Die minoische Kultur. Historische Entwicklung, Kultur und Architektur der ersten Hochkultur Europas


Referat (Ausarbeitung), 2019

19 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Vorpalastzeit:

Altpalastzeit (2100-1700):

Neupalastzeit (1700-1440):

Dritte Palastzeit oder Nachpalastzeit (1450-1000):

Minoisches Reich:

Theorien über den Untergang:

Kunst:

Wandmalereien:

Keramik:

Religion:

Bevölkerung:

Kretische Schrift:
Diskos von Phaistos:

Außenbeziehungen:

Landhäuser:

Paläste und Städte:
Knossos:
Thronsaal:
Knossos Stadt:
Anemospilia:
Agia Triada:
Phaistos:
Kommos:
Malia:
Gournia:
Palaiokastro:
Kato Zakros:

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die genaue Datierung der minoischen Zeitabschnitte ist schwierig, da die schriftlichen Zeugnisse noch nicht entziffert werden konnten. (Linear A Schrift). Daher fehlen möglicherweise Teile der Geschichte so z.B. Königslisten etc. Die Datierung kann nur aufgrund der Keramik erfolgen. Keramik, die weiter unten liegt, ist älter als Keramik, die darüber liegt. Auch können unterschiedliche Arten von Keramiken und eine Häufung eben dieser festgestellt werden - auch ein Hinweis, dass diese zeitgleich hergestellt worden sind. Prinzipiell unterscheidet man eine frühminoische, eine mittelminoische und eine spätminoische Zeit. Dies ist eine der gängigen Datierungsmethoden. Eine andere lehnt sich an die ägyptische Chronologie an und trennt in Vorpalastzeit, ältere Palastzeit, Neuere Palastzeit und Nachpalastzeit. Generell dauert die minoische Zeit von 2600 bis 1450.

In Kreta landeten Siedler bereits um 6000 v. Chr. (Neolithikum). Sie siedelten sich in Knossos an und brachten Ziegen, Schafe und Rinder selber mit. Vermutlich kamen sie mit Booten. Unterhalb des heutigen Palastes kann man diese alten neolithischen Strukturen noch erkennen. Die Mauern waren aus Lehmziegeln. Für ca. 3000 Jahre blieben die Lebensgewohnheiten die gleichen bis um ca. 2600 v. Chr. die frühminoische Periode begann. Diese ist vor allem durch die Keramik belegt. Als Leitfossil charakterisieren sich Kannen mit dunkler Bemalung auf hellem Grund heraus. Die Keramik war mit einfachsten Mustern verziert.

Vorpalastzeit:

Die Bevölkerungsdichte nimmt zu. Bronze war in Gebrauch und es wurde zur Herstellung von Waffen benutzt. Neue hierarchische Strukturen entstanden. Dadurch entstanden Bauern, Händler und Handwerker. Oliven und Trauben wurden angebaut. Man wohnt in kleinen Dörfern, die oft einen wehrhaften Charakter haben. Am Ende der Vorpalastzeit ist ein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. In dieser Zeit herrschen im Süden die Tholosgräber vor, speziell in der Messara Hochebene, während im Norden Höhlengräber zu finden sind, aber auch Hausgräber (Fourni). In der Nekropole von Mochlos kristallisiert sich eine Elite heraus. Die Töpferscheibe wurde eingeführt. Damit wurde die Keramikproduktion beschleunigt. Es wurden eigene Stile gefertigt u.a der Vasiliki Stil oder der weiße Stil. Auch die Gründung der Stadt Myrtos fällt in diese Periode. Es handelt sich um eine Ansiedlung von Handwerkern und Bauern, die in Steinbauten hausen. Myrtos liegt auf einer Felskuppe. Die Siedlung war von Straßen durchzogen, die jedoch eher an Gehwege erinnern. Erstmals kristallisieren sich die unterschiedlichen Dorfvierteln heraus: Wohngebiet, Handwerkervierteln, Speichervierteln sowie sakrale Zentren.

Die Bewohner lebten hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht.

