Seit der Entstehung von sozialen Netzwerken (SN) hat sich die Massenkommunikation grundlegend verändert. Mittlerweile können Internetnutzer ihre Inhalte weltweit sowie jederzeit teilen oder empfangen. Einige Inhalte sind dabei aggressiv, verletzend oder hasserfüllt. Sie stellen eine große Gefahr für ein friedliches Zusammenleben in einer freien demokratischen Gesellschaft dar.
Die SN-Plattformen stellen zwar Gemeinschaftsrichtlinien auf und bieten Meldefunktionen an, um ihre User vor den rechtswidrigen Beiträgen zu schützen. Dennoch kämpfen die SN mit einem hohen Aufkommen von herabwürdigenden sowie rassistischen Inhalten. Diese strafbaren Posts oder Kommentare werden von Unternehmen nicht sehr transparent bearbeitet. Für Außenstehende ist es oft nicht ersichtlich, aus welchem Grund Beiträge gelöscht werden und sie können daher kaum gegen Falschmeldungen, Hass oder Hetze vorgehen.
Auch die deutsche Politik hat die Diskriminierung gegen Andersdenkende sowie die Beleidigungen und Falschmeldungen erkannt. Mittlerweile gelten diese rechtswidrigen Inhalte als fester Bestandteil auf SN. Um dem entgegenzuwirken, sollen strafbare Beiträge auf Plattformen schneller und umfassender gelöscht werden. Seit dem 1. Oktober 2017 gilt aufgrund dessen in Deutschland das „Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“, auch Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) oder Facebook-Gesetz genannt.
Durch das NetzDG sind Anbieter von SN verpflichtet, gemeldete Inhalte auf deren Rechtswidrigkeit zu prüfen und gegebenenfalls unverzüglich zu entfernen. Ansonsten besteht das Risiko, ein hohes Bußgeld zahlen zu müssen. Um dies zu vermeiden, werden Unternehmen höchstwahrscheinlich Inhalte vorsichtshalber löschen und sich somit gegen die Meinungsäußerungsfreiheit entscheiden. Kritiker warnen daher vor erheblichen Folgen.
Die Projektarbeit soll das NetzDG am Beispiel von Beleidigungen im SN Facebook un-tersuchen. Dafür wird zunächst bestimmt, was unter einer Beleidigung sowie Kollektivbeleidigung zu verstehen ist. Zudem werden kriminelle Äußerungen im Internet unter-sucht. Im Anschluss wird das NetzDG definiert und die Gründe für die Entstehung des Gesetztes untersucht. Im vierten Kapitel wird das Grundrecht der Meinungsfreiheit beschrieben. Die Entscheidungshoheit der SN und der Schutz vor Löschung zulässiger Kommentare wird im Anschluss erläutert. Danach werden die unterschiedlichen Folgen des NetzDG am Beispiel von Facebook und der Justiz untersucht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Beleidigung
2.1 Bestimmtheit einer Beleidigung
2.2 Kollektivbeleidigung
2.3 Kriminelle Äußerungen im Internet
3 Netzwerkdurchsetzungsgesetz
3.1 Entstehung des Gesetzes
4 Grundrecht auf freie Meinungsäußerung
4.1 Entscheidungshoheit der Netzwerke
4.2 Löschung zulässiger Kommentare
5 Folgen des Netzwerkdurchsetzungsgesetz
5.1 Überforderter Netzwerkbetreiber Facebook
5.1.1 Transparenzberichte von Facebook
5.2 Überforderte Gerichtswesen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) am Beispiel von Facebook, mit dem primären Ziel, die Auswirkungen der Regulierung auf die Meinungsfreiheit und die Praxis der Inhaltslöschung durch soziale Netzwerke kritisch zu analysieren.
- Rechtliche Grundlagen der Beleidigung im deutschen Strafrecht
- Herausforderungen bei der Umsetzung des NetzDG für soziale Netzwerke
- Konflikt zwischen Meinungsfreiheit und der Löschung rechtswidriger Inhalte
- Praktische Folgen der Regulierungsmaßnahmen für Betreiber und Nutzer
- Kritische Bewertung der Rollenverteilung zwischen Justiz und privaten Netzbetreibern
Auszug aus dem Buch
3 Netzwerkdurchsetzungsgesetz
Die Nutzer von SN können bereits seit einigen Jahren strafbare Inhalte melden, die gegen die nationalen Gesetze oder Community-Richtlinien verstoßen. Dennoch wurde am 1. Oktober 2017 das neue NetzDG veröffentlicht. Zum 1. Januar 2018 ist die Frist abgelaufen, in der die Forderungen des NetzDG von den SN-Plattformen umsetzen werden mussten und das Gesetz trat vollständig in Kraft.
