Mobbing in der Schule. Welche Positionen nehmen Mitschüler, Lehrer und Eltern ein?


Bachelorarbeit, 2018

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Abstract

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Kennzeichen von Mobbing
2.3 Formen von Bullying

3. Tatort Schule
3.1 Schulklima und Lernkultur
3.2 Formen von Bullying an Schulen

4. Involvierte
4.1 Opfer
4.2 Täter
4.3 Mitschüler
4.4 Studie „Bullying als Gruppenphänomen“

5. Rolle der Erwachsenen innerhalb des Mobbing
5.1 Lehrer
5.2 Eltern

6. Interventions- und Präventionsmaßnahmen

7. Inhaltsanalyse des Buches „Wunder“
7.1 Untersuchungsmethode dieser Arbeit
7.2 Zusammenfassung des Buches „Wunder“
7.3 Auswertung der Kategorien

8. Wirkung auf den Leser

9. Kritik am Buch

10. Fazit

11. Literaturverzeichnis

12. Abbildungsverzeichnis

Abstract

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Mobbing im Sozialraum Schule und soll einen Überblick darüber schaffen. Das Thema wurde gewählt, da immer mehr Kinder zu Mobbingopfer werden und die Zahl stetig ansteigt. Laut der Pisa-Studie von 2015 wurde eine sehr hohe Zahl an Kindern in vielen Ländern bereits zu Mobbingopfer. Viele Eltern, Lehrer und Mitschüler haben zu wenig Hintergrundwissen und wissen nicht, wie sie Mobbing stoppen können. Deshalb soll diese Arbeit einen Einblick verschaffen. Dafür wird zunächst der Begriff Mobbing näher definiert. Anschließend wird auf die verschiedenen Formen von Mobbing eingegangen und es werden einzelne Kennzeichen dargestellt. In einem nächsten Schritt wird der Tatort Schule genauer beschrieben und auf die einzelnen Parteien, die am Mobbing beteiligt, sind näher eingegangen. Die ausgearbeiteten Grundlagen und Merkmale zu diesem Thema werden anschließend anhand des Buches „Wunder“ aufgezeigt, um das Thema Mobbing an Schulen an einem Beispiel zu verdeutlichen und verständlicher darzustellen. Als Grundlage zur Erarbeitung wird die Untersuchungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring verwendet.

1. Einleitung

Für manche Schüler wird der Besuch einer Schule jeden Tag aufs Neue zur Qual. Dies wurde durch die Pisa-Studie 2015 herausgefunden. Sie untersuchte das Wohlbefinden von 15- Jährigen an den Schulen der Teilnahmeländer - 35 OECD Länder und 37 Partnerländer. Laut ihrer Ergebnisse sind 18,7 % der Schüler aus den teilnehmenden Ländern, schon einmal gemobbt worden. Dies bedeutet, jede fünfte Schule hat in einem Monat mehrmals mit körperlichen und seelischen Attacken von Schülern auf andere Schüler zu kämpfen. In Deutschland sind es 15,7 %. Hier sagte jeder zehnte Jugendliche (9,2 %) aus, immer wieder von anderen ausgespottet zu werden und dass über ihn gelästert werde. 2,3 % beklagten sich über Schläge und Schubsereien in der Schule (vgl. OECD 2016: 46f).

Diese Zahlen sind äußerst erschreckend, da klar zu sehen ist, dass Mobbing, auch unter den Begriff Bullying bekannt, in der Schule eine große Rolle spielt. Mobbing ist eigentlich nichts Neues, was sich jedoch verändert hat, ist die Anwendungsform. In der heutigen Zeit werden auch gezielt Handys und Computer eingesetzt, um andere zu mobben. Jeder Schüler kommt in seiner Schullaufbahn mindestens einmal mit Bullying in Kontakt, egal ob er es selbst erlebt, von außen beobachtet oder gar zu den Tätern gehört. Da dieses Thema immer eine bedeutende Rolle spielen wird, ist es wichtig dies in dieser Arbeit aufzugreifen und zu bearbeiten. Gerade für Lehrer und Pädagogen wir es immer notwendiger sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, da sie für die Schüler in der Schule die wichtigste Anlaufstelle sind und diese ihnen nur dann ihr Vertrauen schenken, wenn sie sich gut betreut und ernst genommen fühlen.

Zur besseren Lesbarkeit dieser Arbeit wird das männliche Geschlecht im Vordergrund verwendet, es sind jedoch mit dieser personenbezogenen Beschreibung beide Geschlechter gemeint.

Diese Arbeit beschäftigt sich vor allem mit Mobbing/Bullying unter Kinder und Jugendlichen in der Schule. Hierzu werden im ersten Kapitel zuerst die Aggression und Gewalt in Bezug auf Mobbing beschrieben. Dann werden die einzelnen Begriffe Mobbing und Bullying näher erläutert. Danach wird die Schule als Mobbingtatort näher betrachtet und dargestellt, wie sich Mobbing dort zeigt und welche Positionen die Mitschüler, Lehrer und Eltern einnehmen. Im Anschluss folgt das Aufzeigen von möglichen Interventionsmaßnahmen, wobei der No Blame Approach ausführlicher dargestellt wird. Der zweite Abschnitt beinhaltet den empirischen Teil der Arbeit. Dieser wird eingeleitet mit einer kurzen Zusammenfassung des Buches „Wunder“. Danach werden die einzelnen Kategorien anhand des Falles von August, dem Protagonisten, detailliert und anschaulich beschrieben. Abschließend wird ein kurzes Fazit über das Thema gezogen.

2. Grundlagen

Da oft unklar ist, was die Definition von Mobbing bzw. Bullying umfasst, wird sie im Anschluss näher erläutert. Danach wird die Verbindung von Mobbing bzw. Bullying zu Gewalt und Aggression genauer dargestellt.

