Bewertung mündlicher Leistungen in der Schule. Kriterien und Funktionen der Leistungsfeststellung


Hausarbeit, 2006

25 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung
2.1. Schulleistungen in pädagogischer und gesellschaftlicher Ambivalenz
2.2. Mündliche Leistungen vs. sonstige Formen von Schulleistungen
2.3. Kriterien zur Leistungserfassung

3. Bewertung mündlicher Schulleistungen
3.1. Funktion der Bewertung mündlicher Leistungen
3.2. Fehlerquellen und Verzerrungen bei der Bewertung
3.2.1. Unterschiedliche Maßstäbe der Beurteilung

4. Mündliche Leistungsbewertung während des Unterrichts
4.1. Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung

5. Bewertung mündlicher Leistungen im Fach Deutsch

6. Dokumentation mündlicher Leistungen
6.1. Portfolio
6.2. Leistungspräsentation
6.3. Lerntagebücher
6.4. Zertifikate
6.5. Selbstbewertung, wechselseitige Bewertung, beauftragte Bewertung
6.6. Bewertung

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Matthäus 7,16

1. Einleitung

Mündliche Leistungen zu bewerten gestaltet sich häufig schwieriger als angenommen. Es besteht zunehmend die Gefahr, dass Kinder aufgrund ihres sozialen Backgrounds sowie ihrer mitgebrachten Fähigkeiten beurteilt werden, ohne dass Lernfortschritte während des Unterrichts Beachtung finden. Weiterhin werden oftmals eher gute Noten für gute Beteiligungen und für gutes Sprechen verteilt, als für gutes Zuhören und regelgerechtes Verhalten, die auch wichtige Bestandteile der Bewertung darstellen, jedoch oftmals vergessen werden.

Grundlage für die Erbringung mündlicher Leistungen stellt die Gesprächsfähigkeit dar, die nicht angeboren ist, sondern erlernt werden muss. „Gesprächsfähig sind Kinder, wenn sie sachangemessen und partnerbezogen miteinander sprechen. Sie finden sich in verschiedenen gegebenen Gesprächssituationen zurecht und können Sprecher- und Hörerrollen einnehmen, einen Gegenstand oder Sachverhalt richtig erfassen und verständlich wiedergeben, als Person authentisch sein und sich in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen an vereinbarte Regeln halten. In schwierigen Situationen ergreifen sie die Möglichkeit zur Metakommunikation und thematisieren problematische Punkte.“[1]

Diese Hausarbeit ist im Zuge des Seminars „Leistung und Benotung im Deutschunterricht“ entstanden, das sich mit den Erscheinungsformen von Leistung sowie den Bewertungsnormen und -modalitäten beschäftigt hat. In dieser Hausarbeit soll das Thema „Bewertung mündlicher Schulleistungen“ genauer untersucht und auf die verschiedenen Bewertungsaspekte näher eingegangen werden.

Es folgt zunächst eine genauere Eingrenzung und Definition der Begriffe „Leistungsfeststellung“ und „Leistungsbeurteilung“ mit Herausstellung der pädagogischen und gesellschaftlichen Ambivalenz von Schulleistungen. Im Anschluss folgen die Kriterien und die Funktionen der Leistungsfeststellung sowie die möglichen Fehlerquellen, die sich bei der Bewertung von Leistung ergeben können. Das eigentliche Hauptthema der Hausarbeit „Die Bewertung mündlicher Schulleistungen“ schließt sich dem ersten Teil an. Auch die Bewertung mündlicher Leistungen innerhalb des Deutschunterrichts spielt in dieser Hausarbeit eine wichtige Rolle. Zum Schluss werden auszugsweise einige Möglichkeiten der Leistungsdokumentation vorgestellt.

2. Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung

„Die sprachlichen Wurzeln von „Leistung“ – idg. „leis-“ = „Fußspur, Furche“ und got. „laistjan“ = „einer Spur nachfolgen“ (Trübner 1943, S. 438ff) – deuten auf ein normatives Moment des Leistungsbegriffs: Die Spur ist vorgegeben, an ihr hat man sich zu orientieren. So sind auch Leistungen von Schülern Ausdruck des Grades, in dem sie Maßstäben und Anforderungen zu entsprechen vermögen. Leistung ist der Vollzug und das Ergebnis einer Tätigkeit, die mit Anstrengung verbunden, auf die Erlangung eines Zieles gerichtet und auf Gütemaßstäbe und Anforderungen bezogen ist. (Klafki 1996, S. 228; Schröder 2000, S. 287)“[2]

Im Schulalltag werden die Begriffe Leistungsmessung, Leistungsbeurteilung bzw. Leistungsbewertung synonym benutzt. Allerdings ist eine Unterscheidung notwendig, um Fehleinschätzungen zu vermeiden. „Leistungsbeurteilungen setzen sich zusammen aus dem Schritt der Leistungsfeststellung, bei dem ermittelt wird, welche Lernergebnisse erzielt worden sind und dem Schritt der Bewertung, bei dem die Lernergebnisse anhand einer Norm bzw. eines Vergleichsmaßstabes eingestuft werden (vgl. Klauer 2001, S. 103)"[3]

Leistungsfeststellung ist das Ermitteln der Schülerleistung durch die Messung von Lernergebnissen unter Anwendung eines Messinstruments (Feststellung der Mitarbeit, besondere mündliche, schriftliche, praktische oder grafische Formen der Leistungsfeststellung).“[4] Das Ergebnis dieser Leistungsfeststellung setzt sich aus den richtigen Schülerantworten und den richtig gelösten Aufgaben sowie aus der Anzahl der Fehler oder den erreichten Punkten zusammen.

Leistungsbeurteilung ist die im Anschluss an die Leistungsfeststellung vorgenommene Bewertung des Messergebnisses durch den Vergleich mit einem Beurteilungsmaßstab.“[5] Das Ergebnis der Leistungsbeurteilung wird in Form von Noten (Beurteilungsstufen) ausgedrückt.

Im Bereich der empirischen Sozialforschung, wozu auch die Leistungsmessung gehört, müssen die folgenden drei Gütekriterien erfüllen werden:

Objektivität (Unabhängigkeit):

Möglichst weitgehende Unabhängigkeit der Testergebnisse von situativen und individuellen Aspekten der Testdurchführung und –auswertung.

Reliabilität (Zuverlässigkeit):

Möglichst geringe Belastung der Testergebnisse durch Messfehler.

Validität (Gültigkeit):

Möglichst hohe Übereinstimmung mit dem, was der Test zu messen beansprucht

(vgl. Arnold 2001 (c), S. 118)[6]

Derjenige, der die mündliche oder schriftliche Leistung eines Schülers misst, beurteilt und bewertet ist auf diese Gütekriterien angewiesen und sollte ihnen Beachtung schenken.

Die Bewertung von Leistungen mittels Noten ist ein recht komplexer Prozess, da nicht eindeutig festgelegt werden kann, was der Lehrer beurteilt bzw. misst. Grund hierfür liegt in den recht allgemein gehaltenen Lehrplänen, so dass sich unterschiedliche Vorstellungen darüber entwickeln, welche Schülerleistungen bewertet werden sollen. Zum anderen geben Beurteilungen von Schülerleistungen Aufschluss über die Gestaltung und Durchführung von Unterricht, d.h. der Lehrer beurteilt sich ein Stück weit selber.

2.1. Schulleistungen in pädagogischer und gesellschaftlicher Ambivalenz

Schulleistungen umfassen nicht nur auf messbare Leistungsergebnisse oder erbrachte Leistungen von Schülern innerhalb der Institution Schule, sondern müssen immer im Kontext der Unterrichtsgestaltung gesehen werden. Schüler mit lehrerzentriertem Unterricht erbringen andere Leistungen, als Schüler mit einer offenen Unterrichtsgestaltung.

Schulleistungen setzen sich demnach aus folgenden Leistungen zusammen:

„der Schule, z.B. mit schulrechtlichen Vorgaben für die Institution, mit Schulprogrammen für einzelne Schulen, mit personellen und sächlichen Vorgaben

der Lehrerinnen und Lehrer, z.B. mit deren Ausbildung, Engagement, Ideenreichtum, Methodenvielfalt, Beobachtungs- und Beratungskompetenz und deren Kooperationsbereitschaft und -möglichkeit mit Erziehungsberechtigten und

der Schülerinnen und Schüler z.B. mit deren Lernvoraussetzungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen.“[7]

Bei der Beurteilung mündlicher Leistungen liegt der Schwerpunkt auf dem letzten Teilbereich.

