht die Beitragseinnahme übersteigen.

Beitragseinnahmen generierte die gesetzliche Rentenversicherung vorwiegend durch das Umlageverfahren. Der Beitrag eines jeden Versicherungspflichtigen wird analog zum geltenden Beitragssatz von seinen versicherungspflichtigen Arbeitseinkünften bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze ermittelt (§ 153 SGB VI). Ergänzend sollte angemerkt werden, dass die eine Hälfte des Beitrags vom Arbeitnehmer und die andere Hälfte vom Arbeitgeber finanziert wird.

3 Demographischer Wandel

3.1 Grundlagen der Demographie

Die Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter „demos“, welches „Volk“ bedeutet und „gráphein“, welches die Bedeutung „schreiben“ mit sich trägt, ergibt das Wort Demographie. Wörtlich übersetzt bedeutet Demographie folglich „Volk beschreiben“ und beschreibt die wissenschaftliche Analyse der Bevölkerungsanzahl und des Zustandes der Bevölkerung. Die Analyse wird mittels verschiedener Kennziffern durchgeführt und soll einen Einblick über eine geographische Einheit und ihre Veränderung geben (vgl. Brockhaus, 2006, S. 420).

Zu den wichtigsten Aspekten zählen die Bevölkerungsanzahl, Gender und Altersgruppen. Die natürliche Veränderung einer Bevölkerung in ihrer Anzahl und Struktur, wird durch Fertilität, Mortalität und Migration bewirkt. Mortalität und Fertilität können hierbei pauschal und brachial betrachtet als Zu- und Abgänge einer Bevölkerung gesehen werden. Dabei stellt die Mortalität die Sterberate dar, die Fertilität hingegen die Geburten innerhalb einer Bevölkerung (vgl. Bähr, 2010, S. 142). Im Folgenden sollen die Begriffe der Mortalität und Fertilität genauer definiert werden.

Kennziffern der Mortalität erfassen die Anzahl der Verstorbenen einer Bevölkerung in einem bestimmten Zeitraum. Hierbei wird meist ein Kalenderjahr herangezogen (vgl. Bähr, 2010, S. 142). Eine einfache Ermittlung der Sterblichkeit erfolgt durch die rohe Sterbe- oder Todesrate. Bei der Ermittlung wird die Anzahl der Sterbefälle durch die Anzahl der Bevölkerung (je 1000 Einwohner) dividiert. Das Ergebnis stellt die Rohsterbeziffer in Promille dar. Bei der Bevölkerungsanzahl wird die durchschnittliche Anzahl innerhalb eines Jahres herangezogen. Der Durchschnitt wird anhand des Anfangs- und Endbestands eines Jahres ermittelt (vgl. Heineberg, 2003, S. 72).

Die Rohsterbeziffer in Deutschland beläuft sich, anhand der Daten des Jahres 2016, auf 10,9 ‰. Insgesamt hatte die Bundesrepublik Deutschland eine durchschnittliche Bevölkerungsanzahl von 82.521.653 Einwohnern und eine Gesamtanzahl von 910.899 Todesfällen zu verbuchen (vgl. Statistisches Jahrbuch 2018, S. 33). Durch die Errechnung der Rohsterbeziffer kann allerdings nur ein grober Überblick geschaffen werden, da beispielsweise die Altersstruktur der Bevölkerung nicht mit einbezogen wird (vgl. Bähr, 2010, S. 143). Als Gegenbeispiel hierzu soll die Sterberate in Südafrika dienen. Weitergehend die Werte aus dem Jahre 2016 betrachtend, kann festgehalten werden, dass die rohe Sterberate dort bei 9,6 ‰ lag (vgl. index mundi, 2017). Dieser Wert liegt unter dem Wert der Bundesrepublik Deutschland, obwohl die Lebenserwartung hierzulande mit 83,1 Jahren bei Frauen und 78,3 Jahren bei Männern, deutlich über dem Durchschnitt von Südafrika mit 66,4 Jahren bei der weiblichen Bevölkerung und 59,2 Jahren bei der männlichen Bevölkerung liegt (vgl. Statistisches Jahrbuch 2018, S. 652-653). Diese Werte lassen erahnen, dass eine Gesellschaft mit einem hohen Anteil von älteren Bewohnern, wie beispielsweise Deutschland mit einem Bevölkerungsanteil von 21,2% von über 65 jährigen (vgl. Statistisches Jahrbuch 2018, S. 31), eine höhere Sterberate aufweisen (vgl. Bähr, 2010, S. 143).