Altpalastzeit (2100-1700):

In der Alten Palastzeit ist die minoische Kultur auf dem Standard der ägyptischen. Die Schrift entsteht sowie Kunsthandwerk und Verwaltung. Handelsbeziehungen über Kreta hinaus sind nachweisbar. Es entwickelte sich die sogenannte Kamares Keramik, die durch dünne Wände und abstrakte Bemalungen gekennzeichnet ist. In der gesamten Ägäis gab es Handelsbeziehungen - dies kann anhand von Linear A Täfelchen, Siegeln etc. archäologisch bewiesen werden. Am Ende der Alten Palastzeit suchte ein Erdbeben die Paläste heim.

Neupalastzeit (1700-1440):

Ab 1700 - der mittelminoischen Zeit - der Zeit des Königs Minos - begannen sich Palastkomplexe auf Kreta herauszukristallisieren. Der Mythos berichtet, dass Minos seine Brüder von der Insel vertrieben hat1 - möglicherweise ein Hinweis, dass ein einzelner das Reich regierte. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Palastanlagen von Knossos und Phaistos. Knossos hat eine Vormachtstellung. Die Paläste haben einen sehr ähnlichen Aufbau: Räume gruppieren sich um einen Zentralhof. Im Erdgeschoß sind es meistens Kulträume und Magazine und im 1. Stock Empfangsräume. Prinzipiell wirken die Paläste labyrinthartig und wirken chaotisch. So fehlt die Symmetrie bei Türen und Fenstern und es gibt auch keine Achse.2 Die Paläste waren wunderschön verziert und wiesen auch mehrere Eingänge auf, wobei die Eingänge speziellen Zwecken zugeordnet waren z.B. ein Lieferanteneingang, ein Eingang für die Verwaltungsbeamten etc. Auffällig ist auch, dass es in jedem Palast einen speziellen Raum gibt, den es nur in diesem Palast gibt z.B. der Thronraum im Knossos. Bestimmte Räume waren auch in bestimmten Flügeln zu finden (in allen Palästen). So gab es beispielsweise in allen Palästen die minoische Halle. Dies sind mehrere rechteckige Räume, die durch Säulen getrennt sind. Die minoische Halle befindet sich meist im Nordwest- oder Ostflügel. Für was der Raum benutzt wurde, ist ungewiss. In Kato Zakros und in Hagia Triada sind die minoischen Hallen neben den Palastarchiven und könnten somit etwas wie ein Leseraum sein.

In den Palastkomplex inkludiert sind auch Werkstätten für Töpfer und Steinschneider.

Auch das Lustralbecken ist ein Element der minoischen Paläste.3 Es handelt sich um einen rechteckigen tiefergelegten Raum, der durch Stiegen zu erreichen ist. Abfluss gibt es keinen. Es könnte ein Raum für religiöse Riten gewesen sein.

Es gibt auch gewaltige Speicheranlagen.

Die Fassaden der Paläste waren aus behauenen Steinblöcken, Lehmziegeln sowie Holzsäulen. Die Paläste waren zweigeschoßig. Die Geschoße waren mit Treppen verbunden, die man teilweise noch in den Palastanlagen erkennen kann. In Knossos wurden auch Mosaikplatten gefunden, die als "Stadtmosaik" bezeichnet werden. Gezeigt werden Hausfassaden, die oft drei Stockwerke haben, Fenstern mit Fensterläden, einer zentralen Eingangstür und Flachdächern.

Die Bevölkerung war gut organisiert. Neue palastähnliche Gebäude entstanden, die jedoch aufgrund des fehlenden Innenhofes als Villen bezeichnet werden. In der Keramik wurde vermehrt Naturdarstellungen verwendet. Es kam zu einem floralen Stil. Bereits in diesem Zeitraum beginnen Kontakte mit der mykenischen Welt.

