Emotionale Intelligenz bei Führungskräften

Ausgewählte Modelle emotionaler Intelligenz nach Mayer & Salovey, Bar-On und Goleman


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflich – konzeptionelle Grundlegung
2.1 Abgrenzung emotionale und kognitive Intelligenz
2.2 Emotionale Intelligenz

3. Führen mit emotionaler Intelligenz
3.1 Ausgewählte Modelle emotionaler Intelligenz
3.1.1 Modell nach Mayer und Salovey
3.1.2 Modell nach Bar – On
3.1.3 Modell nach Goleman
3.2 Emotionale Intelligenz nach Goleman
3.2.1 Selbstwahrnehmung
3.2.2 Selbstmanagement
3.2.3 Selbstmotivation
3.2.4 Empathie
3.2.5 Soziale Fähigkeiten

4. Kritische Würdigung
4.1 Kompetenzspektrum von Führungskräften
4.2 Emotionale Intelligenz innerhalb des Spektrums

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Terroranschläge am 11. September auf unter anderem das World Trade Center in New York City haben sich in die Geschichte eingebrannt. Diese Katastrophe ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig emotionale Führung ist – vor allem bei Konfrontationen mit Krisen und Tragödien:

Howard Lutnick, Chairman der Brokerfirma Cantor Fitzgerald, verlor durch diesen Anschlag neben seinem Bruder 700 seiner 1000 Mitarbeiter – er richtet jedoch noch am gleichen Tag eine Anlaufstation für die Betroffenen ein, um den überlebenden Mitarbeitern sowie den Angehörigen der Verstorbenen Trost auszusprechen und ihnen so gut wie möglich zu helfen.1 Durch Gespräche und Ermutigungen ermöglichten er und die übrigen Mitarbeiter es, schon zwei Tage nach dem Unglück ihre Dienste wieder anbieten zu können. Mit seinem Handeln bewies Lunick eine hohe emotionale Intelligenz: Er kontrollierte seine eigenen Gefühle und half sich und seinen Mitarbeitern, einen gemeinsamen Weg aus der Tragödie zu finden.2

Es wird also deutlich, dass ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient allein nicht für ein erfolgreiches Leben und Arbeiten ausreicht.3 Emotionen sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Organisationen.4 Auch in vielen alltäglichen Situationen spielt die Fähigkeit, seinen eigenen Emotionen bewusst zu werden und sie lenken zu können eine wichtige Rolle, ebenso wie der intelligente Umgang mit Emotionen von anderen – der Begriff der emotionalen Intelligenz.5

In der heutigen Zeit wird das allgemeine emotionale Klima in einem Unternehmen ebenso wie sowohl individuelle, als auch gruppenbezogene emotionale Fähigkeit als sehr wichtig angesehen.6 Jedes Individuum verfügt über Emotionen und kann sich dessen auch bewusst werden, jedoch existieren erhebliche Unterschiede dahingehend, in wie weit sie diese Emotionen auch bei anderen wahrnehmen, regulieren und als Entscheidungshilfe verwenden können.7 Dies ist auch der Grund, weshalb in Unternehmen Seminare zur angeblichen Steigerung der emotionalen Intelligenz sich einem immer stärker wachsenden Interesse erfreuen.8

Was versteht man konkret unter emotionaler Intelligenz? Und wie wichtig ist diese Form der Intelligenz wirklich am Arbeitsplatz und vor allem bei Führungskräften? Diesen Fragen möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit nachgehen.

Hierfür werde ich zuerst einige grundlegende Informationen zum Verständnis anführen und danach verschiedene Modelle der emotionalen Intelligenz, mit Fokus auf das bekannteste Modell, erläutern. Im letzten Teil meiner Arbeit werde ich den Stellenwert innerhalb des Kompetenzspektrums herausarbeiten und kritisch würdigen.

