Heimatschutz und Öko-Bewegung - Heimat als Umwelt


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung in die Begriffe Heimat, Natur und Umwelt
2.1. Heimat
2.2. Natur
2.3. Umwelt

3. Auswirkungen von Industrialisierung und Urbanisierung in
Deutschland im 19. Jahrhundert: Vom Wandel der Umwelt
und des Umgangs mit der Natur
3.1. Industrialisierung
3.2. Urbanisierung

4. Die Entstehung eines Umweltbewußtseins als bürgerliche
(Gegen-)Bewegung

5. Gesellschaftliche Bewegungen Anfang des 20. Jahrhunderts: Lebensreform und Wandervogel
5.1. Lebensreformbewegung
5.2. Jugendbewegung Wandervogel
5.3 Der Naturschutzverband Bund Heimatschutz

6.1. Gründer
6.2. Ziele
6.3. Kritik

7. Einflüsse auf das Umweltbewußtsein: Gesellschaft und Umweltpolitik in den 1970er Jahren

8. Naturschutzbewegung: BUND - Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland
8.1. Gründer
8.2. Ziele
8.3. Mitgliederzahlen

9. Resümee
9.1. Der Körper als Heimat

Umweltschutz in der Werbung und Wellnessbewegung

Literaturhinweise

1. Einleitung

Diese Hausarbeit wurde im Rahmen des Proseminars mit dem Titel „Heimat“ erstellt. Der erste Schritt, sich einem Thema anzunähern, kann über eine Begriffsdefinition erfolgen. Der Begriff Heimat jedoch läßt sich nicht in eine allgemein gültige Definition fassen, da seine Bedeutung stark vom zeitlichen sowie kulturellen Kontext abhängig ist. Ferner unterliegt er einer individuellen Bedeutungsbemessung, was die Auseinandersetzung unter wissenschaftlichen Bedingungen erschwert. Im Verlauf des Seminars erarbeiteten die Studierenden des Proseminars mehrere Bedeutungsvarianten des Begriffs Heimat. Heimat kann einerseits einen lokalen Fokus haben. Gemeint ist hierbei der Geburtsort einer Person bzw. die Stätte, an der sie ihre Kindheit verbracht hat. Hierbei variiert die lokale Begrenzung eines Ortes vom Land bzw. der Nationalität, der Region oder einer Stadt bis hin zu Haus und Wohnung. Heimat kann dabei auch zeitlich seine Verankerung entweder in der Vergangenheit oder in der Gegenwart finden: ein Mensch mag einen aktuellen Wohnort als Heimat bezeichnen (oder als "Wahlheimat") oder sein Leben lang die Stätte seiner Geburt, obwohl er diese vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr besucht hat.

Eine weitere Bedeutungsfacette von Heimat kann das Gefühl betreffen, das für Menschen empfunden wird, denen man sich besondere nahe fühlt. Die persönliche Definition des Begriffes umschließt dann vor allem das individuelle soziale Netzwerk – die Familie, den Freundeskreis oder andere Bezugsgruppen und -personen –, das natürlich nicht ortsunabhängig existiert, aber Vorrang vor der örtlichen Zuordnung hat. Beiden Bedeutungen ist gemein, daß sie mit einem Gefühl emotionaler Stabilität einhergehen. Ich vertrete die Ansicht, daß Heimat stets von einem Gefühl sozialer Sicherheit und Geborgenheit geprägt ist – im Umkehrschluß wird ein Ort, an dem man zwar lebt, der jedoch diese Eigenschaften nicht aufweist, nicht als Heimat empfunden bzw. bezeichnet werden. Heimat ist also ein Begriff, der überwiegend positiv konnotiert ist und deswegen in der Regel als etwas unbedingt Erhaltenswertes betrachtet werden wird.

In dieser Arbeit untersuche ich die Heimat als Umwelt und Lebensgrundlage der Menschen. Wie der Titel „Heimatschutz und Öko-Bewegung“ erkennen läßt, wird im folgenden die schützenswerte Heimat, die Bedrohungen ausgesetzt ist, behandelt. Eine der ersten Organisationen, die zum Schutz der Umwelt – im Sinne von Heimat – gegründet wurde, ist der 1904 gegründete Bund Heimatschutz[1]. Dessen Mitglieder engagierten und engagieren sich noch heute für den Naturschutz, den Erhalt der Volkskultur und die Denkmalpflege. Der Schwerpunkt lag Anfang des 20. Jahrhunderts beim Heimatschutz – also dem Bewahren kultureller Hervorbringungen.

Aufgrund der sich wandelnden Bedingungen für Mensch und Umwelt in den folgenden Jahrzehnten änderten sich auch die Ziele der Umweltschutzorganisationen: in den 1970er Jahren stand der Naturschutz im Mittelpunkt. Im Jahr 1975 wurde der Bund für Natur und Umweltschutz[2] ins Leben gerufen, dessen Name Aufschluß über Ziel und Inhalt gibt. Beide Organisationen bestehen bis heute fort.

