Analysten setzen auf Pflegeheimbetreiber. Die Demographie lässt den Markt wachsen. Die Aktien überzeugen mit günstiger Bewertung und hoher Dividendenrendite. Viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Das stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen, bietet Anlegern aber auch Chancen.
So titelt eine der großen deutschen Wirtschafts- und Finanzzeitungen vor einigen Wochen. Noch vor wenigen Jahren war ein Investment in ein Sozialunternehmen eher eine Randerscheinung und nur selten in Anlageempfehlungen für ertragsorientierte Investoren zu finden. Was hat sich verändert? Warum wird mit dem Sozialen nun Geschäft gemacht? Bisher waren es vor allem institutionelle Investoren oder Einrichtungen die als Eigner von Sozialunternehmen öffentlich kaum in Erscheinung traten. Meist hatten diese Institutionen selbst einen sozialen Hintergrund. Nun wird der Markt mehr und mehr für private und institutionelle Investoren die sich nicht zwingend dem Sozialen verschrieben haben geöffnet. Liegt hier eine Gefahr, wenn sich Kapital das die beste Verwendung sucht und Soziale Arbeit begegnen?
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Definition der Begriffe
2.1.) Sozialunternehmen
2.2.) Konzept
2.3.) Praxis
2.4.) Zusammenspiel von Konzeptionen und Praxis bei Sozialunternehmen
3.) Der Markt für Sozialunternehmen
4.) Die Kunden und Adressaten der Sozialunternehmen
5.) Erwartungen an Sozialunternehmen
6.) Konzeptionsformen von Sozialunternehmen
7.) Ökonomisierung – Praxis
7.1.) Wettbewerb auf der Anbieterseite
7.2.) Gemeinnützige im Abseits?
7.3.) Exkurs: Ökonomisierung am Beispiel der Jugendhilfe mit Blick auf die Finanzierungsinstrumente
8.) Ein Beispiel für Sozialunternehmen – die gGmbH
9.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zunehmende ökonomische Ausrichtung von Sozialunternehmen im Kontext der Sozialwirtschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich professionelle Konzepte, Marktmechanismen und Finanzierungsinstrumente auf die Praxis sozialer Arbeit auswirken und welche Herausforderungen sich daraus für die Akteure ergeben.
- Marktstrukturen und der Begriff des "Quasi-Marktes"
- Anforderungen an Qualität und Management in der Sozialwirtschaft
- Finanzierungsmodelle wie Pauschalfinanzierung und Fachleistungsstunden
- Die Rechtsform der gemeinnützigen GmbH (gGmbH) als Lösungsansatz
Auszug aus dem Buch
7.3.) Exkurs: Ökonomisierung am Beispiel der Jugendhilfe mit Blick auf die Finanzierungsinstrumente
Zur Dimension der Kosten für den Bereich der Jugendhilfe gibt es folgendes zu sagen. In 1998 wurden in der Bundesrepublik Deutschland für Ehe und Familie ca. 150 Mrd. € ausgegeben. Dies entspricht ca. 23 % des gesamten Sozialbudgets der BRD. Davon entfallen mit ca. 15 Mrd. € etwa 10 % auf die Jugendhilfe. Früher galt das so genannten Kostendeckungsprinzip. Was an Kosten bezogen auf die Einrichtungen entstand wurde bezahlt. Oft musste auf kommunaler Ebene ein Nachtragshaushalt verabschiedet werden. Mit Einführung der §78a-78g SGB VIII und dem neuen Steuerungsmodell hat sich das geändert.