2.1 Begriffsklärung

Die Begriffe Mobbing und Bullying werden immer wieder genannt, wenn es um Aggressionen, physische oder psychische Angriffe zwischen Menschen sowohl in der Schule, als auch im Berufsleben geht.

Was ist Mobbing, bzw. Bullying überhaupt? Die beiden Begriffe stehen für ein ungerechtes und gemeines Verhalten gegenüber anderen Menschen. Dieses Verhalten verfolgt das Ziel, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und den anderen zu diskriminieren, um mehr Macht und Ansehen zu erlangen. Die beiden Wörter sagen im Grunde das gleiche aus und werden auch oft als Synonym füreinander verwendet. Die Bezeichnung „Mobbing“ ist in Nordeuropa weit verbreitet. Der Begriff Bullying wird hingegen vorwiegend im englischsprachigen Raum verwendet. Die Bezeichnung wird dort sowohl für Schikanen an Mitmenschen am Arbeitsplatz (workplace bullying) als auch in der Schule eingesetzt. In Deutschland wird der Begriff Bullying hauptsächlich im Kinder- und Jugendbereich, weniger im Erwachsenenbereich benutzt. Schäfer (2008) beschreibt den Unterschied zwischen Mobbing und Bullying so: „Spezifisch für den Kontext Schule definiert Olweus das im nordeuropäischen Sprachraum als ‚Mobb(n)ing‘ und im angloeuropäischen Sprachraum als „Bullying“ bezeichnete Phänomen so: ‚Ein Schüler wird viktimisiert, wenn er oder sie wiederholt und über längere Zeit negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler ausgesetzt ist‘“ (Olweus 1991: 413 zitiert nach Schäfer 2008: 521). Sicher ist, dass es sich sowohl beim Mobbing als auch beim Bullying anderer Personen um hinterlistige, aggressive Formen im Verhalten gegenüber anderen handelt und zweifellos als gewalttätiges Handeln beschrieben werden können (vgl. Schubarth 2010: 17).

Da beide Begriffe im Grunde die gleiche Bedeutung haben und nur der Sprachgebrauch in den verschiedenen Regionen anders ist, werden in dieser Arbeit Mobbing und Bullying immer wieder als Synonyme verwendet.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Voraus geklärt werden muss, ist die Abgrenzung zwischen den Begriffen Aggression, Gewalt und Mobbing. Nicht selten werden diese als gleichgesetzt angesehen und benutzt. Die Vielzahl an Definitionsversuchen verdeutlicht, dass diese Begriffe schwer zu beschreiben sind und nicht klar voneinander abzugrenzen sind. Daher werden im Folgenden die Abgrenzungen erläutert.

„Gewalt mit all ihren Unterformen wird als soziale Abweichung angesehen, mit dem Ziel, physisch und psychisch auf Personen einzuwirken, wobei davon ausgegangen wird, dass diese Handlungen gegen das Streben, das Wohlwollen und die Tendenz dieser Person gerichtet sind“ (Groß 2012: 14). Es geht also im Grunde darum andere Personen körperlich oder seelisch zu verletzen. Gewalt ist der allgemeine Begriff für alle Geschehnisse, die gegen einen anderen Menschen gerichtet sind. Diese können absichtlich oder unbeabsichtigt sein. Aggression und Mobbing bzw. Bullying zählen als Unterbegriffe von Gewalt (vgl. Groß 2012: 14).

Um Aggression beschreiben zu können, wird das Wort „Absicht“ benötigt. Denn Aggression wird immer gegen eine Person gerichtet, welcher der Täter Schaden zufügen will, ob unmittelbar oder mittelbar ist dabei nicht von Bedeutung. Der Täter hat die Absicht jemanden physisch oder psychisch zu verletzen. Es wird davon ausgegangen, dass im Menschen von Geburt an aggressive Grundzüge angelegt sind und diese von Kindern nicht erst erlernt werden müssen. Sie müssen sich dieser erst bewusst werden und lernen damit umzugehen, um sie im Laufe ihres Lebens im Umgang mit Anderen richtig bzw. positiv einsetzen zu können (vgl. Groß 2012: 15ff).

Die Begriffe Gewalt und Aggression werden häufig als Synonyme verwendet, dies stimmt jedoch nicht. Gewalt ist immer mit Macht und Herrschaft verbunden, was diesen Begriff eine größere Bedeutung zukommen lässt, als dem der Aggression. „Während das Ziel der Aggression bewusst eine Schädigung voraussetzt, beschreibt der weitergehende Begriff Gewalt alle Handlungen, die in ihrer Funktion primär eine machtvolle, herrschende, erzieherische und leitende Zielsetzung haben, bei der ein Schaden für einen anderen jedoch nicht unbedingt im Vordergrund steht, sondern eher bewusst oder unbewusst in Kauf genommen wird; dies schließt aggressive Handlungen mit ein“ (Groß 2012: 20).

Es gibt viele verschiedene Formen von aggressiven Verhalten und Gewalt, die mit Mobbing, bzw. Bullying verbunden sind. Jannan schreibt in seinem Buch „Das Anti-Mobbing-Buch“: „Nicht jede Gewalt ist Mobbing, aber Mobbing ist immer Gewalt“ (Jannan 2015: 23). Für viele Menschen ist Mobbing eine andere Bezeichnung für „schwere körperliche Gewalt“. „Doch bereits Olweus hat die begrifflichen Grenzen wesentlich weiter gezogen: Mobbing ist auch – oder besonders – die Ausübung ‚kleiner Gewalt‘ (Kasper 2000b, S. 17), das Auslachen von Mitschülern, das Beleidigen oder Beschimpfen, das Verbreiten von Unwahrheiten, das Verstecken von Sachen, die Zerstörung von persönlichem Eigentum, das Anrempeln, Herumstoßen, Erniedrigen, Ausschließen – erst ganz am Ende dieser Aufzählung steht die schwere körperliche Gewalt“ (Jannan 2015: 22). Der Punkt der physischen Gewalt wird häufig zu sehr in den Vordergrund gerückt. Jedoch kann auch psychische Gewalt sehr verletzend sein, was viele nicht verstehen (vgl. Jannan 2015: 22f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einordnung der Begriffe Aggression, Gewalt, Mobbing und Bullying. Entnommen aus Schubarth 2010: 17

