Einleitung
Immer häufiger liest und hört man in den Medien etwas über „Medien- und Fernsehkinder“ oder über die Zunahme von adipösen Kindern. Ich habe in einer relativ kleinen lokalen Tageszeitung alleine in den letzten Wochen zahlreiche Artikel mit Überschriften wie: „Fernseher: Gift für gute Noten?“ (IVZ 19.07.05), „Hoher TV-Konsum drückt die Schulnoten“ (IVZ 26.09.05), oder „Bei schlechten Noten das Verhalten geändert. Medien beeinflussen die schulischen Leistungen“ (IVZ 29.09.05) gefunden. Gleichzeitig werden zunehmend die Klagen seitens der Eltern, Erzieher oder Lehrer laut, dass die Kinder immer zappeliger und unkonzentrierter werden. Außerdem ist zu beobachten, dass viele Kinder nicht einmal mehr die einfachsten Grundfertigkeiten der Bewegung beherrschen. Diese Erfahrung habe ich selber beim Tennis-Training gemacht. Einige meiner Trainingskinder im Grundschulalter sind kaum noch in der Lage, rückwärts zu laufen oder auf einem Bein zu hüpfen. Ursachen und Erklärungen für all diese Erscheinungen sucht man in der „Veränderten Kindheit“.
In meiner Arbeit möchte ich die Auswirkungen der veränderten Kindheit auf die Bewegungs- und Konzentrationsfähigkeit der Kinder darlegen.
Zunächst werde ich im 2. Kapitel einen kurzen Überblick über die Geschichte der Kindheit geben und den Begriff „Kindheit“ näher erläutern. Im anschließenden 3. Kapitel geht es um die Veränderungen, die in der Entwicklung der Kindheit aufgetreten sind. Darstellen möchte ich hier besonders die „Kindheit heute“. Hierbei geht es nicht um eine Beurteilung der heutigen Kindheit, sondern um das Darlegen verschiedener Aspekte, die alle Einfluss auf den von Ärzten, Pädagogen und Wissenschaftlern festgestellten Bewegungsmangel der Kinder haben. Wie sich diese Veränderungen auswirken, wird u.a. im Kapitel 3.3 näher erläutert.
Um den Zusammenhang der veränderten Kindheit mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit darzustellen, werde ich zunächst diese Begriffe näher beschreiben und ihre Funktionen, Aspekte und Merkmale herausstellen (vgl. Kap. 4). Zudem wird die Bedeutung der Aufmerksamkeit im Hinblick auf schulisches Lernen erörtert (vgl. Kap. 4.4). Anschließend weise ich noch auf die Problematik und Schwierigkeiten von Aufmerksamkeitsstörungen und aufmerksamkeitsgestörten Kindern in der Schule hin (vgl. Kap. 4.5 )...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abriss über die Geschichte der Kindheit