Dritte Palastzeit oder Nachpalastzeit (1450-1000):

Ab 1450 sind vermehrt Brände nachweisbar, die die Paläste (ausgenommen Knossos) zerstören. Es tauchen erstmals mykenische Waffengräber auf. Erst um 1350 wurde Knossos zerstört. In der Nachpalastzeit existierte die minoische Kultur unter mykenischer Herrschaft weiter. Unterschiede der beiden Kulturen lassen sich feststellen: Die Siegel dienten in der minoischen Zeit für alle und alle hatten eines, in der mykenischen Welt wurden Siegel nur für die Administration verwendet. zerstörten Paläste wurden aber nicht wiedererrichtet. Um 1200 gab es auch auf dem Festland Zerstörungen und Umwälzungen, von denen auch Kreta nicht verschont blieb. Die Mykenisch-minoische Kultur ging um 1050 unter. Die Ursachen dafür sind noch unklar.

Minoisches Reich:

Wichtig ist, dass es nicht den minoischen Staat gab (im Sinne von das römische Reich oder das ägyptische Reich), sondern es gab einige Paläste, die sich Kreta aufgeteilt hatten, miteinander handelten und im Austausch standen und die natürlich trotz einiger gemeinsamer Bauelemente von den sozialen Hintergründen und Strukturen individuell waren. Da es in Kreta keinerlei Befestigungsmauern gibt, jedoch das einheitliche Element in den Palästen zu finden ist, kann von einer friedlichen Koexistenz dieser Zentren nebeneinander ausgegangen werden.

Ein Palast war ein administratives-sakrales Zentrum, das für die Aufzeichnung der Abgaben verantwortlich war. Es war jedoch eher unwahrscheinlich, dass alles im Palast gelagert werden konnte. Auch fehlen monumentale und herrschaftliche Anlagen.4 Möglicherweise ist der Palast daher falsch betitelt worden, sondern ist vielmehr ein großes Verwaltungszentrum.

Theorien über den Untergang:

Spyridon Marinatos geht davon aus, dass der Vulkanausbruch der heutigen Insel Santorin um 1500 die minoische Kultur mächtig in Mitleidenschaft gezogen hat. In der Folge des Vulkanausbruches kam es zu Tsunamis, die ganze Küstenabschnitte zerstörten und daher auch zur Stilllegung der Flotte führten. Zur Zeit des Ausbruches des Vulkanes kann vor allem noch eine Bautätigkeit und Keramikherstellung nachgewiesen werden.

Eine andere Theorie besagt, dass Santorin ein wichtiger Handelsstützpunkt Kretas war, da man nachts nicht fahren konnte und es die einzige Insel am Weg nach Athen ist, die in einer Tagesreise von Kreta entfernt zu erreichen war. Somit mussten sich die Kreter Alternativrouten überlegen, was den Handel und die Handelsverbindungen maßgeblich beeinflusste. Jedoch gab es auch Handelsbeziehungen zur Levante und nach Ägypten, Kreta wäre demnach nicht völlig isoliert gewesen.

Kunst:

Die ältesten Plastiken sind Idole. Es handelt sich um Weihgaben. Die männlichen Figuren nehmen eine strenge Haltung ein, die Arme sind vom Körper weggespreizt, so dass die Faust auf der Brust zu liegen kommt. Sie tragen einen Schurz, sonst sind sie nackt. Die Frauen haben erhobene Arme, tragen gegürtete Röcke, die Brüste sind unbedeckt. Die Gesichtszüge sind nicht individuell.

Die Elfenbeinstatue eines Akrobaten zeigt, dass die minoischen Künstler auch Bewegungsabläufe darstellen konnten. Möglicherweise gehört er zu einer Figurengruppe und stellt einen Stierspringer dar5 wie sie auch auf Wandmalereien in Knossos belegt sind. Dabei läuft man auf den Stier zu, packt ihn an den Hörner und katapultiert sich über den Rücken des Tieres.

Auf einem Goldblech, das den Schwertknauf eines Schwertes bildetet und in Malia gefunden worden ist, ist ebenso ein Athlet dargestellt. Er nimmt das gesamte Goldblech ein, so dass sich Zehenspitzen und Kopf berühren.

