Gewaltdarstellung in "Game of Thrones". Abbild der Geschichte und filmisches Mittel


Facharbeit (Schule), 2018

39 Seiten, Note: 15 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG
1.1 MOTIVATION
1.2 VORGEHEN

2 GEWALT IN FILMEN UND SERIEN
2.1 WAS IST „GEWALT“?
2.2 GRÜNDE FÜR EINE IMMER EXZESSIVERE GEWALTDARSTELLUNG
2.3 DIE WIRKUNG VON GEWALT IN FILMEN UND SERIEN
2.3.1 Gefahr der Nachahmung
2.3.2 Psychologische Wirkung von Gewaltdarstellung

3 LEIDEN DER BEVÖLKERUNG ALS FOLGE VON KRIEGEN
3.1 KRIEG IN DEN FLUSSLANDEN
3.1.1 Vorgeschichte
3.1.2 Leiden der Soldaten
3.1.3 Leiden der Zivilbevölkerung
3.2 DER 30-JÄHRIGE KRIEG
3.2.1 Vorgeschichte
3.2.2 Leiden der Soldaten
3.2.3 Leiden der Zivilbevölkerung
3.3 FAZIT
3.3.1 Der Dreißigjährige Krieg und der Krieg in den Flusslanden
3.3.2 Wirkung der Gewaltdarstellung im Krieg in den Flusslanden

4 DIE RITUELLE TÖTUNG UNSCHULDIGER DURCH VERBRENNUNG
4.1 MENSCHENOPFER IM NAMEN DES HERRN DES LICHTS
4.2 HEXENVERBRENNUNGEN IM MITTELALTER
4.3 FAZIT
4.3.1 Vergleich der beiden Hinrichtungsmethoden
4.3.2 Wirkung der Gewaltdarstellung bei der Hinrichtung von Sharin Baratheon

5 MISSBRAUCH DES GASTRECHTS
5.1 DIE „ROTE HOCHZEIT“
5.1.1 Vorgeschichte
5.1.2 Das Massaker an den Starks
5.2 DAS MASSAKER VON GLENCOE ALS HISTORISCHE VORLAGE
5.2.1 Daten und Fakten
5.2.2 Umfang der Gewaltausübung
5.2.3 Folgen des Massakers von Glencoe
5.3 FAZIT
5.3.1 Vergleich der beiden Massaker
5.3.2 Wirkung der Gewaltdarstellung bei der„Roten Hochzeit“

6 SYNTHESE

7 EINORDNUNG

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

ONLINE-QUELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

1.1 Motivation

Das europäische Mittelalter war grausam. Zumindest ist das scheinbar die Hauptaus- sage, die uns etliche Filme, Serien, Bücher etc. durch ihre Darstellung dieser Zeit ver- mitteln. War das Leben im Mittelalter wirklich so grausam? Oder stellen die Regisseure und Autoren uns eine übertriebene Version der Wirklichkeit dar, weil sie beim Zuschauer gut ankommt?

Dies ist eine Frage, die sich vermutlich nicht für alle Werke verallgemeinert beantworten lässt. Deshalb eignet sich für die Antwort ein Beispiel. Ein aktuelleres und beim Zu- schauer beliebteres Werk als die vom amerikanischen Sender HBO produzierte Serie Game of Thrones lässt sich derzeit kaum finden. Die Serie lässt sich eindeutig dem Genre High Fantasy1 zuordnen. Noch dazu ist bekannt, dass der Autor George R. R. Martin, auf dessen Büchern2 die Serie basiert, bewusst Ereignisse aus dem Mittelalter verwendet. Abgesehen von der komplexen Handlung, fällt beim Anschauen dieser Serie auf, dass auch hier das Mittelalter besonders grausam dargestellt wird. Alle paar Minuten spritzt hier Blut und dort wird jemand geköpft oder gehängt. Nun empfindet der Großteil der Zuschauer zunächst Abneigung gegenüber solch einer Szene, jedoch zeigen die Einschaltquote und Anzahl an Fans dieser Serie, dass es mit der Abneigung und Ekel nicht getan sein kann. Denn die meisten von uns lieben solche Szenen auch. Warum empfinden wir Abneigung und Anziehung gleichzeitig? Jeffrey Koller meint dazu in sei- nem 2011 veröffentlichten Buch The Lust for Blood, dass „es mediale Gewaltdarstellung [gebe], weil der Zuschauer sie sehen will - denn Aggression gehöre nun einmal zur menschlichen Grundausstattung.“3 Aber stimmt das wirklich? Sind wir so grausam in unserem Innersten?

