Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Sozialpsychiatrie

Empirische Analyse einer sozialtherapeutischen Wohnstätte


Hausarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Psychiatrie in Deutschland

3. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
3.1 Definition von Lebenswelt
3.2 Das Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
3.3 Anwendung in der Sozialpsychiatrie

4. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit im Praxisbezug
4.1 Der Träger „xxxxxx gGmbH“
4.2 Die sozialtherapeutische Wohnstätte der xxxxxx gGmbH
4.2.1 Aufnahme von Bewohner*innen: Voraussetzungen und Procedere
4.2.2 Das Betreuungspersonal
4.2.3 Die Arbeit mit den Bewohner*innen
4.3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der sozialtherapeutischen Wohnstätte

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

„Lebensweltorientierung sieht den Erfahrungsraum, die Bühne des Alltäglichen, strukturiert in den Regelungen von Zeit, von Raum, von Beziehungen; sie sieht vor allem die Gemengelage von Ressourcen und Problemen im sozialen Feld. Lebensweltorientierung ist zugleich beschreibend und normativ. Sie sucht in den gegebenen Verhältnissen Optionen, die auf Gestaltungsräume in gegenseitiger Anerkennung verweisen könnten. Als Handlungskonzept verbindet sie den Respekt vor dem Gegebenen mit dem Vertrauen in Potentiale und Entwicklungsmöglichkeiten im Feld.“ (Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 178 – 179).

In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, ob und in wie weit das Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit den von Hans Thiersch entwickelten Handlungs- und Strukturmaximen Anwendung in der fachlichen Arbeit der sozialtherapeutischen Wohnstätte für Menschen mit einer chronischen psychischen Erkrankung der xxxxxx gGmbH finden könnte oder bereits Anwendung findet. Um die Frage zu beantworten werde ich zunächst einen kurzen Abriss über die Geschichte der Psychiatrie in Deutschland und deren praktische Entwicklung zur Gemeindepsychiatrie geben. Die theoretische Grundlage dessen, die Sozialpsychiatrie, werde ich dabei erläutern und definieren. Im weiteren Verlauf der Hausarbeit widme ich mich dem Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit indem ich zunächst den Begriff der Lebenswelt definiere und im Anschluss das Konzept und seine Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Sozialpsychiatrie erläutere. Um einen konkreten Praxisbezug herstellen zu können, werde ich im 4. Kapitel dieser Arbeit sowohl den Träger xxxxxx gGmbH vorstellen als auch einen Einblick in die Betreuungsarbeit mit den Klient*innen der sozialtherapeutischen Wohnstätte geben. Abschließend werde ich die fünf Struktur- und Handlungsmaxime nach Hans Thiersch im Einzelnen beleuchten und in Bezug zur Lebenswelt und zum Alltag der Bewohner*innen der Sozialtherapeutischen Wohnstätte der xxxxxx setzen. Seit nun mehr 12 Jahren arbeite ich in dieser Einrichtung, davon die letzten 7 Jahre als Mitglied des Leitungsteams. Neben ausgewählten Quellen werde ich im Kapitel 4.2 auf Wissen aus meiner langjährigen praktischen Arbeit zurückgreifen.

2. Die Geschichte der Psychiatrie in Deutschland

„Die Ideologie, psychisch Kranke von ihrer gewohnten Umgebung zu isolieren, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Heidelberger Psychiater Christian Friedrich Wilhelm Roller aufgebracht. Der Vertreter der idealistisch pädagogischen Schule lehrte, dass die ‚Entortung der Vernunft‘ (Immanuel Kants Erklärung für psychische Erkrankungen) auf ‚unordentlichen‘ Umgang oder fehlgeleitete Erziehung in Familie und Umwelt zurückzuführen sei. Die Konsequenz daraus war, die Kranken von ihrer angeblich pathogenen Umgebung zu isolieren. Am besten in einer landschaftlich idyllisch gelegenen Anstalt, denn die sollte ‚wohltätig auf das Seelenleben wirken‘.“ (Bühring 2001, S. 304).

