Die vorliegende Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars "Heimat reloaded – Deutung eines (un)populären Begriffs" im Fach Europäische Ethnologie. Ich möchte im Folgenden der Frage nachgehen, wie sich der Begriff "Heimweh" und das Verständnis dessen vom 17. Jahrhundert bis heute verändert und gewandelt hat.
Anhand einer Diskursanalyse soll die Frage nach der Veränderung beantwortet und der Wandel dargestellt und erklärt werden. Nachdem zunächst die Methode kurz erläutert wird, soll als Grundlage der nachfolgenden Thematisierung von Heimweh der Heimatbegriff selbst knapp diskutiert werden, um im Anschluss auf den Heimwehdiskurs, aufgegliedert in die einzelnen Jahrhunderte, einzugehen.
Als Hauptquelle dieser Hausarbeit diente mir das Werk "Heimweh. Studien zur Kultur- und Literaturgeschichte einer tödlichen Krankheit" von Simon Bunke aus dem Jahr 2009. Dieser erarbeitete und reflektierte in seinem Buch den Diskurs über Heimweh, Vorkommen des Begriffs in Literatur, Geschichte und Kultur, Bezüge zu anderen Themen, sowie verschiedene Persönlichkeiten, die sich zum Thema äußerten oder ausschlaggebende Aussagen tätigten. Auf Grund der Ausführlichkeit und Breite, die dieses Werk bietet, eignete es sich besonders gut als Hauptquelle meiner Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Diskursanalyse als Methodologie
3 Diskussion des Heimatbegriffes
4 Diskursanalyse – Der Begriff Heimweh im Wandel der Zeit
4.1 Der Diskurs im 17. Jahrhundert
4.2 Der Diskurs im 18. Jahrhundert
4.3 Der Diskurs im 19. Jahrhundert
4.4 Der Diskurs im 20. Jahrhundert
4.5 Der Diskurs heute
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht den historischen Wandel des Begriffs "Heimweh" vom 17. Jahrhundert bis in die heutige Zeit mittels einer Diskursanalyse. Ziel ist es, die Transformation der Wahrnehmung von einer tödlichen Krankheit hin zu einem individuellen emotionalen Gemütszustand zu dokumentieren und zu erklären.
- Historische Entwicklung des Heimweh-Diskurses
- Transformation des medizinischen Krankheitsverständnisses
- Diskursivierung des Heimwehs in Justiz und Forensik
- Heutige Relevanz und gesellschaftliche Einordnung
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Diskurs im 17. Jahrhundert
Der Grundstein des Heimweh-Diskurses wurde mit Johannes Hofers Dissertation „Dissertatio medica De Nostalgia, Oder Heimwehe“ gelegt. Der Schweizer Medizinstudent promovierte im Alter von 19 Jahren im Jahr 1688 über die Krankheit Heimweh. Er bezeichnete die damals neuzeitliche Krankheit als Nostalgia und beschrieb auf 22 Seiten Ursachen, den Verlauf, Heilungsmöglichkeiten sowie betroffene Personen.
Über Johannes Hofer selbst ist recht wenig bekannt, jedoch weiß man, dass er sich nach seiner Dissertation nicht mehr zum Heimweh-Diskurs geäußert hat und auch in keiner Form an diesem beteiligt war. Im Gegensatz zur bedeutenden Wirkung der „Dissertatio de Nostalgia“ für die Öffentlichkeit und den Heimweh-Diskurs spielte sie für den Autor selbst eher eine untergeordnete Rolle. Um Verwirrung zu vermeiden, muss gesagt werden, dass das Wort Nostalgia den Begriff Heimweh beschreibt und als lateinischer Fachbegriff verwendet wurde. Heimweh selbst war im späten 17. Jahrhundert bereits ein etablierter schweizerdeutscher Begriff und beschrieb einen, besonders Schweizer betreffenden Zustand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die methodische Vorgehensweise der Diskursanalyse und benennt die verwendete Hauptquelle von Simon Bunke.
2 Diskursanalyse als Methodologie: Dieses Kapitel definiert die Diskursanalyse als methodische Perspektive, die im Fach der Europäischen Ethnologie genutzt wird, um soziale Regelwerke zu untersuchen.
3 Diskussion des Heimatbegriffes: Es wird die Vieldeutigkeit und der stetige Bedeutungswandel des Begriffs "Heimat" als notwendige Grundlage für die nachfolgende Heimweh-Analyse diskutiert.
4 Diskursanalyse – Der Begriff Heimweh im Wandel der Zeit: Der Hauptteil gliedert sich in fünf Unterkapitel, welche die historische Entwicklung von der medizinischen Diagnose im 17. Jahrhundert über die militärische und juristische Bedeutung bis hin zum heutigen Verständnis als Gefühl und emotionale Reaktion aufarbeiten.
5 Fazit: Das Fazit reflektiert die erarbeiteten Ergebnisse und stellt den Wandel von der Krankheit zum subjektiven Gefühl sowie die Veränderung der diskursiven Akteure zusammenfassend dar.
Schlüsselwörter
Heimweh, Nostalgia, Diskursanalyse, Europäische Ethnologie, Heimatbegriff, Medizingeschichte, Forschungsgeschichte, Wandel, Johannes Hofer, Gefühl, Gemütszustand, Identität, Soziales Umfeld, Psychologie, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturwissenschaftlichen Untersuchung des Begriffs "Heimweh" und dessen Bedeutungswandel über mehrere Jahrhunderte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Wandlungsprozesse des Heimweh-Verständnisses, von einer pathologischen, teils tödlichen Diagnose im 17. Jahrhundert hin zu einer modernen, psychologisch betrachteten Emotion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den historischen Diskurs um das Phänomen Heimweh nachzuzeichnen und zu erklären, wie sich die Deutung dieses Zustands im Zeitverlauf verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, um Aussagen und Muster in verschiedenen Quellen, insbesondere in medizinischen und literarischen Texten, zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch den Diskursverlauf vom 17. Jahrhundert (Johannes Hofer) bis in die heutige Zeit, inklusive Einflüssen aus der Medizin, Justiz und modernen Ratgeberliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Heimweh, Nostalgia, Diskursanalyse, Identität, Medizingeschichte und Kulturgeschichte.
Welche Rolle spielt die Dissertation von Johannes Hofer für das Thema?
Hofer gilt als Begründer des medizinischen Diskurses über Heimweh, da er 1688 die "Nostalgia" als Krankheit beschrieb und damit den Grundstein für die weitere wissenschaftliche Diskussion legte.
Warum wurde Heimweh im 19. Jahrhundert zunehmend in juristischen Kontexten diskutiert?
Heimweh wurde als Krankheit anerkannt, die Sinne und Gedanken beeinflussen konnte, weshalb es in Gerichtsverfahren als mögliches Argument für eine verminderte Zurechnungsfähigkeit bei Straftaten herangezogen wurde.
Wie unterscheidet sich das heutige Verständnis von Heimweh von dem des 17. Jahrhunderts?
Während Heimweh früher als eine spezifische, teils körperlich tödliche Krankheit galt, wird es heute primär als ein subjektiver Gemütszustand oder eine emotionale Reaktion auf Trennung von Vertrautem verstanden.
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- Lara Fleischmann (Author), 2018, Der Wandel des Begriffs Heimweh vom 17. Jahrhundert bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514968