Die Berichterstattung zur Staatsgründung Israels im SPIEGEL und AUFBAU


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
36 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik – Inhaltsanalyse

3. Definitionen
3.1 Definition: Zionismus
3.2 Definition: Staat

4. Grundlegende Hintergrund-Informationen zum Verlauf der Staatsgründung Israels
4.1 Anfänge der jüdischen Zuwanderung in Palästina
4.2 Von Zuwanderern zu Einheimischen
4.3 Proklamation des Staates Israel
4.4 Jüdisch-arabischer Krieg

5. Die Kommunikatoren
5.1 Deutsche Presse nach
5.2 DER SPIEGEL
5.3 AUFBAU

6. Analyse/Durchführung der Methode
6.1 Analyse der SPIEGEL-Artikel
6.1.1 SPIEGEL – Artikel 1 Analyse
6.1.2 SPIEGEL – Artikel 2 Analyse
6.1.3 SPIEGEL – Artikel 3 Analyse
6.1.4 SPIEGEL – Artikel 4 Analyse
6.1.5 SPIEGEL – Artikel 5 Analyse
6.1.6 SPIEGEL – Artikel 6 Analyse
6.2 Analyse der AUFBAU-Artikel
6.2.1 AUFBAU – Artikel 1 Analyse
6.2.2 AUFBAU – Artikel 2 Analyse
6.2.3 AUFBAU – Artikel 3 Analyse

7. Vergleich

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

“Nach fast 2000jähriger Unterbrechung wird, wie ich glaube, in wenigen Tagen ein jüdischer Staat unter einer jüdischen Regierung errichtet werden”, sagte der Zionist David Ben-Gurion schon kurz vor der Staatsgründung Israels, welche am 15. Mai 1948 proklamiert wurde. Die zionistische Bewegung hatte ihren Ursprung schon deutlich vorher und fand große Sympathien bei vielen Juden. Die größte Aufmerksamkeit erlangte die zionistische Bewegung durch Theodor Herzl, der 1896 ein Buch über die Organisation und den Zusammenschluss der Zionisten veröffentlichte. Die Araber, waren Gegner dieser Idee der Zionisten. Sie sind bekannt als eine ethnische Gruppe, welche ihren Ursprung auf der Arabischen Halbinsel und Nordafrika hat. Sie leben in Palästina und in den benachbarten Ländern, wie z.B. im Libanon, in Ägypten und Marokko. Es waren also die Palästinenser betroffen, die in ihrem geografischen Raum lebten und Unterstützung von ihren arabischen Nachbarn erhielten. Die arabischen Nachbarn sahen sich von den Zionisten angegriffen, da die Palästinenser betroffen waren und ebenfalls weil in dem Gebiet ausschließlich Araber angesiedelt waren.

Die Juden erlitten über 2000 Jahre viele Rückschläge. Dazu gehörten diverse Pogrome, Unterdrückungen und auch Vertreibungen. Als ausgesprochen folgenschwer gilt der Genozid an Juden durch die Nationalsozialisten, welcher nicht nur sechs Millionen Menschenleben kostete, sondern alle Juden zum einen in Angst und Sorge und zum anderen in ein Trauma versetzte. Umso größer waren die Freude und der Wille der Juden zum Zeitpunkt der Staatsgründung. Dies bedeutete nämlich nicht nur, dass es nun einen jüdischen Staat gab, sondern auch, dass die Juden nicht mehr wehrlos waren und somit auf zukünftige Aggressionen den Juden gegenüber, wie von den Nationalsozialisten, direkt reagieren konnten. Denn mit einem eigenen Staat hätten die Juden nicht nur eine Armee und Wirtschaft, sondern würden ihre eigenen Interessen sowohl innen- als auch außenpolitisch vertreten. Am 14. Mai 1948 wurde der jüdische Staat proklamiert, was nicht nur von den Juden in Israel, sondern auch von Juden auf der ganzen Welt zelebriert wurde. Die Reaktion der Palästinenser im Zusammenschluss mit den benachbarten Ländern auf die Staatsgründung Israels war ein Angriff. Dies war der Beginn einer militanten Auseinandersetzung, welche bis heute andauert. Die Palästinenser sind die Einwohner Palästinas und können den Staat Israel nicht dulden. Obwohl Juden und Araber bis zu diesem Zeitpunkt friedlich in Palästina zusammenlebten, wollten die Araber die „Eindringlinge“ nicht in Israel haben. Der Argumentation der Zionisten zufolge jedoch hätten sie ein Anrecht auf Israel, wie man aus den Heiligen Büchern, der Thora, der Bibel und dem Koran, herauslesen könne. Die Juden siedelten schon in der Antike im palästinensischen Gebiet, bis sie vertrieben wurden. Die Unstimmigkeiten über die Grenzen Israels entstehen nicht nur im Vergleich der Heiligen Bücher, sondern auch beim Teilungsplan der UNO vom 29. November 1947, da Israel und Palästina beide ein Anrecht auf die gleichen Territorien hätten.1

