Der Mailänder Synagogenstreit von 388 und die Religionspolitik des Kaisers Theodosius


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theodosius
2.1 Herkunft und Politik

3. Ambrosius

4. Der Synagogenstreit
4.1 Bedeutung der Synagogen
4.2 Ablauf
4.3 Briefe des Ambrosius
4.4 Wertung

5. Fazit

6. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Religion ist seit enorm langer Zeit eines der wichtigsten Diskussionsthemen und bringt für viele Zeitalter ein sehr großes Konfliktpotenzial zwischen Menschen und ihren verschiedenen Kulturen bzw. Glaubensrichtungen mit sich. Auch und besonders in der Antike gab es derartige Aufeinandertreffen zwischen verschiedenen Religionen sowie auch Aufspaltungen innerhalb des Christentums.

In dieser Seminararbeit sollen nun solche Konflikte besprochen werden. Genau gesagt geht es um den Kaiser Theodosius, seine Religionspolitik und wie sein Handeln sich auf die Kirche auswirkte. Explizit soll hierbei die Frage geklärt werden, wie stark der Synagogenstreit von 388 das Verhältnis von Kirche und Kaiser beeinflusste. Wer waren die teilnehmenden Personen des Konflikts und vor allem, wer war Ambrosius und warum beugte sich Theodosius seinen Forderungen?

Wichtig ist dieses Thema vor allem, weil Theodosius ein Kaiser war, der sowohl stark und strikt gegen Häretiker vorging, aber auch Verständnis und Einsicht zeigen konnte und scheinbar ein Verhältnis zur Kirche aufrecht zu erhalten versuchte. Daher ergibt sich als wichtigste Überlegung der Arbeit auch, welche Motive beide Seiten für ihr Verhalten und ihr Handeln hatten.

Um dies erforschen zu können, werde ich zunächst auf Theodosius und seine Politik sowie seine Religionspolitik eingehen. Anschließend wird sich die andere Seite der Kirche, vertreten durch Ambrosius, näher angeschaut. Durch das Untersuchen der beiden namentlichen Konfliktteilnehmer sollen später die Motive besser verstanden werden können. Um den Synagogenstreit besser werten zu können wird dafür zunächst die Bedeutung der Synagogen zu dieser Zeit untersucht. Nach dem Darstellen des Sachverhalts soll dann der direkte Konflikt von Ambrosius und Theodosius zum Ereignis der Synagoge bearbeitet werden. Dabei wird auch auf den Brief des Ambrosius eingegangen. Nach diesen Betrachtungen soll dann eine Wertung der Situation und den Handlungen vorgenommen werden, um dann im letzten Punkt ein Fazit machen zu können und die Leitfragen der Arbeit möglichst genau klären zu können.

2. Theodosius

Die folgenden zwei Abschnitte sollen nun die Situation um Theodosius klären. Über sein Leben könnte man sicher eine eigene Arbeit schreiben. Hier soll nun jedoch nur kurz auf seine Herkunft und Politik eingegangen werden, sowie die wichtigsten Fakten für das Seminararbeitsthema zu seiner Religionspolitik geklärt werden.

2.1 Herkunft und Politik

Flavius Theodosius wurde am 11.01.247 in Cauca in der Provinz Gallaecia in Spanien geboren. Er wurde in gutbürgerlichen Verhältnissen geboren, wobei sowohl seine Großeltern Honorius und Thermantia von der väterlichen Seite, als auch sein Vater Honorius gläubige Katholiken waren. Zur gleichen Zeit war jedoch auch der Arianismus noch weit verbreitet. Über seine Mutter ist leider nichts bekannt oder aufzufinden.[1] Theodosius' Vater diente Valentinian I. als Heermeister und war dabei sehr erfolgreich. 376 wurde er allerdings bei einer Hofintrige enthauptet. Er siegte gegen die Alamannen und Franken und konnte auch den Firmus-Aufstand in Afrika niederwerfen. Theodosius selbst diente seinem Vater und bekam nach seiner Abreise nach Afrika sein erstes Truppenkommando als Militärbefehlshaber an der Donau. Dort konnte er sein Talent erstmals unter Beweis stellen. Nach dem Tod seines Vaters zog er sich zunächst aus seinem Amt zurück und gründete eine Familie.[2] Durch die verheerende Niederlage 378 der Römer gegen die Westgoten[3] wurde Theodosius zurückberufen und als Heermeister ernannt, um die übrig gebliebenen Gebiete besser zu sichern. In seinem neuen Amt glänzte er wieder mit dem Sieg gegen die Sarmaten 378 und wurde am 19.01.379 in Sirmium neben Gratian und Valentininan II. zum neuen Kaiser des Ostens ernannt.[4] Sein Herschafftsgebiet war die „praefectura Orientis" mit Dacias Thrakiens und Makedoniens.[5] Aufgrund des Gebietes war es auch seine Aufgabe die römische Herrschaft im Balkangebiet zu restabilisieren.[6] Nach seinem Herrschaftsantritt musste er jedoch einige Niederlagen erleiden und wurde zusätzlich von einer Krankheit geplagt. Sein Unterfangen überlaufende gotische Heermitglieder anzuwerben, wurde durch die Pest, die die Goten erlitten, unterstützt und er konnte 380 Konstantinopel einnehmen.[7] Zusätzlich bekam er einen positiven Einfluss auf seine Propaganda, als der Gotenkönig Athanarich für ein Bündnis zu ihm nach Konstantinopel kam und er auch nach seinem Tod für ein prächtiges Begräbnis des Athanarichs sorgte.[8] Theododius vereinte auch die Herrschaft über das Reich indem er über seine Söhne eine Erbmonarchie anstrebte und eine erfolgreiche Schlacht gegen Eugenius, dem Kaiser des Westens, führte und somit Kaiser über das gesamte Imperium Romanum wurde. Theodosius verstarb am 17.01.395. Die Trauerrede hielt der mailändische Bischof Ambrosius, der eine ausschlaggebende Rolle in dieser Arbeit spielt.[9]