Um Mobbing zuerst einmal fachlich und begrifflich festzulegen und zu beschreiben wird im Anschluss versucht eine Definition zu finden. Ein Versuch zur Beschreibung von Mobbing stammt von Leymann (1993), in dieser geht es jedoch um Schikanen am Arbeitsplatz: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen“ (Leymann 1993: 21). Darin hat er die wichtigsten Merkmale von Mobbing festgehalten. In dieser Arbeit wird jedoch die Definition von Dan Olweus (1986,1991) zur Beschreibung von Bullying an Schulen verwendet: „Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über einen längeren Zeitraum den negativen Handlungen eines oder mehrerer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist“ (Olweus 2011: 22). Eine ausführlichere Definition setzt sich jedoch aus den beiden obengenannten Begriffsklärung zusammen: „Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation in der Klasse/im Kurs, also unter Mitgliedern der Lerngruppe, oder zwischen Lehrperson(en) und Schüler/innen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder mehreren Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt der Ausgrenzung aus der Lerngruppe direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. Dabei sind die Angriffe in verletzender Weise intendiert (beabsichtigt) und können sich gegen einzelne, aber auch gegen eine Gruppe richten und von einzelnen oder von einer Gruppe ausgehen“ (Gollnick, 2008: 35f).

Diese Begriffserklärung zeigt, dass Mobbing eher als Gewalt in körperlicher Form angesehen wurde. Im Laufe der Zeit wurde jedoch festgestellt, dass sich das Mobbing nicht nur in körperlicher Form äußert, sondern auch viele andere abwertende Handlungsweisen wie Verspotten, Hänseln, Ausrichten, Verbreiten von Lügen umfasst. Dabei ist immer eine Seite von Macht und die anderer von Ohnmacht besetzt (vgl. Scheithauer et.al. 2003: 20f).

2.2 Kennzeichen von Mobbing

Damit Mobbing überhaupt Mobbing genannt werden kann und nicht nur als „normales“ Ärgern von anderen gilt, gibt es typische Merkmale. Häufig betrifft es nur eine Person, die von anderen gezielt schikaniert oder sogar ausgeschlossen wird. Das Opfer ist hierbei in einer aussichtslosen und hilflosen Stellung. Es ist wichtig zu erkennen, dass systematisches Handeln ein relevantes Kennzeichen von Bullying ist. Die Taktik des Mobbingtäters, mit der er eine bestimmte Person mobbt, ist abzugrenzen von den gewalttätigen Handlungen, bei denen ein Täter ein deutliches Gewaltproblem aufweist und immer wieder verschiedene Personen angreift (vgl. Alsaker 2012: 16f).

Mobbing ist immer ein Gruppenphänomen, dies kann als ein sehr wichtiges Merkmal gelten, denn ohne eine Gruppe kann kein Mobbing stattfinden. Meist treten Schikanen gegenüber einer Person in einer bereits bestehenden Gemeinschaft auf, wie beispielsweise in einer Klasse. Die Mitschüler kennen sich untereinander, jeder hat seine feste Position in dieser Gemeinschaft eingenommen und wird diese nur schwer wieder los (vgl. Schubarth 2010: 82).

Entsteht eine Form von Aggressivität gegenüber einer anderen Person, die von einem Einzelnen oder einer Gruppe hervorgerufen, fortgesetzt und gepflegt wird, zählt dies zu Mobbing. Täter und Opfer bleiben immer die gleichen, doch können die Mittäter und deren Anzahl wechseln. Manchmal sind diese direkt in die Tat involviert, beim nächsten Mal sind sie nur Assistenten oder Verstärker. Da Mobbing meistens im Verborgenen stattfindet und oft über das Verbreiten von Gerüchten geschieht, deren Urheber unbekannt ist, ist es für Außenstehende schwierig Mobbing zu erkennen und zu stoppen. Für das Entstehen und Aufrechterhalten von Bullying spielen also die Mitglieder einer Gruppe eine bedeutende Rolle (vgl. Alsaker 2012: 18).

Anhand der Abbildung 2 lässt sich die Struktur von Mobbing gut erkennen. Der Täter hat eine große Gruppe von Gehilfen, während das Opfer nur wenige auf seiner Seite hat. Die einzelnen Rollen, die in der Abbildung dargestellt sind, werden im Punkt 4 näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mobbing-Netzwerke. Entnommen aus Wachs et. al. 2016: 65

Des Weiteren zeichnet sich Mobbing durch seine Dauer aus. Nur langanhaltende, sich wiederholende, negative gewaltsame Handlungen (von Wochen bis hin zu Jahren) gegenüber einer Person lassen sich als Bullying bezeichnen. Eine Rangelei zwischen zwei Kindern stellt also kein Anzeichen für Mobbing dar. Es liegt immer eine fortwährende Schikane vor. Das Opfer wird dauernd von anderen beleidigt, körperlich geärgert oder wird von Außenstehenden bedauert oder abwertend angeschaut. Es steht demnach dauernd unter Beschuss von seinen Mitschülern (vgl. Alsaker 2012: 19).