2.2. Mündliche Leistungen vs. sonstige Formen der Schulleistungen

Als mündliche Leistungen werden Leistungen verstanden, die nicht im Rahmen von Klassenarbeiten bzw. Klausuren erbracht werden.

Mündliche Leistungen erbringen Schülerinnen und Schüler in erster Linie während des Unterrichts. Da die unterrichtliche Organisation von Lernprozessen im Wesentlichen auf dem Medium Sprache beruht, werden Unterrichtsinhalte hauptsächlich besprochen. Die lebendige Gestaltung von Unterricht lebt von der mündlichen Mitarbeit der Schüler und kann auf diese nicht verzichten. Mündliche Leistungen im Sinne der Mitarbeit sind jedoch deutlich von der mündlichen Wissensabfrage, die zur Überprüfung des Lernstands der Schüler angewendet wird, zu trennen.

Die mündlichen Phasen eines Unterrichts überwiegen in der Regel. Bei vielen Lehrkräften herrscht jedoch eine große Unsicherheit, welche Arten der Mitarbeit, wie z.B. Konzentration, Aufmerksamkeit, Bearbeitung von Arbeitsblättern, Aufsätze usw. als mündliche Mitarbeit gewertet werden sollen bzw. dürfen. Entscheidend ist die Gesprächsfähigkeit des Kindes, die die Voraussetzung für das Erbringen mündlicher Leistungen darstellt. Diese setzt wiederum eine Sprachkompetenz voraus. Unterricht muss demnach sowohl die Sprachkompetenz sowie die Gesprächsfähigkeit fördern und ausbauen, um diese anschließend bewerten zu können. Die Förderung der Gesprächsfähigkeit bezieht sich nicht einzig und allein auf den Deutschunterricht, sondern muss fächerübergreifend erfolgen.

„Aus der Komplexität der Leistungsanforderungen in der Schule, aus der Vielfalt mündlich erbrachter Leistungen ergeben sich Konsequenzen sowohl für die Unterrichtsgestaltung als auch für die Leistungsbeurteilung.“[8]

2.3. Kriterien zur Leistungserfassung

Das Bewerten bzw. Beurteilen mündlicher Schülerleistungen gestaltet sich oftmals als schwierig. Die Probleme beginnen bei der Leistungsfeststellung. „Ist häufiges Melden ein Kriterium [zur mündlichen Leistungsbeurteilung], auch wenn die dann tatsächlich abgerufenen Beiträge vielleicht schwach sind. Bekommt jeder Schüler die gleiche Chance des Drankommens oder verfährt der Lehrer eher selektiv? Wird beim tatsächlichen Drankommen die Ein-Wort- / Ein-Satz-Antwort genauso bewertet, wie ein Beitrag in mehreren Sätzen, die eine selbstständige, umfassende und produktive Antwort beinhaltet?“[9] Der Bereich der mündlichen Leistungen, so Bönsch, wird wie folgt aufgeschlüsselt:

[...]


[1] Potthoff, Ulrike (In: Friedrich Jahresheft XIV), S. 14

[2] Sacher, Werner (2004), S. 13

[3] Kirk, Sabine (2004), S. 40

[4] Potthoff, Ulrike (In: Friedrich Jahresheft XIV), S. 3

[5] ebd., S. 3

[6] Kirk, Sabine (2004), S. 40f

[7] Kirk, Sabine (2004), S. 23

[8] Kirk, Sabine (2004), S. 30

[9] Bönsch, Manfred: Mündliche Leistungsbeurteilung. In: NDS 2/89, 23

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Bewertung mündlicher Leistungen in der Schule. Kriterien und Funktionen der Leistungsfeststellung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V51459
ISBN (eBook)
9783638474269
ISBN (Buch)
9783638720274
Dateigröße
1173 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewertung, Leistungen, Schule, Kriterien, Funktionen, Leistungsfeststellung
Arbeit zitieren
Katja Küchemann (Autor), 2006, Bewertung mündlicher Leistungen in der Schule. Kriterien und Funktionen der Leistungsfeststellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51459

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