Bei zusätzlichem Einbezug von Kennziffern, wie beispielsweise der Ursache des Todes und des jeweiligen Alters, könnten auch Informationen zu den medizinischen Verhältnissen, des Lebenserwartung und der Altersstruktur einer Bevölkerung getroffen werden (vgl. Schimany, 2007, S. 20).

Der Begriff der Fertilität muss vorerst unterschieden werden, da er gleich zwei Bedeutungen in sich birgt. Zum einen kann der Begriff der Fertilität unter dem biologischen Aspekt, der Möglichkeit Kinder zu zeugen, betrachtet werden. Die andere Variante der Fertilität, die demographische, beschäftigte sich mit den tatsächlich verwirklichten Geburten einer Bevölkerung. Bei der Ermittlung der rohen Geburtenrate wird die Kennzahl der möglichen Erzeuger nicht berücksichtigt – es erfolgt nur die Berechnung für die gesamte Bevölkerung, welche auch als Maßeinheit genutzt wird. Die Berechnung erfolgt analog zur rohen Sterbeziffer (vgl. Schimany, 2007, S. 21).

Hierzu gegensätzlich ist die allgemeine Fruchtbarkeitsrate, bei welcher der Anteil der lebendgeborenen Kinder auf die gebärfähigen Frauen aufgeteilt wird. Der Lebenszeitraum, in welchem Frauen als gebärfreudig deklariert werden, liegt zwischen 15 und 49 Jahren, da hier die statistisch höchste Anzahl an Geburten liegt (vgl. Kuls, 1993, S.107). Kindsgeburten von jüngeren oder älteren Frauen werden hierbei nicht berücksichtigt, gehen aber in die allgemeine Geburtenanzahl mit ein (vgl. Pötzsch, 2012, S.8). Betrachtet werden ausschließlich Lebendgeborene ohne Berücksichtigung des Kindstods (vgl. Schimany, 2007, S.22).

Die durchschnittliche Geburtenrate im Jahre 2017 in Deutschland lag bei 1,57 Kindern pro Frau (vgl. Statista, 2017). Obwohl die Tendenz in den letzten Jahren steigend ist, wäre trotzdem eine Rate zwischen 2,1 und 2,5 Kinder pro Frau notwendig, um die Bevölkerung einer Gesellschaft aufrechtzuerhalten (vgl. Heineberg, 2003, S. 71).

3.2 Demographischer Wandel in Deutschland

Seit 1870 bis zum Höhepunkt der Bevölkerungsanzahl im Jahre 2002, mit 82,547 Millionen Menschen, wird in Deutschland durchweg eine Steigerung der Bevölkerung verzeichnet. Seit 2002 nimmt die Bevölkerungsanzahl ab (vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S. 26).

Im frühen 19. Jahrhundert konnte eine Vielzahl an Geburten verbucht werden, da Kinder, wie bereits vorab erwähnt, einen hohen Anteil an der Altersvorsorge ihrer Eltern hatten. Allerdings waren sowohl die medizinische Versorgung, als auch die Lebensumstände noch nicht weit ausgeprägt. Dies hatte zur Folge, dass die Sterberate und auch die Kindersterblichkeit auf einem sehr hohen Niveau lagen. Hinzu kam eine sehr niedrige Lebenserwartung, welche einen wirklichen Zuwachs der Bevölkerung nicht zuließ (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2004, S. 9-12).

Bis zur Industrialisierung waren Familien mit bis zu fünf Kindern keine Seltenheit (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2004, S. 19). Im Zuge der Landflucht und der Unmöglichkeit des Familienunterhalts durch nur ein Gehalt, nahm auch die Kinderarbeit zu. Erst mit Einführung etwaiger Regulierungen, wie beispielsweise des Mindestalters oder der erforderlichen Ausbildung zur Aufnahme eines Berufes, nahm die Kinderarbeit ab (vgl. Lampert/Althammer, 2007, S. 24-26). Gleichzeitig verbesserte sich durch Neuerungen und die eingeführten Sozialversicherungen die medizinische Versorgung, welche eine Zunahme der Bevölkerung bewirkte. Einschränkungen der Kinderarbeit, beschränkter Wohnraum und die Abnahme der Säuglings- und Kindstode hatten einen Rückgang der Geburten zur Folge (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2004, S. 19).