Ebenso spielt bei Mobbing die Macht eine wichtige Rolle. Es geht hierbei nicht um Konflikte, in denen ein Streit vorliegt, sondern um die klare Demonstration von Macht. „Mobber wollen dabei sicher nicht ertappt werden. Sie wollen Erfolg, aber keine Strafe. Der Erfolg ist bereits vorprogrammiert, dass die Mobber in der Zahl ihrer Opfer überlegen sind“ (Alsaker 2012: 20). Das Machtgefälle wird größer mit jeder Person, die sich der Gruppe des Mobbers anschließt. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen dem Mobber und dem Opfer, welches ebenfalls als ein bedeutendes Kennzeichen gilt. Es zeigt den Unterschied zwischen Mobbing und Konflikt. Bei Konflikten sind die Beteiligten meistens gleich stark und es muss versucht werden beidseitig eine Lösung zu finden. Beim Mobbing kann sich das Opfer oft nicht genug wehren, da es schwächer, labiler oder nicht so redegewandt und selbstsicher ist wie der Täter. So geben sie oft auf und werden weiter geärgert. In Konflikten geht es häufig um eine Sache oder um ein Thema, es handelt sich dabei um etwas Konkretes. Bei Mobbing will der Täter in der Regel nur seine Macht demonstrieren (vgl. Alasker 2012: 20f).

Ein Konflikt zwischen zwei Schülern lässt sich nicht gleich als Mobbing bezeichnen. Hier kämpfen meist zwei gleich starke Heranwachsende gegeneinander an. Dies ist auch häufig nur ein Spiel. Beim Bullying versucht der Täter, dieses als Konflikt auszugeben, um das Ausmaß der Situation herunterzuspielen und nicht erwischt zu werden. Ziel sollte es deshalb sein, dass Bullying als solches zu erkennen. Dann gilt es dem Opfer zur Seite zu stehen und eine Verhaltensänderung bei dem Täter zu bewirken (vgl. Lukesch 2016: 173).

2.3 Formen von Bullying

Zu den negativen Handlungen zählen beispielsweise Beschimpfungen, Bedrohungen, Erpressungen, Rufschädigung oder soziale Ausgrenzungen. Es gibt verschiedene Arten von Mobbing, diese werden nun kurz dargestellt und erläutert. Hauptsächlich kann zwischen direkten und indirekten Handlungsweisen unterschieden werden. Diese können weiter untergliedert werden in physisches, verbales und relationales Bullying.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Formen von Mobbing. Entnommen aus Riebel 2011: 187

Direktes Bullying/ Mobbing

Bei direkten Handlungsweisen ist immer eine klare Auseinandersetzung zu beobachten und der Täter ist deutlich zu erkennen. Dies kann durch verschiedene Verhaltensformen ausgedrückt werden, wie beispielsweise durch körperliches oder verbales Mobbing (vgl. Alsaker 2012: 25f).

- Körperliches Mobbing

Diese Form des Mobbings ist am deutlichsten zu erkennen. Handgreiflichkeiten wie „Schläge, Tritte, Schubsen, Stoßen, Bedrängen, Bewerfen, Bespucken“ (Riebel 2011: 186) können dazu gezählt werden, aber auch das Wegnehmen oder Zerstören der Sachen des Opfers. Meistens erhält der Gemobbte dabei auch einen physischen Schaden (vgl. Riebel 2011: 186).

- Verbales Mobbing

Bei verbalem Mobbing geht es eher um die Verletzung der Psyche des Opfers. Die Täter beleidigen, beschimpfen, bedrohen usw. diese direkt (vgl. Riebel 2011: 186).

Indirektes Bullying/ Mobbing

Bei dieser Art der Nötigung hält sich der Täter eher bedeckt und die Handlungen geschehen hinter den Rücken des Opfers. Es ist also keine Auseinandersetzung zu beobachten wie bei dem direkten Mobbing und der Täter ist nicht offensichtlich zu erkennen. Das Ziel des Mobbers ist es nicht erkannt zu werden. Er will sich die Möglichkeit offenhalten, die Rolle ablegen zu können. Dazu gehört beispielsweise das Erzählen von Gerüchten und das Lästern. Auch der soziale Ausschluss des Opfers oder das heimliche Manipulieren und Beschädigen der Sachen des Opfers gehören dazu. Diese Ausübung von psychischer Gewalt am Opfer ist meist demütigender als ein Schlag oder ein Tritt, vor allem wenn es immer wieder geschieht. Das relationale Bullying, welches im Anschluss noch näher beschrieben wird, kann zu den indirekten Formen des Mobbings gezählt werden (vgl. Alsaker 2012: 31f).

- Relationales Bullying

Wie in dem Begriff schon zu erkennen ist, geht es um Beziehungen. „Relationales Mobbing sind all diejenigen Verhaltensweisen, die darauf abzielen, den sozialen Status einer Person innerhalb einer Gruppe zu untergraben, sein Image zu schädigen, seine Freundschaften zu zerstören und ihn somit auf Dauer innerhalb dieser Gruppe zu isolieren“ (Riebel 2011: 187). Hauptsächlich wird dies vom Täter durch den Ausschluss des Opfers und dem Verbreiten von Gerüchten, sowie dem Aufstacheln der anderen gegen das Opfer gewährleistet. Relationales Bullying kann jedoch nicht nur indirekt, sondern auch direkt sein. Dies erläuterte Werner et al. (1999: 155) so: „Auch wenn eine relationale Handlung indirekt sein kann (z. B. durch Ignorieren oder Klatsch), so sind unserer Definition zufolge viele relationale Aggressionen direkt (wenn z. B. gedroht wird, man würde nicht der Freund/die Freundin eines gleichaltrigen Kindes sein wollen, solange dies nicht tue, was man sagt; oder wenn ein Kind in Gegenwart von Freunden gedemütigt wird)“ (Werner et. al. 1999: 155). Diese Gewalt wird auch eher von Mädchen angewendet als von Jungen (vgl. Riebel 2011: 187).

