Dieser Text untersucht die Auswirkungen der verwandtschaftlichen Kategorie des Hauses anhand der Fernsehserie "Game of Thrones" und geht dabei auf Theorien der Verwandtschaftsethnologie ein.
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema Haus als Kategorie in der Verwandtschaftsethnologie und werde am Beispiel der popkulturellen Serie "Game of Thrones" erläutern, wie sich das Verständnis vom „Haus" auf die einzelnen Charaktere auswirkt. Ich habe dieses Thema gewählt, weil es mich interessiert, wie sehr und ob die Ethnologie uns helfen kann, popkulturelle Serien zu verstehen und zu erklären, und somit auch einen Bezug zu eigentlich nicht ethnologisch betrachteten Sachverhalten hergestellt werden kann.
Außerdem werde ich analysieren, ob das System der Häuser einen Kontrast zur Realität bildet, über den eine Aussage getroffen werden kann. Ich werde zuerst auf relevante Theorien der Verwandtschaftsethnologie eingehen, um einen geeigneten Rahmen zu schaffen und mich dann mit Levi-Strauss' Theorie über die Hausgesellschaft befassen, welche für meine Arbeit die meiste Relevanz hat. Anhand Levi-Strauss' Thesen über die Hausgesellschaft werde ich auf das gewählte Beispiel "Game of Thrones" eingehen und anhand einiger Charaktere Feststellungen über ihre Vorstellungen von Familie und Haus treffen.
Interessant ist auch die Betrachtung von Geschlecht und Geschlechterrollen in diesem Zusammenhang. Anschließend werde ich eine Gegenüberstellung zu den Adelshäusern des Mittelalters vornehmen und klären, was dort unter "Häusern" verstanden wurde und ob diese Häuser Merkmale einer Hausgesellschaft aufweisen. Zum Schluss meiner Arbeit werde ich Kritikpunkte aufweisen, welche bei der Betrachtung von Hausgesellschaften beachtet werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Haus in der Verwandtschaftsethnologie und im Beispiel „Game of Thrones“
2.1. Wichtige Theorien in der Verwandtschaftsethnologie
2.2. Das Haus und seine Auswirkungen auf Charaktere in „Game of Thrones“
3. Vergleich zum Mittelalter
4. Kritik
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Konzept des „Hauses“ als ethnologische Kategorie, um die Darstellung von Verwandtschaft, Macht und Geschlechterrollen in der populärkulturellen Serie „Game of Thrones“ zu analysieren und mit historischen Vorbildern aus dem Mittelalter in Bezug zu setzen.
- Anwendung der Theorie der „Hausgesellschaft“ nach Levi-Strauss auf fiktionale Charaktere.
- Analyse der Bedeutung von Abstammung, Loyalität und Familienehre für das Handeln der Akteure.
- Vergleich der fiktiven Adelsstrukturen in Westeros mit historischen Vorbildern des europäischen Mittelalters.
- Reflexion über den Einfluss von Geschlechterrollen und patriarchalen Strukturen innerhalb der „Häuser“.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Übertragbarkeit ethnologischer Konzepte auf popkulturelle Medien.
Auszug aus dem Buch
2.1 Wichtige Theorien in der Verwandtschaftsethnologie
Zunächst einmal, bevor ich mit der Analyse des Hauses im fiktionalen Beispiel Game of Thrones beginne, werde ich verschiedene, teils sich ergänzende Ansätze von Verwandtschaft beleuchten, die in der Ethnologie vorherrschend sind.
Als allgemeine Antwort auf die Frage, was genau Verwandtschaft umfasst, sei gesagt, dass es sich laut genereller ethnologischer Überzeugung als allererstes um die gesellschaftliche Organisation der Fortpflanzung handelt. In staatenlosen Gesellschaften stellt Verwandtschaft Ordnung her, indem unter anderem Erbe und Befugnisse festgelegt werden. Außerdem soll sie gesellschaftlichen Zusammenhalt herstellen und für Frieden sorgen.
