Einleitung
Nach dem Professor für Schulpädagogik an der Universität Oldenburg Hilbert Meyer hängt die Frage, wie man als Lehrer seinen Unterricht gestaltet entscheidend davon ab, wie man die Lehrerrolle sieht und wie man sie ausfüllen möchte1. Gerade in diesem Bewusstsein müssen sich Lehramtsstudenten schon früh mit ihrer zukünftigen Rolle und ihrem Selbstverständnis als angehende Lehrer intensiv auseinandersetzen, um blind übernommene Vorurteile aus ihrer eigenen Schulzeit zu hinterfragen und sich kritisch mit verschiedenen Thesen aus der Didaktik und der Erziehungswissenschaft zu beschäftigen.
Angeregt durch das Hauptseminar "Lehrer handeln" möchte ich mich in der folgenden Hausarbeit vor allem mit meiner zukünftigen Rolle als Lehrerin auseinandersetzen. Welche Eigenschaften zeichnen einen guten meiner Meinung nach Lehrer aus? Worauf lege ich in der Unterrichtsgestaltung wert? Welche Erfahrungen habe ich bereits gesammelt und welche Rückschlüsse lassen sich daraus für mein weiteres Lehrerverhalten ziehen?
Durch den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt im Lehramtsstudium wird man als künftiger Lehrer nicht dazu motiviert sich mit seiner Vorstellung über den späteren Beruf zu befassen. Es kommt sogar dazu, dass man zwischen all den Magister- und Diplomstudenten vergisst, worin die spätere Aufgabe einmal bestehen wird. So leidet unter dem fachwissenschaftlichen Detailwissen nicht zuletzt das Selbstverständnis der Lehramtsstudenten. Fleißig werden Seminare besucht und viel Wissen wird erworben, doch Praxis und das spätere Berufziel rücken weitgehend in den Hintergrund. Man bekommt einen regelrechten Schock, wenn man realisiert, dass man für die "wirkliche Tätigkeit" in der Universität nicht vorbereitet wird. Zwar war mir diese Diskrepanz schon zu Beginn meines Studiums deutlich geworden, doch reizt es mich gerade in dieser Hausarbeit mein Selbstverständnis als künftige Lehrerin zu entwickeln und darzustellen.
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1 Vgl. Meyer, Hilbert: Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung, 12. Auflage, Berlin 1993, S. 83.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse ausgewählter Beispiele des Fragebogens
3. Analyse des Lehrerverhaltens am Beispiel von Mr. Keaton aus „Der Club der toten Dichter“
4. Begründung der wichtigsten Lehrerkompetenzen
5. Reflexion eigener Erfahrung aus Lehrerperspektive
6. Schlussbetrachtungen
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit reflektiert das Selbstverständnis und die zukünftige Rollengestaltung als Lehrerin vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Anforderungen und eigener Praxiserfahrungen.
- Analyse der persönlichen Grundmotivation für den Lehrberuf
- Auseinandersetzung mit dem Lehrerbild durch Filmanalyse (Mr. Keaton)
- Identifikation und Begründung zentraler Lehrerkompetenzen gemäß KMK-Standards
- Reflexion erster Praxiserfahrungen im Rahmen des Lehramtsstudiums
- Verknüpfung von pädagogischer Theorie mit individuellem Lehrerverhalten
Auszug aus dem Buch
Unterrichtsstil vom Mr. Keaton:
Er zeichnet sich durch eine unkonventionelle Art des Unterrichtens aus, welche im besonderen Kontrast zu den übrigen traditionellen Lehrern an dieser Schule steht. Sein Unterricht ist für die Schüler unterhaltend – die Aufmerksamkeit der Schüler ist ihm sicher. Dennoch empfand unsere Seminargruppe seinen Unterricht als sehr lehrerzentriert, da er das Geschehen dominiert und im Mittelpunkt steht. Die von ihm praktizierte Methode des handlungsorientierten Unterrichts ist heute zentral für viele didaktische Theorien. Die Schüler können nur das begreifen und in Kompetenzen umsetzen, was sie handelnd erschlossen haben. Aus Handeln folgt Verstehen! Seine Lerntheorie setzt auf Subjektaktivität und Individualität der Schüler. Er gibt Anregung zu Eigenproduktionen des Einzelnen und fördert nicht nur Reproduktion des von ihm Erzählten. Mr. Keaton zeigt viel Geduld und Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Schüler. Sein „aggressives“ Lehrerverhalten, d.h. die „Angriffe“ auf physischer und psychischer Ebene (zu sehen an dem einzelnen Schüler, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat), sehen wir als Grenzüberschreitung. Als Lehrer geht auf die Schüler ein.