Cyber-Bullying

Von Cyber-Bullying wird ausgegangen, wenn das Mobbing auf technischen Medien wie PC, Tablet oder Handy stattfindet. Dabei wird hauptsächlich soziale Netzwerke als Plattform nutzend schikaniert. Hier können die Täter anonym bleiben und verlieren schneller ihre Hemmungen. Da sie dem Opfer nicht direkt gegenüberstehen, ist es für sie einfacher noch gemeiner zu werden (vgl. Wachs et. al. 2016: 81f).

Fast jeder sechste Schüler hat laut Untersuchungen schon einmal Cyber-Bullying miterlebt und in weiteren Befragungen gaben rund 32 % der Heranwachsenden an, zumindest eine Person zu kennen, die über soziale Netzwerke oder das Smartphone gemobbt wurden. Dies zeigt, dass viele Jugendliche unter Cyber-Mobbing leiden. Daher darf diese Form an Schulen nicht unbeachtet bleiben (vgl. Gerlach und Sengpiel 2017: 14).

3. Tatort Schule

Eine bedeutende Plattform für Gewalt verschiedenster Formen ist die Schule, da die Kinder und Jugendlichen sich dort lange aufhalten. So passieren viele Gewaltaktionen in der Schule selbst und auf dem Schulweg. Aber auch einzelnen Kulturen und Strukturen der Schulen können dazu beitragen, dass Gewalt entsteht oder intensiviert wird (vgl. Bilz et. al. 2015: 256).

Kinder sammeln nicht erst in der Schule, sondern bereits in der Krippe und Kindergarten Erfahrungen und Ansichten, die ihre Persönlichkeit und ihr Verhalten mitprägen. Die Schule ist jedoch eine der wichtigsten Sozialisationsinstanzen für die Heranwachsenden und somit auch der Raum, in dem sie sich entwickeln, entfalten und ihre Persönlichkeit finden (vgl. Hoffmann 2007: 103f).

„Die Persönlichkeitsentwicklung findet in der Schule und innerhalb der an die Schule gebundenen Gleichaltrigenbeziehungen statt und kennzeichnet den Prozess des individuellen und interaktiven Erwerbs sowie der Organisation von Kompetenzen, Eigenschaften, Einstellungen und des Selbstkonzeptes. Letztlich stellt die Schule – insbesondere mit zunehmender Klassenstufe – einen Ort dar, in dem Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit – wenn nicht sogar die meiste Zeit des Tages – verbringen“ (Scheithauer et. al. 2003: 89f). Im Laufe ihrer Schulbahn, erproben und messen sich die Heranwachsenden mit anderen, testen ihre Grenzen aus und finden so ihre festen Positionen in der Klassenstruktur. Die Aushandlung der Rollen ist oft unvermeidlich, denn dabei geht es um die Bildung der sozialen Anordnung in der Klasse. Es wird festgelegt, wer der Chef, wer dessen Freund und wer eher der Außenseiter ist. Die Schule stellt durch ihre Struktur die Vermittlung von Kulturtechniken, Wissen, Erkenntnissen und Werthaltungen die geistige Entwicklung in den Vordergrund. So wird die Persönlichkeitsentwicklung und Findung von Konfliktlösungsstrategien den Schülern meist selbst überlassen und dadurch Raum für das Entstehen von Mobbing gegeben (vgl. Scheithauer et. al. 2003: 89ff).

„Mobbing in der Schule ist ein aggressiver Akt und bedeutet, dass ein Schüler oder eine Schülerin über einen längeren Zeitraum (z. B. ein halbes Jahr) von Mitschülern belästigt und/ oder ausgegrenzt wird“ (Gebauer 2007: 29). Der Täter versucht meistens verdeckt zu handeln, damit er vor Lehrkräften und Eltern nicht auffliegt und seine Machtposition lange erhalten bleibt. Der gemobbte Schüler bleibt in seiner Situation, da er sich ohne Hilfe von außen nicht wehren kann. Jedoch kann es auch vorkommen, dass von den Beteiligten, also auch vom Täter selbst, Andeutungen gegenüber den Pädagogen gemacht werden. Diese sollten von den Lehrpersonen und den Eltern erkannt und es sollte entsprechend gehandelt werden. Oft sehen die Lehrkräfte die Bemerkungen für unwichtig an, reagieren deshalb nicht darauf und unternehmen wenig bis gar nichts. Dadurch begünstigen sie wiederum die Stellung des Täters. Meistens ist der ganzen Klassengemeinschaft das Bullying gegenüber einem Mitschüler bekannt. Durch ihre verschiedenen Positionen in der Klasse und Verhaltensweisen beim Mobbinggeschehen, verkörpern die einzelnen Mitschüler verschiedene Funktionen – sie sind Täter, Opfer, Assistenten, Verstärker, Raushalter und Verteidiger. Auf diese einzelnen Rollen wird im Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen, denn ohne sie wäre Bullying erst gar nicht möglich. Daher wird Mobbing als soziales Phänomen bezeichnet und ist nicht nur eine Angelegenheit zwischen Mobber und Opfer, sondern der ganzen Schulklasse (vgl. Jannan 2015: 28).

Von den Lehrpersonen werden immer wieder Methoden angewendet, die das Mobbing begünstigen. Wie beispielsweise im Sportunterricht, wo die Kinder ab und zu selbst ihr Team wählen dürfen. Hierbei bleiben die Außenseiter übrig und werden dann gezwungenermaßen zuletzt gewählt. Auch das Spiel „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ zählt dazu, denn der Spieler würde nie einen Außenseiter wählen, damit dieser sich neben ihn setzen darf. Solche Methoden und Spiele der Lehrkräfte können negative Wirkungen haben, darüber sollten sie sich bewusst werden (vgl. Schuster 2013: 35f).

