Merkmale der Stellvertreterkonflikte des Kalten Krieges


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Zusammenhang zwischen dem Kalten Krieg und Stellvertreterkriegen
2.1 Die Psychologie des Kalten Krieges
2.2. Die Interessen und Ziele der USA
2.3 Interessen und Ziele der Sowjetunion
2.4 Das Glaubwürdigkeitsproblem
2.5 Stellvertreterkriege als Mittel im Kalten Krieg
2.6 A uswirkungen des Kalten Krieges auf die Stellvertreterkriege
2.6.1 Indochina
2.6.2 Indonesien
2.6.3 Angola
2.6.4 Mosambik
2.6.5. Kuwait/Jugoslawien
2.6.6 Nicaragua
2.7 Die langfristige Wirkung der Stellvertreterkriege

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was haben die Vietnamkriege, der Angola- und der Nicaraguakrieg gemeinsam? Diese Kriege sind Beispiele für sogenannte Stellvertreterkriege, Kriege, bei denen "interessierte Dritte" im Ausland Kriegsparteien im Konfliktland unterstützen. Im Gegensatz zu "normalen" oder Koalitionskriegen geschieht diese Unterstützung aus unterschiedlichen Gründen heimlich. Vor allem während des Kalten Krieges von 1945 bis 1989 bedienten sich die beiden Großmächte USA und Sowjetunion oft dieses Mittels.

In dieser Arbeit soll versucht werden, gemeinsame Merkmale und Ursachen der Konflikte zu finden. Auch wenn bei fast keinem dieser Stellvertreterkriege der Kalte Krieg die Ursache ist, so ist er doch bei fast jedem eindeutig in der Lage, den Krieg zu verlängern, zu verkürzen, zu verschärfen oder zu beschwichtigen; meistens jedoch zu verlängern. Das soll (angelehnt an McMahon 2005) auch die These dieser Arbeit sein.

Zuerst sollen die Gedankenlage der beiden Großmächte und ihre Interessen während des Kalten Krieges verdeutlicht werden, um danach ausführlicher auf den "Stellvertreterkrieg" als politisches und militärisches Instrument einzugehen. Anschließend werden anhand ausgewählter Beispiele kurz Stellvertreterkonflikte und der Einfluss der Großmächte auf sie skizziert. Als Abschluss werden die Wirkung und der Erfolg der Stellvertreterkriege betrachtet.

Vor allem die deutsche Quellenlage zu Stellvertreterkriegen ist sehr dünn, deshalb dienen hauptsächlich drei Aufsätze in der Zeitschrift "Mittelweg" des Hamburger Instituts für Sozialforschung und die Erkenntnisse des Politologie-Hauptseminars "Stellvertreterkriege: Typologie und Wirkung" von Dr. Dr. Ulrich van der Heyden und Dr. Dr. Hans-Ulrich Seidt an der Freien Universität Berlin 2005 als Grundlage.

2. Der Zusammenhang zwischen dem Kalten Krieg und Stellvertreterkriegen

2.1 Die Psychologie des Kalten Krieges

Am 6. August 1945 wurde zum ersten Mal eine Atombombe als Waffe benutzt. Die USA warfen die Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. Der Einsatz von atomaren Waffen gegen die Zivilbevölkerung markierte den Beginn des "atomaren Zeitalters".