Nicht nur die kulturelle Vielfalt macht Israel so besonders, sondern auch die landschaftliche Diversität. Von der Wüste, dem Meer bis hin zur Berglandschaft und mehr macht die Landschaft Israels aus.2 Nördlich grenzt Israel an den Libanon und Syrien, östlich an Jordanien und das Westjordanland, südlich an das Rote Meer und die Halbinsel Sinai und im Westen an das Mittelmeer.3

Thema dieser Hausarbeit ist die Berichterstattung der Medien über die Staatsgründung Israels. Der Fokus liegt dabei auf den Artikeln zur Staatsgründung Israels der deutschen Zeitschrift DER SPIEGEL und der deutsch-jüdischen Exilzeitschrift AUFBAU. Für die Analyse wurde der Zeitraum vom 15. Mai bis zum 18. Juni 1948 gewählt, da dieser Zeitraum die entscheidende Phase mit immerzu neuen Geschehnissen in Palästina darstellt. Folglich ist damit zu rechnen, dass die Geschehnisse zu einer hohen medialen Aufmerksamkeit führten und in diesem Zeitfenster ausreichend Artikel für eine Presseanalyse veröffentlicht wurden. Da die deutsch-jüdische Exilzeitschrift sich sehr intensiv mit der Staatsgründung und den Geschehnissen in Israel befasste und darüber in großem Umfang berichtete, musste bei den Artikeln aus dem AUFBAU eine Auswahl getroffen werden. Dadurch beschränkt sich die Auswahl der Artikel aus dem AUFBAU auf jeweils einen Artikel pro Ausgabe. Im Gegensatz dazu sind die Artikel im DER SPIEGEL sehr kurz und die Berichterstattung beschränkte sich auf maximal zwei Artikel pro Ausgabe. Für diese Arbeit werden daher alle Artikel aus den Ausgaben für die Analyse herangezogen. Die Kriterien für die Auswahl der Artikel orientierten sich an dem methodischen Vorgang der Inhaltsanalyse, damit ausreichend Inhalte für die Analyse gegeben waren.

Da es zu diesem gut erforschten Thema eine große Auswahl an Literatur gibt, musste für den Rahmen dieser Hausarbeit eine selektive Auswahl getroffen werden. Hierbei liefern Wolfgang Benz und Otto Brunner eine definitorische Grundlage für die Hausarbeit.4 Die Definitionen der Begriffe Zionismus und Staat sind entscheidend für diese Hausarbeit, da das Grundverständnis über diese beiden Begriffe die Theorie für die kommende Praxis der Staatsgründung war. Die Werke von Carsten Schliwski und Michael Krupp bieten einen historischen Überblick von den ersten jüdischen Siedlern nach Palästina bis hin zur Ausrufung Israels, weshalb diese beiden Werke zu den entscheidenden Sekundärliteraturen dieser Arbeit gehören.5 Für das methodische Vorgehen dieser Arbeit ist Philipp Mayring von besonderer Relevanz.6

Zunächst wird in dieser Hausarbeit eine definitorische Grundlage geschaffen, um im Anschluss den Verlauf der Staatsgründung darstellen zu können. Der historische Kontext beginnt mit den ersten jüdischen Siedlern in Palästina und endet mit dem jüdisch-arabischen Krieg, welcher eine Folge der Staatsgründung ist. Im Anschluss wird die Methodik für die darauffolgende Analyse der Zeitungsartikel dargelegt. Zudem wird ein kurzer Ausblick bezüglich der Darstellung der Staatsgründung Israels in der Presse gegeben. Nach dem Vergleich der Analysen, kann man in der Schlussbetrachtung einen Ausblick darüber bekommen, wie die hier ausgewerteten Zeitungsartikel über die Staatsgründung berichtet haben.

