Sozialunternehmen - Konzepte und Praxis - Investment in Sozialunternehmen


Studienarbeit, 2004

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Definition der Begriffe
2.1.) Sozialunternehmen
2.2.) Konzept
2.3.) Praxis
2.4.) Zusammenspiel von Konzeptionen und Praxis bei Sozialunternehmen

3.) Der Markt für Sozialunternehmen

4.) Die Kunden und Adressaten der Sozialunternehmen

5.) Erwartungen an Sozialunternehmen

6.) Konzeptionsformen von Sozialunternehmen

7.) Ökonomisierung – Praxis
7.1.) Wettbewerb auf der Anbieterseite
7.2.) Gemeinnützige im Abseits?
7.3.) Exkurs: Ökonomisierung am Beispiel der Jugendhilfe mit Blick auf die Finanzierungsinstrumente

8.) Ein Beispiel für Sozialunternehmen – die gGmbH

9.) Fazit

1.) Einleitung

Analysten setzen auf Pflegeheimbetreiber. Die Demographie lässt den Markt wachsen. Die Aktien überzeugen mit günstiger Bewertung und hoher Dividendenrendite. Viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Das stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen, bietet Anlegern aber auch Chancen.[1] So titelt eine der großen deutschen Wirtschafts- und Finanzzeitungen vor einigen Wochen. Noch vor wenigen Jahren war ein Investment in ein Sozialunternehmen eher eine Randerscheinung und nur selten in Anlageempfehlungen für ertragsorientierte Investoren zu finden. Was hat sich verändert? Warum wird mit dem Sozialen nun Geschäft gemacht? Bisher waren es vor allem institutionelle Investoren oder Einrichtungen die als Eigner von Sozialunternehmen öffentlich kaum in Erscheinung traten. Meist hatten diese Institutionen selbst einen sozialen Hintergrund. Nun wird der Markt mehr und mehr für private und institutionelle Investoren die sich nicht zwingend dem Sozialen verschrieben haben geöffnet. Liegt hier eine Gefahr, wenn sich Kapital das die beste Verwendung sucht und Soziale Arbeit begegnen?

Sozialunternehmen ist ein relativ neues Wort für eine an sich uralte Sache. Es beschreibt ein Phänomen das alle fortgeschrittenen Gesellschaften kennen. Das Soziale wird unternommen. Oft findet dies innerhalb eines Rahmens statt der von Institutionen und Professionalitätsgedanken durchdrungen ist. Es bleibt dabei aber zu beachten, dass ein Grossteil des Sozialen nach wie vor außerhalb dieses Rahmens unternommen wird.

Der Blick richtet sich in unserer Arbeit ausschließlich auf die Institutionen, die als Unternehmen der Sozialwirtschaft das Soziale unternehmen. Es geht um jenen Sozialunternehmen in denen professionell gehandelt wird. Wir werden sowohl ausgewählte Schwerpunkte der Makroebene beschreiben, als auch der Mirkoebene innerhalb dieses Gebildes Bedeutung beimessen. Nach der Definition der Begriffe, stehen der Markt, die Kunden, deren Erwartungen und die Konzeptionsformen von Sozialunternehmen im Fokus der Betrachtung. Anschließend wenden wir uns der Praxis vor dem Hintergrund der Ökonomisierung zu. Die Arbeit endet mit einem Fazit.

Nicht im Zentrum steht die Frage wie Sozialunternehmen als Institution dem Klienten gegenüber erscheinen und damit verbundenen Fragestellungen. Räumlich beziehen wir uns schwerpunktmäßig auf die Bundesrepublik Deutschland, ohne dabei den Europäischen Kontext aus dem Blick zu verlieren.