Nach und nach wurden die psychiatrischen Krankenhäuser aus den Städten aufs Land verlagert, mit räumlicher Distanz zu den modernen medizinischen Einrichtungen. Da aber die Psychiater die teils schweren psychiatrischen Erkrankungen nicht heilen konnten und keine wirksamen Behandlungsmethoden hatten, wurden die Patienten mehr und mehr vernachlässigt und in den Anstalten teilweise bis an ihr Lebensende verwahrt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert war die Zahl der Insassen so stark angestiegen, dass die Anstalten den Bedarf nicht mehr decken konnten und die Qualität der Unterbringung weiter sank. Gründe hierfür waren die hohen Geburtenraten und der Wandel zur Industriegesellschaft (vgl. Bühring 2001, S. 304):

„Die große Zunahme der Hospitalisierten erweckte aus dem dilettantischen Biologismus jener Zeit die Angst, die Geisteskranken seien ‚wegen genetischer Degeneration des Volkskörpers in steiler Zunahme begriffen‘ (Häfner 2003). Diese Überzeugung wurde von vielen Bürgern, Professoren, Sozialmedizinern und Politikern geteilt. Sozialdarwinismus und die sich ausbreitende Idee der Eugenik bereiteten die Katastrophe vor: den Massenmord an rund 200 000 psychisch Kranken und die Zwangssterilisation von fast 300 000 ‚Erbkranken‘ während des Nationalsozialismus.“ (Bühring 2001, S. 304).

Im Gegensatz zu Großbritannien und den USA wurde die Psychiatrie in Deutschland vergleichsweise spät reformiert und bis 1970 stieg die Zahl der Hospitalisierungen weiter an. Erst die Studentenrevolte und die Kulturrevolution der 68er bereiteten das gesellschaftliche Umfeld dafür vor. Nach Ende des zweiten Weltkriegs herrschte überall im Land Nahrungsknappheit und große Not. Die psychisch erkrankten Menschen wurden oft ihrem Schicksal überlassen, das Personal einiger Verwahranstalten des früheren Nationalsozialismus ergriff teilweise vollständig die Flucht, sodass Hungersterben und Todesmärsche die Folge waren. Obwohl in der Bevölkerung nach und nach wieder Normalität eintrat, hielt dieses Hungersterben noch bis in die 1950er Jahre an. Gründe für das Ausbleiben einer umfassenden Reform könnten zum einen die Verdrängung der NS-Verbrechen sein, zum anderen aber die räumliche Abgelegenheit psychiatrischer Anstalten auf dem Land, was zur Folge hatte, dass das Elend der Insassen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwand. Erst die 1971 berufene Enquete-Kommission deckte die menschenunwürdigen Verhältnisse in den Anstalten auf. Die Anti-Psychiatrie Debatte, wie sie ab 1960 in Italien, Großbritannien und den USA geführt wurde, erlebte erst als Folge der antiautoritären Studentenbewegung, deren Höhepunkt 1968 war, größere öffentliche Resonanz. Durch das gesellschaftliche Klima der 1968er Jahre ist die Psychiatriereform als sozialpolitische Bewegung in Gang gekommen und die Grundlage für ein Umdenken in der sozialpsychiatrischen Versorgung wurde geschaffen. Mit der 1975 fertiggestellten Psychiatrie-Enquête, einem Bericht über die Lage der Psychiatrie in der BRD, hat sich die Versorgung psychisch kranker Menschen verbessert (vgl. Bühring 2001, S. 304; Bühring 2002, S. A 3435-A 3436).

„Die Sozialpsychiatrie, die die Empfehlungen in der Psychiatrie-Enquête von 1975 geprägt hat und sich danach breiter etabliert hat, postuliert, psychisch kranke Menschen in ihrem sozialen Umfeld zu verstehen und sie auch dort zu behandeln. Praktische Folge solcher Forderungen war und ist eine sich seit den 1970er Jahren entwickelnde Gemeindepsychiatrie.“ (Schröder-Rosenstock 2011, S. 843).