1949 entwickelte auch die Sowjetunion ihre erste Atombombe. Die UDSSR verstärkte ihre Kernwaffenversuche und zündete am 30. Oktober 1961 bei der Insel Semlja im Eismeer den bis dahin größten thermonuklearen Sprengkörper. Daraufhin folgte eine atomare Aufrüstung beider Großmächte. Ein Nuklearkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion konnte 1962 nur knapp verhindert werden und ging unter dem Stichwort "Kubakrise" in die Geschichtsbücher ein (vgl. Woyke 1993). Die atomare Pattsituation wurde als "Gleichgewicht des Schreckens" bezeichnet, da beide Länder genug Atomwaffen besaßen, um feindliche Länder und die Erde gleich mehrfach vernichten zu können. Trotz dieser Zerstörungskraft wäre es dem angegriffenen Land immer noch möglich gewesen, den Angreifer vor der eigenen Zerstörung noch mit Atomwaffen anzugreifen ("launch after attack"). Eine direkte Konfrontation der beiden Großmächte barg somit fortan immer das Risiko einer unkontrollierbaren Vernichtung aller in sich: "Der Versuch, Glaubwürdigkeit dadurch zu erhöhen, dass dem Gegner auf einen begrenzten [nuklearen] Angriff hin lediglich mit begrenzten Mitteln geantwortet wird, verringert die allgemeine Abschreckungswirkung, da ein Nuklearkrieg als rational führbar angesehen werden könnte" (Kahl 1993:302).

Der atomare Konflikt zwischen USA und Sowjetunion war jedoch nur der Ausdruck eines grundsätzlicheren Widerspruchs. Während die USA Kapitalismus und Demokratie als beste aller Wirtschaft- und Regierungsformen propagierten, hielt die Sowjetunion den Kommunismus dagegen.

Dieser entscheidende Systemgegensatz der Ersten (kapitalistische USA) und Zweiten Welt (kommunistische Sowjetunion) steigerte die Bedeutung der sogenannten "Dritten Welt". Unter der "Dritten Welt" wurden die noch blockfreien afrikanischen und asiatischen Staaten verstanden, die sich keinem der beiden politischen Blöcke zuordnen wollten. Der Begriff wurde erstmals im April 1955 auf der Bandung-Konferenz benutzt, während der sich 23 asiatische und sechs afrikanische Staaten darauf einigten, angesichts der beiden sich immer stärker voneinander abschottenden Blöcke stärker zu kooperieren und ihre friedliche Koexistenz anzuerkennen (vgl. Müller 1996).

Sowohl die USA als auch die Sowjetunion sahen diese unentschlossenen Staaten als Schlüssel für die zukünftige Stärke der eigenen Nation an und versuchten dementsprechend, einzelne Länder auf ihre Seite zu ziehen.

Der Ost-West-Konflikt zwischen den beiden großen Blockmächten wurde bald als "Kalter Krieg" bezeichnet, da während 1945 bis 1989 weder in den USA noch in der Sowjetunion ein mit Waffengewalt ausgetragener Krieg ("heißer Krieg") stattfand.

Dass die Phase des "Kalten Krieges" jedoch friedlich verlief, ist eine Illusion. Zwischen 1945 und 1989 fanden zwar in den USA, in Kanada und der UDSSR keine Kriege statt, trotzdem wurden während dieses Zeitraums 218 Kriege weltweit gezählt (vgl. AKUF 2005). Davon wurden nur 7% in Europa ausgetragen, die meisten Kriege fanden mit 93% in der Dritten Welt statt. Doch auch hier gab es Unterschiede. Während in Lateinamerika nur 15% aller Kriege geschahen, entfielen auf Afrika, Asien und den Nahen und Mittleren Osten jeweils 25% der Kriege (ebenda). Diese Ungleichverteilung hatte System: "Der regionale Frieden war freilich nur um den Preis eines globalisierten Krieges zu haben. Mehr noch: Je stabiler der Friede in den Metropolen war, desto heftiger tobte der Krieg an der Peripherie" (Greiner 2003:17).

Ironischerweise wird der "Kalte Krieg" im Bertelsmann-Lexikon auch als Mittel zur "Vermeidung militärischer Konflikte" bezeichnet. Die "Friedlichkeit" des Kalten Krieges bezieht sich eher auf das bisherige Ausbleiben des Dritten Weltkrieges, der nach dem Zweiten Weltkrieg von vielen erwartet wurde (vgl. Heuser 2005).