Lehrkräfte haben eine entscheidende Auswirkung darauf, wie sich Gemeinschaft einer Schulklasse entwickelt. „[…] [Es] wird das mittelbar und unmittelbar auf Gewalt bezogene Verhalten der Lehrer als Einflussfaktor deutlich: Sowohl abwertendes als auch etikettierendes Lehrerhandeln, z. B. Blamieren eines Schülers vor der Klasse oder pauschale Verdächtigung auffälliger Schüler, wirken verstärkend auf Gewalt“ (Melzer et. al. 2011: 149). Durch ihr abfälliges Verhalten kann die Lehrperson die Stellung der Schüler in der Klasse beeinflussen und das aggressive Verhalten der Mitschüler provozieren. Wenn der Lehrer sich aber professionell verhält ist ein geringerer Gewaltanteil in der Klasse vorhanden. Nach Melzer et. al. geht es hierbei um das Zusammenspiel und die wechselseitige Beeinflussung (vgl. Melzer et. al. 2011: 148ff).

Die Gewalt wird nicht nur von außen in die Schule gebracht, sondern hat durch ihre innere Form die Gewalt in ihrer Institution mitzuverantworten. Dazu zählt sowohl die Notengebung, die Druck auf die Schüler ausübt und eine Selektierung der Schüler mit sich bringt, als auch der allgemeine Unterricht in seiner jetzigen Form. Melzer et. al. schlagen vor die Schul- und Unterrichtsformen zu überdenken, um eine dauerhafte Reduzierung von Gewalt gewährleisten zu können. (vgl. Melzer et. al. 2011: 152).

„Die Folgen sind beachtlich: Mobbing hat Einfluss auf das Klassenklima und führt bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern zu einer Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit. Ihre sozialen Kontakte werden beeinträchtigt, es erfolgt immer wieder eine Abwertung ihrer Person und ihr soziales Ansehen leidet stark. Es müssen auch gesundheitliche Beeinträchtigungen in Betracht gezogen Symptome wie Bauch- und Kopfschmerzen, allgemeine Schwächegefühle, Appetitlosigkeit, Müdigkeit andere Ursachen haben können“ (Gebauer 2007: 31). Mobbing wirkt sich also nicht nur auf das Opfer, sondern auf die gesamte Klasse aus. Es fällt den Mitschülern schwerer sich auf den Unterricht zu konzentrieren, wenn sie immer wieder von den Geschehnissen rund um das Opfer abgelenkt werden. Die Mitschüler fühlen sich wahrscheinlich nicht mehr so wohl in der Klasse, da das Klassenklima unter den Schikanen des Mobbingopfers leidet (vgl. Gebauer 2007: 31).

Die Opfer selbst bekommen häufig Schulangst, werden immer mehr verunsichert und verlieren an Selbstwertgefühl. Dies alles wieder rückgängig zu machen ist ein harter Weg. Es muss zuerst das Mobbinggeschehen erkannt werden, um dem Opfer helfen zu können, das Mobbing zu beenden und es in der Klasse wieder zu rehabilitieren. Das Bullying kann jedoch nicht nur für den Gemobbten schwerwiegende Folgen haben, sondern auch für den Täter. Es kann dessen aggressives und gemeines Verhalten weiter verstärken, verfestigen und unter anderem eine kriminelle Laufbahn begünstigen (vgl. Schubarth 2010: 81).

3.1 Schulklima und Lernkultur

In vielen Texten zu Bullying ist zu lesen, dass das Schulklima großen Einfluss auf das Mobbing hat. Dazu gibt es allerdings kaum Forschungsergebnisse. Die Schule ist mitverantwortlich, dass Bullying reduziert wird bzw. gar nicht erst auftritt und fachgerecht damit umgegangen wird. Das Schulklima und die Lernkultur sind mitentscheidend, ob Mobbing entsteht und wie damit umgegangen wird. Im Folgenden werden einige Punkte aufgezählt, die sich positiv auf das Miteinander in der Schule auswirken können und gegen ein Mobbing arbeiten (vgl. Jannan 2015: 36f).

Schulklima nach Jannan:

- Eine gute zwischenmenschliche Gemeinschaftlichkeit an der Schule und vor allem auch in den Klassen ist sehr wichtig.
- Die Lehrkräfte sollten sich mit dem Thema Bullying auseinandersetzen.
- Der Erziehungsstil der Schule sollte nicht nur Strafen enthalten.
- Die Regeln der Schule müssen von allen an der Schule beachtet werden.
- Die Gestaltung des Gebäudes und auch des Außenbereichs sollte einladend und attraktiv sein.

Lernkultur nach Jannan:

- Es sollte versucht werden den Unterricht so spannend wie möglich zu gestalten, damit keine Langeweile aufkommt.
- Auch der Druck an die Heranwachsenden sollte so gering wie möglich gehalten werden.
- Schwächere Schüler/innen sollten integriert und beachtet werden jedoch mit
Berücksichtigung der Stärkeren.
- Der Lerninhalt bzw. die Vermittlung des Stoffes sollte sich an die Schüler anpassen.

Wenn diese Faktoren eingehalten werden, wird von der Schule schon einiges getan, um dem Mobbing Einhalt zu gewähren. Denn wenn das Klima in der Schule auf den Pausenhof und in den Klassenräumen stimmig ist, bleibt wenig Raum für Schikanen (vgl. Jannan 2015: 36ff).