2. Begrifflich – konzeptionelle Grundlegung

2.1 Abgrenzung emotionale und kognitive Intelligenz

Unter „Intelligenz“ versteht man die Fähigkeit, den von der Außenwelt gestellten Anforderungen bestmöglich gerecht zu werden.9

Der Begriff emotionale Intelligenz ist vielen Menschen unbekannt. Dies liegt daran, dass der Begriff vor dem Hintergrund der Intelligenz, die sich durch den Intelligenzquotienten (IQ) messen lässt, entstand.10 Dieser IQ spielt vor allem bei dem Versuch, verschiedene Bildungsniveaus miteinander vergleichbar zu machen, eine große Rolle; jedoch sind diese Tests nicht von ausreichender Aussagekraft in Bezug auf die „komplette Intelligenz“ eines Menschen.11 Verfügt ein Individuum über einen hohen IQ, verbindet man damit meist überdurchschnittliche Leistungen wie herausragenden Schulnoten.12 Tests zur Messung dieses Quotienten beschränken sich jedoch tatsächlich fast ausschließlich auf solche intellektuellen Fähigkeiten.13 Kognitive Intelligenz ist also zwar eine effektive Variable für beruflichen Erfolg, jedoch reicht dieser Prädikator allein für ein erfolgreiches Handeln im alltäglichen Leben nicht aus.14

2.2 Emotionale Intelligenz

Nachdem der Begriff der kognitiven Intelligenz geklärt ist, stellt sich nun die Frage, was unter emotionaler Intelligenz konkret verstanden wird. Diesen Begriff klar zu definieren fällt vor allem schwer, da diese Form der Intelligenz nicht so einfach gemessen werden kann wie der oben beschriebene IQ.15 Grundlegende Ideen gehen bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Doch erst in den letzten Jahren wurde das Thema durch Literatur von zum Beispiel David Goleman der breiten Öffentlichkeit bekannt.16 Nach ihm lässt sich emotionale Intelligenz primär als die Kompetenz beschreiben, seine eigenen Emotionen wahrnehmen, kennen und sich selbst motivieren zu können. Außerdem schließt es die Fähigkeit ein, sich in andere Menschen einzufühlen und mit deren Emotionen adäquat umzugehen.17

Abschließend ist noch zu klären, ob und wenn ja wie sich emotionale Intelligenz messen lässt. Die Messung des IQs ist simpel, da diese Tests ergebnisbezogen sind – die Wahrnehmung von Emotionen spielt sich jedoch im inneren jedes einzelnen Individuums ab, was eine Messung an sich nahezu unmöglich macht.18 Daher wurden lediglich feste Bestandteile festgelegt, die sich in gewisser Weise bewerten lassen.19 Diese „Bausteine“ werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch näher erläutert.

3. Führen mit emotionaler Intelligenz

3.1 Ausgewählte Modelle emotionaler Intelligenz

Es existieren verschiedene Ansätze, die Kernaussage ist jedoch bei allen sehr ähnlich: Im Rahmen der emotionalen Intelligenz geht um die Wahrnehmung und Regulation sowohl der eigenen, als auch fremder Emotionen.20

lm Folgenden werden einzelne Madelle vorgestellt und anschliel1end das bekannteste dieser Madelle naher erlautert.

3.1.1 Modell nach Mayer und Salovey

Der Begriff der emotionalen lntelligenz kam erstmals 1900 durch das von John Mayer und Peter Salovey entwickelte Modell auf.21 In ihrem Konzept definieren sie emotionale lntelligenz wie folgt:

,We define emotional intelligence as the subset of social intelligence that involves the ability to monitor one's own and others' feelings and emotions, to discriminate among them and to use this information to guide one's thinking and actions."22

Mayer und Salovay konkretisieren also mit Hilfe dreier Hauptaspekte: Zum einen zahlt dazu die Wahrnehmung eigener und fremder GefUhle sowie die Fahigkeit zur Differenzierung zwischen diesen Emotionen; zum Anderen wird auch der Aspekt der effektiven Nutzung, Steuerung und Kontrolle von Emotionen betrachtet.23 In diesem Modell werden jeweils zwei Perspektiven betrachtet: Die eigene und die Sichtweise auf die Aul1enwelt.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht den Sachverhalt:24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

lm Jahre 1997 stellten Mayer und Salovey ein revidiertes Modell vor: Hierbei wurde der Aspekt der Nutzung von Emotionen durch die Fahigkeit des Nachdenkens Ober Emotionen ersetzt.25