Gegenstand dieser Arbeit ist die kulturanthropologische Untersuchung der Lebensumstände in der Zeit zwischen der Jahrhundertwende und den 1970er Jahren in Deutschland. Dies geschieht unter dem Aspekt der Wahrnehmung der Umwelt. Ich gehe der Frage nach, warum viele Menschen das Bedürfnis hatten und haben, ihre Umwelt zu schützen. Den Schwerpunkt der Untersuchung lege ich auf die zeittypische Umweltwahrnehmung der Menschen

2. Einführung in die Begriffe Heimat, Natur und Umwelt

2.1. Heimat

Die Definition des Begriffs Heimat der Historikerin Edeltraud Klueting unterstreicht noch einmal die Erkenntnisse der Studierenden:

Heimat wird allgemein verstanden als ein Raum, in dem jemand geboren ist oder dem er sich durch längeren Aufenthalt zugehörig fühlt. Wichtig dabei scheint, daß ‚Heimat’ keine objektiv gegebene Größe darstellt, sondern nur in Abhängigkeit von dem subjektiven Moment, dem Gefühl der Zugehörigkeit des Menschen zu einem bestimmten Raum, existiert.“ Klueting führt weiter aus, daß die Erfahrung von Heimat in den Bereichen Raum, Zeit, sozialem Umfeld und in kulturellen Bindungen gemacht werde.[3]

2.2. Natur

Die Göttinger Kulturanthropologin Susanne Ude-Koeller führt im Zusammenhang mit Überlegungen zum Begriff Natur aus, daß das menschliche Verhältnis ihr gegenüber einem geschichtlichem Wandel, unterschiedlichen Wahrnehmungsmustern und Verhaltensnormen unterliegt. Dies bedeutet u. a., daß das Wort Natur sich nicht einfach als Dichotomie zu Kultur definieren läßt. Ude-Koeller geht noch weiter und sagt, Natur sei „bereits selbst kulturell konstruiert“[4] Dies läßt sich durch eine kurze Betrachtung der historischen Bedingungen für die Entstehung von Umwelt- und Naturschutzbewegungen untermauern (vgl. „4. Die Entstehung eines Umweltbewußtseins als bürgerliche (Gegen-)Bewegung“).

2.3. Umwelt

Das Wort Umwelt wurde zwar schon um 1800 verwendet[5], im biologischen Sinn wurde der Begriff jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert durch den deutschen Biologen Jakob Baron v. Uexküll (1864 - 1944) benutzt. Er war einer der ersten deutschen Wissenschaftler, der sich naturphilosophisch mit seiner Umwelt auseinandersetzte. Uexküll gilt damit als Wegbereiter der Ökologie. Seine neue Umwelttheorie, die er 1909 in der Publikation „Umwelt und Innenwelt der Tiere“ vorstellte, war wegbereitend für das Interesse an der biologischen Umwelt der Menschen.[6] Der Journalist Götz Warnke nimmt eine Auseinandersetzung auf kultureller Ebene vor:

„Mit Umwelt ist eine gesellschaftlich vermittelte Natur gemeint. (...) Natur ist als die vom Menschen unberührte, unbeeinflußte Welt zu verstehen; Umwelt meint die Umgebung des Menschen, sowie einer jeden Tier– und Pflanzenart, die von diesen Lebensformen mitgestaltet wird bzw. mit der sie in einer Wechselbeziehung stehen.“[7]

[...]


[1] Seit 1998 Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU).

[2] 1976 wurde der Verein umbenannt in Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

[3] Klueting, Edeltraud (Hg.): Antimodernismus und Reform. Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung. Darmstadt 1991. S. VIII.

[4] Ude-Koeller, Susanne: Auf gebahnten Wegen. Zum Naturdiskurs am Beispiel des Harzklubs e. V. Münster 2004. S. 14.

[5] Vgl. Duden. Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Günther Drosdowski. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Überarbeiteter Nachdruck der 2. Auflage. Duden, Band 7. Mannheim u. a. 1997. S. 770.

[6] Vgl. Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden. Herausgegeben und überarbeitet von Meyers Lexikonredaktion. 3., aktualisierte Auflage. Band 22. Mannheim, Wien, Zürich 1990. S. 314.

[7] Warnke, Götz: Die grüne Ideologie. Heile-Welt-Mythen, Gesellschaftsutopien und Naturromantik als Ausdruck einer angstbestimmten Politik. Frankfurt am Main 1998. S. 104 -105.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Heimatschutz und Öko-Bewegung - Heimat als Umwelt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Kulturanthropologie/Volkskunde)
Veranstaltung
Proseminar: Heimat
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V51409
ISBN (eBook)
9783638473941
ISBN (Buch)
9783638779289
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimatschutz, Heimat, Umwelt, Proseminar, Heimat
Arbeit zitieren
Eva Mallon (Autor), 2005, Heimatschutz und Öko-Bewegung - Heimat als Umwelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51409

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