So entstanden ab 1975 Tages- und Nachtkliniken, Übergangseinrichtungen und Patientenwohnheime was zur Folge hatte, dass die Zahl der Unterbringungen in Großkrankenhäusern zurück ging (Enthospitalisierung), dafür aber Akutabteilungen in Allgemeinkrankenhäusern und ambulante Dienste eingerichtet wurden. So konnten die psychosozialen Aspekte der Betreuung in den Fokus rücken und die Bedeutung der nichtärztlichen Berufsgruppen, wie z.B. Fachkrankenpfleger*innen, Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen, Ergotherapeut*innen, nahm zu (vgl. Schröder-Rosenstock 2011, S. 674).

„Gemeindepsychiatrie resultiert aus den Grundprinzipien einer Sozialpsychiatrie, wie sie in der Psychiatrie-Enquête von 1975 ihren Ausdruck fand. Diese Sozialpsychiatrie geht davon aus, dass seelisches Leid in der Gemeinde entsteht und dass es dort auch getragen, gelindert oder beseitigt werden muss. Auf keinen Fall sollen Lösungsschritte vollzogen werden, die das Leiden durch Ausgliederung oder Institutionalisierung verlagern und verstärken. Sozialpsychiatrie ist somit ein Haltungs- und Handlungsprinzip, G. die praktische Umsetzung. Dieses Verständnis hat seit den 1970er Jahren ein tief greifendes Umdenken der Betroffenen wie der Professionellen verlangt. Es betrachtet Gesunde und Kranke als Mitglieder derselben Gemeinde, mit denen man zusammenlebt.“ (Schröder Rosenstock 2011, S. 336).

Gemeindepsychiatrie hat es sich also zur Aufgabe gemacht, jede Form von Ausgliederung zu vermeiden und zu beseitigen. Sie blickt auf Schwierigkeiten, die sich aus den sozialen Gegebenheiten heraus entwickeln, ohne sie zu psychiatriesieren, wie etwa Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit, und spricht sich primär gegen die Zunahme von Sondereinrichtungen für Problemfälle aller Art aus, genannt seien hier Sonderschulen, Behindertenarbeitsplätz, WfbMs, Heime usw. Entstehende Schwierigkeiten sollten nicht sofort von Fachleuten bearbeitet werden, vielmehr sollte Vorsorge getroffen und Selbsthilfepotentiale genutzt werden (vgl. Schröder-Rosenstock 201, S. 336 – 337). An diesen Punkten setzt auch das Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit ihren Struktur- und Handlungsmaximen an.

3. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit

3.1 Definition von Lebenswelt

Der Begriff der Lebenswelt, als Grundlage einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit, ist über fünf verschiedene Zugänge definierbar:

Erstens ist Lebenswelt ein beschreibendes Konzept, in welcher der Mensch in der Erfahrung einer Wirklichkeit gesehen wird, in der er sich befindet, strukturiert in Erfahrungen des Raumes, der Zeit und der sozialen Beziehungen. Im Fokus liegt die Fertigkeit des Sich-Arrangierens im Überleben und die Bemühungen, den bestehenden Lebenssituationen gewachsen zu sein. Zweitens ist Lebenswelt als in verschiedene, nach Funktionen und Inhalten unterteilte Lebensräume oder Lebensfelder definierbar wie z.B. Familie, Arbeit, Sportgruppe, Freunde. Diese Lebensfelder werden neben- oder auch nacheinander begangen und beeinflussen sich gegenseitig. Drittens ist Lebenswelt normativ-kritisch. Diese Perspektive beschreibt die als widersprüchlich erlebten Stärken, Wahrnehmungen und Handlungsmuster der Menschen. Was einerseits entlastend ist und soziale Sicherheit und Identität bietet, wird andererseits ebenso als einengend, ausgrenzend und blockierend empfunden. Viertens ist Lebenswelt ein historisch und sozial konkretes Konzept in der die erlebte Wirklichkeit eines Menschen eingebettet ist und beeinflusst wird durch gesellschaftliche Strukturen und Ressourcen. Der fünfte Zugang besteht darin, dass Gruppen und Individuen ihre Lebenswelt bewusst inszenieren und gestalten zur Herausbildung einer eigenen, vor sich und anderen vertretbaren, Identität (vgl. Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 184 – 186).

