Bewertung von Tätowierungen und Piercings im Kontext der Bibel

"Was sagt eigentlich Gott dazu?"


Unterrichtsentwurf, 2017

16 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Aspekte der Lerngruppe und Besonderheiten der Lernumgebung

2. Didaktische Entscheidungen und ihre Begründungen

3. Methodisch-mediale Schwerpunkte und ihre Begründungen

4. Ziele des Unterrichts

5. Verlaufsplan

6. Literaturangaben / Internetadressen, sonstige Materialien

7. Anlagen

1. Aspekte der Lerngruppe und Besonderheiten der Lernumgebung

Statistische Angaben

Die SBF2S ist eine Klasse der einjährigen Berufsfachschule für Sozial- und Gesundheitswesen gemäß der Anlage B2 der APO-BK an einem Berufskolleg.1 Nach Abschluss des vollzeitschulischen Bildungsgangs erwerben die Schülerinnen und Schüler die Fachoberschulreife sowie ein Zertifikat über den Erwerb von beruflichen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Klasse besuchen aktuell 14 Schülerinnen und 4 Schüler.

Tabelle 1: Alter und Schulabschlüsse sowie Konfessionen der Schülerinnen und Schüler der Klasse SBF2S

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in Tabelle 1 zu erkennen, ist die Altersspanne (6 Jahre) in dem Kurs breit.

Anhand der bisher erlangten Schulabschlüsse der Schülerinnen und Schüler werden die weitgehend homogenen Zugangsvoraussetzungen verdeutlicht.

Die unterschiedliche Konfessionszugehörigkeit veranschaulicht die religiöse Heterogenität der Lerngruppe.

Ist-Zustand der Kompetenzentwicklung

Die Lerngruppe besteht in dieser Konstellation seit Beginn des Schuljahres 2016/2017. Das Fach Evangelische Religion wird seit Beginn des zweiten Halbjahres (Februar 2017) wöchentlich in einer Doppelstunde unterrichtet.

Im Rahmen einer Hospitationsphase des Referendariats nehme ich seit Mitte März in der Klasse SBF2S am Religionsunterricht teil. Seit Anfang Mai unterrichte ich die Lerngruppe.

Die Anzahl der im Unterricht anwesenden Schülerinnen und Schüler schwankt zwischen 15 und 18. Das pünktliche Erscheinen zu Beginn der ersten Schulstunde fällt einigen Lernenden schwer.

Das weitestgehend homogene Leistungsniveau der Lerngruppe ist analog zu den erreichten Bildungsabschlüssen. Während einige der Schülerinnen und Schüler sich aktiv an Unterrichtsgesprächen beteiligen, verhalten sich andere Lernende, in Bezug auf die mündliche Mitarbeit im Unterricht, reserviert. Vereinzelt lässt sich eine gewisse Lustlosigkeit der Schülerinnen und Schüler erkennen. Unterrichtsgespräche finden in der Regel träge statt, nicht alle Lernende sind gleichermaßen daran beteiligt. Diskussionen über Themen, die vor allem die eigene Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler betreffen, finden hingegen sehr lebhaft statt. Diese Lebhaftigkeit zeichnet sich vor allem durch eine intensive Lautstärke und besonderen Mitteilungsdrang aus, wobei Unterrichtsregeln wie z. B. das Unterlassen von reinrufen oder das Unterbrechen der Mitschüler/ Mitschülerinnen missachtet werden. Mit Einsetzen des Religionsunterrichts im zweiten Halbjahr sind die Lernenden erstmals in kooperativer Gruppenarbeit tätig. Gruppenarbeiten werden von ca. der Hälfte der Schülerinnen und Schüler aktiv durchgeführt. Die Gruppenergebnisse werden zumeist von der ganzen Gruppe vorgestellt, sodass auch stillere Schülerinnen und Schüler mündliche Beiträge im Unterricht beisteuern können.