Sieht man in der Literaturgeschichte zurück, scheint sich dies in der Beliebtheit von ex- zessiver Gewaltdarstellung zu bestätigen. In Shakespeares Tragödien stirbt so ziemlich jeder Charakter. In „Othello“ werden fast alle Personen erstochen, in „Hamlet“ sind Ver- giftungen an der Tagesordnung.4 Bei Seneca verspeist Thyestes seine Kinder. Wegen solcher Szenen werden Seneca-Tragödien heutzutage kaum noch inszeniert, da sie uns sogar zu grausam sind. Aber bereits damals haben sich die Autoren an der Realität be- dient. Es wird vermutet, dass einige Tragödien von Seneca auf Ereignisse und Intrigen am Kaiserhof zu Nerozeit anspielen.

Es scheint also nicht abwegig zu sein, dass die Schöpfer der Serie Game of Thrones mit der exzessiven Gewaltdarstellung das europäische Mittelalter nur möglichst detailgetreu darstellen wollen. Oder nutzen sie sie doch nur um diesen Effekt der Faszination am Blut bei den Zuschauern hervorzurufen und somit ihr Verlangen danach zu befriedigen?

1.2 Vorgehen

Für die Serie dient ein geschichtliches Ereignis, bei dem natürlich nicht die genaue Art der Gewaltausübung dokumentiert wurde, nur als Orientierung und nicht als direkte Vor- lage. Problematisch ist dadurch die explizite Darstellung in der Serie mit der Gewaltaus- übung bei einem geschichtlichen Ereignis zu vergleichen. Aber es ist möglich die äußerst große Gewaltbereitschaft, die Missachtung von dem, was wir heute Menschenrechte nennen, und die Häufigkeit solcher Ereignisse mit der Darstellung in der Serie zu ver- gleichen. Zuerst werde ich dafür mediale Gewalt definieren und dann anhand von drei Vergleichen die Themafrage beantworten: Der Vergleich des Kriegs in den Flusslanden mit dem Dreißigjährigen Krieg, der Vergleich der Menschenopfer im Namen des Herrn des Lichts mit der Hexenverfolgung im Mittelalter und zuletzt der Vergleich der Roten Hochzeit mit dem Massaker von Glencoe.

2 Gewalt in Filmen und Serien

2.1 Was ist „Gewalt“?

„Gewalt ist nicht immer gleich Gewalt.“5 Dies schreibt Michael Kunczik in seinem Aufsatz Dann eben mit Gewalt. Deswegen ist es nötig den Begriff „Gewalt“, der noch häufig be- nutzt werden wird, genauer zu definieren. Die dabei wichtigste Unterscheidung ist zwi- schen personaler und struktureller Gewalt. „Unter personaler Gewalt wird […] die beab- sichtigte physische und / oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person verstanden.“6 Die strukturelle Gewalt ist eine Ge- walt, die in einem sozialen System auftritt. Es tritt nicht unbedingt ein sichtbarer Akteur auf und das Opfer ist sich evtl. nicht der Gewalteinwirkung bewusst. Sichtbar ist diese an z.B. ungleichen Machtverhältnissen oder Lebenschancen.7 Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die zwischen legaler und illegaler Gewalt, wobei erstere meistens durch ein Gesetz legalisiert wird und somit der Akteur nicht als gewalttätig wahrgenom- men wird.8 Bei der Darstellung von Gewalt unterscheiden Kepplinger und Dahlem9 zu- sätzlich zwischen natürlicher und künstlicher sowie zwischen realer und fiktiver Gewalt. Reale Gewalt beschreibt „die Präsentation von Verhaltensweisen […], die physische und psychische Schädigungen beabsichtigen oder bewirken“, während die fiktive Gewalt Verhaltensweisen darstellt, die dies nur vorgeben.10 Natürliche Gewaltdarstellung ist die lebensechte Präsentation (Realfilm), künstliche hingegen die artifizielle Präsentation (Zeichentrickfilm).11 So kann Gewalt bei einer artifiziellen Darstellung auch lustig wirken (z.B. Tom und Jerry). Wenn im Folgenden von Gewalt bzw. Gewaltdarstellung die Rede ist, ist immer eine personale und illegale bzw. eine natürliche und fiktive gemeint.