2. Methodik – Inhaltsanalyse

Entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser Arbeit ist die Methodik. Hierbei ist die Inhaltsanalyse essentiell, welche als eine der bevorzugten Methoden der empirischen Sozialforschung gilt. Zu den Eigenschaften der Inhaltsanalyse zählt, dass man sich anhand dieser nicht nur auf einzelne Texte, sondern auf Textreihen fokussiert und bestimmte Strukturen untersucht.7 In dieser Arbeit werden zahlreiche Zeitungsartikel bezüglich der Berichterstattung der Staatsgründung Israels geprüft und verglichen. Hierbei werden anhand der Analyse historische, politische und soziale Zusammenhänge hergestellt, was ein Grundverständnis der Inhalte voraussetzt.8 Die qualitative Inhaltsanalyse bezieht sich auf die Auswertung qualitativer Forschungen und umfasst nach Mayring die drei Grundformen Zusammenfassung, Explikation und Strukturierung.9 Eine weitere Kategorisierung der Grundformen ist nach Mayring gegeben, welche für die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse die vier Untergruppen formale, inhaltliche, typisierende und skalierende Strukturierung sind.10 So wird im Rahmen dieser Arbeit die Methode inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse angewandt, da die Strukturierung darauf abzielt, „bestimmte Aspekte aus dem Material herauszufiltern, unter vorher festgelegten Ordnungskriterien einen Querschnitt durch das Material zu legen oder das Material aufgrund bestimmter Kriterien einzuschätzen.“11 Ergänzt wird es durch die inhaltliche Strukturierung, was das Ziel hat „das Material zu bestimmten Inhaltsbereichen zu extrahieren und zusammenzufassen.“12 Im Rahmen dieser Arbeit wird die Oberkategorie des methodischen Vorgangs Folgen der Staatsgründung Israels sein. Diesbezüglich sind die Unterkategorien in die Punkte politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte aufgeteilt. Jene Kategorien sollen sowohl im Hinblick auf die israelische Seite als auch auf die palästinensische Seite innerhalb der Artikel aus der deutschen und aus der jüdisch-deutschen Presse herausgearbeitet werden.

Eine weitere wichtige Methode für diese Arbeit ist die Diskursanalyse. Genau wie die Inhaltsanalyse befasst sich die Diskursanalyse nicht mit dem Inhalt. Stattdessen konzentriert sich die Diskursanalyse auf die Darstellung der Inhalte.13 In dem Kontext dieser Arbeit wird anhand der Diskursanalyse die Gestaltung, der institutionelle Rahmen und die sprachlichen Mittel der Artikel untersucht.

3. Definitionen

3.1 Definition: Zionismus

Der Begriff des Zionismus beschreibt eine jüdische Bewegung, die es sich zum Ziel machte, das jüdische Volk im Erez Israel (hebr.: Land Israel) zusammenzuführen.14

Durch Theodor Herzls Buch “Der Judenstaat. Versuche einer modernen Lösung der Judenfrage” erlebte der Zionismus ein Hoch und leitete eine Zeit der lösungsorientierten Handlung dieser jüdischen Nationalbewegung ein.15 Denn Herzl kombinierte den zionistischen Gedanken mit der zu der Zeit zunehmenden Assimilation der Juden durch den Antisemitismus, indem er angegeben hat, dass alle Juden in einem gemeinsamen jüdischen Staat zusammenkommen müssen, um eben diese Assimilation beenden zu können.16 Nach der Veröffentlichung und Verbreitung der Idee des Zionismus durch Herzl fanden dann die ersten Handlungen in Form der Gebietsbeanspruchung statt, welche auf einem Kongress in Basel im Jahre 1897 erfolgte.17

