Rom, die ewige Stadt, war ein Imperium, das im Laufe der Jahrhunderte einen ausgeprägten Wandel in der Ausgestaltung seiner Kultur und Religionen durchlebte und noch immer eine magische Anziehungskraft für die Christenheit ausstrahlt. Zu einem zentralen religiösen Markstein manifestiert sich dabei auch im Anfang des 17. Jahrhunderts eine Mariensäule vor der Basilika Santa Maria Maggiore. Sie gehört zu den bekanntesten, der Heiligen Jungfrau gewidmeten Monumenten in der Nach- Trienter-Zeit.1 Das christliche Monument steht für eine Idee, für päpstliches Gedankengut, das eine lange Vorgeschichte bis hin zu ihrer Realisierung geprägt hat. Sie beinhaltet nicht nur eine antike, pagane Säule als Träger der Marienfigur, sondern bildet auch auch eine aus der Antike stammende Tradition ab, nämlich die des Säulenmonumentes. Die vorliegende Arbeit fokussiert sich auf die entscheidendsten Punkte, die für die Realisierung der Mariensäule prägend waren und möchte auf die Bedeutungsebenen hinleiten, welche das christliche Monument in sich vereinen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Maria wird immer wichtiger in der Heilsgeschichte
3. Die älteste Marienkirche Roms: Basilika Santa Maria Maggiore
4. Das Christentum auf Abwegen und das Trienter Konzil
4.1 Das Stadtbild von Rom verändert sich
4.2 Die Tradition der Säulenmonumente
5. Die Aufstellung der Mariensäule
5.1 Die Bedeutung der antiken Säule und ihre Herkunft
5.2 Die Beschreibung der Marienfigur
5.3 Die Bedeutung der Inschriften und die Betonung auf den Frieden
6. Die Bedeutung der Mariensäule: Ein Monument des Friedens?
7. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung und die Umstände der Realisierung der Mariensäule vor der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom (1613-1614). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das monumentale Bauwerk als Antwort auf die religiösen und politischen Herausforderungen der Nach-Trienter-Zeit fungierte und durch die Transformation antiker Überreste in einen christlichen Kontext das päpstliche Ansehen sowie die Bedeutung der Marienverehrung stärkte.
- Die Entwicklung der Marienverehrung innerhalb der Heilsgeschichte und das Konzil von Ephesos.
- Die städtebauliche Neugestaltung Roms unter den Päpsten Sixtus V. und Paul V.
- Die Tradition und Symbolik von Säulenmonumenten als Ausdruck politischer und religiöser Macht.
- Die technische und ideologische Transformation der antiken Säule aus der Maxentiusbasilika in ein christliches Monument.
- Die ikonographische Analyse der Marienfigur und die Inschriften als Friedensbotschaft.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Tradition der Säulenmonumente
Papst Paul V. knüpfte nicht nur an die Realisierung der Pläne von Sixtus V. an, sondern gliedert auch das Monument in eine lange Tradition der Säulenmonumente ein. Um besser verstehen zu können, welche Bedeutung das neu errichtete Monument vor der Basilika Santa Maria Maggiore hat, ist es sinnvoll, einen Blick auf die Geschichte der Säulenmonumente zu werfen. Monumente dieser Art dienen als Bildvermittlung und Bilderinnerung. Das Säulenmonument bildet eine der ausgeprägtesten Formen des großen öffentlichen Ehrenmals der Antike.
Abgeleitet hat sich ihre Entwicklung aus der griechischen Welt. Anstelle der alten Kultsymbole wie Baum, Stein, Pfahl tritt nun als neues Kultmotiv die Säule als monumental geformter Ersatz hervor. Die Wahl einer Säule steht metaphorisch für Dauer, Stärke und Beständigkeit, mit der das Ziel verfolgt wurde, eine Sache über eine andere zu erhöhen. Ab dem 13. Jahrhundert wurden mit den Ehrensäulen alle möglichen Ideen repräsentiert. Sie konnten Ausdruck einer bürgerlichen Bewegung oder eines politischen Ideals sein, sowie religiöse Motive verfolgen. Sie wurden dazu verwendet, die Rechte oder Identität einer Stadt auszudrücken, Triumphe des Christentums zu veranschaulichen oder Tugenden eines Herrschers widerzuspiegeln.
Säulenmonumente sind antike Motive, die als freistehende Säulen als Grenzbezeichnungen dienen können, die einen Besitz monumental kennzeichnen. Seit der Antike können solche Bauten auch als Stadtwahrzeichen aufgefasst werden, die in einem öffentlich-symbolischen Sinne unter einer profanen Bedeutung stehen können. In Rom entwickelt sich das römische Säulenmonument zum reinen Ehrendenkmal. Ehrensäulen erleben die Tradition, dass sie, wie es der Name bereits andeutet, zum Ehren einer Person, meist eines Kaisers, in ein Stadtbild zu Präsentationszwecken eingegliedert werden. Die Glorifizierung von militärische Erfolgen wurden oft als Themen für Ehrensäulen gewählt. Bereits in der Antike war es Tradition, militärische Siege mit Ritualen zu verbinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Mariensäule ein und legt den Fokus auf deren Rolle als päpstliches Symbol inmitten der religiösen Umbrüche des 17. Jahrhunderts.