Die Gruppenzusammensetzung erfolgte im Unterricht bisher durch die Entscheidung der Lerngruppe. Eine kooperative Zusammenarbeit in den von den Schülerinnen und Schülern selbst zusammen gestellten Gruppen ist nur teilweise zu erkennen. Hier sind weitestgehend immer dieselben Teammitglieder an der Erarbeitung eines Themas aktiv beteiligt. Dies scheint die aktiven Schülerinnen und Schüler nicht sonderlich zu stören, vermutlich, weil sie es aus anderen Gruppenarbeiten nicht anders gewohnt sind. Das selbstorganisierte Lernen wird schrittweise eingeführt. Der Mehrheit der Schülerinnen und Schüler fällt das eigenständige und verantwortliche arbeiten schwer und sie müssen weitestgehend angeleitet werden. Defizite zeigen sich darüber hinaus in den Präsentationsphasen, die zum Teil sehr schleppend verlaufen und Arbeitsergebnisse teilweise unvollständig oder nur sehr oberflächlich bearbeitet und anschließend präsentiert wurden, sodass die Lehrkraft immer wieder neue Impulse, Anregungen, Hinweise und Hilfestellungen, wie auch in der zu zeigenden Unterrichtsstunde, geben muss. Die Schülerinnen und Schüler vernachlässigen, in der Regel, in der Erarbeitungsphase grundsätzlich den religiösen Aspekt, sodass dieser von der Lehrkraft aufgegriffen und für die Lerngruppe sichtbar gemacht werden muss.

Aktuell befinden sich die Schülerinnen und Schüler in der Erarbeitungsphase der vollständigen Handlung. Teilweise haben einzelne Gruppen das Thema Religion bearbeitet, bzw. arbeiten daran, indem sie sich mit Tätowierungen und deren religiösen Gehalt beschäftigen oder erarbeiten, in welchen Religionen Tätowierungen erlaubt/verboten sind. Der direkte Bezug auf die christliche Religion und ein Bezug zur Heiligen Schrift sind hierbei vernachlässigt worden.

Lernumgebung/ Organisatorische Rahmenbedingungen

Das Berufskolleg hat Stundenanfangs- und -endsignale abgeschafft. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sind angehalten, die Pausen- und Unterrichtszeit selbständig im Blick zu behalten. Der Unterrichtsbesuch findet in der 1. Stunde statt. Für die muslimischen Klassenmitglieder hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Inwieweit sich das Fasten auf die Mitarbeit im Unterricht auswirkt, bleibt abzuwarten. Der Raum in dem der Religionsunterricht stattfindet ist mit einem Whiteboard und einem Tageslichtprojektor ausgestattet. Die Räumlichkeit bietet genügend Platz, um verschiedene Sitzkonstellationen, bspw. für Gruppenarbeiten durchzuführen.

2. Didaktische Entscheidungen und ihre Begründungen

2.1 Curriculare Anbindung

Grundlage für den Unterricht im Fach Evangelische Religionslehre ist der Bildungsplan zur Erprobung für die Bildungsgänge der Berufsfachschule im Fachbereich: Gesundheit/ Erziehung und Soziales. Im Fach Evangelische Religionslehre fordert die Anforderungssituation 4 „Ästhetik“ u. a., dass im Alltag ausgewählte religiöse Motive in ästhetisch-künstlerischen und medialen Ausdrucksformen erkannt werden. Der Religionsunterricht knüpft hier mit dem lebensweltbezogenen Thema „Körpermodifizierung in Form von Tätowierungen und Piercings“ an.

Die didaktische Jahresplanung ist aktuell in Bearbeitung. Daher kann hierauf nicht zurückgegriffen werden. Die Lernsituation ist von der Referendarin erstellt worden.

2.2 Einordnung in den unterrichtlichen Kontext

Tabelle 2: Einordnung in den unterrichtlichen Kontext

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Schwerpunkte aus didaktischer Sicht

Leibliche Stilmittel wie Tätowierungen und Piercings sind weltweit verbreitet und in der Gesellschaft schon weitestgehend „normale“ Erscheinungen der Körpermodifikation. Ob als Zeichen einer Gruppenzugehörigkeit, oder aufgrund ihrer zum Teil rituellen bzw. religiösen Bedeutung, Tattoos und Piercings haben in der heutigen Jugendkultur aktuellen Gehalt in der Lebenswelt der Heranwachsenden. Für die Schülerinnen und Schüler haben sie unterschiedlichen Wert, der sich u. a. als Protest, Schmuck, Selbstdarstellung, Abgrenzung oder Modeaccessoire ausdrückt. Die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler besteht darin, dass die Mehrheit der Lernenden sich gerade in der Lebensphase befindet, in der sie überlegen, ob sie sich einen dauerhaften Körperschmuck zulegen/teilweise schon zugelegt haben. Der reflektierte Umgang mit dem eigenen Körper und mit dem, was wir ihm zufügen/nicht zufügen, ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Darüber hinaus bereitet der Bildungsgang die Schülerinnen und Schüler auf eine Berufsausbildung im Fachbereich Gesundheit/Erziehung und Soziales vor, wodurch medizinische Aspekte sowie das „tragen“ dauerhaften Körperschmucks und dessen potenziellen Einfluss auf zukünftige berufliche Tätigkeiten überprüft und reflektiert werden müssen.