Durch diesen neuen Ansatz durch Herzl haben die Juden somit eine alternative Lösung zur Assimilation erhalten, um die zunehmende Entfremdung der eigenen Identität durch den Antisemitismus beenden zu können.18

3.2 Definition: Staat

Der Begriff Staat hat über Jahrhunderte hinweg Veränderungen angenommen. Dies liegt hauptsächlich an historischen Gegebenheiten, wie z.B. die Französische Revolution oder den Nationalsozialismus.19 Der Staat ist die Gesamtheit der Institutionen, deren Zusammenwirken das dauerhafte und geordnetes Zusammenleben der in einem bestimmten abgegrenzten Territorium lebenden Menschen gewährleisten soll. Hinzu kommt, dass der Staat die Aufgabe hat, als ein Organismus das Funktionieren der Gesellschaft des Territoriums zu ermöglichen.20 Wie zuvor erwähnt, hat sich die Bedeutung des Begriffes Staat im Zeitablauf verändert. Die Französische Revolution beispielsweise verlieh dem Begriff Staat den Bezug zur Gegenwart. Danach richtete sich der Staat nach den Bedürfnissen der Gegenwart aus und nahm Änderungen, z.B. durch Reformen vor.21 Im Deutschen Reich erhielt der Staat als Machtstaat die Eigenschaft des Zwangs. Somit passte sich der Staat nicht den Bedürfnissen der Gegenwart an, sondern stellte seine Erwartungen an die Gesellschaft, welche diesen nachzukommen hatte.22 Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten nahm der Begriff Staat wiederrum eine andere Wendung an. Der Staat wurde zum Instrument der nationalsozialistischen Bewegung und diente den Nationalsozialisten einzig dazu, deren Ziele durchzusetzen.23

Den Juden wurde in der Geschichte vorgeworfen, dass sie sich gegenüber der Regierung eines Staates nicht oder nur eingeschränkt loyal verhielten und nur ihren eigenen Gesetzen gehorchten (Staat im Staate).24

4. Grundlegende Hintergrund-Informationen zum Verlauf der Staatsgründung Israels

4.1 Anfänge der jüdischen Zuwanderung in Palästina

Eine Annahme ist, dass um 1850 von 340.000 in Palästina lebenden Menschen ungefähr 300.000 Muslime, gefolgt von 27.000 Christen und 13.000 Juden waren.25 Schon vor der zionistischen Bewegung, also im Jahr 1882, kamen Zuwanderer nach Palästina.26 Die ersten Zuwanderer kamen hauptsächlich aus Russland bewegt durch die zionistische Bewegung, wodurch sich die Anzahl der Juden nach der Ankunft dieser in Palästina erhöhte. Im Jahr 1881 schätzt man die Zahl auf etwa 24.000.27

Diese Zuwanderung unterschied sich deutlich von der vorherigen Einwanderung, da sie nicht religiös begründet war.28 Die neuen Zuwanderer errichteten neue Siedlungen mit der Absicht, diese landwirtschaftlich zu betreiben. Dies bereitete ihnen zunächst große Probleme.29 In den folgenden Jahren bis 1904 wanderten immer mehr Juden nach Palästina aus. Die Anzahl der jüdischen Bevölkerung vergrößerte sich schließlich bis auf rund 50.000.30 Eine weitere Zuwandererwelle, von 1904 bis 1914, erhöhte die Gesamtzahl der der jüdischen Bevölkerung in Palästina auf ca. 85.000.31 Eine nicht ganz unwichtige Rolle in dieser Bevölkerungszunahme nahm dabei Großbritannien ein, da die Briten sowohl den Arabern, als auch den Juden Zusicherungen machten.32 1917 erhielt Großbritannien das Mandat für das palästinensische Gebiet und übernahm somit eine intervenierende Rolle zwischen den Arabern und Juden, welche jedoch erfolglos blieb.33 Der existierende Plan der Zionisten, die Zuwanderung zu vervielfachen, wurde 1922 von den Briten stark gebremst, da diese die Sorge hatten, dass die demographischen Bedingungen eine starke Zuwanderung seitens der Juden nicht ermöglichten und somit zu Auseinandersetzungen mit den Arabern führen könnten.34