Abgesehen von seinen Aufgaben in der Außenpolitik widmete sich Theodosius auch den wichtigen innenpolitischen Punkten insbesondere der Religionspolitik. Wichtig ist hierbei von vornherein zu erwähnen, dass er der erste war, der den Titel des „Pontifex Maximus" ablehnte und somit auch seine Heidenfeindlichkeit zum Ausdruck brachte. Durch seine beiden relativ toleranten Vorgänger Valens und Valentinian I. hatten die Nicaenisch-orthodoxen und die Arianer viele Anhänger. Gratian versuchte zudem durch komplette Religionsfreiheit und eine liberale Haltung die inneren Unruhen zu unterbinden[10], wodurch allerdings das Gegenteil erreicht wurde. Daher hob er selbst unter Einfluss des Mailänder Bischofs Ambrosius sein Edikt wieder auf und gab die „observatio catholica" vor.[11] Theodosius passte diese Vorgehensweise sehr gut, denn er selbst war auch ein sehr frommer Christ. Ein wichtiger Erlass spielte dabei das „Cunctos populos", in welchem er selbst definiert, wer ein katholischer Christ und wer ein Häretiker ist und natürlich die Bevölkerung Konstantinopels dazu auffordert sich als katholische Christen zu bekennen. Alle anderen, beispielsweise die Arianer, wurden dadurch als Häretiker deklariert und sogar eine Bestrafung angedroht, in welcher auch der Begriff „Sakrileg" erwähnt wird.[12] Hiermit wurde also erstmals ein kaiserlicher Glaubenszwang ausgeführt. Man weiß nicht genau wie groß hier der Einfluss der Bischöfe auf Theodosius war. Da Enßlin nachweisen konnte, dass die Taufe erst im Oktober 380 stattgefunden hatte und das Edikt im Februar des gleichen Jahres erlassen wurde, weiß man, dass dies ohne Einfluss stattgefunden hat.[13] Theodosius war in diesem Zusammenhang auch der Erste der eine Strafe durch seine eigene durch Gott bemächtigte Hand durchführte und somit nicht nur eine im Jenseits stattfindende Bestrafung erfolgen lassen wollte.[14] Zu vermuten ist, dass er dies nicht nur in Konstantinopel machen wollte und daher vorerst nur eine exemplarische Ordnung in seiner Heimat zu schaffen versuchte.[15] Dieses Gesetz hatte also die Absicht das Christentum zur Staatsreligion zu machen und Häretiker aufgrund der Missachtung des Staatsgesetzes zu bestrafen.[16] Ähnlich hart griff Theodosius auch in Sachen Kirche ein. 380 entließ er einen arianischen Bischof und gab das Amt dem orthodoxen Gegenkandidaten und dies zusätzlich mithilfe militärischer Unterstützung. Zwar behielt dieser nicht lange das Amt, doch wurde so auch nach und nach die 40-jährige Vorherrschaft der Arianer in Konstantinopel beendet.[17] Im Januar 381 wurde der nicaenisch-arianische Glauben erneut als verbindlich erklärt, jedoch ohne die pflichtige Ernennung eines rechtsgläubigen Papstes. Theodosius versuchte seine Entscheidung kirchlich zu legitimieren, indem er ein Konzil einberief. Dieses bestand jedoch aus 150 orientalischen Bischöfen, die aufgrund der Herkunft natürlich leicht zu beeinflussen waren und dessen Ansichten sich mit denen von Theodosius deckten.[18] Somit wurde bereits im ersten Kanon das Glaubensbekenntnis verabschiedet und seine Autorität anerkannt.[19]

Das Jahr 381 kann somit abschließend als das Jahr der Gründung der christlichen Staatsreligion durch Theodosius' Vorgehen bezeichnet werden und sorgt für großes Konfliktpotential zwischen östlicher und westlicher Kirche.