Die Thematisierung von Körpermodifikationen, die im Religionsunterricht exemplarisch anhand von Tätowierungen und Piercings aufgegriffen wird, begründet sich religionsdidaktisch dadurch, dass das Entwickeln von Aufmerksamkeit und Interesse im Vordergrund steht, für das, was außen und innen das Leben ausmacht, für das, was es fördert und behindert.2 Jugendliche sind heutzutage mit einer Reizüberflutung, die sich u. a. in Form von Bildern (bspw. Tätowierungen) darstellt, konfrontiert. Ziel der ästhetischen Bildung, die Bildung der leiblich-sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit, ist es u. a. die Wahrnehmungskompetenz zu erweitern und zu erproben sowie die Fähigkeit zur Wahrnehmungskritik zu bilden und andere und deren Anderssein (z. B. aufgrund von Tätowierungen und/oder Piercings) wahrzunehmen, aber auch deren Anderssein anzuerkennen. Der Religionsunterricht nimmt hierbei den ganzen Menschen, mit seinem, Denken, Sinneserfahrungen, Gefühlen, Fantasien und Symbolisierungsbedürftigkeit (z. B. Gründe für das Stechen eines Tattoos mit religiösem Hintergrund) in den Blick. Ermöglicht werden soll eine bewusste Stellungnahme, die auch einen Perspektivenwechsel fordert, damit die Lernenden eine sensibilisierte, kritische, reflektierte, bewusste, empathische und aufmerksame Wahrnehmung der Interpretation von Wirklichkeit bilden und ihre Bewertungsfähigkeit erweitern.

3. Methodisch-mediale Schwerpunkte und ihre Begründungen

Der Impuls zu Beginn der Unterrichtsstunde erfolgt in Form einer sichtbaren, religiösen, abwaschbaren Tätowierung auf dem Arm der Lehrkraft und mithilfe von zwei Piercing Attrappen, die an der Nase und an der Lippe angebracht sind. Auch wenn der Impuls nicht als „schockierend“ vonseiten der Lernenden aufgenommen wird, soll er sie doch vor allem neugierig machen, auf das, was sie in der Stunde erwartet. Gleichzeitig setzt der Impuls an die vorangegangenen Unterrichtsstunden zum aktuellen Thema „Körpermodifizierung am Beispiel von Tätowierungen und Piercings“ an und dient als Überleitung zum Stundenthema, bei dem es um die Bewertung von Tätowierungen und Piercings durch Menschen sowie um die Bewertung solcher Körpermodifikationen im Kontext der Bibel geht.

Der methodische Fokus wird mit der Erarbeitung ausgewählter Bibelstellen auf eine zunächst erfolgende Einzelarbeitsphase, in der die Lernenden die Texte für sich lesen, gelegt, um anschließend deren Inhalt bzw. Aussageabsicht zu besprechen und den Arbeitsauftrag gemeinsam bearbeiten zu können. Die Lernenden bringen in diesem Schritt ihre Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit ein. Gemeinsames Arbeiten erhöht sowohl den Lernanreiz als auch die Motivation. Darüber hinaus werden Probleme mehrperspektivisch durchdrungen. Ein positives Lernklima wird dadurch geschaffen, dass die Lernenden aktiv das Gruppenergebnis mitgestalten und jede Schülerin/ jeder Schüler sich einbringen kann. Schüchternheit, die womöglich gegenüber einer größeren Lerngruppe besteht, können in einer Gruppenarbeit abgelegt werden. Lernstarke Schülerinnen und Schüler können die lernschwächeren unterstützen. Dieses positive Lernklima fördert das erfolgreiche Lernen.3 Der Austausch in der Gruppe ermöglicht es den lernschwächeren Schülerinnen und Schülern, ihre Ergebnisse mit denen der anderen zu vergleichen, zu ergänzen und durch gegenseitigen Austausch auf Fehler hin zu überprüfen und zu korrigieren.