Man könnte zu der Ansicht gelangen Sozialunternehmen seien eigenständige Institutionen, die lösgelöst von der „restlichen“ Unternehmenslandschaft agieren und sozusagen eine eigene relativ autonome Institution darstellen. Wir halten das für verfehlt und bevorzugen eine Sichtweise nach der Sozialunternehmen ein Teil aller Unternehmen sind und innerhalb dieses Kosmos verstanden werden sollten. Sie sind Unternehmen mit dem Zusatz sozial. Es bleibt dabei stets präsent, dass auch Wirtschaftsunternehmen die primär auf Erwerb und Gewinn ausgerichtet sind soziale Anteile haben. Auch hier werden Menschen sozialisiert und enkulturiert – auch hier wird das Soziale unternommen. Beispielsweise im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Diese (Wirtschafts-)Unternehmen werden allerdings nicht Gegenstand der Arbeit. Es wäre für diese Arbeit nicht zielführend wenn man auch diese Unternehmen, in Anlehnung an Max Weber, als Sozialunternehmen einbeziehen würde. Hiernach wären nämlich alle Unternehmen gleichzeitig Sozialunternehmen, da jedes Handeln das auf andere hin ausgerichtet ist soziales Handeln ist. Unsere Entscheidung diese Unternehmen nicht in die arbeit mit einzubeziehen liegt in den Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingen für Wirtschafts- und Sozialunternehmen unterscheiden sich nämlich signifikant.

2.) Definition der Begriffe

Wie bereits erwähnt gehen wir von der Sichtweise aus, dass wir nur solchen Unternehmen zum Gegenstand der Arbeit machen, die im engeren Sinne das Soziale unternehmen. Mit anderen Worten: all das was im Privaten sozial unternommen wird ist nicht Gegenstand der Arbeit. Auch der Teil von Unternehmen die primär gewinnorientiert sind, zählen für diese Arbeit nicht zu Sozialunternehmen.

2.1.) Sozialunternehmen

Wie eingangs erwähnt ist das Wort Sozialunternehmen ein relativ neues Wort für eine alte Sache. Es setzt sich aus den Worten Sozial und Unternehmen zusammen. Sozial, wenn es wie hier um ein in Zusammensetzungen auftretendes Bestimmungswort auftritt hat es eine die Gesellschaft betreffende und auf sie bezogene Bedeutung.[2] Also handelt es sich bei Sozialunternehmen um die Gesellschaft betreffende und auf sie bezogenen Unternehmungen.

Sozialunternehmen sind Unternehmen die innerhalb eines institutionalisierten Rahmens das Soziale unternehmen. Sie streben nach Professionalität, Qualität und Leistung. Als Unternehmen der Sozialwirtschaft müssen die Organisationen, die in diesem Sektor tätig sind unternehmerisch handeln. Es herrscht Konkurrenz. Im engerem Sinn versteht man darunter marktwirtschaftlich ausgerichtete Betriebe die unter anderem aber nicht ausschließlich auf Erwerb ausgerichtet sind. Sozialunternehmen sind nicht primär gewinnorientiert, sie sind regelmäßig gemeinnützig orientiert und anerkannt und sie arbeiten in der Regel kostendeckend. Aber und ergänzend gibt es eine weitere gesamtwirtschaftliche wichtige Dimension von Sozialunternehmen. Sie schaffen Arbeitsplätze, Wohlfahrt und Wohlstand für alle Beteiligten. Sozialunternehmen sind im Public Sector, im Business Sector vor allem aber im Non Profit Sector beheimatet.[3]

2.2.) Konzept

Unter Konzeption versteht man einerseits einen geistigen, künstlerischen Einfall und anderseits eine klar umrissene Grundvorstellung, ein Leitprogramm und den gedanklichen Entwurf.[4] Für diese Arbeit ist der erste Aspekt der Definition nicht zielführend, der zweite hingegen sehr. Um im Max Weber´schen Sinne handeln zu können ist ein Entwurf aus der heraus die Handlung erfolgt zwingend notwendig, die in absichtsvoller Wirkung hin auf Andere ausgerichtet ist.[5]

Die klar umrissene Grundvorstellung also das Konzept ist sozusagen die Folge des gedanklichen Entwurfes. Sie mündet nicht selten in Unternehmensleitbildern oder in Konzeptionen von Einrichtungen. Hierin werden dann das Selbstverständnis, die Zielsetzung und die Adressaten des Unternehmens benannt. Voraussetzung um sich einen solche Konzeption erarbeiten zu können ist unter anderem eine klare Vorstellung darüber, wie der Markt beschaffen ist, wer die Kunden oder Klienten sind was diese für Erwartungen haben.