Grundlage der Vereinbarung über Leistungsangebote Entgelte und Qualitätsentwicklung ist der Dritte Abschnitt des SGB VIII ( §78a-78g SGB VIII). In diesem Zusammenhang tritt das Kontraktmanagement zwischen öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe in Erscheinung. Die Ziele sind Dämpfung der Kostenentwicklung, Schaffung von Transparenz und Verbesserung der Effizienz der eingesetzten Gelder. Folgende Mittel stehen zur Verfügung. Die Leistungsvereinbarung, die Entgeltvereinbarung, und die Qualitätsvereinbarung Hinter der Leistungsvereinbarung verbirgt sich der Leistungskatalog, also die Frage welche Leistungen erbracht werden müssen beziehungsweise sollen. Bei den Entgeltvereinbarungen geht es darum was für die oben genannten. Leistungen bezahlt wird. In der Qualitätsvereinbarung wird festgelegt welche Mindeststandards gelten, damit einen Leistung vereinbart und finanziert wird. Das relativ neue besteht nun darin, dass es sich auf drei aufeinander bezogenen sich wechselseitig bedingende Vereinbarungen handelt. Leistungsverträge sollen mit besseren Finanzierungsformen verknüpft werden. Wichtig ist Fach- und Finanzierungsverantwortung möglichst weitgehend an jene Stellen zu delegieren, die unmittelbar die Dienstleistung erbringen. Zentrale Vorgaben zu fachlichen Standards der Hilfen müssen aber vorliegen. Die Steuerung des Gesamtbudgets obliegt dem Jugendamt. Steuerlichen Eventualitäten sind im Kontraktmanagement zu berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel im Sozialsektor durch zunehmende ökonomische Anforderungen und die wachsende Bedeutung für private Investoren.
2.) Definition der Begriffe: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Sozialunternehmen, Konzept und Praxis sowie deren Wechselwirkung theoretisch fundiert.
3.) Der Markt für Sozialunternehmen: Hier wird die Markttheorie auf das Feld der Sozialunternehmen angewandt und das Modell des "Quasi-Marktes" eingeführt.
4.) Die Kunden und Adressaten der Sozialunternehmen: Das Kapitel analysiert die spezifische Rolle der Klienten, die oft auf staatliche oder soziale Hilfe angewiesen sind.
5.) Erwartungen an Sozialunternehmen: Die zunehmende Forderung nach Professionalisierung und Qualitätsmanagement durch Kostenträger und Öffentlichkeit steht hier im Fokus.
6.) Konzeptionsformen von Sozialunternehmen: Das Kapitel behandelt die Notwendigkeit moderner Organisations- und Steuerungsmodelle für soziale Einrichtungen.
7.) Ökonomisierung – Praxis: Es wird die wirtschaftliche Ausgestaltung der Sozialarbeit, insbesondere durch Wettbewerb und neue Finanzierungswege, untersucht.
8.) Ein Beispiel für Sozialunternehmen – die gGmbH: Die Rechtsform der gGmbH wird als praktisches Modell für gemeinnütziges, aber unternehmerisches Handeln erläutert.
9.) Fazit: Das Fazit fasst den volkswirtschaftlichen Beitrag von Sozialunternehmen zusammen und betont die Notwendigkeit der Anpassung an globale Wettbewerbsbedingungen.
Schlüsselwörter
Sozialunternehmen, Sozialwirtschaft, Ökonomisierung, Quasi-Markt, Qualitätsmanagement, Jugendhilfe, gGmbH, Kontraktmanagement, Finanzierungsinstrumente, Gemeinnützigkeit, Sozialraumbudget, Kostenträger, Leistungsvereinbarung, Fachleistungsstunde, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und betriebswirtschaftliche Ausrichtung von Sozialunternehmen innerhalb der deutschen Sozialwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen Marktmechanismen, Qualitätsanforderungen, Finanzierungsinstrumente in der Jugendhilfe und die Rechtsform der gemeinnützigen GmbH.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen dem sozialen Auftrag und dem wachsenden ökonomischen Anpassungsdruck zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren stützen sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur und verknüpfen diese mit aktuellen Managementansätzen der Sozialwirtschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Begriffsdefinitionen, der Marktlogik (Quasi-Märkte), Anforderungen an Qualität und verschiedenen Finanzierungsmodellen in der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sozialwirtschaft, Ökonomisierung, Qualitätsmanagement, gGmbH und Kontraktmanagement.
Warum wird in der Arbeit der Begriff "Quasi-Markt" verwendet?
Der Begriff dient dazu, eine Marktform zu beschreiben, die zwar Wettbewerb ermöglicht, aber gleichzeitig durch gesetzliche Rahmenbedingungen reguliert ist.
Welche Rolle spielt die gGmbH für neue Sozialunternehmen?
Die gGmbH bietet durch Haftungsbeschränkungen und klare steuerliche Rahmenbedingungen einen institutionellen Rahmen, der auch für kleinere "Start-up"-Einrichtungen attraktiv ist.
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- Dipl.Betrw.(BA) Michael M. Fleißer (Author), 2004, Sozialunternehmen - Konzepte und Praxis - Investment in Sozialunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51422