An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Matthäus 7,16
Mündliche Leistungen zu bewerten gestaltet sich häufig schwieriger als angenom-men. Es besteht zunehmend die Gefahr, dass Kinder aufgrund ihres sozialen Back-grounds sowie ihrer mitgebrachten Fähigkeiten beurteilt werden, ohne dass Lernfort-schritte während des Unterrichts Beachtung finden. Weiterhin werden oftmals eher gute Noten für gute Beteiligungen und für gutes Sprechen verteilt, als für gutes Zuhö-ren und regelgerechtes Verhalten, die auch wichtige Bestandteile der Bewertung darstellen, jedoch oftmals vergessen werden.
Grundlage für die Erbringung mündlicher Leistungen stellt die Gesprächsfähigkeit dar, die nicht angeboren ist, sondern erlernt werden muss. „Gesprächsfähig sind Kinder, wenn sie sachangemessen und partnerbezogen miteinander sprechen. Sie finden sich in verschiedenen gegebenen Gesprächssituationen zurecht und können Sprecher- und Hörerrollen einnehmen, einen Gegenstand oder Sachverhalt richtig erfassen und verständlich wiedergeben, als Person authentisch sein und sich in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen an vereinbarte Regeln halten. In schwierigen Situationen ergreifen sie die Möglichkeit zur Metakommunikation und thematisieren problematische Punkte.“
Diese Hausarbeit ist im Zuge des Seminars „Leistung und Benotung im Deutschun-terricht“ entstanden, das sich mit den Erscheinungsformen von Leistung sowie den Bewertungsnormen und –modalitäten beschäftigt hat. In dieser Hausarbeit soll das Thema „Bewertung mündlicher Schulleistungen“ genauer untersucht und auf die ver-schiedenen Bewertungsaspekte näher eingegangen werden.
Es folgt zunächst eine genauere Eingrenzung und Definition der Begriffe „Leistungs-feststellung“ und „Leistungsbeurteilung“ mit Herausstellung der pädagogischen und gesellschaftlichen Ambivalenz von Schulleistungen. Im Anschluss folgen die Kriterien und die Funktionen der Leistungsfeststellung sowie die möglichen Fehlerquellen, die sich bei der Bewertung von Leistung ergeben können. Das eigentliche Hauptthema der Hausarbeit „Die Bewertung mündlicher Schulleistungen“ schließt sich dem ersten Teil an. Auch die Bewertung mündlicher Leistungen innerhalb des Deutschunterrichts spielt in dieser Hausarbeit eine wichtige Rolle. Zum Schluss werden auszugsweise einige Möglichkeiten der Leistungsdokumentation vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung
2.1. Schulleistungen in pädagogischer und gesellschaftlicher Ambivalenz
2.2. Mündliche Leistungen vs. sonstige Formen von Schulleistungen
2.3. Kriterien zur Leistungserfassung
3. Bewertung mündlicher Schulleistungen
3.1. Funktion der Bewertung mündlicher Leistungen
3.2. Fehlerquellen und Verzerrungen bei der Bewertung
3.2.1. Unterschiedliche Maßstäbe der Beurteilung
4. Mündliche Leistungsbewertung während des Unterrichts
4.1. Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung
5. Bewertung mündlicher Leistungen im Fach Deutsch
6. Dokumentation mündlicher Leistungen
6.1. Portfolio
6.2. Leistungspräsentation
6.3. Lerntagebücher
6.4. Zertifikate
6.5. Selbstbewertung, wechselseitige Bewertung, beauftragte Bewertung
6.6. Bewertung
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Bewertung mündlicher Schulleistungen, identifiziert zentrale Einflussfaktoren und methodische Herausforderungen und beleuchtet Ansätze für eine transparentere Dokumentation dieser Leistungen im schulischen Kontext.
- Grundlagen der Leistungsfeststellung und -beurteilung
- Fehlerquellen und subjektive Verzerrungen bei der Leistungsbewertung
- Besonderheiten und Kriterien im Fach Deutsch
- Strategien zur Dokumentation mündlicher Leistungen
- Förderung der Gesprächsfähigkeit als Grundlage der Leistungsbewertung
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Unterschiedliche Maßstäbe der Beurteilung
Bei der Bewertung bzw. Beurteilung von Schulleistungen werden grundsätzlich drei Maßstäbe unterschieden – der individuelle Maßstab, der soziale Maßstab und der lernzielorientierte Maßstab, der Standardmaßstab.