3.2 Das Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit

Bei der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit handelt es sich um ein Konzept, welches in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts entstand und heute als ein maßgeblicher Ansatz in der theoretischen Diskussion sowie in der Praxis der Sozialen Arbeit betrachtet wird. Entstanden in den 1960er Jahren der Bundesrepublik Deutschland, einer Zeit des Umdenkens, der kritisch-radikalen Diskussionen und der sich weiter spezialisierenden Sozialen Arbeit hin zur differenzierten Expertenherrschaft, entwickelte sich das Konzept in Phasen weiter (vgl. Grunwald, Thiersch 2016, S. 24; Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 179).

„Lebensweltorientierung als Antwort auf politische und fachliche Entfremdung verband die Kritik an traditionell obrigkeitlich bestimmten, disziplinierenden und expertokratisch bestimmten Arbeitsformen mit dem Entwurf neuer Arbeitskonzepte.“ (Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S 179). Lebensweltorientierung versucht von jeher gesellschaftspolitische Kritik aufzugreifen und die Absichten dieser um- und fortzusetzen, stets mit dem Ziel, gerechtere Lebensverhältnisse zu schaffen sowie Demokratisierung und Emanzipation voranzutreiben (vgl. Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S 179). „Jeder hat seinen Alltag und darin sein Recht auf Verständnis und Hilfe im Zeichen gerechterer Verhältnisse. Lebensweltorientierung insistiert - professionstheoretisch gesehen – auf den Chancen rechtlich gesicherter, fachlich verantwortbarer Arbeit.“ (Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S 179). Sie wirft immer einen Blick auf die spezifischen Lebensverhältnisse der Adressat*innen und verknüpft diese mit pädagogischen Konsequenzen. Hierbei hebt sie das Zusammenwirken von Problemen und Möglichkeiten sowie von Stärken und Schwächen hervor, um daraus ein Handlungsrepertoire abzuleiten, wohlwissend, dass dieses Repertoire immer zwischen dem einerseits Akzeptieren von bestehenden Lebensentwürfen und, andererseits, Sich-Einmischen in Verhältnisse, liegt (vgl. Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 175). „Lebensweltorientierung ist – so gesehen – ein Konzept, das auf eine spezifische Sicht von Lebensverhältnissen mit institutionellen und methodischen Konsequenzen antwortet.“ (Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 175).

Zentraler Begriff der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ist der Alltag. Gemeint ist hier der Alltag der Adressat*innen, welche sich in den verschiedensten alltäglichen Situationen unter hochindividuellen Bedingungen befinden was zur Folge hat, dass auch ihr Alltag mitunter eigensinnige Strukturen aufweist und Abbild ihrer gesellschaftlichen Situation ist. Lebensweltorientierung hat einen gelingenderen Alltag zum Ziel und nutzt dafür professionelle Kompetenzen zur Reorganisation gegebener Lebensverhältnisse (vgl. Thiersch, Grunwald, Köngeter 2012, S. 178 – 179). Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert in 6 Dimensionen. Diese sind die erfahrene Zeit, der erfahrene Raum, soziale Beziehungen, alltägliche Bewältigungsaufgaben, Hilfe zur Selbsthilfe und gesellschaftliche Bedingungen (vgl. ebd. S. 186 – 187). Diese konkretisieren sich in den von Hans Thiersch erarbeiteten Struktur- und Handlungsmaximen Prävention, Alltagsnähe, Dezentralisierung, Integration und Partizipation (vgl. ebd. S. 188 – 189).