2.3.) Praxis

Im Gegensatz zum Konzept bezeichnet Praxis die tätige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.[6] Gemeint ist die Verfahrensart, die Handlung an sich. Nur die tatsächliche tätige unmittelbare Auseinandersetzung; also die Wirklichkeit wie man sie vorfindet, gibt den Rahmen vor in dem gehandelt werden kann. Wir befinden uns damit auf der Handlungsebene. Um noch mal auf Max Weber zurückzukommen sind Handlungen Erfahrungen, die vorentworfen sind, was in einer Handlung passiert, ist subjektiv vorprogrammiert, ist auf einen vorausliegenden Entwurf bezogen, einen Entwurf der das Ergebnis gedanklich vorweggenommen hat.[7] Es wird unterstellt dass es Wirklichkeit als Faktum so gibt und diese nicht nur das Ergebnis von Ideen oder subjektiver Vorstellung ist. Die gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz spielt für die Praxis hierbei eine wesentliche Rolle, da sich hierüber die Wirklichkeit für das Individuum und auch für die Gesellschaft maßgeblich konstruiert.[8] Bezogen auf Sozialunternehmen für diese Arbeit bedeutet dies, dass hier der unmittelbare Kontakt zum Markt, zu den Klienten und deren Erwartungen hergestellt werden muss. Die Konzeptionsformen müssen die Praxis berücksichtigen wenn sie erfolgreich sein wollen. Praxis kann hier entfernt mit den Rahmenbedingungen in Verbindung gebracht beziehungsweise gleichgesetzt werden.

2.4.) Zusammenspiel von Konzeptionen und Praxis bei Sozialunternehmen

Wie erwähnt ist der Bezugsrahmen die Gesellschaft. Sozialunternehmen beziehen sich auf die Gesellschaft und die Unternehmungen betreffen diese. Die Konzepte müssen dies berücksichtigen. In den Konzeptionen finden sich die vorentworfenen Handlungen wieder und beschreiben diese. Hierauf folgt idealtypisch die Praxis, also die tätige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Konzeption und Praxis sind natürlich wechselseitig reziprok miteinander verbunden. Für den Fortgang der Arbeit wird die wechselseitig reziproke Verflechtung von Konzeption und Praxis zu Grunde gelegt und auf eine dialektische Trennung beider Komponenten für die nachfolgenden Gliederungspunkte verzichtet. Stets präsent bleibt dabei dass die Unterscheidung wichtig und elementar für das Verständnis bleibt.

