Vor allem die Forschung von Benveniste stellt sich bei der Untersuchung der etymologischen Ebene der Gastfreundschaft (Hospitalität) als erleuchtend dar. Der lateinische Ursprung des Wortes
lautet h o s t i – p e t. „Ursprünglich bedeutet der Begriff hostis Gleichheit durch Ausgleich: hostis ist derjenige, der meine Gabe durch eine Gegengabe ausgleicht... Hostis war also einmal... die Bedeutung für den Gast.“
Neben dieser ursprünglichen Bedeutung wird der Begriff hostis im laufe der Zeit sowohl einen Gast, als auch einen Feind kennzeichnen. Dies steht in einer engen Verbindung mit dem griechischen Nomen xenos. Xenos trägt in sich eine semantische Dualität, die gleichzeitig Gast, als auch Fremder bedeutet. Die Einführung eines Fremden zwischen einen Gast und einen Feind lässt uns bei der Bedeutungsanalyse die Schlußfolgerung ziehen, dass das Kennzeichnen eines unbekannten Besuchers davon abhängig war, inwieweit der Besucher durch sein Verhalten sich als gut- oder bösgesinnt erkennen lies.
Um dies besser zu verstehen, widmen wir uns noch einmal dem Begriff xenos nach Benveniste. Xenos bezeichnet, neben einem Fremden und einem Gastgeber, auch „gleichartige Beziehungen zwischen Menschen, die durch eine Abmachung gebunden sind, die mit präzisen, sich auf die Nachfahren erstreckenden Verpflichtungen einhergeht.“ Die Verpflichtungen, die das Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber ausmachen, formen eine Art von Pakt oder Vertrag, der sich aufgrund von Tausch und Handeln vollzieht. Die Vertraglichkeit der Beziehung wird auch xenia genannt, sie ist die Voraussetzung einer freundschaftlichen Kommunikation nicht nur zwischen Individuen, sondern auch Familien, ethnischen Gruppen und Stadtstaaten.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Analyse
III Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Gastfreundschaft in Sophokles' Drama „Ödipus auf Kolonos“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das antike Verständnis der Hospitalität, geprägt durch soziale und göttliche Normen, in den Handlungen der Figuren widerspiegelt und welche ethischen sowie rechtlichen Implikationen sich daraus im Kontext von Macht, Identität und dem Umgang mit dem Fremden ergeben.
- Etymologische Analyse des Begriffs Gastfreundschaft (Hospitalität)
- Die Rolle des heiligen Raums und göttlicher Gesetze im Drama
- Machtstrukturen und das Rollenspiel zwischen Gastgeber und Gast
- Die Bedeutung von Sprache und Geheimnis als Gaben
- Verbindung zwischen antiken Traditionen und modernen Rechtsvorstellungen
Auszug aus dem Buch
II Analyse
Vor allem die Forschung von Benveniste stellt sich bei der Untersuchung der etymologischen Ebene der Gastfreundschaft (Hospitalität) als erleuchtend dar. Der lateinische Ursprung des Wortes lautet h o s t i – p e t. „Ursprünglich bedeutet der Begriff hostis Gleichheit durch Ausgleich: hostis ist derjenige, der meine Gabe durch eine Gegengabe ausgleicht... Hostis war also einmal... die Bedeutung für den Gast.“ Neben dieser ursprünglichen Bedeutung wird der Begriff hostis im laufe der Zeit sowohl einen Gast, als auch einen Feind kennzeichnen. Dies steht in einer engen Verbindung mit dem griechischen Nomen xenos. Xenos trägt in sich eine semantische Dualität, die gleichzeitig Gast, als auch Fremder bedeutet. Die Einführung eines Fremden zwischen einen Gast und einen Feind lässt uns bei der Bedeutungsanalyse die Schlußfolgerung ziehen, dass das Kennzeichnen eines unbekannten Besuchers davon abhängig war, inwieweit der Besucher durch sein Verhalten sich als gut- oder bösgesinnt erkennen lies.