2.2 Gründe für eine immer exzessivere Gewaltdarstellung

Um zu verstehen, warum eine exzessive Gewaltdarstellung zwar schon immer in der Kunst erfolgreich war, jedoch heutzutage durch eine immer detailliertere Darstellung stärker auffällt und zum Gesprächsthema wird, muss man die Veränderung in den letzten 30 Jahren vom klassischen Kinofilm im Kinosaal zur Serie, die man sich auf Netflix und Co. auf der Couch ansieht, nachvollziehen. Amos Vogel spricht in seiner Studie Film als subversive Kunst 1997 von einer Verkümmerung künstlerischer Praxis.12 Er sieht im Kino immer noch sehr großes Potential. Jedoch die Inhalte und Organisation des Fernsehens als „erste[s] Mal in der Geschichte, [dass] das mächtigste Massenmedium einer Gesell- schaft ausschließlich von der Werbewirtschaft und vom Markt kontrolliert“13 wird.

Im selben Jahr startete der amerikanische Sender HBO seine Produktion Oz (1997- 2003), die eine neue Form des seriellen Erzählens entwickelte. Die Handlungen sind nicht mehr auf eine Episode beschränkt und bilden eine abgerundete Geschichte, sondern ziehen sich über mehrere Episoden und Staffeln. Diesem erfolgreichen Beispiel folgten bald weitere Serien mit gleichem Prinzip auch von anderen Sendern wie The Sopranos (1999-2007), True Blood (2008-2014) und Game of Thrones (seit 2011) von HBO, Californication (2007-2014) und Dexter (2006-2013) von Showtime und Breaking Bad (2008-2013) und The Walking Dead (seit 2010) von AMC14. Alle diese Serien haben gemeinsam, dass es ein komplexes Geflecht aus Haupt- und Nebenhandlungen gibt. Dabei werden die verschiedenen Handlungsstränge oft sehr ausführlich und langsam weitergesponnen. Dies führt teilweise zu einer noch nie dagewesenen Unübersichtlich- keit. So spricht Ivo Ritzer in seinem Aufsatz Diktatur der Bilder von einem „Panorama der Perspektiven, das weniger ein homogenes Bild formen will als vielmehr ein Kaleido- skop heterogener Bilder darstellt.“15 Auch die Art der Produktion ist neu. Einzelne Episo- den kosten teilweise so viel wie ein ganzer Kinofilm. Durch fluide Kamerabewegungen und gezielte Schnitttechnik wird die dramatische Handlung pointiert und auch die Musik spielt eine wichtige Rolle bei der Wirkung auf den Zuschauer.16 Dieser Trend lässt sich in den letzten Jahren gut beobachten. Die Beliebtheit von Kinofilmen schwindet und der Markt der Serien wächst immer weiter. Somit hat sich „die pessimistische Bestandsauf- nahme von Amos Vogel […] kaum eine Dekade später in ihr Gegenteil verkehrt“.17

