Franchising. Aufbau, Organisation und Controlling des Vertriebssystems


Seminararbeit, 2019
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Begriffsdefinition
2.3 Grundtypen

3 Aufbau eines Franchisesystems

4 Organisation des Franchisesystems
4.1 Vertragsgestaltung
4.2 Das Systemhandbuch
4.3 Pflichten eines Franchisegebers
4.4 Pflichten eines Franchisenehmers

5 Controlling dieses Franchisesystems

6 Fazit

7 Anhang

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Franchisesysteme sind aus der heutigen Zeit kaum noch wegzudenken. Ob beim morgendlichen Coffee-to-go von Starbucks, dem Mittagessen von Domino´s oder beim Wocheneinkauf im örtlichen REWE, Franchisesysteme spielen in unserem Leben eine allgegenwärtige Rolle. Nicht nur global, sondern auch national steigt die Beliebtheit dieses Vertriebssystem seit Jahren.1

Das zeigen auch die Zahlen des Deutschen Franchiseverbands e.V.: So konnte die Franchisebranche über die letzten sechs Jahre ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Im Jahr 2018 erzielten 715.362 Beschäftigte in der deutschen Franchisewirtschaft einen Rekordumsatz von 122,8 Mrd.€.2,3

Auch der aktuelle Geschäftsklimaindex des Deutschen-Franchiseverbands, der die Stimmungslage in der deutschen Franchisebranche widerspiegelt, lässt positiv in die Zukunft schauen: „Die Grundstimmung in den Systemen ist positiv. Das nehmen wir deutlich wahr. Die Indizes bestätigen dies deutlich, zeigen aber auch die aktuellen Herausforderungen auf“, so der Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Franchiseverband e.V., Torben Leif Brodersen . 4

In der vorliegenden Hausarbeit soll die Funktionsweise dieses Vertriebssystems untersucht werden.

2 Theoretischer Bezugsrahmen

2.1 Historische Entwicklung

Der Begriff Franchise hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Frankreich und stand für die Befreiung von Abgaben und Zöllen.5 Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Bedeutung des Begriffes weiter und Franchising beschrieb von nun an die Vergabe von Privilegien durch den Staat.6

Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstand man unter Franchising die kommerzielle Nutzung von Rechten Dritter. In dieser Zeit entstanden auch die ersten ‚modernen‘ Franchisesysteme.7 Vorreiter war die Singer Sewing Machine Company, die ihre Nähmaschinen an Händler verkaufte und diesen das Recht einräumte, die Nähmaschinen unter eigenem Namen und unter eigener Rechnung weiterzuverkaufen.8

Den Grundstein für das Franchisesystem, wie wir es heute kennen, legte der ehemalige Milchmixgeräte-Vertreter Raymond Kroc am 2. März 1955 mit der Gründung der McDonald´s System, Inc.9 Sein Konzept legte Wert auf die Einhaltung standardisierter Prozesse, die Wahrung einer gleichbleibenden Qualität und die aktive Unterstützung durch den Franchisegeber.10

2.2 Begriffsdefinition

In der Literatur finden sich unterschiedliche Definitionen des Begriffes Franchising. Daher wird hier auf die offizielle Definition der European Franchise Federation zurückgegriffen:

Franchising is a system of marketing goods and/or services and/or technology, which is based upon a close and ongoing collaboration between legally and financially separate and independent undertakings, the Franchisor and its individual Franchisees, whereby the Franchisor grants its individual Franchisee the right, and imposes the obligation, to conduct a business in accordance with the Franchisor's concept.“ 11

Alle Definitionen sind als Aufzählungen von Merkmalen formuliert, die den Facettenreichtum des Franchisings verdeutlichen. Im Folgenden werden diese Merkmale zusammengefasst:12

- erprobtes, multiplizierbares Geschäftsmodell
- vertikal-kooperatives Absatzsystem
- selbstständige, unabhängige Unternehmer
- einheitlicher Markenauftritt
- Dauerschuldverhältnis zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer

2.3 Grundtypen

Auch wenn die oben genannten Merkmale das Fundament eines jeden Franchisesystems darstellen, haben sich unterschiedliche Ausprägungsformen des Franchisings gebildet. Im Kern kann zwischen den folgenden drei Grundformen unterschieden werden:13

- Produktfranchise
- Vertriebs- bzw. Handelsfranchise
- Dienstleistungsfranchise

Beim Produktfranchise produziert und vertreibt der Franchisenehmer die Handelsgüter seines Franchisegebers. Ein Beispiel ist der Getränkehersteller Coca-Cola Company, der seine Getränke weltweit von seinen Franchisepartnern abfüllen und vertreiben lässt.14

Beim Dienstleistungsfranchise besteht die Aufgabe des Franchisenehmers darin, das Dienstleistungskonzept des Franchisegebers umzusetzen und zu distribuieren.15 Im Jahr 2018 stellte diese Ausprägungsform den größten Sektor in der deutschen Franchiselandschaft dar.16

Beim Vertriebsfranchise besteht die Hauptaufgabe des Franchisenehmers im Handel und Vertrieb von Gütern. Dabei bezieht der Franchisenehmer die Waren und Erzeugnisse von Großhändlern oder direkt vom Hersteller.17

3 Aufbau eines Franchisesystems

Der Aufbau eins Franchisesystems ist umfassend, weshalb im Folgenden lediglich auf die elementarsten Schritte des Systemaufbaus eingegangen wird.