Zwischen 1920 und 1923 kam es aufgrund der Förderung der Industrie, der Landwirtschaft, des Wohnungs- und Straßenbaus in dem Gebiet zu einer erneuten Einwanderungswelle mit ungefähr 30.000 Juden. Eine jüdische Arbeiterschicht entstand.35

Schon ab dem Jahr 1920 kam es zu vielen Ausschreitungen zwischen Juden und Arabern, wobei auf beiden Seiten viele Menschen starben.36 Dies versetzte die Briten in Besorgnis, welche eine Untersuchungskommission einberiefen. Diese kam zu dem Resultat, dass die enorme Zuwanderung der Juden und und die oben erwähnten Förderungsmaßnahmen zur zunehmenden Arbeitslosigkeit der Araber beitrugen. Dies trug zur zunehmenden Frustration der Araber bei, die schließlich zu Ausschreitungen führte.37 Eine zusätzliche Kommission unterstrich die wirtschaftlichen Erfolge der zugewanderten Juden, was ihnen letztendlich half, ein Einwanderungsstopp zu unterbinden.38

4.2 Von Zuwanderern zu Einheimischen

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte zur Folge, dass von 1933 bis 1935, 134.000 Juden nach Palästina auswanderten. Auch diese investierten in Landkäufe.39 Die anschwellende Frustration der Araber mündete in dem Arabischen Aufstand 1936, welcher bis 1939 Bestand hatte und viele Verluste auf allen drei Seiten, also auf arabischer, jüdischer und britischer, zur Folge hatte.40 Der Aufstand selber richtete sich nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen die Briten, da die Araber ihre Unabhängigkeit einforderten.41

Erneut setzten die Briten ein Untersuchungskommittee ein, welches 1937 die Idee der Teilung des Landes in zwei Staaten mit Großbritannien als Hoheitmacht hatten.42 Ein Ultimatum galt den Verhandlungsführern der Juden für den Fall der Nicht-Befolgung der Regeln mit dem Verbot von Landkäufen und mit der Verringerung der Anzahl der jüdischen Zuwanderer auf eine Zahl von 12.000 Juden auf bestimmte Zeit.43 Dieser Vorschlag und auch ein weiterer wurden jedoch von den Arabern abgewiesen. Als einziges Land von der arabischen Front stimmte Transjordanien dem Vorschlag zu.44 Zeitgleich suchten arabische Mächte den Kontakt zu den Nationalsozialisten, um vereint gegen die Juden agieren zu können. Dies stoß auf Entsetzen auf Seiten der Briten und folglich kam eine Zusammenarbeit mit den Arabern für die Briten nicht mehr in Frage.45 Die Zionisten hingegen schlossen sich dem britischen Kampf gegen die Nationalsozialisten an.46

Währenddessen versuchten die Zionisten die illegale Einwanderung verfolgter Juden aus Europa nach Palästina weiter fortzusetzen, was ihnen nicht immer gelang. Denn einige Schiffe wurden von den Briten entdeckt und alle Insassen wurden nach Zypern oder Mauritius ausgewiesen.47 Der Holocaust sorgte in vielen Ländern für Unterstützung für die Juden, um ihren eigenen Staat zu gründen.48 Da die Auseinandersetzungen in Palästina andauerten und Großbritannien zunehmend die Kontrolle verlor, übergab es 1947 die Kontrolle des Gebietes an die UN, welche das Ende des britischen Mandats in Palästina für den 15. Mai 1948 festlegte.49 Nach der Staatsgründung gab es einen Umschwung bei der Immigration. Denn zuvor hatten die Engländer die Immigration der Juden limitiert, was nun von der israelischen Übergangsregierung komplett annulliert wurde. Dies hatte zur Folge, dass eine jüdische Immigration stattfand, welche alle vorherigen Zahlen deutlich übertraf.50 Zu den ersten Zuwanderern des neu gegründeten Staates Israel gehörte eine beträchtliche Zahl von Juden aus Europa. Eine große Anzahl dieser neuen Zuwanderer waren in Europa verfolgte Juden und die Überlebenden der Konzentrationslager. In Summe emigrierten 1948/49 ungefähr 150.000 Juden.51 Von Mai 1948 bis 1951 erreichten um die 200.000 Überlebende aus ganz Europa Israel.52

