Einleitung
„Noch einmal also mit einem Worte: das Possenspiel will nur zum Lachen bewegen; das weinerliche Lustspiel will nur rühren, die wahre Komödie will beides.“ So und so ähnlich spricht Lessing über die Komödie und ihr beabsichtigtes Ziel. Doch wie erreicht man als Autor, dass der Leser lacht oder gerührt ist? Sind es nicht die Worte in den Dialogen, die das Lustspiel lebendig erscheinen lassen? Hat Lessing dies mit seinem Lustspiel „Minna von Barnhelm“ aus dem Jahre 1763 erreicht?
Diesen und anderen Fragen möchte ich mit dieser Hausarbeit nachgehen. Nach einer kleinen Einführung in die Biographie von Gotthold Ephraim Lessing werde ich anhand ausgewählter Beispiele die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren Minna von Barnhelm und dem Major von Tellheim hinsichtlich ihrer sprachlichen Gestaltungsmittel analysieren. Dabei werde ich versuchen die von Lessing verwendeten sprachlichen Mittel mit deren Bedeutung für das Lustspiel zu erklären, also Inhalt und Form miteinander zu verknüpfen. In kurzen Passagen werde ich die Geschichte dieses Lustspiels zwischen die zitierten Dialoge einfügen, um die Analyse nachvollziehbar zu machen. Besonders interessiert mich, wie und ob Lessing es schafft mithilfe kleiner sprachlicher Veränderungen die innere Wandlung der Personen aufzuzeigen.
Anschließend untersuche ich die erzielte Wirkung der „neuen“ Sprache Lessings auf den Leser. Was beabsichtigt er mit dieser Sprache und erreicht er seine beabsichtigte Reaktion? Mit dieser Hausarbeit möchte ich mich vor allem von der Sprachlichen Seite diesem Drama nähern und so zu einer kleinen Interpretation dieses Werkes zu gelangen.
Lessings Drama um den preußischen Major von Tellheim und das sächsische Fräulein von Barnhelm spielt am „22 August“ in einem Berliner Gasthof „Zum Könige von Spanien“. Die Handlung beginnt morgens und endet bereits am frühen Nachmittag. Verschiedene Räume des heruntergekommenen Gasthofes sind die Stätten des Geschehens. Das Jahr, in dem das Lustspiel passiert, wird nicht genannt. Jedoch gibt Lessing mit seinem Vermerk auf dem Titelblatt: „verfertigt im Jahre 1763“ den Hinweis, dass der Zeitraum am Ende des Siebenjährigen Krieges liegt. Lessing bedient sich hier einer kleinen Lüge, denn in Wirklichkeit wurde an dem Werk bis zum Jahre 1766 gearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiographie von Gotthold Ephraim Lessing
3. Sprachanalyse der Dialoge zwischen Minna und dem Major
4. Gesamtwirkung der Sprache und Bedeutung des Werkes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung in Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Lessing durch den bewussten Einsatz sprachlicher Mittel die innere Wandlung der Hauptfiguren Minna von Barnhelm und des Majors von Tellheim aufzeigt und welche Funktion dabei dem Kontrast zwischen verschiedenen Sprachformen im Kontext einer „Sprache des Herzens“ und des Verstandes zukommt.
- Biographischer Hintergrund zu Gotthold Ephraim Lessing
- Sprachanalytische Betrachtung der Dialoge zwischen Minna und dem Major
- Die Rolle der „Spiegelfunktion“ und der Rollenwechsel im Lustspiel
- Die Bedeutung der Sprache für die Charakterzeichnung und den Handlungsverlauf
- Gesamtwirkung der Sprache und Bedeutung des Werkes
Auszug aus dem Buch
3. Sprachanalyse der Dialoge zwischen Minna und dem Major
Nachdem der Major von Tellheim im ersten Aufzug seine Großzügigkeit bewiesen hat, indem er seinem Bediensteten Just trotz Geldnot die Schulden erließ, erfährt der Leser zunächst nicht den Grund von Tellheims Mittellosigkeit. Im ersten Gespräch mit ihrer Bediensteten Franziska lobt Minna von Barnhelm den Offizier Tellheim, mit dem sie verlobt ist wie sich später herausstellt.
