Klatsch und Frauenserien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Klatsch?
2.1 Definition und Geschichte
2.2 Warum klatschen wir? Versuch einer sozialpsychologischen Erklärung

3. „Sex and the City“ und der Klatsch
3.1 Warum sehen wir regelmäßig eine Serie?
3.2 Fernsehserien für Frauen und ihre Rezeption
3.3 Warum wird über „Sex and the City“ geklatscht?

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Fernsehserien und Soaps hatten schon immer Frauen als Hauptzielgruppe[1]. Waren es in den achtziger Jahren Serien wie „Dallas“ und „Dynasty“ (lief in Deutschland unter dem Namen „Der Denver – Clan“) die die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums auf sich richteten, die immer das Leben und Treiben einer (reichen) Familie in den Mittelpunkt stellten, so faszinierten beginnend mit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre zwei Frauenserien das (vorwiegend weibliche) Publikum. „Ally McBeal“ zeigte das Leben einer jungen aufstrebenden Anwältin in den Mittelpunkt, die zwar im Beruf meist von Erfolg verwöhnt wird, aber ihren Traummann immer noch sucht und nach Rückschlägen Halt bei ihren Freunden, die auch gleichzeitig ihre Kollegen sind, findet.

„Sex and the City“ präsentiert vier Freundinnen, die alle mit beiden Beinen im Leben stehen, erfolgreich ihren Beruf ausüben, und jetzt auf den richtigen Mann warten, der alles mit ihnen teilen möchte. Sie sind älter als Ally und auch selbstbewusster[2]. All ihre Erlebnisse werden durchgesprochen, Männer, die ihren Standards nicht entsprechen, in der „Frauenrunde“ beklatscht, ihre Charaktereigenschaften durchgehechelt. Trotz ihrer unterschiedlicher Charaktere halten sie fest zusammen. Sie sind das Ideal der Frauenfreundschaft und Vorbildfiguren. Einige Folgen der Serie gesehen, und schon kann sich die moderne Frau von heute „rückversichern, dass sie mit keinem ihrer Träume, Makel oder Katastrophen allein ist[3] “.

Klatsch hat eine deutlich weibliche Konnotation, und hat im deutschen Sprachraum auch einen deutlich negativeren Unterton als in anderen Sprachen. Gleichzeitig erfüllte er auch im Laufe der Geschichte auch wichtige regulative soziale Funktionen.

These der vorliegenden Arbeit ist, dass in einer zunehmend anonymisierten Gesellschaft Frauenserien[4] und die darin dargestellten Figuren zum Klatschthema werden. Dazu werde ich zunächst erklären, was Klatsch ist und welche, auch gesellschaftliche, Funktionen der Klatsch im Laufe der Geschichte erfüllt hat.

Welche Mittel angewendet werden, um eine neue Fernsehserie schon vor ihrem Starttermin in der Zielgruppe zum Gesprächsthema zu machen, versuche ich am Beispiel von „Desperate Housewives“ zu zeigen.

Am Beispiel von „Sex and the City“ wird ersichtlich, dass die Frauenserien eher zum Gesprächs- bzw. Klatschthema gemacht werden, als dass in den Serien klatschende Frauen präsentiert werden. Den Klatschenden kann so auch keine Boshaftigkeit unterstellt werden, da es sich ja nur um eine Meta-Form des Klatsches handelt, bei der der Beklatschte nicht durch unbedachte Äußerungen verletzt werden kann.

2. Was ist Klatsch?

2.1 Definition und Geschichte

Folgt man den Ausführungen von Edmund Lauf, so sind für den Klatsch drei definitorische Elemente bestimmend. Um ein Kommunikationselement als Klatsch zu werten muss sich die Aussage die von Sender zum Empfänger geht sich auf eine dritte, nicht anwesende Person beziehen. Diese muss entweder dem Rezipienten oder dem Kommunikator von Klatsch bekannt sein. Nach der Zugehörigkeit des Rezipienten zum sozialen Netzwerk teilt Lauf den Klatsch in ortsgebundenen (privaten) und internationalen ein. Ortsgebundener Klatsch betrifft Menschen aus dem sozialen Netzwerk, während internationaler Klatsch sich auf bekannte Persönlichkeiten bzw. Künstler bezieht[5].

Definitorisch für Klatsch sind André Kieserlings Ansicht nach die beiden Elemente Moral (gemeint ist der Moralkodex einer bestimmten Gesellschaft, in der diese Kommunikationsform auftritt) und Abwesenheit des Klatschobjektes[6]. Zusätzlich muss Klatsch auch eine „Thematisierungsschwelle“ überschreiten, um zum Objekt der Kommunikation zu werden. Der abwesende Dritte ist nicht automatisch ein geeignetes Gesprächsthema, er kann dem Adressaten zu nahe stehen oder indifferent sein. Um diese Schwelle zu überschreiten, muss der Klatsch angereichert, übertrieben werden.