Der individuelle Maßstab bezieht sich auf die persönlichen Lernfortschritte jedes einzelnen Schülers und ist für dessen Beurteilung sowie für eine förderorientierte Leistungsbeurteilung ausschlaggebend. Die Leistungsbeurteilung informiert über die Entwicklungs- und Lernfortschritte, die ein Schüler während eines festgelegten Zeitraums gemacht hat. Hierbei finden die individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten besondere Berücksichtigung.
Beim sozialen Maßstab werden die individuellen Leistungen des Schülers im Verhältnis zur Gruppe, d.h. zur Schulklasse beurteilt, so dass Einzelleistungen nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Der lernzielorientierte Maßstab „orientiert sich an sachlichen, inhaltlichen Normen und an objektiven Lernzielvorgaben. Dieser Leistungsbeurteilung liegen fachliche Anforderungen zugrunde, die unabhängig von der Gruppenleistung oder der früheren persönlichen Leistung formuliert werden“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Schwierigkeit der objektiven Bewertung mündlicher Leistungen dar und definiert das Ziel der Arbeit, Bewertungsaspekte und Dokumentationsmöglichkeiten näher zu untersuchen.
2. Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung: Dieses Kapitel differenziert die Begriffe Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung und erläutert die Ambivalenz von Schulleistungen sowie die Gütekriterien der Messung.
3. Bewertung mündlicher Schulleistungen: Hier werden die Funktionen der Bewertung und typische Fehlerquellen wie der Halo-Effekt sowie verschiedene Beurteilungsmaßstäbe analysiert.
4. Mündliche Leistungsbewertung während des Unterrichts: Das Kapitel befasst sich mit den praktischen Herausforderungen der Bewertung im Unterrichtsalltag und den Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung.
5. Bewertung mündlicher Leistungen im Fach Deutsch: Es wird die besondere Rolle der Kommunikation im Deutschunterricht hervorgehoben und ein Bewertungsbogen zur Individualisierung der Leistungsbeurteilung eingeführt.
6. Dokumentation mündlicher Leistungen: Dieses Kapitel stellt verschiedene Methoden zur Dokumentation vor, darunter Portfolios, Leistungspräsentationen, Lerntagebücher und Zertifikate.
7. Resümee: Das Resümee fasst die zentrale Erkenntnis zusammen, dass eine strikte Trennung von Beobachtung und Beurteilung für eine objektive Bewertung unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Mündliche Leistungen, Schulleistung, Leistungsfeststellung, Unterrichtsgestaltung, Gesprächsfähigkeit, Fehlerquellen, Halo-Effekt, Dokumentation, Portfolio, Lerntagebuch, Deutschunterricht, Leistungspräsentation, Beurteilungsmaßstäbe, Schülerleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der komplexen Thematik der Bewertung mündlicher Leistungen von Schülern, die aufgrund ihrer situativen Natur und subjektiven Wahrnehmung oft schwieriger zu erfassen sind als schriftliche Leistungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Definition von Leistungsbegriffen, die Fehlerquellen bei der Bewertung, die Bedeutung der Gesprächsfähigkeit sowie diverse Methoden zur Dokumentation mündlicher Mitarbeit ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie mündliche Leistungen transparenter, systematischer und objektiver bewertet und dokumentiert werden können, um eine bessere Vergleichbarkeit und Förderung der Schüler zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur und didaktischer Konzepte zur Leistungsbewertung, ergänzt durch die Analyse von Beobachtungsbögen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Kriterien für die Erfassung mündlicher Mitarbeit, diskutiert die Problematik der Lehrerwahrnehmung (z.B. Halo-Effekt) und bewertet verschiedene Instrumente wie Portfolios und Lerntagebücher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Leistungsbewertung, mündliche Leistungen, Gesprächsfähigkeit, Transparenz der Leistungsfeststellung und methodische Vielfalt in der Dokumentation.
Warum ist die Trennung zwischen Beobachtung und Bewertung so wichtig?
Da Beobachtungen oft in subjektive Interpretationen übergehen, ist diese Trennung notwendig, um objektivere Beurteilungen zu ermöglichen und die Gefahr von vorschnellen, fehlerhaften Einschätzungen durch Lehrkräfte zu minimieren.
Welche Rolle spielt das Lerntagebuch bei der Leistungsdokumentation?
Das Lerntagebuch dient als Werkzeug zur Reflexion von Lernprozessen, ermöglicht den Vergleich der Entwicklung über Zeit und fördert das eigenständige Lernen sowie den Dialog zwischen Lehrkraft und Schüler.
- Quote paper
- Katja Küchemann (Author), 2006, Bewertung mündlicher Leistungen in der Schule. Kriterien und Funktionen der Leistungsfeststellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51459