„Das Fräulein: Es sind nicht alle Offiziere Tellheims. Die Wahrheit zu sagen, ich ließ ihm das Kompliment auch bloß machen, um Gelegenheit zu haben, mich nach diesem bei ihm zu erkundigen. Franziska, mein Herz sagt mir, dass meine Reise glücklich sein wird, dass ich ihn finden werde.“ (S. 23)
Bereits hier zeigt sich das Wesen der Minna ganz deutlich. Mit einer herzlichen offenen Sprache drückt sie hier ihre Gefühle für den Major aus. Der Leser bekommt nun erstmals gesagt, dass Minna auf dem Weg zu Tellheim ist. Dieses Verhalten war sehr untypisch für das damalige Frauenbild und charakterisiert Minna als eine fortschrittliche Frau, die bereit ist für ihre Wünsche zu kämpfen und sich über geltende Normen hinweg zu setzen. Es folgt eine Diskussion zwischen Franziska und Minna, in der Franziska ihrer Herrin klarmachen möchte, dass der Major Minna bereits vergessen haben könnte. Doch Minna lässt sich nicht von ihrem Weg abbringen und verteidigt Tellheim. Gestört wird das Gespräch durch das Eintreten des Wirtes, der von der Polizei angewiesen worden ist, Herkunft und Name jedes einkehrenden Gastes zu notieren. Der Leser erfährt jetzt, dass Minna aus Sachsen kommt und es wird deutlich wie gegensätzlich Minna und Tellheim sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach der Funktion der Sprache in Lessings Lustspiel und legt das methodische Vorgehen der Untersuchung fest.
2. Kurzbiographie von Gotthold Ephraim Lessing: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben und Schaffen von Lessing, von seiner Herkunft bis zu seinen wichtigsten literarischen Werken.
3. Sprachanalyse der Dialoge zwischen Minna und dem Major: Hier werden die zentralen Dialoge der beiden Hauptfiguren analysiert, um die Funktion von Sprache, Spiegelfunktion und Rollenwechsel im Handlungsverlauf aufzuzeigen.
4. Gesamtwirkung der Sprache und Bedeutung des Werkes: Das abschließende Kapitel bewertet die ästhetische und gesellschaftliche Relevanz des Lustspiels und reflektiert die Wirkungsgeschichte des Werkes.
Schlüsselwörter
Minna von Barnhelm, Gotthold Ephraim Lessing, Sprachanalyse, Lustspiel, Dialog, Major von Tellheim, Spiegelfunktion, Rollenwechsel, Aufklärung, Ehrbegriff, Sprachgestaltung, Literaturwissenschaft, Siebenjähriger Krieg, Komödie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Sprache in Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ anhand der Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen den Figuren, die sprachliche Mittel zur Charakterisierung und die Entwicklung des Konflikts im Lustspiel.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Lessing durch sprachliche Gestaltungsmittel die innere Wandlung der Figuren und die Wirkung des Lustspiels auf den Leser steuert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine textnahe Sprachanalyse, ergänzt durch die Heranziehung von Sekundärliteratur zur Interpretation und dramaturgischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Dialoge zwischen Minna und dem Major detailliert analysiert, wobei besonders die Spiegelfunktion und der Rollenwechsel hervorgehoben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Minna von Barnhelm, Sprachanalyse, Spiegelfunktion, Rollenwechsel, Ehrbegriff und das Lustspiel-Genre bei Lessing.
Welche Rolle spielt die „Spiegelfunktion“ im Dialog?
Minna verwendet die Sprache Tellheims, um ihm seine Widersprüche und sein überzogenes Ehrgefühl ironisch zu spiegeln und ihn so zum Nachdenken anzuregen.
Warum spielt der „Zufall“ eine wichtige Rolle für die Konfliktlösung?
Die Arbeit stellt heraus, dass der Konflikt nicht durch das Handeln der Figuren allein, sondern durch das „von außen“ kommende Königsschreiben entscheidend gewendet wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2004, Die Bedeutung der Sprache Lessings in dem Lustspiel Minna von Barnhelm am Beispiel der Dialoge zwischen Minna und dem Major, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51521