3. Kindheit heute
3.1 Die gravierendste Veränderung: Der Mangel an Bewegungs-Erfahrungen
3.2 Ausgewählte Aspekte Veränderter Kindheit, die Einfluss auf die Bewegungserfahrungen nehmen
3.2.1 Die Familienkindheit
3.2.2 Veränderte Umweltbedingungen und die Auswirkungen auf die Kinder
3.2.3 Der Einfluss der Medien auf die Kinder
3.3 Auswirkungen der Veränderten Kindheit
3.3.1 Die Auswirkungen auf das Leben der Kinder
3.3.2 Die Auswirkungen auf die Grundschule
3.3.3 Die Veränderungen aus Sicht der Lehrer
3.4 Zusammenfassung
4. Aufmerksamkeit und Konzentration
4.1 Definition und Begriffsunterscheidung von Aufmerksamkeit und Konzentration
4.2 Begriffliche und inhaltliche Unterscheidungen von Aufmerksamkeit
4.3 Die Entwicklung der Aufmerksamkeit beim Kind
4.4 Die Wichtigkeit und Förderung von Konzentration und Aufmerksamkeit in der Schule
4.5 Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern
4.5.1 Definition von Aufmerksamkeitsstörungen
4.5.2 Das Auftreten von Aufmerksamkeitsstörungen
4.5.3 Aufmerksamkeitsgestörte Kinder in der Schule
4.6 In wiefern beeinflusst nun Bewegung die Aufmerksamkeit und Konzentration
4.7 Zusammenfassung
5. Bewegung
5.1 Definition von Bewegung
5.2 Funktionen von Bewegung
5.3 Erfahrungsdimensionen von Bewegung
5.3.1 Personale Erfahrung
5.3.2 Materiale Erfahrung
5.3.3 Soziale Erfahrung
5.4 Die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung
5.4.1 Die Entwicklung der Wahrnehmung durch Bewegung
5.4.2 Das Zentralnervensystem (ZNS)
5.5 Konsequenzen, die sich aus Bewegungsmangel ergeben
5.6 Zusammenfassung
6. Die „Bewegte Schule“ als Präventions- und Interventionsmaßnahme gegen Bewegungsmangel und Konzentrationsstörungen
6.1 Bewegte Schule
6.1.1 Argumente für eine Bewegungserziehung in der Grundschule
6.1.2 Ziele der Bewegten Schule
6.1.3 Elemente der Bewegten Schule
6.1.3.1 Bewegter Klassenraum
6.1.3.2 Bewegtes Lernen
6.1.3.3 Bewegungspausen im Unterricht
6.1.3.4 Stillepausen und Entspannungsphasen im Unterricht
6.1.3.5 Dynamisches Sitzen
6.1.3.6 Bewegung in den Pausen
6.1.3.7 Bewegung im Sportunterricht
6.1.3.8 Außerunterrichtliche Bewegungsangebote
6.1.4 Kann durch die Bewegte Schule ein Zuwachs bei der Konzentrations- und Lernleistung beobachtet werden?
6.1.5 Zusammenfassung
6.2 Entspannungs- und Konzentrationsübungen für den Unterricht
7. Schlussbetrachtung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den veränderten Lebensbedingungen heutiger Kinder und deren Auswirkungen auf die Bewegungs- und Konzentrationsfähigkeit. Das primäre Ziel ist es, den Bewegungsmangel als Ursache für Konzentrationsstörungen zu identifizieren und Möglichkeiten der schulischen Intervention, insbesondere durch das Konzept der „Bewegten Schule“, aufzuzeigen.
- Veränderte Kindheit und Lebensumwelt
- Entwicklung und Bedeutung von Aufmerksamkeit und Konzentration
- Die Rolle der Bewegung für die kindliche Entwicklung und Neurobiologie
- Präventions- und Interventionskonzepte in der Schule
Auszug aus dem Buch
Die Familienkindheit
Die Familie ist unstrittig die erste und auch einflussreichste Sozialisationsinstanz, die sich allerdings in den letzten Jahren immer mehr verändert hat.
Die Familienformen befinden sich in einem steten Wandel. Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben, fand man im Mittelalter meist die Form des „Großen Hauses“ vor. Alle, die in einem Haus wohnten und dort arbeiteten, waren eine Familie. Im späten 18. und im 19. Jahrhundert entstand im Bürgertum eine „zeitliche und örtliche Trennung von Familien- und Erwerbsleben“ (ROLFF/ZIMMERMANN 1997, S. 14).
Es entwickelte sich die auch heute noch traditionelle Familienstruktur von Vater, Mutter und Kindern. Zugleich veränderten sich die Bedingungen für das Schließen einer Ehe. Der Ehepartner wurde nicht mehr nach Nützlichkeit und Zweck ausgesucht - es gab keine standesrechtlichen Beschränkungen mehr - das emotionale Verständnis zwischen den Ehepartnern rückte mehr und mehr in den Vordergrund.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problematik des Bewegungsmangels und Konzentrationsschwächen bei Kindern sowie der Forschungsfragen.
2. Abriss über die Geschichte der Kindheit: Überblick über den Wandel des Kindheitsbegriffs von der mittelalterlichen Lebenswelt bis zur modernen Entdeckung als eigenständige Phase.
3. Kindheit heute: Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen, die zu einer Verringerung der Bewegungsräume und einem Anstieg des Medienkonsums führen.
4. Aufmerksamkeit und Konzentration: Theoretische Klärung der Begriffe und deren Bedeutung für den Lernprozess sowie die Problematik von Aufmerksamkeitsstörungen.
5. Bewegung: Untersuchung der physiologischen und psychologischen Grundlagen von Bewegung für die kindliche Entwicklung und das Zentralnervensystem.
6. Die „Bewegte Schule“ als Präventions- und Interventionsmaßnahme gegen Bewegungsmangel und Konzentrationsstörungen: Vorstellung des Konzepts der Bewegten Schule und praktischer Ansätze für den Schulalltag.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Schlussfolgerungen für den zukünftigen Lehreralltag.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Kindheit, Bewegungsmangel, Konzentration, Aufmerksamkeit, Bewegte Schule, Kindliche Entwicklung, Sozialisation, Medienkonsum, Wahrnehmung, Schulerfolg, Lernleistung, Sportunterricht, Psychomotorik, Zentralservensystem, Entspannung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen den veränderten Lebensbedingungen von Kindern, ihrem Bewegungsmangel und deren Auswirkungen auf ihre Konzentrationsfähigkeit im schulischen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kindheit, den Auswirkungen medialer Einflüsse, den neurowissenschaftlichen Grundlagen der Bewegung und pädagogischen Konzepten wie der "Bewegten Schule".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bewegung als Präventionsmaßnahme gegen Konzentrationsstörungen in den Schulalltag integriert werden kann, um den negativen Folgen einer "Sitzschule" entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse pädagogischer und psychologischer Forschungen, um den aktuellen Stand der Kindheitsforschung und der Bewegungspädagogik darzulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen für Bewegungsmangel, die physiologischen Prozesse im Gehirn, die durch Bewegung gefördert werden, und konkrete Methoden zur Bewegungsförderung im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kindheit, Bewegungsmangel, Konzentration, Bewegte Schule und kindliche Entwicklung.
Wie beeinflusst Medienkonsum die Konzentrationsfähigkeit?
Übermäßiger Medienkonsum führt laut der Arbeit zu einem Mangel an eigenen Erfahrungen und trägt zum "passiven Stillsitzen" bei, was die Ausbildung der Phantasie und die Konzentrationsfähigkeit negativ beeinträchtigen kann.
Welche Rolle spielt die "Bewegte Schule" konkret im Unterricht?
Die "Bewegte Schule" integriert Bewegungsanlässe (z.B. Bewegter Klassenraum, Bewegungspausen, dynamisches Sitzen) in den Unterricht, um die Lernfreude zu steigern und eine bessere neurobiologische Grundlage für das Lernen zu schaffen.
- Quote paper
- Julia Stermann (Author), 2005, Veränderte Kindheit - Veränderte Bewegungs- und Konzentrationsfähigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51385