Aber warum entsteht gleichzeitig mit der Entwicklung vom Film zur Serie eine immer exzessivere Gewaltdarstellung, die sich in allen oben genannten Serien zeigt? In der aktuellen Medienlandschaft gibt es etliche Serien, die nach demselben Prinzip gestaltet sind - Komplexität. Somit gibt es immer eine alternative Serie für den Zuschauer und die Sender müssen ihr Produkt mit einer gewissen Besonderheit versehen, die sich von den anderen Serien unterscheidet. Das gilt besonders für Pay-TV-Kanäle, die sich, im Gegensatz zu Kabelsendern, welche sich durch Werbung finanzieren, durch Abonne- ments finanzieren und somit ihr Publikum besonders stark an sich binden müssen. Dies schaffen Szenen, die Affekte wie Befriedigung, Erregung und Leidenschaft bewirken. Es geht also nicht nur um den Konsum, sondern auch um die Produktion von Affekten.18 Michel Foucault meinte dazu: „Der konsumierende Mensch ist, insofern er konsumiert, ein Produzent. Was produziert er? Nun, er produziert ganz einfach seine Befriedigung“.19 Das Ziel ist Publikum zu gewinnen und Tabubrüche bewirken Affekte und sind somit das Mittel der Wahl. Die Reizüberflutungsthese meint, dass der Zuschauer durch eine Ge- wöhnung an die gewaltsamen Inhalte immer resistenter gegenüber diesen werde.20 Somit versuchen die Sender aufgrund eines immer größeren Konkurrenzkampfes und einer Gewöhnung des Publikums durch eine immer exzessivere Gewaltdarstellung in ihren Serien andere zu übertreffen, eine Affektwirkung am Zuschauer zu erreichen und ihn somit an die Serie und auch an den Sender dauerhaft zu binden.

2.3 Die Wirkung von Gewalt in Filmen und Serien

2.3.1 Gefahr der Nachahmung

Gedanken an Gewalt in Filmen, in Serien und insbesondere in Computerspielen lassen an Aussagen denken, dass diese zu einer Nachahmung in der Realität und somit zu Amokläufen und ähnlichen Taten führen kann. Die dieser Meinung entgegengesetzte ist, dass das Anschauen solcher Gewaltszenen oder das Ausüben dieser in Spielen keine Auswirkung auf die Realität hat und somit auch keine Gefahr der Nachahmung besteht. Die vermutlich größte Gefahr, die von diesen Szenen ausgeht, ist die der Nachahmung durch Kinder, die nicht zwischen der fiktiven Darstellung und der Realität unterscheiden können. Denn „insgesamt wird gewalttätiges Verhalten in den Unterhaltungssendungen des Fernsehens als normale, alltägliche Verhaltensstrategie gezeigt.“21 So wird das Bild einer gewaltvollen Welt vermittelt, das von den Kindern so angenommen und selbst umgesetzt wird. Ein Beispiel für solche Taten ist der Mord an James Bulger durch zwei zehnjährige Jungen in Liverpool, die davor ein Horror-Video gesehen haben könnten, das der Vater eines der Jungen zuvor ausgeliehen hatte.22 Jedoch war dies kein Einzel- fall. Letztendlich hängt die Wirkung aber sehr vom Handlungsumfeld, der Möglichkeit der Identifikation mit dem Akteur und dem sozialen Umfeld des Rezipienten ab und kann nicht verallgemeinert werden.23 Des Weiteren liegt das Problem bei diesen Einzelfällen meistens weniger im rezipierten Medium als in einer psychischen Störung, wenn der Täter alt genug ist, um fiktive von realer Gewalt zu unterscheiden, oder in einer misslun- genen Erziehung.24

2.3.2 Psychologische Wirkung von Gewaltdarstellung

Das Paradoxe an der medialen Gewaltdarstellung ist, dass der Rezipient zwar zunächst Abneigung gegenüber dieser empfindet, sie jedoch auch gerne anschaut oder zumindest toleriert und nicht abschaltet. Es gibt verschiedene Gründe für ein solches Verhalten. Laut Anne Bartsch25 kann der Zuschauer die Gewalt ertragen oder sogar genießen, wenn er das Gefühl hat, dass sie ihm wichtige Einsichten über die Realität vermittelt. Auch wenn dies Aspekte des Films emotional verstärkt, ist eine Toleranz möglich. Jedoch variiert dies von Mensch zu Mensch. Dies erklärt auch warum manche Menschen von medialer Gewalt stärker abgeschreckt werden als andere.