4.3 Proklamation des Staates Israel

Hauptsächlich hatte das jüdische Volk bei dem Vorhaben ihren eigenen Staat zu gründen die Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion. Den Briten fiel es immer schwerer das Gebiet unter Kontrolle zu halten, da die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien, den Juden und den Palästinensern sich häuften. Diese Unordnung in Palästina hatte zur Folge, dass den Briten am 29. November 1947 das Mandat von der UNO entzogen wurde. Außerdem teilte die UNO das Gebiet in einen jüdischen und in einen arabischen Staat auf. Gegen diese Teilung waren alle arabischen Staaten. So kam es nach dem Teilungserlass der UNO zu Gefechten in Palästina mit der Beteiligung anderer arabischen Nationen. Das Ausmaß dieser Gefechte erkennt man daran, dass hierbei unter anderem jüdische Siedlungen erstürmt sowie auch jüdische Siedler vertrieben und ermordet wurden.53

Da das Mandat der Briten am 15. Mai 1948 endete, wurde am 14. Mai 1948 der jüdische Staat ausgerufen. Noch in dieser Nacht rückten alle arabischen Nachbarländer ein und beschlagnahmten die von der UNO für die Araber bestimmten Gebiete. Der Einmarsch wurde auf Seiten der Araber mit dem Schutz der arabischen Bevölkerung begründet.54

4.4 Jüdisch-arabischer Krieg

Zu diesem Zeitpunkt besaß der frisch ausgerufene israelische Staat noch keine Armee und war minimal ausgerüstet. Ein Vorteil für Israel war es jedoch, dass die die arabische Armee über kein richtiges Oberkommando verfügten, da sie sich aus den sieben Nationalitäten Palästina, Syrien, Libanon, Irak, Saudi-Arabien, Ägypten und Transjordanien zusammensetzte. Hinzu kamen eine laienhafte Ausbildung und eine mangelnde Begeisterung für den Kampf gegen die Juden.55 Zwar mangelte es auch den jüdischen Kämpfern an Erfahrung und einer guten Ausbildung, sie besaßen jedoch eine ganz andere Motivation. Ihnen war bewusst, dass eine Niederlage den Untergang des neu gegründeten Staates Israel und somit auch das Ende des Traumes des jüdischen Staates bedeutete.56 Eine ausgesprochen große Gefahr stellten die Truppen Ägyptens dar. Besonders bedrohlich waren auch die Truppen Transjordaniens, welche von den Briten trainiert und ausgerüstet worden waren. Die Zionisten pflegten schon vor dem Ausbruch des Krieges diplomatische Kontakte mit dem König Transjordaniens. So kam es, dass schon vor dem Beginn des Krieges über eine Aufteilung Palästinas verhandelt wurde.57