3.) Der Markt für Sozialunternehmen

Es gibt eine Grundlogik von Märkten und eine Vorstellung darüber wie diese funktionieren.[9] Auf dem Markt treffen sich Angebot und Nachfrage. Der Preis räumt den Markt. Der Preis ist sozusagen die reagierende und regulierende Größe. Je nach Attraktivität des Marktes tummeln sich mehr und mehr Anbieter und sorgen für Konkurrenz. Sobald der Markt seine Attraktivität verliert verlassen die Markteilnehmer den Markt.[10] Die Frage, ob der Markt für Sozialunternehmen vergleichbar dem oben beschriebenen ist bleibt umstritten. Die Ansichten reichen von einen Markt für Soziales gebe es nicht bis hin zur fast vollständigen Bejahung der Marktheorie in Anlehnung an A. Smith. Es macht unseres Erachtens Sinn den Begriff des Quasi Marktes zu Grunde zu legen. Er vermeidet beide Extrempositionen. Er bezeichnet eine Markform des offenen Austausches, in dem Leistungsträger die Möglichkeit erhalten, mit konkurrierenden Leistungsanbietern Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen zu vereinbaren. Ein Quasi Markt ist mit gesetzlichen Rahmenbedingungen und anderen Vorgaben reguliert; er soll den Wettbewerb über Preis und Qualität der Leistungen ermöglichen. Diese Marktöffnung führt, sofern für die Dienstleistung Standards vorgegeben sind, zu einem Wettbewerb über die Qualität. Der Quasi Markt schließt unter den Anbietern bei vergleichbarer Qualität einen Wettbewerb über den Preis allerdings nicht aus.[11] Man kann hier von einem unvollkommenen Markt[12] sprechen, da er durch die gesetzlichen und fachlichen Vorgaben in gewisser Weise reguliert ist. Einen reinen Preiswettbewerb mit entsprechenden Funktionsmechanismen gibt es auf dem Markt für Sozialunternehmen in Deutschland so nicht. Dies erscheint mit Blick auf die Kunden und Adressaten von Sozialunternehmen auch geboten.

[...]


[1] Vgl. Handelsblatt –Wirtschafts- und Finanzzeitung-, vom Dienstag den 25.05.2004, S. 36.

[2] Vgl. Duden Band 5, 3. Auflage, Mannheim 1974 S. 680

[3] Vgl. Wendt, Wolf Rainer; Sozialwirtschaft -eine Systematik, in Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft, Baden-Baden 2003, S-13-27.

[4] Vgl. Duden Band 5, 3. Auflage, Mannheim 1974 S. 399

[5] Vgl. Sprondel, Walter, unveröffentlichtes Vorlesungsmanuskript, zu Einführung in die Soziologie, gehalten an der Eberhard-Karls- Universität Tübingen, im WS 2002/2003 –10.Vorlesung Soziales Handeln und verstehenden Soziologie.

[6] Vgl. Duden Band 5, 3. Auflage, Mannheim 1974 S. 587

[7] Vgl. Sprondel, Walter, unveröffentlichtes Vorlesungsmanuskript, zu Einführung in die Soziologie, gehalten an der Eberhard-Karls- Universität Tübingen, im WS 2002/2003 –10.Vorlesung Soziales Handeln und verstehenden Soziologie.

[8] Vgl. Holzkamp, Klaus; Grundlegung der Psychologie, vor allem die subjektive subjektwissenschaftliche Problematik von Erkenntnis, Wertung und Motivation als Aspekten der Handlungsfähigkeit gesamtgesellschaftlich vermittelter individueller Existenz, Campus Verlag, Frankfurt, New York 1983, S. 304-332.

[9] Vgl. Mussel, Gerhard, Volkswirtschaftslehre, Eine Einführung, Campus Verlag, Frankfurt, New York, 1999, S. 146-153.

[10] Vgl. Bartling, Hartwig; Luzius, Franz; Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, in Lernbüchern für Wirtschaft und Recht, 12 Auflage, Mainz 1998, S. 54-58.

[11] Vgl. Vgl. Wendt, Wolf Rainer; Sozialwirtschaft -eine Systematik, in Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft, Baden-Baden 2003, S-24.

[12] Vgl. Curtaz, Inge; Ruchti-Göller, Sigrun; Schäfer, Erich; Schmid Maria, Senkel, Jürgen; Wirtschaftslehre des Haushalts, Ein Lehr und Arbeitsbuch, Paderborn 1991, S. 183-194.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sozialunternehmen - Konzepte und Praxis - Investment in Sozialunternehmen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V51422
ISBN (eBook)
9783638473996
ISBN (Buch)
9783638661645
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialunternehmen, Konzepte, Praxis, Investment, Sozialunternehmen
Arbeit zitieren
Dipl.Betrw.(BA) Michael M. Fleißer (Autor), 2004, Sozialunternehmen - Konzepte und Praxis - Investment in Sozialunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51422

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