In der ersten Phase entwickelt das Unternehmen ein Franchisekonzept, das sich durch einen strategischen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz auszeichnet. Dies ist die Grundvoraussetzung eines jeden Markterfolges.18

In der zweiten Phase wird das Konzept umgesetzt. Dazu wird die Geschäftsidee als Pilotprojekt über einen längeren Zeitraum getestet.19 In dieser Phase muss der Franchisegeber das Geschäftskonzept stetig optimieren und weiterentwickeln, um später eine Reproduzierbarkeit des Systems, unabhängig von Person, Standort oder anderen Umweltfaktoren gewährleisten zu können.20 Außerdem ist es bereits jetzt wichtig, die ersten Erfahrungen und Erkenntnisse zu dokumentieren. Dies hilft später bei der Anfertigung des Handbuches und der Vertragsgestaltung und kann ebenfalls das Auge für das Anforderungsprofil des Franchisenehmers schärfen.21

Nach der erfolgreichen Pilotphase steht die Franchisenehmerakquisition im Vordergrund. Ziel ist es, die Expansion voranzutreiben und die Markenbekanntheit zu steigern.22 Die Anforderungen an den zukünftigen Franchisenehmer hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Geschäftskonzept des Unternehmens oder der Branche, weshalb sich kein universelles Anforderungsprofil erstellen lässt.23 Grundsätzlich bilden Vertrauen, ein gemeinsames – wirtschaftliches – Ziel und eine gewisse betriebswirtschaftliche Vorkenntnis beider Parteien den Grundstein einer langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit.24

Mit der Akquisition von Franchisepartnern ist der fundamentale Aufbau eines Franchisesystems abgeschlossen. Das Bestehen und die Organisation des Systems werden durch das Einhalten der gegenseitigen Partnerschaftsverpflichtungen gesichert.25

[...]


1 Vgl.AntjePiel-Franchisev.

2 Vgl.AntjePiel-Franchisev.

3 Im Vergleich zum Vorjahr: Im Jahr 2017 erzielten 706.739 Beschäftigte in der Franchisebranche einen Umsatz von 112,2 Milliarden € (vgl. AntjePiel-Franchisev, Franchisestatistik_2018).

4 Vgl. V, D. F. e. (2011)

5 Vgl.Duden | Franchise | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft.

6 Vgl.Skaupy (1987), S. 1.

7 Vgl.Tietz (1991), S. 8.

8 Vgl.Kutta (2007), S. 157.

9 Vgl.Love (1999), S. 69.

10 Vgl.Kutta (2007), S. 158.

11 Vgl.EFF - Franchising: definition & descriptions.

12 Vgl.Meurer (1997), S. 9.

13 Vgl.Skaupy (1995), S. 30.

14 Vgl.Brinkel (2015), S. 19.

15 Vgl.Meurer (1997), S. 13­­­–14.

16 Im Jahr 2018 sind 40% und damit der größte Anteil der Mitglieder des Deutschen Franchiseverbands e. V. im tertiären Sektor vertreten (vgl. Deutscher Franchiseverband e.V. (2019)).

17 Vgl.Brinkel (2015), S. 18–19.

18 Vgl.Schmalen/Pechtl (2013), S. 301.

19 Vgl.Wessels/Flohr (2008a), S. 75.

20 Vgl.Neumann (2017).

21 Vgl.Brinkel (2015), S. 38–41.

22 Vgl.Jungmichel et al. (2008), S. 226.

23 Siehe Anhang Abb.1 für Anforderungsprofil von McDonald‘s als Praxisbeispiel

24 Vgl.Duong Dinh et al. (2010), S. 40.

25 Vgl. Klicken oder tippen Sie hier, um Text einzugeben.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Franchising. Aufbau, Organisation und Controlling des Vertriebssystems
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V513511
ISBN (eBook)
9783346106667
ISBN (Buch)
9783346106674
Sprache
Deutsch
Schlagworte
franchising, aufbau, organisation, controlling, vertriebssystems
Arbeit zitieren
Louis Ludwigs (Autor), 2019, Franchising. Aufbau, Organisation und Controlling des Vertriebssystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513511

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