Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Typus der europäischen Stadt wird diesen Gegenstand in der sozialwissenschaftlichen Diskussion aufzeigen. Die europäische Stadt wird dabei in ihrer Differenz zu den Stadttypen anderer Gesellschaften und besonders in Abgrenzung zum Typus der amerikanischen Stadt gesehen.
Wie ist das aktuelle Bild der europäischen Stadt in den Sozialwissenschaften entstanden? Der Typus der europäischen Stadt wird in der Diskussion oft als Wunschvorstellung, als erwünschte Norm und nicht als Realität beschrieben. Georg Simmel, Max Weber, die Chicagoer School, sie alle haben sich bereits mit der Stadt beschäftigt. Allerdings ist der eigentliche Forschungsgegenstand der meisten Arbeiten in der Stadtsoziologie nicht die Stadt, sondern diese wird mit Gesellschaft gleichgesetzt. Großstädte seien somit das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die Autorin interessiert besonders die normative Begründung für das Konstrukt der europäischen Stadt, wofür die Darstellungen der Theorien der Klassiker der Soziologie, wie Simmel und Weber nützlich sind.
Nostalgisch blickt man gerne zurück in die Vergangenheit unserer Städte als Brutstätte der Zivilisation. Paris, die Stadt der Liebe, der Kunst und Mode. Rom, das an die vergangene Zeit der Gladiatorenkämpfe und des römischen Reiches denken lässt. London, im Zeitalter der großen Könige oder die Polis im alten Griechenland, der Beginn einer neuen Gesellschaft. Verschwinden diese Bilder der Stadt, haben sie so in der Realität jemals existiert? Löst sich die steingewordene Geschichte der Städte auf und verlieren sie ihre Struktur in einem Siedlungsbrei? Die europäische Stadt befinde sich in einer Orientierungskrise und sogar von der "Enteuropäisierung" der europäischen Stadt wird gesprochen.
Auf all diese Fragen wird die Autorin in dieser Arbeit eingehen und aufzeigen, dass sie anders gestellt werden können und sollten. Die eigentliche Frage dieser Arbeit bleibt dabei bestehen, nämlich danach, wie sich der Typus der europäischen Stadt in der sozialwissenschaftlichen Diskussion darstellt. Besonderes Interesse liegt dabei auf der Begründung der Konstruktion der europäischen Stadt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. SOZIALWISSENSCHAFTLICHER DISKURS DER EUROPÄISCHEN STADT
2.1 EINFÜHRUNG IN DIE STADTSOZIOLOGIE
2.2 DAS BILD DER EUROPÄISCHEN STADT HEUTE
2.3 HISTORISCHE STADTSOZIOLOGISCHE DISKURSANALYSE
2.3.1 Max Weber
2.3.2 Georg Simmel
2.3.3 Émile Durkheim
2.3.4 Chicagoer School
2.3.5 Hans-Peter Bahrdt
2.4 DIE STADT IN DER EUROPÄISCHE GESCHICHTE
3. VERSUCH EINER PLATZIERUNG DER EUROPÄISCHEN STADT HEUTE
3.1 DIE KRISE DER EUROPÄISCHEN STADT
3.1.1 Der Typus der sozialistischen Stadt
3.2 BILANZ
4. DIE GESCHICHTE DARMSTADTS
4.1 WISSENSCHAFTSSTADT DARMSTADT
4.2 LOKALE ÖKONOMIE DER STADT
5. SIEBELS MERKMALE IM KONTEXT DARMSTADTS
6. DIFFERENZIERUNGEN DER EUROPÄISCHEN STADT
6.1 DIE KRISE DER EUROPÄISCHEN STADT ALS CHANCE
6.2 DER ORT DER SEGREGATION ALS ORT DER INTEGRATION?
7. DIE EUROPÄISCHE STADT IM WANDEL
8. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Typus der europäischen Stadt und dessen normativen Stellenwert innerhalb der sozialwissenschaftlichen Diskussion. Dabei wird analysiert, wie sich das aktuelle Bild der europäischen Stadt konstituiert hat und inwiefern dieses Idealbild in der Realität — exemplarisch geprüft am Beispiel der Stadt Darmstadt — Bestand hat oder sich im Wandel befindet.
- Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse der europäischen Stadt.
- Theoretische Grundlagen von Simmel, Weber, Durkheim und der Chicagoer School.
- Empirische Überprüfung der fünf Siebelschen Merkmale der Stadt am Beispiel Darmstadt.
- Kritische Auseinandersetzung mit Krisenszenarien wie Amerikanisierung und Segregation.