Wenige Definitionen zeigen auf, dass es auch ein anderes, wichtiges Klatschelement gibt: den Lustgewinn. Birgit Althans widmet diesem Thema gleich ein ganzes Buch und beweist, dass ein wichtiger beim Klatsch die Lust an der Kommunikation, die Ablenkung von der Arbeit und damit auch des Eskapismus ist.[7]

Das „Etymologische Wörterbuch des Deutschen“ definiert das Verb „klatschen“ als

„schallnachahmend für Geräusche, bes. beim Zusammenschlagen der flachen Hände oder beim Aufprall eines (flachen, feuchten) Körpers,…Ebenfalls schallnachahmend steht klatschen im Sinne von ‚schwatzen, über Abwesende reden’ (17. Jh.) in der Schülersprache ‚ausplaudern, hinterbringen, petzen’.“[8]

Andere Wörterbücher, wie z.B. Kluges „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ erwähnen die Bedeutung von Klatsch als „über andere abschätzig reden“ nur in einer Nebenbemerkung[9].

In ihrem „Deutschen Wörterbuch“ erwähnen die Gebrüder Grimm nicht nur die verschiedenen Bedeutungen des Substantivs „Klatsch“, so z. B. klatschender Schall, klatschender Schlag sondern weisen auch auf die Wortverwandschaft mit dem mittelhochdeutschen Wörtern „klatz“ bzw. „klets“ hin. Somit bezeichnete das Wort im Laufe der Sprachgeschichte auch „fleck, schmutz, feuchte masse“[10], Schandfleck, sowie „geschwätz, geklätsch“[11]. Damit verschiebt sich im deutschen Sprachgebrauch die Bedeutung des Wortes gegenüber dem anderer europäischer Sprachen und bekommt eine negative, schmutzige Konnotation. Bezeichnet der „klatsch“ in der deutschen Sprache eine eindeutig negative Äußerung, so bezeichnet er z. B. im Englischen generell eine Aussage über nicht anwesende Dritte, gleichgültig ob diese positiver oder negativer Art ist.

Das englische Wort „gossip“, mit dem „Klatsch“ übersetzt werden könnte, stammt von dem altenglischen God sib ab, das eine Patin bzw. einen Paten (wörtlich: Verwandter in Gott) bezeichnet. Dem nicht unähnlich stammt das französische Wort „commére“ (Gevatterin, Klatschbase) von commérage (Patin, Tante) ab und das spanische „comadreira“ von „comadre“ (Hebamme, Taufpatin, Nachbarin). Alle weisen auf die spezielle Situation der Geburt hin, bei der sich gewöhnlich die Frauen, die der kreißenden bezeugen sollten, dass alles bei der Geburt mit rechten Dingen zuging, sich versammelten und sich die Zeit mit unnützem Gerede vertrieben[12]. Da die Männer in diesen Situationen grundsätzlich ausgeschlossen waren, wurde dem Klatsch im Laufe der Zeit eine weibliche Konnotation hinzugefügt.

[...]


[1] Vgl. Geraghty, Christine: “Women and Soap Opera. A Study of Prime Time Soap“, 1991, S. 3 ff

[2] So sagt die erfolgreiche Anwältin Miranda Hobbs: „“Sexy is how I like them to see me after I win them over with my brain“ und zeigt damit, dass sie ihre Stärken genauestens kennt und Männer, die diese ignorieren, nicht als Partner akzeptieren wird

[3] Poschardt, Ulf: „Wie Serien süchtig machen“ in Welt am Sonntag, 30.01.2005

[4] Damit möchte ich nicht ausschließen, das andere Fernsehserien nicht auch als Gesprächstoff und Klatschthema dienen können, die Frauenserien haben jedoch den Vorteil einer relativ homogenen Zielgruppe, deren Mitglieder sich auch untereinander leicht identifizieren können; jede Frau zwischen 18 und 50 Jahren hat einige Folgen davon gesehen oder hat zumindest von der Serie gehört

[5] Vgl. Lauf, Edmund: „Gerücht und Klatsch“, 1990, 25ff

[6] Vgl. Kieserling, André: „Klatsch: Die Moral der Gesellschaft in der Interaktion unter Anwesenden“

[7] Vgl. Althans, Birgit: „Der Klatsch, die Frauen und das Sprechen bei der Arbeit“, 2000. Althans argumentiert jedoch, dass dies nur beim weiblichen Klatsch der Fall ist, was andere Autoren zB, Levin/Arluke od. Mitscherlich widerlegen

[8] Pfeifer, Wolfgang (Hrsg.): „ „Etymologisches Wörterbuch des Deutschen“, 1993, S. 663

[9] Kluge, Friedrich: „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, 1995, S. 550

[10] Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm „Deutsches Wörterbuch“, Bd. 5. 1873, S. 1010

[11] ibidem

[12] Vgl. Althans S. 19ff

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Klatsch und Frauenserien
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V51428
ISBN (eBook)
9783638474023
ISBN (Buch)
9783656774228
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klatsch, Frauenserien, sex and the city
Arbeit zitieren
Hilke Dahinten (Autor:in), 2005, Klatsch und Frauenserien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51428

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