3.1.2 Modell nach Bar - On

Das Modell nach Mayer und Salovey bezieht sich auf die Annahme, dass emotionale lntelligenz fahigkeitenbasiert ist. Reuven Bar-On hingegen zeigt eine vielschichtigere Definition aus einer Vielzahl verschiedener Teilaspekte auf.26 Er definierte den Begriff erstmals 1997 als eine Reihe notwendiger, miteinander in Wechselwirkung stehender Kompetenzen, urn Situationen, Herausforderungen und Stressoren der Umwelt moglichst optimal bewaltigen zu k6nnen. 27 Hierzu pruft Bar-On personliche Eigenschaften, die neben der kognitiven lntelligenz zur erfolgreichen Lebensgestaltung beitragen sollen und definierte aus Basis dessen fUnf Schlusselelemente der emotionalen lntelligenz.28

Er fUgte zu Mayers und Saloveys Modell also auch Faktoren wie Selbstvertrauen, Optimismus und Unabhangigkeit hinzu.29 Durch eine sehr breite Definition mit folgenden fUnf Hauptkomponenten und ihnen jeweils untergeordneten Faktoren ist Bar-Ons Modell gut geeignet, urn einen Bezug zur Praxis herzustellen.30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: komponenten Emotionaler Intelligenz nach Bar-On31

[...]


1 Vgl. Goleman, D., 2007, S. 12

2 Vgl. Goleman, D., 2007, S. 12 f.

3 Vgl. Neuhaus, H., 2010, S. 11

4 Vgl. Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., S. 258

5 Vgl. Goleman, D., 2010, S. 9

6 Vgl. Roberts, R., 2006, in: Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., S. 330

7 Vgl. Von Kanitz, A., 2012, S. 28 f.

8 Vgl. Roberts, R., 2006, in: Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., S.330

9 Vgl. Neuhaus, H., 2010, S. 14

10 Vgl. Pletzer, M., 2007, S. 9

11 Vgl. Pletzer, M., 2007, S. 9

12 Vgl.Wurzer, J., 2012 S. 10

13 Vgl. Neuhaus, H., 2010, S. 14

14 Vgl. Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., S. 40

15 Vgl. Pletzer, M., 2007 S. 9

16 Vgl. Krause, K., 2007 S.9

17 Vgl. Von Kanitz, A., 2012 S. 26 f.

18 Vgl. Von Kanitz, A., 2012 S. 30

19 Vgl. Von Kanitz, A., 2012 S. 33

20 Vgl. Meves, Y., 2013, S. 29

21 Vgl. Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., 2006 S. 39

22 Salovey, P., Mayer, J.D., 1989, S. 199

23 Vgl. Schulze, R., Freund, P., Roberts, R., S. 41

24 Vgl. Bleicher, M., 2003, S. 24

25 Vgl. Schulze, R., Freund, P., 2006, Roberts, R., 2006, S. 44

26 Vgl. Krause, K., 2007, . 29

27 Vgl. Maltby, J., Day, L.,Macaskil, A., 2012, S. 705

28 Vgl. Neubauer, A., Freudenthaler, H., 2006, in: Schulze, R., Freund, P., Roberts., R., S. 49

29 Vgl. Menges, J., 2008,. 94

30 Vgl. Krause, K., 2007, . 30

31 Vgl. Maltby, J., Day, L.,Macaskil, A., 2012, S. 705

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Emotionale Intelligenz bei Führungskräften
Untertitel
Ausgewählte Modelle emotionaler Intelligenz nach Mayer & Salovey, Bar-On und Goleman
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Personalmanagement
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V514321
ISBN (eBook)
9783346101228
ISBN (Buch)
9783346101235
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emotionale Intelligenz, kognitive Intelligenz, Führungsstile, Führungskraft, Selbstwahrnehmung, Selbstmanagement, soziale Fähigkeiten, Empathie, Kompetenz, Emotionen, Stressmanagement, Fähigkeiten, persönliche Kompetenz, soziale Kompetenz, fachliche Kompetenz, methoden Kompetenz, Unternehmen, Mitarbeiter, Mitarbeiterführung, Seminare
Arbeit zitieren
Anna Köpplin (Autor), 2016, Emotionale Intelligenz bei Führungskräften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514321

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