Um dies besser zu verstehen, widmen wir uns noch einmal dem Begriff xenos nach Benveniste. Xenos bezeichnet, neben einem Fremden und einem Gastgeber, auch „gleichartige Beziehungen zwischen Menschen, die durch eine Abmachung gebunden sind, die mit präzisen, sich auf die Nachfahren erstreckenden Verpflichtungen einhergeht.“ Die Verpflichtungen, die das Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber ausmachen, formen eine Art von Pakt oder Vertrag, der sich aufgrund von Tausch und Handeln vollzieht. Die Vertraglichkeit der Beziehung wird auch xenia genannt, sie ist die Voraussetzung einer freundschaftlichen Kommunikation nicht nur zwischen Individuen, sondern auch Familien, ethnischen Gruppen und Stadtstaaten.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Gastfreundschaft anhand einer Textpassage aus „Ödipus auf Kolonos“ ein und stellt den Kontext zu „König Ödipus“ sowie den Handlungsverlauf des Dramas dar.
II Analyse: Hier erfolgt eine tiefgehende Untersuchung der etymologischen und ethischen Aspekte der Gastfreundschaft, wobei Bezüge zu antiken, biblischen und modernen philosophischen Ansätzen (u.a. Kant, Derrida) hergestellt werden.
III Bibliographie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Primär- und Sekundärquellen der wissenschaftlichen Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Gastfreundschaft, Hospitalität, Ödipus auf Kolonos, Sophokles, xenia, xenos, Antike, Ethik, Recht, Macht, Gabe, Identität, Fremder, Theseus, Benveniste.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Konzept und die Praktiken der Gastfreundschaft in Sophokles' Werk „Ödipus auf Kolonos“ und analysiert deren Bedeutung im antiken Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der etymologischen Herleitung des Begriffs Hospitalität, der Bedeutung von göttlichen und menschlichen Gesetzen sowie der ethischen Dimension des Gastschutzes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die ethische und geschichtliche Bedeutung der Gastfreundschaft im Drama zu erschließen und Parallelen zu modernen Rechts- und Gesellschaftsfragen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine philologische und begriffsgeschichtliche Analyse, wobei sie sich primär auf etymologische Herleitungen und philosophische Diskurse stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil (Analyse) werden die Begriffe hostis und xenos untersucht, die religiöse Bedeutung von Gastfreundschaft (Theoxenie) beleuchtet und das Handeln der Figuren wie Ödipus und Theseus analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Gastfreundschaft, Hospitalität, Ethik, Recht, Macht und die literarische Analyse des Dramas „Ödipus auf Kolonos“.
Welche Rolle spielt der Begriff „xenos“ in der Argumentation des Autors?
Xenos ist zentral, da er die semantische Dualität von Gast und Fremder in sich trägt, was für das Verständnis der Unsicherheit und der Vertragsbeziehungen im antiken Griechenland essenziell ist.
Wie verbindet der Autor das antike Drama mit modernen politischen Überlegungen?
Der Autor verknüpft die Gastfreundschaft im Drama mit Immanuel Kants „Ewigem Frieden“ und Hannah Arendts Überlegungen zu Identität und Recht, um Fragen zu Flüchtlingen und Staatenlosen zu kontextualisieren.
Warum spielt das „Geheimnis“ eine so wichtige Rolle im Abkommen zwischen Theseus und Ödipus?
Das Geheimnis fungiert als Schwelle zwischen dem Öffentlichen und Privaten sowie dem Profanen und Heiligen und zeigt die Macht eines Königs, der sich verpflichtet, das Geheimnis seines Gastes zu schützen.
- Arbeit zitieren
- Vukan Mihailovic de Deo (Autor:in), 2005, Zum Thema der Gastfreundschaft in Sophokles 'Ödipus auf Kolonos', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51371