In Malia fand man auch ein Ohrgehänge, das zwei sich einander zugewandte Hornissen aus Gold zeigt. Drei Scheiben mit Granulatverzierung sind angebracht. Man konnte daher schon dünne Drähte zu grazilen Objekten formen und granulierte sie durch Löten zu Kugeln. Goldfunde sind jedoch in den Palästen Kretas eher sehr selten.

Auch Siegel wurden verwendet. Ursprünglich in den Materialien Knochen, Speckstein und Elfenbein, aber auch Bergkristall, Jaspis, Achat und Karneol.

In der Periode nach der Zerstörung finden sich einige Terrakotta Statuetten, die eine Göttin darstellen. Die Hände sind erhoben und die Frisur ist auffallend kunstvoll. Teilweise sind die Statuetten bis zu 77 cm groß.

Wandmalereien:

Seit 2500 wurden Räume durchgehend rot bemalt. In den Palästen fanden sich figürliche Wandmalereien. Älteste Beispiele sind in die Zeit um 1700 zu datieren. Bemerkenswert ist die Darstellungen von Bewegungsabläufen u.a. bei den Wandmalereien zum Stiersprung. Die Malereien sind oft überdimensional.

Die größten Gruppen von Wandmalereien gibt es aus Knossos. Die Fresken wurden auf feuchten Kalkputz aufgetragen, wobei der Kalkputz aus heimischen Gesteinen hergestellt worden ist. Prinzipiell wurde eine ca. 1,5 Meter dicke Kalkputzschicht als Grundierung aufgetragen und danach nochmals eine nicht so dicke Schicht, auf die dann die Fresken aufgetragen worden sind. Die Wandmalereien waren bunt, wobei die Farben aus diversen Mineralien hergestellt worden sind. Rot wurde aus eisenhältiger Erde gewonnen, Gelb aus Gelbocker, Schwarz aus Kohle. Auch blau konnte man herstellen und zwar aus einer Mischung von Silikon, Kupferoxid und Kalziumoxid. Die Herstellung ist aus Ägypten bekannt.

Generell wurden Männer mit einer roten Hautfarbe dargestellt und Frauen mit einer weißen, wobei dies nicht immer stimmt. So werden teilweise junge Männer beim Stiersprung auch mit weißer Farbe dargestellt.

Bei den Wandmalereien und auf den Vasendarstellungen fehlen kriegerische Darstellungen.

Keramik:

Keramik wurde hauptsächlich aus heimischen Gesteinsarten wie Schiefer, Serpentin, Speckstein, Alabaster oder Breccie hergestellt6. Zur Herstellung verwendete man Bohrer aus Kupfer. Auch ein Schleifpulver war bekannt. Damit konnte man Gestein aushöhlen. Es wurde die Faserung des Gesteins als Verzierung verwendet. Zu den charakteristischen Kannenformen zählen langschnauzige Kannen und henkellose Tassen. Marmor wurde dabei imitiert, indem man eine rotbraune Grundierung auftrug und einen glühenden Stock auf das noch nicht abgekühlte Gefäß hielt.

Ein weiterer Typ ist die sogenannte Eierschalenware. Dabei wurden die Tassen mit weißen Halbkreisen geschmückt, die in mehreren Streifen übereinander zu finden sind. betrachtet man andere Keramikarten, dann sieht man auch dort, eine Wiederholung gleicher Motive oder eine Verknüpfung mehrerer Muster miteinander.

In der Spätminoischen Zeit sind zuerst florale Stile vorherrschend, danach der Meeresstil.

Innerhalb der Paläste gab es eigene Werkstätten, um die Zentralisierung zu fördern.

Die kretische Kultur erstreckt sich bis auf die Kykladen und in das Mutterland. So kann man beispielsweise auf Akrotiri (=Santorin) eine Vermischung aus kretischen und kykladischen Elementen feststellen.