3.2 Formen von Bullying an Schulen

Die Erscheinungsformen von Mobbing in der Schule sind vielfältig. Hier werden nun einige ohne bestimmte Reihenfolge nach Gebauer (2007) aufgezählt:

- „Schulsachen werden beschädigt oder zerstört [oder verschwinden],
- Kleidungsstücke werden versteckt oder zerstört, […]
- es werden über eine Person Gerüchte verbreitet,
- es erfolgt ein Ausschluss aus sozialen Verbindungen,
- jemand wird vor anderen lächerlich gemacht, z.B. beim Lösen einer Aufgabe an der Tafel, […]
- man verbietet einem Schüler/einer Schülerin, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen,
- Kinder, die sich mit dem Mobbing-Opfer solidarisieren werden unter Druck gesetzt,
- es kommt zu körperlichen Übergriffen (stoßen, schlagen, kneifen, Bein stellen, streicheln, tätscheln, Nahrung verunreinigen),
- es gibt sexuelle Diffamierungen, Verleumdungen, Anspielungen und Provokationen,
- Demütigungen erfolgen mit Worten und Zeichnungen auf Zetteln, in Briefen, in E- Mails und durch Nachrichten auf dem Handy,
- andere Kinder werden zu aggressiven Taten gegen das Mobbing-Opfer angestachelt,
- man macht sich über etwas Persönliches lustig (Körperform, Nase, Frisur, Behinderung), […]
- es kommt zu Erpressung von Geld oder anderen Leistungen“ (Gebauer 2007: 30f zitiert nach Lauper 2005).

Solche Handlungen können jedoch auftreten, ohne dass es sich gleich um Mobbing handelt. Wie oben bereits beschrieben, kann erst von Mobbing gesprochen werden, wenn diese Merkmale über einen längeren Zeitraum auftreten.

Aus dem Forschungsprojekt „Lehrerintervention bei Gewalt und Mobbing“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DGF), welches im 5.1 näher erläutert wird, geht hervor, dass im Zeitvergleich zwischen 1996 und 2014 die körperlichen Gewalterfahrungen der Opfer eindeutig zurückgegangen sind, die seelischen jedoch doppelt so viel geworden sind. Bei den mündlichen Angriffen ist der Anteil jedoch gleich geblieben. Die aktiven Täterhandlungen haben in den letzten Jahren beachtlich abgenommen. Während 1996 noch ca. 33 % andere im Unterricht geärgert haben sind es 2014 nur noch rund 12 %. Im Gegensatz dazu stiegen die indirekten Handlungen an. Dies liegt an dem gezielten Einsatz von Handys und Computern um andere auf diesen Weg zu mobben (vgl. Bilz et. al. 2017: 48f).

Zum Abschluss dieses Kapitels „Tatort Schule“ lässt sich sagen, dass laut Schäfer (2006) ca. ein Kind von 25 ernsthaft als Mobbingopfer gesehen werden kann und dieses wöchentlich mindestens einmalig Schikanen ertragen muss. In der Langzeitstudie von Schäfer kam heraus, dass es rund eine halbe Millionen Opfer von Bullying unter den Schülern in Deutschland gibt (vgl. Schäfer et al. 2006).

4. Involvierte

Damit Mobbing überhaupt zustande kommen kann, werden, wie in Punkt 2.2 bereits beschrieben, mehr Personen benötigt als nur das Opfer und der Täter. Die Mitschüler spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Funktionen der einzelnen Akteure werden in den nächsten Abschnitten näher erläutert.

4.1 Opfer

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, gibt es weltweit 18,7 % und innerhalb Deutschlands 15,7 %, Kinder und Jugendliche, die unter Mobbing leiden. Im Grunde kann jeder davon betroffen sein. In der Regel sind die Opfer unschuldig daran, dass sie gemobbt werden, wobei die Täter jedoch oft behaupten, die Gemobbten seien selbst schuld. Ein klischeehaftes Mobbingopfer ist meist eher ruhig, unauffällig, schüchtern und besitzt ein geringes Selbstwertgefühl. Oft ist es in der Klassengemeinschaft nicht besonders integriert und hat nur wenige Freunde. Allerdings kann es auch Schüler treffen, die zum Beispiel in der Schule gute Noten haben, weil andere eifersüchtig auf sie sind. Es gibt typische Merkmale, die dazu führen können, dass Jugendliche gemobbt werden. Würden diese rechtzeitig erkannt werden, könnten die betroffenen Personen besser geschützt werden und Mobbing verhindert werden. Eine Typisierung sollte nur eine Hilfestellung sein, damit eventuelles Mobbing besser erkannt wird. Folgende Merkmale hat Teuschel beschrieben:

- „Äußere Merkmale wie Übergewicht, kleine Körpergröße oder sichtbare
Behinderungen können ein Risikofaktor sein.
- Opfer sind oft ungeschickter und physisch schwächer als ihre Mitschüler. Sie halten sich bei Spiel und Sport eher zurück.
- Opfer haben bereits vor Ausbruch des Bullyings häufig ein negatives Selbstwertgefühl und eine negative Selbstwahrnehmung.
- Opfer sind bereits vor Ausbruch des Bullyings eher ängstlich, leicht zu verunsichern und schneller niedergeschlagen.
- Opfer verhalten sich oft passiver als andere, sind zurückgezogen und schlechter in die Gemeinschaft integriert“ (Teuschel & Heuschen, 2012: 89).

Die Ursache für die Schikane einer bestimmten Person liegt in der Machtungleichheit zwischen Opfer und Täter. Der Mobber sieht den Vorteil seiner Stärke und greift den Schwächeren an. Auch Lehrer können die Rolle des Täters übernehmen oder sogar die Rolle des Opfers innehaben. Darauf wird in dieser Arbeit jedoch nicht näher eingegangen (vgl. Teuschel & Heuschen 2012: 90).

Die Täter suchen sich oft gezielt ihr Opfer aus und bestimmen darüber, dass diese Person von nun an nicht mehr zur Gemeinschaft gehört und geben vor wie es gemobbt wird. Wer anders ist, ist immer der Gefahr ausgesetzt zum Opfer zu werden (vgl. Oellers 2015: 92f).

