Auch religiöse Menschen werden in Versuchung geführt. Sie bleiben nicht davon verschont. Doch die Frage ist, wer in Versuchung führt und, wenn Gott der Versucher ist, warum er es tut. Denn, wenn Gott gut ist, wieso sollte er den Menschen, das Geschöpf nach seinem Ebenbild, versuchen?
Die katholischen Kirche stellt sich schon lange die Frage, ob das Vaterunser geändert werden soll. Papst Franziskus ist zum Beispiel der Meinung, dass „und führe uns nicht in Versuchung“ (Mt 6,13) irreführend ist, da Gott nicht in Versuchung führt, sondern der Satan. Die evangelische Kirche ist dort anderer Meinung und bleibt bei der neusten Lutherübersetzung den bekannten Worten treu. Doch wer der Versucher nun wirklich ist, bleibt offen. Und ob nun Gott verantwortlich für die Versuchungen ist, bleibt fraglich.
Die Frage, ob Gott in Versuchung führt, ist demnach also ziemlich interessant und immer noch aktuell. Nicht nur das Vaterunser bietet Diskussionsstoff zum Thema Versuchungen. Die Bibel hat mehr zu dem Thema zu bieten als nur diesen einen Vers. Auch in vielen anderen Geschichten spielt die Versuchung eine zentrale Rolle.
Dieses Portfolio soll hinterfragen, ob davon ausgegangen werden kann, dass Gott in Versuchung führt, wenn er doch gut und mächtig ist. Auch interessant ist, ob Gott der einzige Versucher ist oder ob es mehrere Versucher gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Annäherung an die theologische Grundfrage: Führt Gott in Versuchung?
2.1 Was ist Versuchung?
2.2 Arten von Versuchern
2.2.1 Versuchung durch das Böse
2.2.2 Versuchung durch den Menschen
2.2.3 Versuchung durch Gott
2.2.4 Versuchung Gottes durch den Menschen
2.3 Versuchung in der Bibel
2.3.1 Versuchung im Alten Testament
2.3.2 Versuchung im Neuen Testament
2.3.3 Versuchung im Vater Unser
2.4 Versuchung bei Luther
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische Fragestellung, ob Gott den Menschen in Versuchung führt, und analysiert hierfür biblische Erzählungen sowie reformatorische Ansätze. Dabei steht insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit der Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ aus dem Vaterunser im Zentrum der Betrachtung.
- Die Definition und Abgrenzung des Begriffs Versuchung.
- Die Differenzierung zwischen verschiedenen Arten von Versuchern (Gott, das Böse, Mensch).
- Die biblische Analyse von Versuchungsgeschichten im Alten und Neuen Testament.
- Das Verständnis von Anfechtung und Versuchung in der Theologie Martin Luthers.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Versuchung durch das Böse
Oft trifft man in der Bibel, wenn versucht wird, auch den Teufel. Aber wer ist der Teufel wirklich? Wenn der Teufel eine eigene Gestalt ist, dann stellt sich die Frage, ob Gott wirklich allmächtig ist, denn dann gibt es eine gute und eine böse Macht. Dieser Dualismus stellt die Allmacht Gottes in Frage. Gibt es nur einen Gott und ist dieser Gott allmächtig? Wenn Gott allmächtig ist, kann es den Teufel nicht geben, damit aber auch keinen weiteren Versucher, weil alles durch Gott bestimmt ist.
Doch es ist nicht unbedingt nötig, dass Gott und der Teufel, also das Gute und das Böse, zwei Gestalten sind. Es ist genauso gut möglich, dass Gott das Gute und das Böse in Einem ist. Denn wenn Gott allmächtig ist, ist es ihm auch möglich, dem Menschen zu schaden. Gott könnte auch Böse sein. Nach „Barths sophistische[r] Argumentation [gibt es] das Böse, damit wir sehen, was Gott verworfen hat.“4
Der Teufel probiert den Menschen zu versuchen, damit er sich von Gott abwendet. Aber genau das will Gott in Versuchungen nicht bewirken. Er will die Hinwendung und nicht die Abwendung von Gott. Der Teufel aber ist listig.
Ein Beispiel der Bibel, in dem der Satan eine wichtige Rolle spielt, ist die Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4,1-11). Er muss diese Prüfung bestehen, bevor er anfängt zu wirken. Demnach sind Gott und der Teufel keine Gegenspieler. In diesem Fall haben sie zusammen gearbeitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Thematik um die Bitte des Vaterunsers und führt in die Fragestellung ein, wer als Versucher agiert.
2 Annäherung an die theologische Grundfrage: Führt Gott in Versuchung?: Dieses Kapitel bildet den theoretischen Rahmen, definiert den Begriff der Versuchung und analysiert die verschiedenen Akteure sowie biblische Kontexte und Luthers Verständnis.
3 Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Gott zwar in die Versuchung führt, dies jedoch als Prüfung oder pädagogische Maßnahme zu verstehen ist, während der Mensch aktiv an seiner eigenen Versuchung beteiligt ist.
Schlüsselwörter
Versuchung, Vaterunser, Gott, Teufel, Bibel, Glaube, Anfechtung, Martin Luther, Prüfung, Theologie, Allmacht, Satan, Sünden, Gebet, Mensch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theologischen Frage, ob Gott Menschen in Versuchung führt oder ob dies anderen Mächten zuzuschreiben ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Versuchung in der Bibel, die Rolle des Teufels und Gottes sowie die reformatorische Sichtweise Martin Luthers auf Versuchung und Anfechtung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu hinterfragen, wie die biblische Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ theologisch zu begründen ist, wenn gleichzeitig von der Güte Gottes ausgegangen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische Analyse, die biblische Texte, exegetische Perspektiven und reformatorische Quellen systematisch untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Versuchung, die Kategorisierung von Versuchern, eine exegetische Analyse der biblischen Zeugnisse sowie eine spezifische Betrachtung von Martin Luthers Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Versuchung, Anfechtung, Vaterunser, Gott, Teufel und der Glaube des Menschen.
Warum wird im Rahmen der Arbeit das Vaterunser diskutiert?
Das Vaterunser enthält die problematische Bitte um Nicht-Versuchung, die im Kontext der Allmacht Gottes und der Theodizee-Frage steht und aktuell intensiv kirchlich diskutiert wird.
Wie unterscheidet Luther zwischen Versuchung und Anfechtung?
Luther präferiert den Begriff Anfechtung und betrachtet diese als eine notwendige Voraussetzung für das Verständnis von Gottes Wort und die Stärkung des eigenen Glaubens.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Führt Gott in Versuchung? Definition des Begriffs der Versuchung sowie Annäherung an eine theologische Grundfrage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514907