Religion:

Die Religion Kretas geht von den Bestattungsriten aus. So wurden beispielsweise einige Figurinen, Rhyta und Doppel Äxte in den Gräbern gefunden. Die Labrys (=Doppelaxt) war rein kultischer Natur und konnte oft mannshoch sein. Sie wurde auch von Priesterinnen für Zeremonien verwendet und war das heiligste Symbol der Kreter. In Kreta wird die Doppelaxt hauptsächlich in der Hand von Frauen – Priesterinnen – abgebildet. Die beiden Schneiden der Doppelaxt sind gerundet. Es gibt zwei gebräuchliche Interpretationen. Die eine besagt, dass es ein Symbol der zunehmenden und abnehmenden Mondsichel sei.7 Eine weitere Interpretation will in der Doppelaxt ein Symbol der Muttergöttin sehen.8

Die Religion der minoischen Welt ist eng einerseits mit Zeus verbunden, der die phönizische Prinzessin Europa entführt und nach Kreta gebracht hat. Außerdem wuchs Zeus auf der Insel Kreta auf. Zeus wurde von seiner Mutter, Rhea, in der Höhle auf Kreta versteckt, da ihr Mann – Kronos – all seine Kinder bei lebendigem Leibe aß, um einer Prophezeiung, dass er von seinem jüngsten Sohn entmannt werden sollte, zu entkommen. Als Zeus geboren wurde, gab Rhea ihrem Mann einen Stein zu essen. So wurde Zeus in der Höhle auf Kreta versteckt, wo sich Nymphen und Kureten um ihn kümmerten. Er wurde mit der Milch einer Sau genährt und wenn er schrie, schlugen die Kureten mit ihren Speeren gegen die Schilde, damit Kronos das Schreien seines Sohnes nicht zu hören bekam.

Andererseits ist der Stier das heilige Tier der Kreter. Zeus entführte die phönizische Königstochter Europa als Stier verkleidet – unter einer Platane im heutigen Gortys gab sie sich ihm hin und gebar ihm drei Söhne: Sarpedon, Rhadamantys und Minos. Verbunden mit diesem Sagenkreis ist der Sagenkreis zur Gründung der Stadt Theben, da die Brüder von Europa – einer davon war Kadmos – auszogen, um ihre Schwester zu suchen.

Ein weiterer Stier-Bezug findet sich im folgenden Mythos:

Auf Kreta – in Knossos – verliebte sich die Frau des Königs Minos – Parisphae – in einen Stier. Um sich mit ihm vereinigen zu können, wurde ihr ein hölzerner Stier gebaut, in dem sie sich versteckte. Es kam wie es kommen musste, Parsiphae wurde schwanger und gebar ein Ungeheuer – halb Mensch halb Stier – den Minotaurus. Dieser wurde in Knossos in ein Labyrinth gesteckt und fraß nur Jungfrauen und junge Männer. Da Athen zu dieser Zeit von Knossos abhängig war, mussten die Athener alle 7 Jungfrauen und 7 junge Männer nach Knossos schicken9. Dem wollte Theseus – der Königssohn von Athen- ein Ende bereiten und segelte nach Kreta. Wenn er lebend zurückkam, sollte er auf seinem Schiff, ein weißes Segel hissen. Das älteste Zeugnis, das uns über diesen Mythos berichtet, ist Plutarch. Auch andere Schriftsteller bestätigen ihn, nur variiert die Zahl der Männer und Frauen, die nach Knossos gebracht wurden. Auf Kreta verliebte sich die Königstochter Ariadne in ihn, die ihm riet, einen Faden abzurollen, wenn er in das Labyrinth ging, um den Weg wieder herauszufinden. Die Idee hatte sie vom genialen Erfinder Daidalus, der sowohl den Stier für Parisphae als auch das Labyrinth für den Minotaurus gebaut hatte. Das machte er auch und als Dank nahm er Ariadne mit nach Athen, setzte sie aber auf Naxos aus, wo Ariadne dann dem Dionysos begegnete. Obwohl Theseus siegreich zurückkehrte, vergaß er das weiße Segel zu hissen, woraufhin sein Vater sich von der Akropolis in das Meer stürzte10, das heute auch nach ihm benannt ist: das ägäische Meer. Über die gesamten Abenteuer des Theseus gibt es die meisten bildlichen Darstellungen vom Minotauruskampf, was nicht weiter verwunderlich ist, denn ein Zentrum der Vasenkunst war Athen. Durch die Tötung des Minotaurus wurde Athen von den Tributzahlungen befreit und somit wurde diese Heldentat natürlich vermehrt auf den Vasen dargestellt. Aufgrund der Vasendarstellungen weiß man auch, wie der Minotaurus aussieht. Er hatte einen menschlichen Körper und einen Stierkopf. Möglicherweise war er behaart und hin und wieder hatte er auch einen Stierschwanz. Der Minotaurus Kampf ist auch bei den Etruskern sehr beliebt. Die Etrusker stellten im Gegensatz zu den Griechen immer sehr blutrünstige Szenen dar. Bei dem Minotauruskampf waren immer geflügelte Dämonen anwesend und hin und wieder sieht man auch, dass Minotaurus während dem Kampf seine Opfer verschlingt.