Opfer beschreiben ihre Lage wie folgt: „Das Problem ist nicht, dass andere dir gegenüber aggressiv sind, oder einem die Fähigkeiten fehlen, sich angemessen zu wehren: Das Problem ist, dass man […] eine Rolle zugeteilt bekommt, die zugleich die Basis für mehr und mehr Viktimisierung darstellt“ (Lagerspetz u. a. 1982: 45 zitiert nach Schäfer & Herpell 2013: 135). Dies bestätigt, dass die Opfer abgestempelt werden und es für sie schwierig ist, wieder herauszukommen (vgl. Schäfer & Herpell 2013: 135).

Olweus hat herausgefunden, dass Jungen häufiger zu Opfer werden als Mädchen und vermehrt direkten Mobbingattacken ausgesetzt sind im Gegensatz zu den Mädchen, die eher indirekt gemobbt werden. Auf diese Weise werden jedoch beide gleich viel angegriffen (vgl. Olweus 2011: 29f).

Im nächsten Abschnitt werden zwei verschiedene Opfertypen vorgestellt. Dazu gehört einerseits das passive Opfer, welches häufiger vorkommt und andererseits der Typ des provozierenden Opfers.

- Das passive Opfer

Um Opfer besser erkennen und einschätzen zu können, gibt es typische Merkmale, die in unterschiedliche Ebenen aufgeteilt werden können. Teuschel und Heuschen definieren diese in ihrem Buch „Bullying“ folgendermaßen: „Ebene äußerer Merkmale; Ebene der Körperlichkeit; Ebene der Selbstsicht; Ebene der Emotionalität; Ebene des Sozialverhaltens“ (Teuschel & Heuschen 2013: 92).

Es gibt Schüler, die zum Opfer werden, bei denen viele Faktoren zutreffen, aber auch solche, die nur ein einzelnes Merkmal aufweisen. Der Mobbingprozess kann für das Opfer schwerwiegende Folgen haben, da es immer wieder negative Erfahrungen erlebt und sich sein Selbstwertgefühl noch weiter verschlechtert. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der immer schwieriger zu durchbrechen wird. (vgl. Teuschel & Heuschen 2013: 92).

Bedeutung der äußeren Merkmale

Oft bieten schon äußere Merkmale eines Menschen eine Grundlage diesen zu schikanieren. „Bei der großen Variabilität und Individualität der Menschen kann dies ganz unterschiedliche Bereiche betreffen. So etwa die Farbe von Haut und Haaren, die Größe, das Gewicht, oder die Körperkraft. Auch besondere Merkmale wie abstehende Ohren, eine Brille, auffallende Pigmentierung und Male bis hin zu deutlich erkennbaren Behinderungen" (Teuschel & Heuschen 2013: 92f). Hierzu gehören auch Sprache sowie Akzent und Betonung. All diese Merkmale verbindet, dass sie kaum oder überhaupt nicht veränderbar sind. Am ehesten ließe sich noch das Körpergewicht verändern, dies jedoch nur über einen längeren Zeitraum und auch hier gibt es oft Grenzen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Täter oft Mitschüler mit äußeren Makeln heraussuchen, da sie sie als „einfache“ Opfer sehen. Meist sind diese Schüler nicht besonders in die Klassengemeinschaft eingebunden und können deshalb nicht auf die Fürsorge und Hilfe von Mitschülern hoffen. Sie entpuppen sich also als „leichte“ Zielscheibe für den Mobber (vgl. Teuschel & Heuschen 2013: 92ff).

Ein weiterer immer wichtiger werdender Punkt in der heutigen Zeit ist die Kleidung. Ein Heranwachsender, der beispielsweise keine Markensachen trägt, wird von den Mitschülern schnell abgestempelt. Denn er kann nicht zur Gruppe gehören, wenn er nicht die tollsten neuesten Schuhe hat (vgl. Kohn 2012: 32).

Charakteristika im Bereich der Körperlichkeit

Die Opfer werden als schüchtern in ihrer Körperlichkeit bezeichnet. „Sie sind oft ungeschickter oder ungelenker als andere, motorisch zurückhaltender und ‚gehen nicht so aus sich heraus‘“ (Teuschel & Heuschen 2013: 95). Sie sind also nicht der Typ, der gerne herumtobt, da sie Angst haben sich zu verletzen, schnell außer Atem kommen, langsam oder ungeschickt sind. Häufig sind sie entweder kleiner als ihre Mitschüler, körperlich schwächer oder adipös, wodurch sie sich nicht flink bewegen können. Weil sie nicht sehr sportlich sind, gehen sie daher auch Spielen mit physischem Einsatz aus dem Weg. Oft sind diese Kinder zudem anfälliger für Krankheiten und bleiben deshalb häufiger dem Unterricht fern. Aber auch Kinder, die nicht übergewichtig sind, jedoch wegen ihrer Ängstlichkeit trotzdem zu vorsichtig beim Sport und bei Spielen sind, geraten häufig an den Rand der Klassengemeinschaft. Die Mitschüler wollen sie zum Beispiel bei Mannschaftsspielen nicht in ihrem Team haben, da sie befürchten, mit ihnen zu verlieren. Deshalb können auch diese Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer Körperlichkeit schnell zu einem leichten Mobbingopfer werden (vgl. Teuschel & Heuschen 2013: 95f).

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Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Mobbing in der Schule. Welche Positionen nehmen Mitschüler, Lehrer und Eltern ein?
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
69
Katalognummer
V514796
ISBN (eBook)
9783346105707
ISBN (Buch)
9783346105714
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mobbing, schule, welche, positionen, mitschüler, lehrer, eltern
Arbeit zitieren
Lisa Ruhland (Autor), 2018, Mobbing in der Schule. Welche Positionen nehmen Mitschüler, Lehrer und Eltern ein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514796

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