Ist sein Unterricht dennoch sachorientiert? – ja und nein. Zwar geht die Vermittlung von Sachwissen größtenteils verloren und seine Methoden würden wir besser zur Übung, Vertiefung und Anwendung von Wissen einsetzen als zur Wissensvermittlung. Aber der Lehrer unterstützt die Schüler im Prozess des Schaffens und der Selbsttätigkeit.
Zusammenfassend lässt sich vor allem die Ambivalenz des Unterrichtsstils von Mr. Keaton aufzeigen. Sein Unterricht ist lehrerzentriert, aber dennoch handlungsorientiert, sachorientiert, aber dennoch schülerzentriert. Er unterstützt die Eigenproduktivität und die Schaffensprozesse, aber oft sind seine Schüler Instrumente für ihn auf dem Weg zu dem von ihm angestrebten Ziel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und der Relevanz einer frühen Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrerrolle.
2. Analyse ausgewählter Beispiele des Fragebogens: Reflexion der eigenen Berufsentscheidung und der prägenden Erfahrungen mit Lehrern aus der eigenen Schulzeit.
3. Analyse des Lehrerverhaltens am Beispiel von Mr. Keaton aus „Der Club der toten Dichter“: Kritische Untersuchung eines alternativen Unterrichtsstils und dessen Wirkung auf die Schüler.
4. Begründung der wichtigsten Lehrerkompetenzen: Auswahl und Erläuterung von fünf zentralen Kompetenzbereichen auf Basis der KMK-Standards für angehende Lehrer.
5. Reflexion eigener Erfahrung aus Lehrerperspektive: Analyse der ersten praktischen Unterrichtsversuche im Studium und deren Bedeutung für das eigene Rollenverständnis.
6. Schlussbetrachtungen: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Definition eigener Ziele für die zukünftige Unterrichtsgestaltung.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Richtlinien.
Schlüsselwörter
Lehrerrolle, Lehramtsstudium, Unterrichtsgestaltung, Lehrerkompetenzen, Reflexion, Handlungsorientierung, Schulpädagogik, Selbstverständnis, KMK-Standards, Lehrverhalten, Didaktik, Berufsanfang, Schülerorientierung, Leistungsbeurteilung, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dient als Portfolio zur Reflexion des eigenen Selbstverständnisses als angehende Lehrerin und untersucht die theoretischen Anforderungen an das Lehrerhandeln sowie die ersten eigenen Praxiserfahrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die individuelle Berufsbiografie, die Analyse von Lehrerstilen (exemplarisch an Mr. Keaton), die Auswahl relevanter Lehrerkompetenzen nach KMK-Standards und die Evaluation eigener Unterrichtsversuche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung einer eigenen professionellen Identität durch die kritische Auseinandersetzung mit Fachdidaktik, eigenen Erfahrungen und den Anforderungen des Lehrberufs.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Fragebögen, die filmische Fallanalyse, den Transfer von KMK-Kompetenzstandards auf die eigene Praxis sowie die reflexive Auswertung eigener Unterrichtsversuche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Schüler- und Lehrereigenschaften, die Untersuchung des Unterrichtsstils von Mr. Keaton, die Begründung fünf gewählter Lehrerkompetenzen und die Reflexion von im Studium gehaltenen Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Lehrerrolle, Handlungsorientierung, Reflexion, KMK-Standards, Unterrichtsqualität und berufliche Selbstbildung.
Warum wird das Beispiel von Mr. Keaton analysiert?
Der Film „Der Club der toten Dichter“ dient als Kontrastfolie zum traditionellen Unterricht, um anhand von Mr. Keatons Methoden das Spannungsfeld zwischen Lehrerzentrierung und Schülerorientierung aufzuzeigen.
Wie bewertet die Autorin ihre ersten eigenen Unterrichtsversuche?
Die Autorin reflektiert ihre ersten Stunden kritisch, betont die Bedeutung von Klarheit und Struktur und stellt fest, dass praktisches Handeln durch theoretische Vorbereitung allein nicht vollständig ersetzt werden kann.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2005, Reflexion der späteren Lehr- und Erziehungstätigkeit - Wie sehe ich meine zukünftige Rolle als Lehrerin?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51520