Durch erweiterte oder gänzliche Eingrenzung der Kinderarbeit in den Anfängen des 20. Jahrhundert, setzte sich die Entwicklung des Geburtenrückgangs weiter fort. Zusätzliche sorgte die bessere medizinische Versorgung für eine Abnahme der Mortalität. Altersgruppen über 65 Jahren waren nun zwar vertreten, jedoch weiterhin die Minderheit (vgl. Lampert/Althammer, 2007, S. 84).

Bedingt durch den ersten Weltkrieg zwischen 1914 und 1918, die Weltwirtschaftskrise 1930, sowie den zweiten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945, nahm die Anzahl der Geburten kurzfristig drastisch ab. Des Weiteren wird dieser Zeitraum, bezogen auf die kriegerischen Ereignisse, durch eine sehr hohe Sterberate gekennzeichnet (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2004, S. 57).

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung 2016

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistische Jahrbuch, 2018, S. 25

Der letzte Geburtenaufschwung wurde in Deutschland, wie auch in der Grafik zu erkennen, in der Nachkriegszeit registriert. Angesichts der Beendigung der Krise und des Wirtschaftswachstums, stieg die Zahl der Geburten pro Frau bis zum Jahre 1967 auf 2,5 Kinder (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2004, S. 20-22). Rasant sank das Geburtenniveau binnen der nächsten zehn Jahre, bis 1977, kontinuierlich auf 1,4 Kinder pro gebärfähiger Frau und war somit erstmal unter der Grenze, welche die Erhaltung des Bevölkerungsbestands ermöglichte. Hinzukommend wurde in diesem Zeitraum zum ersten Mal eine höhere Anzahl an verstorbenen Bürgern, als an geborenen Kindern, aufgezeichnet (vgl. Lesthaeghe, 1993, S. 110). Dieser Umschwung in der Gesellschaft resultierte aus der Modernisierung der Bevölkerung, den Innovationen im Bereich der Verhütung, wie beispielsweise der Anti-Baby-Pille, und der stark voranschreitenden Emanzipation der weiblichen Bevölkerung (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2012, S. 10). Simultan zum Geburtenrückgang entwickelte sich auch die Lebenserwartung immer stärker nach oben, sodass es immer mehr zu einer Veränderung der klassischen Altersstruktur kam (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2012).

Auch in der Folgezeit bewegte sich die Geburtenrate zwischen 1,5 und 1,3 Kindern je Frau (vgl. Lesthaeghe, 1993, S. 112). Lediglich in der deutschen demokratischen Republik (DDR) konnte eine erhöhte Geburtenrate, aufgrund der auf die Familie ausgerichteten Sozialpolitik, verbucht werden – das Geburtenniveau lag bei 1,9 Kindern. Die Sozialpolitik der DDR verfolgte unter anderem das Ziel, Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern (vgl. Mitteldeutscher Rundfunk, 2011). Wie auf in der Grafik deklariert, sank die Geburtenrate der ehemaligen DDR nach der Widervereinigung, bedingt durch die Ungewissheit über künftige Ereignisse, wie zum Beispiel der Lebensumstände oder der Arbeitslosigkeit, auf 0,8 Kinder. Nicht vor dem Jahre 2008 glich sich die Geburtenrate zwischen der ehemaligen DDR und Westdeutschland an und beläuft sich seit diesem Zeitpunkt im Durchschnitt auf 1,4 Kinder (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). Das andauernd niedrige Geburtenniveau sorgt dafür, dass die Generation der Eltern auf Dauer nicht mehr von der nachkommenden Generation ersetzt werden kann (vgl. Bomsdorf/Babel, 2005, S. 388).

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Details

Titel
Der Generationenvertrag und das Problem des demografischen Wandels
Untertitel
Ist die Eingliederung von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt eine Lösung?
Note
1,8
Jahr
2019
Seiten
35
Katalognummer
V513476
ISBN (eBook)
9783346101266
ISBN (Buch)
9783346101273
Sprache
Deutsch
Schlagworte
generationenvertrag, problem, wandels, eingliederung, migranten, flüchtlingen, asylbewerbern, arbeitsmarkt, lösung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Der Generationenvertrag und das Problem des demografischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513476

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