Am 28. Mai 1948 wurden die jüdischen Truppen zu einer Kapitulation in der Altstadt Jerusalems gezwungen und kamen in Kriegsgefangenschaft. Die Altstadt war verloren und wurde zerstört. Darüber wurden alle Juden in der Altstadt dazu gezwungen, diese zu verlassen. Andere jüdische Teile Jerusalems blieben unter jüdischer Kontrolle und es wurde weitergekämpft.58 Auch die Aufrufe der UNO zu einem Waffenstillstand wurden nicht erhört – vor allem nicht von der arabischen Seite. Die Sorge war zu groß, dass sie während eines Waffenstillstandes die Juden nicht mehr zum Abzug aus dem arabischen Raum veranlassen könnten.59 Nachdem die Juden bereits zugesagt hatten, sagte am 11. Juni 1948 auch die arabische Front einem Waffenstillstand zu, da die Juden mittlerweile ihr Luftwaffen aufgerüstet hatten und anfingen arabische Städte zu bombardieren.60 Trotz ausdrücklichen Verbots nutzten beide Seiten die Zeit des Waffenstillstandes, um sich für den weiteren Krieg vorzubereiten.61 Angesetzt war der Waffenstillstand bis zum 9. Juli. Am 7. Juli beantragte der UN-Sicherheitsrat eine Verlängerung des Waffenstillstandes, was von den Arabern jedoch abgelehnt wurde.62 Seitens der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika ernteten die Araber große Kritik, da sie diejenigen waren, die die Verlängerung des Waffenstillstandes ablehnten.63 Mit dem darauf folgenden Angriff seitens der Ägypter im Süden wurde der Krieg am 8. Juli fortgeführt.64 Die neue Periode des Krieges begann besser für die Juden als die erste, da sie den Waffenstillstand gut genutzt hatten. Die neu in Kraft getretene Wehrpflicht und auch eine Einheit von freiwilligen Kämpfern führte zu einer Neuaufstellung der Armee. Dies hatte zur Folge, dass die vorerst zurückhaltende israelische Armee zum Angreifer wurde und arabische Städte besetzte, diese bombardierte und die arabische Freiwilligenarmee in die Flucht schlug.65 Am 18. Juli kam es erneut zu einem Waffenstillstand, welcher sowohl von den Israelis als auch von den Arabern befürwortet wurde und kein Zeitlimit hatte.66

[...]


1 Asseburg, S. 11.

2 Lotem, S. 28.

3 Ebd.

4 Benz: Art. „Zionismus“ & Brunner: Art. „Staat und Souveränität“.

5 Krupp, Michael: Die Geschichte des Staates Israel. Von der Gründung bis heute, Gütersloh 1999. & Schliwski, Carsten: Geschichte des Staates Israel, Stuttgart 2012.

6 Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken, Weinheim 2010.

7 Nünning, S. 324.

8 Ebd.

9 Mayring, S. 56ff.

10 Mayring, S. 58f.

11 Mayring, S. 58.

12 Mayring, S. 59.

13 Köppe, S. 259f.

14 Benz: Art. „Zionismus“, S. 350.

15 Benz: Art. „Zionismus“, S. 351

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Brunner: Art. „Staat und Souveränität“, S. 1ff.

20 Brunner: Art. „Staat und Souveränität“, S. 61ff.

21 Brunner: Art. „Staat und Souveränität“, S. 31ff.

22 Brunner: Art. „Staat und Souveränität“, S. 88f.

23 Brunner: Art. „Staat und Souveränität“, S. 94f.

24 Benz: Art. „Staat im Staate“, S. 307ff.

25 Schliwski, S. 28.

26 Schliwski, S. 28f & 37.

27 Schliwski, S. 29.

28 Ebd.

29 Ebd.

30 Schliwski, S. 30.

31 Ebd.

32 Schliwski, S. 35f.

33 Schliwski, S. 37 & Krupp, S. 11.

34 Schliwski, S. 41f.

35 Schliwski, S. 43.

36 Schliwski, S. 50.

37 Ebd.

38 Schliwski, S. 51.

39 Schliwski, S. 51.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Schliwski, S. 52f.

43 Schliwski, S. 53.

44 Schliwski, S. 55.

45 Ebd.

46 Ebd.

47 Schliwski, S. 56.

48 Schliwski, S. 57.

49 Ebd.

50 Krupp, S. 19.

51 Krupp, S. 19f.

52 Krupp, S. 20.

53 Krupp, S. 12.

54 Krupp, S. 12f.

55 Krupp, S. 12.

56 Krupp, S, 13.

57 Krupp, S. 14.

58 Krupp, S. 15.

59 Krupp, S.15f.

60 Krupp, S. 16.

61 Ebd.

62 Krupp, S. 17.

63 Krupp, S. 18.

64 Krupp, S. 17.

65 Ebd.

66 Krupp, S. 18.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die Berichterstattung zur Staatsgründung Israels im SPIEGEL und AUFBAU
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
36
Katalognummer
V514936
ISBN (eBook)
9783346105929
ISBN (Buch)
9783346105936
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staatsgründung Israel, Israel
Arbeit zitieren
Dilan Erdogan (Autor), 2019, Die Berichterstattung zur Staatsgründung Israels im SPIEGEL und AUFBAU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514936

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