Die Bibelstellen sind so ausgewählt, dass die Lerngruppe deren Inhalt, auch mit Hilfe von der Lehrkraft bereitgestellten Erklärungen, verstehen kann. Darüber hinaus sind die Bibelstellen so kurzgehalten, dass sie ein paar Zeilen nicht überschreiten, damit die Schülerinnen und Schüler nicht vorzeitig die Lust am Lesen verlieren, weil die Dichte der Texte sie erschlägt.

Die Unterschiede bezüglich Leistungsfähigkeit, Verständnis, Lerntempo usw. werden im Unterricht berücksichtigt mit Hilfe Texthilfen und einer Zusatzaufgabe, die eine Differenzierung der individuellen Schülerinnen- und Schüler-Lernwege ermöglichen.

Die Schülerinnen-/Schülerergebnisse werden an der Tafel, den Ergebnissen aus der Vorwissen-Aktivierungsphase gegenübergestellt und verglichen. Am Ende der Stunde formuliert die Lerngruppe mithilfe der an der Tafel gesammelten Ergebnisse ein Fazit. Das Tafelbild überträgt die Lerngruppe in der Folgestunde in ihre Hefte.

4. Ziele des Unterrichts

Schwerpunkt der Kompetenzerweiterung

Die Schülerinnen und Schüler trainieren ihre Kompetenz der Ästhetik: In Auseinandersetzung mit dem Thema Körperschmuck, hier Tätowierungen und Piercings, erkennen sie in ihrem Alltag weltliche und „religiöse Motive in ästhetisch-künstlerischen Ausdrucksformen“4 und können vor diesem Hintergrund eine wertende Einordnung und eigene Positionierung in Bezug auf dauerhaften Körperschmuck und dessen Motive, die ihnen zum Beispiel auch im Berufsleben begegnen, vornehmen.

Stundenziel

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, ob mit oder ohne Tätowierung/Piercing. Dabei werden sie sich ihrer Verantwortung für sich selbst und ihren Körper bewusst.

Konkretisierung des Stundenziels mit Indikatoren

Die Schülerinnen und Schüler

- bewerten einen tätowierten und gepiercten Menschen, indem sie die tätowierte und gepiercte Referendarin betrachten und ihre Meinung kundgeben.
- reflektieren Bewertungen gegenüber Menschen aufgrund von Körperschmuck (Tätowierungen und Piercings), indem sie über ihre persönliche Erfahrung aus ihren Alltagssituationen nachdenken und ggf. wiedergeben.
- erkennen, dass die Bewertung von Körpermodifikation (in Form von Tätowierungen und Piercings) im Kontext der Bibel nicht der Bewertung durch Menschen entspricht, indem sie die Ergebnisse der Gruppenarbeit ihren Bewertungen zu Beginn der Stunde gegenüberstellen.
- werden sich über ihre Verantwortung für sich selbst und ihren Körper sowie über die Gleichstellung aller Menschen vor Gott bewusst, indem sie die Bibelstellen in den Gruppen erarbeiten.
- fassen zusammen, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und der Mensch trotzdem verantwortlich mit seinem Körper umgehen soll, indem sie ihre an der Tafel gesammelten Ergebnisse zu einem Fazit formulieren.

[...]


1 vgl. http://www.berufsbildung.nrw.de/cms/upload/_lehrplaene/b/gesundheit_erziehung_soziales/bfsb_ges-erz-soz_ev-religion.pdf.

2 Vgl. Hilger G. (2015): 334ff.

3 Vgl. http://methodenpool.uni-koeln.de/gruppenarbeit/frameset_vorlage.html.

4 https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/upload/_lehrplaene/b/gesundheit_erziehung_soziales/bfsb_ges-erz-soz_ev-religion.pdf. S. 37.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Bewertung von Tätowierungen und Piercings im Kontext der Bibel
Untertitel
"Was sagt eigentlich Gott dazu?"
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V514868
ISBN (eBook)
9783346102447
ISBN (Buch)
9783346102454
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewertung, tätowierungen, piercings, kontext, bibel, gott
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Bewertung von Tätowierungen und Piercings im Kontext der Bibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514868

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