Die Katharsisthese26 geht davon aus, dass der Mensch seine angeborene Aggression durch den Konsum von medialer Gewalt abbauen kann. Durch die Beobachtung dieser kann er die Gewaltakte in seiner Phantasie mitverfolgen und die Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt in der Realität sinkt. Dies funktioniert jedoch nur, wenn die nega- tiven Folgen von Gewalt ausführlich gezeigt werden.

Die Suggestionsthese27 verfolgt den Ansatz, dass die Beobachtung von medialer Gewalt eine direkte Nachahmung des Gesehenen bewirke. Diese Nachahmung variiert jedoch von Rezipient zu Rezipient. Das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen ist der sogenannte „Werther-Effekt“28

In der Kultivierungsthese29 ist „die grundlegende Funktion von Gewaltdarstellungen in der Erhaltung bestehender Machtstrukturen, weil ein Weltbild kultiviert werde, das hierarchische Werte und damit verbundene Machtverhältnisse als selbstverständlich akzeptiere.“30 So wird das Weltbild des Zuschauers beeinflusst.

3 Leiden der Bevölkerung als Folge von Kriegen

3.1 Krieg in den Flusslanden

3.1.1 Vorgeschichte

Der Krieg in den Flusslanden ist ein Teil des „Kriegs der fünf Könige“, der in der zweiten und dritten Staffel von Game of Thrones stattfindet. Nach dem Tod von Robert Baratheon, dem König der sieben Königslande von Westeros, bricht ein Krieg zwischen fünf selbsternannten Königen um die Vorherrschaft in Westeros aus. Dabei bekämpfen sich zwei Lager in einer Gegend, die „die Flusslande“ genannt wird, besonders blutig. Auch die Zivilbevölkerung bleibt davon nicht unberührt. König Robb Stark zieht aus dem Norden in Richtung Süden, um seinen gefangenen Vater zu retten, während Lord Tywin Lennister, der für König Joffrey Baratheon kämpft, versucht Robb Stark davon abzuhal- ten. Ein weiterer Faktor ist die sogenannte Bruderschaft ohne Banner, eine Gruppe von Gesetzlosen, die gegen die Lennisters vorgeht, jedoch keinem der fünf Könige Gefolg- schaft geschworen hat. Aus dem einfachen Volk, das besonders unter den Lennnisters leidet, wird diese Gruppe unterstützt und befürwortet. Um die Bruderschaft zu vernich- ten, beginnen die Lennisters Dörfer zu überfallen, Bauern zu foltern oder hinzurichten.31

3.1.2 Leiden der Soldaten

Das Leiden der Soldaten im Krieg wird in Game of Thrones nicht sehr ausführlich dargestellt. Jedoch gibt es einige Szenen, in denen man sich das Leid trotzdem ausma- len kann. In der vierten Folge der zweiten Staffel32 findet eine Schlacht zwischen den Starks und den Lennisters statt, von der auch die Aus- wirkung am nächsten Mor- gen gezeigt wird. Überall lie- gen Leichen und verletzte Soldaten. Die, die überlebt haben versuchen sich an den Leichen zu bereichern. Man hört den gelassenen Zwischenruf: „Wenn sie tot sind, nehmt ihnen alles ab.“33 Lord Bolton, ein Gefolgsmann der Starks schlägt vor Gefangene hinzurichten oder zu foltern, da die Nahrungsvorräte nicht einmal mehr für das eigene Heer ausreichen. Kurz darauf muss einem Soldat das Bein amputiert werden (Abb. 1). Dieser wehrt sich so gut er kann, da er sonst als „Krüppel“ enden würde und in der Gesellschaft nicht mehr ange- sehen wäre.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verwundetes Bein muss amputiert werden

In der neunten Folge der ersten Staffel34 wird kurz angeschnitten wie das Leben im Soldatenlager aussieht. Dabei wird deutlich, dass dieses nicht nur aus Soldaten besteht, sondern auch aus anderen Menschen, die im Lager ihr Geld verdienen. Der Hauptteil sind die Prostituierten, die den Soldaten, die ganz nach Horaz „Carpe Diem“ leben, den Abend vor der Schlacht erträglich machen.

[...]


1 Ein Subgenre der Fantasy, das in einer fiktiven Fantasiewelt angesiedelt ist, mittelalterlich geprägt ist und in dem Magie eine große Rolle spielt. Meistens im Stil J. R. R. Tolkiens gehalten.