Seit dem Inkrafttreten des NetzDG sind alle Anbieter eines SN mit mindestens zwei Mio. registrierten deutschen Nutzern verpflichtet, einen Beitrag mit rechtswidrigem Inhalt unverzüglich zu löschen. Die rechtswidrigen Inhalte sind im § 1, Absatz 3 NetzDG aufgezählt. Dazu zählen die Straftaten gegen die öffentliche Ordnung, Gefährdungen des demokratischen Rechtsstaates, landesverräterische Fälschungen sowie Beschimpfungen von Bekenntnissen, Weltanschauungsvereinigungen und Religionsgesellschaften. Zudem noch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, üble Nachrede, Verleumdungen, Beleidigungen, Verletzungen des persönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, Bedrohungen sowie Fälschungen beweiserheblicher Daten.
Spätestens 24 Stunden nach der Meldung muss ein offensichtlich rechtswidriger Beitrag entfernt werden. Für die Entfernung eines nicht offensichtlichen rechtswidrigen Inhalt hat das Unternehmen sieben Tagen Zeit. Es kann jedoch zu einem Aufschub kommen, wenn der Entschluss von der Unwahrheit einer Tatsachenbehauptung oder einem anderen tatsächlichen Umstand abhängt. Sollte sich der Betreiber nicht sicher sein, kann er eine sogenannte „Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung“ um Mithilfe bitten. Dies ist vom Justizministerium anerkannt.
Wenn ein Beitrag mit offensichtlich rechtswidrigem Text nicht fristgerecht gelöscht wird, droht eine Strafe von bis zu 50 Mio. Euro. Allerdings ist dies die maximale Strafe und gilt lediglich bei dauerhaftem oder grobem Fehlverhalten. Für einzelne fehlerhafte Entscheidung muss keine Geldstrafe bezahlt werden. Die entscheidende Kontrolle der Beiträge obliegt gemäß § 3, Absatz 4 NetzDG den Mitarbeitern der SN. Die Mitarbeiter, die mit der Bearbeitung von Beschwerden beauftragtet sind, sollten daher mindestens halbjährlich von ihrem Unternehmen geschult werden, um über eine grundlegende juristische Qualifikation zu verfügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Hass und Beleidigungen in sozialen Netzwerken und führt in die Problematik sowie die gesetzliche Reaktion durch das NetzDG ein.
2 Beleidigung: Dieses Kapitel definiert den rechtlichen Tatbestand der Beleidigung und untersucht die Herausforderungen der Bestimmtheit sowie die Besonderheiten der Kollektivbeleidigung im juristischen Kontext.
3 Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Hier wird der Entstehungsprozess und der regulatorische Rahmen des NetzDG erläutert, inklusive der Pflichten für Plattformbetreiber bezüglich der Löschfristen.
4 Grundrecht auf freie Meinungsäußerung: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsfeld zwischen dem verfassungsrechtlich geschützten Recht auf freie Rede und der notwendigen Beschränkung durch Löschungen in sozialen Medien.
5 Folgen des Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Die Auswirkungen des Gesetzes auf die Arbeitsweise von Netzwerkbetreibern wie Facebook und die Überlastung des Gerichtswesens werden in diesem Kapitel kritisch beleuchtet.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Kontroversen um das NetzDG zusammen und hinterfragt die Wirksamkeit der Verlagerung juristischer Verantwortung auf private Unternehmen.
Schlüsselwörter
Netzwerkdurchsetzungsgesetz, NetzDG, Beleidigung, Meinungsfreiheit, Soziale Netzwerke, Facebook, Hasskommentare, Rechtswidrige Inhalte, Löschpraxis, Strafgesetzbuch, Transparenzbericht, Online-Kommunikation, Regulierung, Rechtsdurchsetzung, Grundgesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Regulierung von strafbaren Inhalten in sozialen Netzwerken durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Deutschland.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die juristische Definition von Beleidigungen, die Meinungsfreiheit, die Löschpraxis privater Plattformen und die daraus resultierenden gesellschaftlichen sowie rechtlichen Folgen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Effektivität und die Auswirkungen des NetzDG zu bewerten, insbesondere in Bezug auf die Gefahr einer vorauseilenden Zensur durch soziale Netzwerke.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine fachliche Analyse unter Einbeziehung von Gesetzestexten, Rechtsprechung und Statistiken zur Inhaltslöschung in sozialen Medien.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Definition der Beleidigung, die Entstehungsgeschichte des NetzDG, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit sowie die praktischen Konsequenzen für Plattformen wie Facebook.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind NetzDG, Meinungsfreiheit, Beleidigung, soziale Netzwerke, Regulierung und Rechtsdurchsetzung.
Warum kritisieren Gegner des NetzDG die juristische Qualifikation der Prüfer?
Die Kritiker bemängeln, dass private Plattformmitarbeiter ohne vollwertige juristische Ausbildung als "Richter" über komplexe Äußerungen entscheiden müssen, was zu Fehlentscheidungen führen kann.
Was versteht man unter dem in der Arbeit diskutierten "Put-Back-Verfahren"?
Es handelt sich um einen Vorschlag, bei dem Nutzer die Möglichkeit erhalten sollen, die Entfernung ihrer zu Unrecht gelöschten Beiträge anzufechten und deren Wiederherstellung zu erwirken.
- Arbeit zitieren
- Laura Buonocore (Autor:in), 2019, Medienrecht. Untersuchung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes anhand von Beleidigungen im sozialen Netzwerk Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513560