Verwandtschaft kann aus zwei Perspektiven betrachtet werden, einmal horizontal als Affinitätsbeziehungen durch Heirat und auch als vertikale Abstammungsbeziehungen mit Loyalität und Konsanguinität, was vor allem als europäisch oder nordamerikanischer Phänomen betrachtet werden kann (Vorlesung Ethnologie KVG, 17.4.2019: 3).
Henry Morgan prägte als einer der ersten Ethnologen, die sich mit Verwandtschaft auseinandersetzen, zuerst die Begriffe der Klans, Phatrien und Stämme, ebenso der primitiven Promiskuität und der unilateralen Modelle, welche als patrilinear und matrilinear beschrieben wurden. Laut Morgan gibt es verschiedene Modelle um Verwandtschaft zu definieren, für ihn ist die Anrede ein zentraler Anhaltspunkt um ein Muster festzustellen (Vorlesung Ethnologie KVG, 17.4.2019: 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, das Konzept des „Hauses“ als ethnologische Kategorie mittels der Serie „Game of Thrones“ zu untersuchen und dabei theoretische Rahmen sowie Zielsetzungen zu definieren.
2. Das Haus in der Verwandtschaftsethnologie und im Beispiel „Game of Thrones“: Es werden grundlegende ethnologische Verwandtschaftstheorien (u.a. Levi-Strauss) dargelegt und deren Anwendung auf die fiktiven Adelsfamilien der Serie analysiert.
3. Vergleich zum Mittelalter: Dieses Kapitel setzt die fiktiven Häuser in Westeros in Relation zu historischen mittelalterlichen Dynastien und deren gesellschaftlichen Organisationsformen.
4. Kritik: Es findet eine wissenschaftliche Reflexion über die Grenzen der ethnologischen Konzepte und die Problematik der Anwendung westlich geprägter Standards auf fiktionale Medienwelten statt.
5. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Bedeutung des „Hauses“ als ordnende Kategorie trotz theoretischer Einschränkungen für das Verständnis der Serie bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Verwandtschaftsethnologie, Hausgesellschaft, Levi-Strauss, Game of Thrones, Adelsgeschlecht, Abstammung, Patriarchat, Geschlechterrollen, Mittelalter, Westeros, soziale Ordnung, Konsanguinität, Affinität, Dynastie, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konzepte von Verwandtschaft und die Bedeutung des „Hauses“ als soziale Kategorie anhand der Fernsehserie „Game of Thrones“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Verwandtschaftsethnologie, die Theorie der Hausgesellschaft, historische Vergleiche mit dem europäischen Mittelalter sowie patriarchale Strukturen und Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu analysieren, wie das ethnologische Konzept des „Hauses“ auf fiktionale Charaktere und Handlungsstränge in „Game of Thrones“ anwendbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine kulturwissenschaftliche und ethnologische Analyse, basierend auf Literaturrecherche und der Anwendung etablierter Theorien (insbesondere Levi-Strauss) auf ein modernes Medienphänomen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen der Verwandtschaftsethnologie, die spezifische Analyse von Charakter-Interaktionen innerhalb ihrer Häuser sowie einen Vergleich der fiktiven Serienwelt mit realen historischen Vorbildern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Hausgesellschaft, Verwandtschaft, Identität, Machtstrukturen und den interdisziplinären Vergleich zwischen Fiktion und Geschichte charakterisieren.
Wie beeinflusst der Status des „Hauses“ das Handeln der Charaktere in der Serie?
Das Haus fungiert als Identitätsrahmen und Handlungsbestimmer; es definiert Loyalitäten, Erbansprüche und gesellschaftliche Pflichten, wodurch individuelle Wünsche oft hinter die Interessen des Hauses zurücktreten.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der Machtausübung innerhalb der „Häuser“?
Die Arbeit stellt fest, dass die Machtstrukturen stark patriarchaler Natur sind, obwohl weibliche Charaktere gelegentlich versuchen, diese traditionellen Rollenbilder zu durchbrechen oder strategisch zu nutzen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Bieling (Autor:in), 2019, Auswirkungen des Hauses als verwandtschaftliche Kategorie in der Fernsehserie "Game of Thrones", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515023