- Neubewertung der "Krise" als Transformationsprozess und Chance für moderne Stadtentwicklung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Einführung in die Stadtsoziologie
Die Stadtsoziologie hat eine 100jährige Geschichte, die in Berlin und Chicago beginnt. Hier muss Georg Simmel genannt werden, der grundlegende Beiträge zur Soziologie der Stadt verfasste. Zu einer Definition der Stadt schreibt er:
Das bedeutsamste Wesen der Großstadt liegt in dieser funktionalen Größe jenseits ihrer physischen Grenzen [...]. Wie ein Mensch nicht zu ende ist mit den Grenzen seines Körpers oder des Bezirks, den er mit seiner Tätigkeit unmittelbar erfüllt, sondern erst mit der Summe der Wirkungen, die sich von ihm aus zeitlich und räumlich erstrecken: so besteht auch eine Stadt erst aus der Gesamtheit der über ihre Unmittelbarkeit hinausreichenden Wirkungen. (Simmel 1984, 201)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema der europäischen Stadt als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Diskussion und Festlegung der Zielsetzung.
2. SOZIALWISSENSCHAFTLICHER DISKURS DER EUROPÄISCHEN STADT: Historische Diskursanalyse soziologischer Klassiker wie Weber, Simmel und Durkheim zur Konzeptualisierung des Stadttypus.
3. VERSUCH EINER PLATZIERUNG DER EUROPÄISCHEN STADT HEUTE: Einordnung der europäischen Stadt in den globalen Kontext und Diskussion aktueller Krisenszenarien.
4. DIE GESCHICHTE DARMSTADTS: Historischer Abriss der Entwicklung Darmstadts von der Residenz zur modernen Wissenschaftsstadt.
5. SIEBELS MERKMALE IM KONTEXT DARMSTADTS: Empirische Überprüfung der fünf Kriterien Walter Siebels zur europäischen Stadt anhand der Gegebenheiten in Darmstadt.
6. DIFFERENZIERUNGEN DER EUROPÄISCHEN STADT: Kritische Reflexion der Krisenbegriffe und Interpretation von Transformationen als Chance für den städtischen Wandel.
7. DIE EUROPÄISCHE STADT IM WANDEL: Plädoyer für ein prozessorientiertes Verständnis von Stadt abseits nostalgischer oder katastrophischer Leitbilder.
8. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse und Perspektiven für eine zukunftsorientierte Stadtforschung.
Schlüsselwörter
Europäische Stadt, Stadtsoziologie, Sozialwissenschaftlicher Diskurs, Urbanität, Darmstadt, Walter Siebel, Krisenszenarien, Segregation, Integration, Stadtentwicklung, Residenzstadt, Wissenschaftsstadt, Emanzipation, sozialstaatliche Regulierung, sozialer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Typus der europäischen Stadt und wie dieser in der sozialwissenschaftlichen Diskussion theoretisch konstruiert und begründet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die historische Diskursanalyse der Stadtsoziologie, die Merkmale der europäischen Stadt nach Walter Siebel sowie eine empirische Fallstudie der Stadt Darmstadt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Idealbild der europäischen Stadt entstanden ist und ob dieses normative Konstrukt der empirischen Realität – insbesondere am Beispiel Darmstadts – standhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Diskursanalyse soziologischer Klassiker sowie eine empirische Überprüfung mittels Fallstudie und Datenanalyse für die Stadt Darmstadt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des soziologischen Diskurses, eine detaillierte Geschichtsdarstellung Darmstadts und die darauf folgende kritische Überprüfung der Siebelschen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Europäische Stadt, Urbanität, Segregation, soziale Integration, Wissenschaftsstadt und der Wandel von Stadtentwicklungsprozessen.
Wie wird Darmstadt in dieser Arbeit bewertet?
Darmstadt wird als Stadt präsentiert, die sich selbst als Wissenschaftsstadt inszeniert, jedoch von ihren Bürgern primär als Künstlerstadt des Jugendstils wahrgenommen wird, was die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung verdeutlicht.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff der Krise zu?
Die Autorin/Der Autor argumentiert, dass viele als "Krise" bezeichnete Phänomene, wie z.B. Segregation oder der Zerfall alter Stadtstrukturen, bei näherer Betrachtung als notwendige Wandlungsprozesse zu verstehen sind, die neue Chancen eröffnen.
- Arbeit zitieren
- Luisa Bellmann (Autor:in), 2008, Wie entwickelt sich der Typus der europäischen Stadt? Der sozialwissenschaftliche Diskurs und das Beispiel Darmstadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514827