2. Maria wird immer wichtiger in der Heilsgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die dogmatische Entwicklung der Marienverehrung, insbesondere ausgehend vom Konzil von Ephesos, und begründet Maria als zentrales christliches Bildmotiv.
3. Die älteste Marienkirche Roms: Basilika Santa Maria Maggiore: Es wird die Bedeutung dieser spezifischen Basilika als wichtigstem Marienheiligtum Roms und als Ort für die Aufstellung des Monuments dargelegt.
4. Das Christentum auf Abwegen und das Trienter Konzil: Das Kapitel analysiert die krisenhafte Ausgangslage der Kirche nach der Reformation und die Rolle des Trienter Konzils bei der moralischen und geistigen Neuausrichtung.
4.1 Das Stadtbild von Rom verändert sich: Die Umgestaltung Roms unter Papst Sixtus V. wird als bewusste Transformation hin zu einem christlichen Zentrum beschrieben, das durch neue Prozessionswege strukturiert wurde.
4.2 Die Tradition der Säulenmonumente: Es wird der kunsthistorische Hintergrund erläutert, wie antike Säulen als monumentale Zeugnisse und Ehrendenkmäler in den christlichen Kontext überführt wurden.
5. Die Aufstellung der Mariensäule: Dieses Kapitel beschreibt den aufwendigen technischen Prozess der Transposition der antiken Marmorsäule von der Maxentiusbasilika zum Esquilin.
5.1 Die Bedeutung der antiken Säule und ihre Herkunft: Die Geschichte und die materielle Beschaffenheit der antiken Säule werden beleuchtet, ebenso wie ihre Umdeutung vom heidnischen zum christlichen Symbol.
5.2 Die Beschreibung der Marienfigur: Eine detaillierte ikonographische Untersuchung der Bronzestatue der Maria Immaculata und deren Symbolik als Himmelskönigin.
5.3 Die Bedeutung der Inschriften und die Betonung auf den Frieden: Die Inschriften auf dem Sockel werden übersetzt und als explizite Friedensbotschaft des Papsttums interpretiert.
6. Die Bedeutung der Mariensäule: Ein Monument des Friedens?: Zusammenfassend wird das Monument als Ausdruck eines neuen päpstlichen Selbstverständnisses unter dem Zeichen des Friedens gedeutet.
7. Conclusio: Die Ergebnisse werden synthetisiert und die Mariensäule als notwendiges Produkt einer spezifischen historischen Entwicklung innerhalb der Gegenreformation resümiert.
Schlüsselwörter
Mariensäule, Santa Maria Maggiore, Papst Paul V., Sixtus V., Gegenreformation, Trienter Konzil, Ikonographie, Maria Immaculata, Säulenmonument, Pax Romana, Transposition, Antike, Rom, Architektur, Heilsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung, die architektonische Transformation und die religiöse Bedeutung der Mariensäule vor der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Marienverehrung, die städtebauliche Neugestaltung Roms nach dem Trienter Konzil und die Uminterpretation antiker Denkmäler für christliche Zwecke.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie das Monument als Antwort auf kirchliche Krisen der Nach-Trienter-Zeit diente und in welcher Weise es päpstliches Gedankengut durch die Verbindung von Antike und christlicher Dogmatik vermittelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische und historisch-analytische Untersuchung, die ikonographische Bildanalysen mit der Erforschung der historischen Stadtentwicklung und zeitgenössischer Dokumente verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Bedeutung Marias in der Heilsgeschichte, die baulichen Maßnahmen der Päpste Sixtus V. und Paul V., die Tradition der antiken Säulenmonumente sowie die detaillierte Beschreibung und Inschriftenanalyse der Mariensäule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Mariensäule, Gegenreformation, Pax Romana, Ikonographie, Transposition, antike Säule und das Papsttum im 17. Jahrhundert.
Warum war die Auswahl der antiken Säule aus der Maxentiusbasilika so bedeutend für das Papsttum?
Die Auswahl war ein symbolischer Akt, um die "alte Großartigkeit" der Antike zu christianisieren und den Sieg des katholischen Glaubens über das Heidentum sowie über die protestantischen Einflüsse zu demonstrieren.
Welche Rolle spielt der Friedensgedanke in den Inschriften des Monuments?
Die Inschriften auf dem Sockel betonen Maria als "wahre Quelle des Friedens" und proklamieren den Papst als Friedensbringer, was die politische Bestrebung des Papsttums widerspiegelt, Einheit und Stabilität innerhalb der Kirche und der Welt zu stiften.
Wie wurde die Marienfigur ikonographisch dargestellt?
Die Figur der Maria Immaculata wird als Himmelskönigin dargestellt, die auf der Mondsichel steht und von einem Kranz aus zwölf Sternen umgeben ist, was auf ihre Reinheit und ihre Sonderstellung innerhalb der Heilsgeschichte verweist.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Über die Bedeutung der Realisierung der Mariensäule vor der Basilika Santa Maria Maggiore (1613-1614) in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513850