2 Martin, George R. R.: A Song of Ice and Fire, New York 1996-2011

3 zitiert nach: Jimenez, Fanny: Warum Menschen von Gewalt im Film fasziniert sind, 2013, auf:

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article114934407/Warum-Menschen-von-Gewalt-im-Film-fas- ziniert-sind.html

4 ebd.

5 Kunczik, Michael: Dann eben mit Gewalt. Zur Wirkung von Mord und Totschlag in Filmen und Serien, in: Gangloff, Tilmann P. / Abarbanell, Stephan (Hrsg.): Liebe, Tod und Lottozahlen. Fernsehen in Deutschland: Wer macht es? Wie wirkt es? Was bringt es?, Stuttgart 1994, S.34

6 Kunczik, a.a.O., S.32

7 vgl. ebd.

8 Da im Mittelalter die Gesetzgebung meistens der Willkür des Adels unterstand, ergaben sich Situationen, in denen damals legale Gewalt angewandt wurde (z.B. die Beraubung und Ermordung von Zivilbevölkerung durch Soldaten im Krieg), die heutzutage jedoch unter die illegale Gewalt fallen würde.

9 vgl. Kepplinger, H. M. / Dahlem, S.: Medieninhalte und Gewaltanwendung, in: Schwind, Hans-Dieter / Baumann, Jürgen (Hrsg.): Ursache, Prävention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vorschläge der Unabhängigen Regierungskommision zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommision), Berlin 1990, S.384

10 vgl. Kunczik, a.a.O., S.33

11 vgl. ebd.

12 vgl. Vogel, Amos: Film als subversive Kunst, St. Andrä-Wördern 1997, S.1

13 ebd.

14 vgl. Ritzer, Ivo: Diktatur der Bilder. Zur medienkulturellen Symptomatik der Repräsentation von Sex und Gewalt in TV-Serien des US-amerikanischen „Qualitätsfernsehens“, in: Kotthaus, Jochem (Hrsg.): Sexuelle Gewalt im Film, Weinheim 2015, S.151

15 ebd.

16 vgl. Ritzer, a.a.O., S.152

17 ebd.

18 vgl. Ritzer, a.a.O., S.161

19 Foucault, Michel: Geschichte der Gouvernementalität. Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main 2004, S.315

20 vgl. Kunczik, a.a.O., S.42

21 Kunczik, a.a.O., S.34

22 vgl. Kunczik, a.a.O., S.38f

23 vgl. Kunczik, a.a.O., S.37

24 vgl. Kunczik, a.a.O., S.37

25 vgl. Jimenez, Fanny: Warum Menschen von Gewalt im Film fasziniert sind, 2013, auf:

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article114934407/Warum-Menschen-von-Gewalt-im-Film-fas- ziniert-sind.html

26 vgl. Kunczik, Michael / Zipfel, Astrid: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung 2004-2009. Bericht für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mainz / Düsseldorf 2010, S.141

27 vgl. Kunczik / Zipfel, a.a.O., S.150

28 weit verbreitete Selbstmorde als Reaktion auf Goethes „Die Leiden des jungen Werther“

29 vgl. Kunczik / Zipfel, a.a.O., S.189

30 ebd.

31 vgl. Krieg der Fünf Könige, auf: https://gameofthrones.fandom.com/de/wiki/Krieg_der_Fünf_Könige

32 Game of Thrones S2 E4: Garten der Knochen

33 Game of Thrones S2 E4: Garten der Knochen 04:14

34 Game of Thrones S1 E9: Baelor

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Gewaltdarstellung in "Game of Thrones". Abbild der Geschichte und filmisches Mittel
Note
15 Punkte
Jahr
2018
Seiten
39
Katalognummer
V514051
ISBN (eBook)
9783346139672
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Game of Thrones, Gewalt, Gewaltdarstellung, Serie, Film, Blut, Mittelalter, Schottland, Geschichte, England
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Gewaltdarstellung in "Game of Thrones". Abbild der Geschichte und filmisches Mittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514051

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