3. Ambrosius

Ambrosius von Mailand wurde 339 in Trier geboren. Er kam aus vornehmen Kreisen, wobei seine Eltern der römischen Senatsaristokratie angehörten. Zudem war er, wie in der Spätantike nicht ungewöhnlich, nicht getauft. Ambrosius Vater war Präfekt der Gallia Narbonensis. Er nahm nach seinem Tod ebenfalls die Beamtenlaufbahn auf und genoss eine juristische Ausbildung. Ambrosius bekam eine Zulassung als Anwalt und diente in Sirmium Sextus Petronius Probus. Dies führte er so erfolgreich aus, dass er zum Beisitzer befördert wurde. Durch die Präfekur kam er somit nach Mailand.

Auch in Mailand gab es einen Streit zwischen Arianern und Trinitariern. Nach dem Tod des dort ansässigen Bischofs Auxentius im Jahr 374 stand somit eine Wahl mit hohem Konfliktpotenzial bevor. Ambrosius besuchte die Wahl als angesehener Präfekt, um größere Unruhen zu vermeiden und konnte mit seiner Ansprache so sehr von sich überzeugen, dass er einstimmig zum Bischof gewählt wurde, obwohl dies nicht seine Absicht gewesen zu sein scheint. Er schien beiden Seiten geeignet, da er mit den Trinitariern sympathisierte und auch, aufgrund seiner politischen Stellung, eine gewisse Pflicht zur religiösen Neutralität hatte. Jedoch gab er erst nach, als der Kaiser ihn mehr oder weniger dazu zwang das Amt anzunehmen. In seinen Predigten benutzte er vor allem das Alte Testament. Die Arianer, die eine tolerante Haltung des Ambrosius erwarteten, mussten leider das Gegenteil erleben, denn er benutzte sowohl Politik als auch Theologie um die Arianer, vor allem am mailändischen Hof, zu bekämpfen. Er hat dabei ein unglaublich selbstbewusstes Auftreten und schreckt vor niemandem zurück. Auch bei den mit Arianern sympathisierenden Kaisern und dessen Familien geht er strikt vor und fordert diese auf, wie z.B. bei Gratian, den Titel des Pontifex Maximus abzulegen.[20]

[...]


[1] Vgl. Lippold, Adolf: Theodosius der Große und seine Zeit, München 1980, S. 12.

[2] Vgl. Lippold, S. 13.

[3] Konstantinopel war einer der verbliebenden Standorte. Vgl. Demandt, Alexander: Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284- 565 n. Chr., München 1998, S. 99.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Lippold, S.15f.

[6] Vgl. Demandt, S. 99.

[7] Vgl. Demandt, S. 99f.

[8] Vgl. Demandt, S. 100.

[9] Vgl. Lippold, S. 52.

[10] Vgl. Enßlin, Wilhelm: Die Religionspolitik des Kaisers Theodosius d. Gr., in: Sitzungsberichte der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, Jahrgang 1953, Heft 2, S. 9.

[11] Vgl. Lippold, S. 108

[12] Vgl. Demandt, S. 101 und Lippold, S. 21f.

[13] Vgl. Enßlin, S. 18 ff und Ziegler, Konrat: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Supplementband XIII. Africa Proconsularis bis Viae publicae Romanae, München 1973, S. 956.

[14] Vgl. Ziegler, Konrat: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Supplementband XIII. Africa Proconsularis bis Viae publicae Romanae, München 1973, S. 874 und Lippold, S. 123f.

[15] Vgl. Barceló, P. und Gottlieb, G.: Das Glaubensedikt des Kaisers Theodosius vom 27. Februar 380: Adressaten und Zielsetzung, in: Dietz, K. (Hg.): Festschrift für Adolf Lippold, Würzburg 1993, S. 409-423.

[16] Vgl. Enßlin, S. 26f.

[17] Vgl. Lippold, S. 20f.

[18] Vgl. Ernesti, S. 54f.

[19] Vgl. ders., S. 31f.

[20] Vgl. Joachim Schäfer: Artikel Ambrosius von Mailand, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon - https://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Ambrosius_von_Mailand.htm, abgerufen am 25. 9. 2019.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Mailänder Synagogenstreit von 388 und die Religionspolitik des Kaisers Theodosius
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Antisemitismus in der Antike
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V513634
ISBN (eBook)
9783346096906
ISBN (Buch)
9783346096913
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mailänder, synagogenstreit, religionspolitik, kaisers, theodosius
Arbeit zitieren
Moritz Klimanski (Autor), 2019, Der Mailänder Synagogenstreit von 388 und die Religionspolitik des Kaisers Theodosius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513634

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