Im Kapitel 4.3 werde ich diese Prinzipien näher beleuchten und am praktischen Beispiel erläutern.

3.3 Anwendung in der Sozialpsychiatrie

„Mit der Sozialpsychiatrie, als politisch-ethisch begründete, gesellschaftskritische Antwort auf und sic! das traditionelle, naturwissenschaftlich bestimmte Anstaltsmodell, kehrten ‚die Verrückten‘ als Subjekte und zumindest formal gleichberechtigte Bürger_innen in die Zivilgesellschaft zurück.“ (Obert 2016, S. 222).

Nachdem in der Vergangenheit Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgegrenzt, ausgeschlossen und meist gemeindefern untergebracht waren, weil ihr Verhalten als potentiell gefährlich eingeschätzt wurde, werden sie heute innerhalb ihres Sozialraums, ihrer Lebenswelt, in erster Linie, zumindest sofern möglich, ambulant behandelt. Dies war aber erst möglich, nachdem sich der Blick auf und das Verständnis von Gesundheit und Krankheit nachhaltig veränderte. Dieser Prozess dauert bis heute an und führte dazu, dass verstehende und somit auch alltags- und lebensweltorientierte Ansätze in die psychiatrische Alltagsarbeit ihren Weg fanden. Durch Kommunikation und Interaktion kehrt der Mensch als Ganzes, als Einheit von Körper, Seele und Geist, zurück in die Gesellschaft (vgl. Obert 2016, S. 221 – 222).

„Kritisches, alltags- und lebensweltorientiertes Handeln … erfordert ein verbindlich zusammenarbeitendes Netz an dezentralisierten und regionalisierten Hilfen in der Lebenswelt der Adressat_innen, immer in der Spannung von autonomiefördernder Unterstützung und dem Risiko der fürsorglichen Belagerung durch das professionelle Hilfesystem (Doppelmandat von Hilfe und Kontrolle).“ (Obert 2016, S. 222 – 223). Obert nennt drei wesentliche Aufgaben, die vom regionalisierten Hilfesystem erfüllt werden: Zum einen ist das die Stabilisierung der oft problematischen Lebenslagen, zum zweiten die Umsetzung der regionalen Versorgungspflichten und zum dritten eine Vernetzung und Kooperation im Gemeindepsychiatrischen Verbund (vgl. ebd. S. 222). Ein solches Netz besteht aus folgenden Bausteinen (Abb. 1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Netz sozialpsychiatrischer Hilfen (vgl. Obert 2016, S. 223)

Synonym zum Begriff „Gemeindepsychiatrisches Zentrum“ wird auch der Begriff „Sozialpsychiatrisches Zentrum“ verwendet, teilweise übernehmen auch sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) des Fachbereichs Psychiatrie und Neurologie die Koordination ambulanter psychiatrischer Hilfen. In Dresden beispielsweise gibt es kein solches Gemeindepsychiatrisches Zentrum als einen Ort, an dem alle der genannten Bausteine unter einem Dach zu finden sind. Vielmehr gibt es ein breites Spektrum verschiedenster Hilfen im Stadtgebiet verteilt. Nach meiner Erfahrung kann eine Beratung der Patient*innen und eine sinnvolle Koordination der Hilfen über die vier sozialpsychiatrischen Dienste erfolgen, über die Sozialdienste der Krankenhäuser oder durch gut informierte Fachärzt*innen.

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Details

Titel
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Sozialpsychiatrie
Untertitel
Empirische Analyse einer sozialtherapeutischen Wohnstätte
Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V514392
ISBN (eBook)
9783346114778
ISBN (Buch)
9783346114785
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebenswelt, Lebensweltorientierung, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, Soziale Arbeit, Thiersch, Obert, Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, Wohnstätte, Wohnheim, betreutes Wohnen, Sozialtherapie, sozialtherapeutisch, Gemeindepsychiatrie
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Sozialpsychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514392

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