Die Westmächte und der Ostblock verzichteten zwar auf die direkte Konfrontation, ließen sich aber von einem militärischen Engagement in anderen Staaten zur Durchsetzung ihrer Interessen nicht abbringen: "Im Grunde wurde die südliche Halbkugel zum militärischen Spielball der Großmächte" (Greiner 2003:18). Oder anders formuliert: "Alle Kriege jener Zeit, in denen Truppen der USA und der Sowjetunion zum Einsatz kamen, fanden in Ländern der Dritten Welt statt" (McMahon 2005:8). Welche Interessen die Blockmächte dort versucht haben durchzusetzen, soll im Folgenden erläutert werden.

2.2. Die Interessen und Ziele der USA

Drei wichtige Interessen der USA lassen sich während des "Kalten Krieges" ausmachen. Die USA versuchten, die Kontrolle über wichtige Rohstoffe wie Öl im Nahen Osten oder Zinn in Südostasien und strategische Militärstützpunkte für den Kriegsfall zu gewinnen oder behalten. "Wie sehr die Vereinigten Staaten auf Südostasien angewiesen waren, wurde schmerzlich deutlich, als die Japaner [während des Zweiten Weltkriegs; Anm. d. Autors] wichtige Regionen der Zinnförderung und Kautschukerzeugung besetzt hatten - sofort zeigten sich Engpässe in der verarbeitenden Industrie der USA" (McMahon 2005:8). Das dritte wichtige Ziel der USA war die Eindämmung des sowjetischen Einflusses. Diese von US-Präsident Truman anlässlich der sowjetischen Unterstützung des griechischen Bürgerkriegs 1947 formulierte Idee wurde als "Truman-Doktrin" bekannt. Die Idee, von einer Kooperation mit der UDSSR abzurücken und jedes weitere sowjetische Vordringen in andere Länder zu verhindern, wurde als "Containment-Politik" bezeichnet. Diese Eindämmung sollte unter anderem durch verschiedene US-initiierte Verteidigungsbündnisse erreicht werden. 1951 wurde der Pazifik-Pakt ANZUS gegründet, dem neben der USA Australien und Neuseeland angehörten. Erklärtes Ziel war neben der Abwehr Japans die "Eindämmung der damals unter Moskauer Führung stehenden kommunistischen Weltbewegung" (Woyke 1993:287). 1954 entstand der Südostasien-Pakt (SEATO), in dem sich die USA, Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland, die Philippinen, Thailand und Pakistan zusammenschlossen. 1955 wurde der Bagdad-Pakt gegründet, ein Verteidigungsbündnis von Großbritannien, Iran, der Türkei, Pakistan und dem Irak. 1959 wurde als wichtigstes Vertragswerk der Nordatlantikpakt (NATO) geschlossen, in dem sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Island, Portugal, Italien, Kanada und die USA versicherten, einem Vertragspartner bei einem Angriff beizustehen. In den folgenden Jahren traten noch Griechenland und die Türkei (1952), BRD (1955) und Spanien (1982) bei (vgl. Woyke 1993). Werden diese Länder auf einer Weltkarte markiert, zeigt sich deutlich, wie sie sich wie ein Ring um die Sowjetunion legten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Merkmale der Stellvertreterkonflikte des Kalten Krieges
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Stellvertreterkriege: Typologie und Wirkung
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V51366
ISBN (eBook)
9783638473637
ISBN (Buch)
9783638779265
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit durfte nur einen bestimmten Seitenumfang haben, deshalb sind die konkreten Beispiele sehr knapp gehalten, da sie u.a. im Seminar schon ausführlicher besprochen wurden. Die Arbeit liefert weniger einen geschichtlichen Abriss als eine politologische Analyse der Merkmale von Stellvertreterkriegen (oder auch "proxy wars" genannt) und ist damit eine der wenigen Arbeiten zum Thema.
Schlagworte
Merkmale, Stellvertreterkonflikte, Kalten, Krieges, Stellvertreterkriege, Typologie, Wirkung
Arbeit zitieren
Dipl. pol. Robert Kneschke (Autor), 2005, Merkmale der Stellvertreterkonflikte des Kalten Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51366

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