Aufgrund der zahlreichen Verbindungen mit dem Stier, ist der Stiersprung in zahlreichen Fresken auf den Palastwänden dargestellt. Oft sind auch Zuschauer zu sehen. Möglicherweise handelt es sich um einen Akt, um vom Jungen zum Mann zu werden.

Für die Verehrung der Götter bevorzugte man Gipfelheiligtümer, die meist nur aus einem Altar bestanden, und Kulthöhlen.

Gipfelheiligtümer waren nicht immer am höchsten Gipfel, sondern in der Nähe einer größeren Stadt, mit der sie in Verbindung standen. Bekannt sind 37. In diesen Gipfelheiligtümern wurden nicht nur Figurinen gefunden, sondern auch teilweise Nachbildungen von Körperteilen.

Bekannt sind Gipfelheiligtümer u.a. am Jouchtas oder am Profitis. Berge galten als beliebter Aufenthaltsort der Götter. Oft bilden Gipfelheiligtümer einen eigenen kultischen Bezirk (Temenos). In der Zeit zwischen 1600 und 1450 wurden die Gipfelheiligtümer nicht weiter erneuert oder erbaut, sondern die religiösen Zentren verlagerten sich in die Paläste oder die noch bestehenden Gipfelheiligtümer.11 So wurde beispielsweise der Berg Jouchtas mit Knossos verbunden.

Vereinzelt findet sich auch direkt bei den Palästen Heiligtümer. Ein solches wurde im Palast von Phaistos gefunden. Es handelt sich um drei Räume, die durch Bänke und Löcher für Opfergaben und Opfertische gekennzeichnet sind.

Es gab auch Höhlen, in denen Gottheiten verehrt worden sind z.B. Eilytheia Höhle, Kamares Höhle etc. Die Höhlenheiligtümer waren trotz Errichtung eigener Palastheiligtümer weiterhin in Benutzung. Speziell die beiden Zeushöhlen weisen eine starke Konzentration von Votivgaben auf.

In der Zeit von 1450 bis 1220 übernahmen die Minoer die olympischen Götter von den Griechen, die Verehrung der alten Götter blieb jedoch parallel dazu bestehen. Spannend ist die Tatsache, dass die Kreter daran glaubten, dass das Grab des Zeus am Profitis Ilias ist und Zeus jedes Mal durch Blitze wieder zum Leben erweckt wird. Der Profitis Ilias stellt auch das Gesicht des Zeus dar.

[...]


1 Grant, 283

2 Schneider, 41

3 Schneider, 42

4 Schneider, 45

5 Griechische Kunst, 50

6 Griechische Kunst, 32

7 Graves, 269

8 Gimbutas, 131-150

9 Grant, 285

10 Grant, 403

11 Fitton, 89-92

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die minoische Kultur. Historische Entwicklung, Kultur und Architektur der ersten Hochkultur Europas
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V514829
ISBN (eBook)
9783346117779
ISBN (Buch)
9783346117786
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kultur
Arbeit zitieren
Dr. Sigrid Vollmann (Autor), 2019, Die minoische Kultur. Historische Entwicklung, Kultur und Architektur der ersten Hochkultur Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514829

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die minoische Kultur. Historische Entwicklung, Kultur und Architektur der ersten Hochkultur Europas



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden