Die Bedeutung der Sprache Lessings in dem Lustspiel Minna von Barnhelm am Beispiel der Dialoge zwischen Minna und dem Major


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurzbiographie von Gotthold Ephraim Lessing

3. Sprachanalyse der Dialoge zwischen Minna und dem Major

4. Gesamtwirkung der Sprache und Bedeutung des Werkes

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Noch einmal also mit einem Worte: das Possenspiel will nur zum Lachen bewegen; das weinerliche Lustspiel will nur rühren, die wahre Komödie will beides.“[1] So und so ähnlich spricht Lessing über die Komödie und ihr beabsichtigtes Ziel. Doch wie erreicht man als Autor, dass der Leser lacht oder gerührt ist? Sind es nicht die Worte in den Dialogen, die das Lustspiel lebendig erscheinen lassen? Hat Lessing dies mit seinem Lustspiel „Minna von Barnhelm“ aus dem Jahre 1763 erreicht?

Diesen und anderen Fragen möchte ich mit dieser Hausarbeit nachgehen. Nach einer kleinen Einführung in die Biographie von Gotthold Ephraim Lessing werde ich anhand ausgewählter Beispiele die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren Minna von Barnhelm und dem Major von Tellheim hinsichtlich ihrer sprachlichen Gestaltungsmittel analysieren. Dabei werde ich versuchen die von Lessing verwendeten sprachlichen Mittel mit deren Bedeutung für das Lustspiel zu erklären, also Inhalt und Form miteinander zu verknüpfen. In kurzen Passagen werde ich die Geschichte dieses Lustspiels zwischen die zitierten Dialoge einfügen, um die Analyse nachvollziehbar zu machen. Besonders interessiert mich, wie und ob Lessing es schafft mithilfe kleiner sprachlicher Veränderungen die innere Wandlung der Personen aufzuzeigen.

Anschließend untersuche ich die erzielte Wirkung der „neuen“ Sprache Lessings auf den Leser. Was beabsichtigt er mit dieser Sprache und erreicht er seine beabsichtigte Reaktion? Mit dieser Hausarbeit möchte ich mich vor allem von der Sprachlichen Seite diesem Drama nähern und so zu einer kleinen Interpretation dieses Werkes zu gelangen.

Lessings Drama um den preußischen Major von Tellheim und das sächsische Fräulein von Barnhelm spielt am „22 August“ in einem Berliner Gasthof „Zum Könige von Spanien“. Die Handlung beginnt morgens und endet bereits am frühen Nachmittag. Verschiedene Räume des heruntergekommenen Gasthofes sind die Stätten des Geschehens. Das Jahr, in dem das Lustspiel passiert, wird nicht genannt. Jedoch gibt Lessing mit seinem Vermerk auf dem Titelblatt: „verfertigt im Jahre 1763“ den Hinweis, dass der Zeitraum am Ende des Siebenjährigen Krieges liegt. Lessing bedient sich hier einer kleinen Lüge, denn in Wirklichkeit wurde an dem Werk bis zum Jahre 1766 gearbeitet.[2]

2. Kurzbiographie

Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22. Januar 1729 als ältester Sohn des Pfarrers Johann Gottfried Lessing und seiner Frau Justine Salome, geb. Feller, in Kamenz in Sachsen geboren. Aus dieser Familie gingen zwölf Kinder hervor, davon waren zehn Söhne. Mit zwölf Jahren ging Lessing an die Fürstenschule St. Afra in Meißen und erwarb Kenntnisse der alten Sprachen und der Mathematik. Nach fünf Jahren verließ er, bereits ein Jahr früher als üblich, die Schule und nahm 1746 in Leipzig das Studium der Theologie auf, widmete sich aber nebenbei auch der Philosophie, Chemie, Mathematik, Archäologie und Philologie.

Im nächsten Jahr veröffentlichte er erste Gedichte und Erzählungen und verfasste seine ersten Lustspiele wie z.b. „Damon“ oder „Der junge Gelehrte“. 1748 wurde „Der junge Gelehrte“ mit Erfolg aufgeführt. Jedoch musste Lessing aufgrund des finanziellen Ruins der Schauspieltruppe nach Wittenberg fliehen, da er für diese gebürgt hatte. Die nächsten drei Jahre verbrachte er in Berlin, wo er als freier Schriftsteller und Journalist lebte. Werke wie „Die Juden“ und „Freigeist“ entstanden in dieser Zeit. Mit 22 Jahren siedelte Lessing wieder nach Wittenberg über, um den Magistergrad der Philosophie zu erwerben.[3]

Nach seiner Promotion am 29.April 1751 kehrte er nach Berlin zurück. Vier Jahre später stellte er das Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ in Potsdam fertig und veranlasste dessen Uraufführung. Mit einem Schlag wurde Lessing berühmt. Durch den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 musste er eine Europa-Reise mit dem Kaufmanns-Sohn Winkler abbrechen und besuchte Gleim in Halberstadt. Er zog nach Berlin und seine „Briefe, die neuste Literatur betreffend“ entstanden. In diesen erläuterte Lessing seine ästhetischen Ansichten, die ihn mehr und mehr von der französischen Literatur entfernten. Er verfasste Fabeln und den meisterhaften Essay über diese Literaturform. Der Soldatentod seines Freundes Gleist im Jahre 1760 traf ihn sehr schwer.[4] Fünf Jahre lang war Lessing nun Sekretär des Generals von Tauentzien in Breslau. Während dieser Zeit erschienen in zwei Bänden seine Übersetzungen „Das Theater des Herrn Diderot“. In der Konzeption entstand sein Lustspiel „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“, welches 1767 veröffentlicht wurde. Lessing wurde Dramaturg und Kritiker am neugegründeten deutschen Nationaltheater in Hamburg. In dieser Zeit schrieb er seine „Hamburgische Dramaturgie“, bestehend aus 204 Rezensionen, die er selbst „Stücke“ nannte. Als am 25. November 1769 das Nationaltheater wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst wurde, trat Lessing in Wolfenbüttel das Amt eines Bibliothekars des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig an.

Im Jahre 1771 verlobte sich Lessing mit der Witwe Eva König geb. Hahn und bereits im darauf folgenden Jahr wurde sein Trauerspiel „Emilia Galotti“ in Braunschweig uraufgeführt. 1776 wurde die Ehe zwischen Lessing und Eva König geschlossen und ein Jahr später wurde ein Sohn geboren, der aber kurze Zeit darauf starb. Zum Jahreswechsel ereilte Lessing der nächste Schicksalsschlag, auch seine Frau Eva starb. Von 1774 bis 1778 entstanden seine Werke „Anti-Goeze“, „Ernst und Falk“ Teile eins bis drei und viele mehr. Zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichte er sein wohl bekanntestes Werk „Nathan der Weise“ und vollendete 1780 seine Schrift „Die Erziehung des Menschengeschlechts“. Im Alter von 52 Jahren starb Gotthold Ephraim Lessing am 15. Februar 1781 an einem „Schlagfluß“ in Braunschweig.

3. Sprachanalyse der Dialoge zwischen Minna und dem Major

Nachdem der Major von Tellheim im ersten Aufzug seine Großzügigkeit bewiesen hat, indem er seinem Bediensteten Just trotz Geldnot die Schulden erließ, erfährt der Leser zunächst nicht den Grund von Tellheims Mittellosigkeit. Im ersten Gespräch mit ihrer Bediensteten Franziska lobt Minna von Barnhelm den Offizier Tellheim, mit dem sie verlobt ist wie sich später herausstellt.

„Das Fräulein: Es sind nicht alle Offiziere Tellheims. Die Wahrheit zu sagen, ich ließ ihm das Kompliment auch bloß machen, um Gelegenheit zu haben, mich nach diesem bei ihm zu erkundigen. Franziska, mein Herz sagt mir, dass meine Reise glücklich sein wird, dass ich ihn finden werde.“[5] (S. 23)

Bereits hier zeigt sich das Wesen der Minna ganz deutlich. Mit einer herzlichen offenen Sprache drückt sie hier ihre Gefühle für den Major aus. Der Leser bekommt nun erstmals gesagt, dass Minna auf dem Weg zu Tellheim ist. Dieses Verhalten war sehr untypisch für das damalige Frauenbild und charakterisiert Minna als eine fortschrittliche Frau, die bereit ist für ihre Wünsche zu kämpfen und sich über geltende Normen hinweg zu setzen. Es folgt eine Diskussion zwischen Franziska und Minna, in der Franziska ihrer Herrin klarmachen möchte, dass der Major Minna bereits vergessen haben könnte. Doch Minna lässt sich nicht von ihrem Weg abbringen und verteidigt Tellheim. Gestört wird das Gespräch durch das Eintreten des Wirtes, der von der Polizei angewiesen worden ist, Herkunft und Name jedes einkehrenden Gastes zu notieren. Der Leser erfährt jetzt, dass Minna aus Sachsen kommt und es wird deutlich wie gegensätzlich Minna und Tellheim sind. Das Lustspiel handelt in der Zeit nach Ende des Siebenjährigen Krieges, in welchem Preußen Sachsen besiegt hatte. Das Fräulein von Barnhelm aus dem unterlegenen Sachsen reist nun umher, den Major, der dem preußischen Heer angehörte, zu finden. Im Dialog mit dem Wirt erfährt Minna, dass Tellheim ihrem Verlobungsring beim Wirt versetzt haben muss und kauft ihm zurück. Auch erzählt ihr der Wirt, dass Tellheim noch vor einer Stunde im selben Wirtshaus geweilt habe und die Verwirrung nimmt ihren Lauf.

Lessing setzt hier bewusst dieses knappe zeitliche Verpassen der beiden, um den Leser in Spannung zu versetzen. Viele Fragen sind noch offen und den Leser interessiert, was wohl bei einem Wiedersehen der beiden passieren wird.

Der Bedienstete des Tellheims wird geholt und das Fräulein versucht sich als die Schwester des Majors auszugeben. Dieser Plan misslingt aber und so sagt sie:

„Das Fräulein: Gehen sie nur geschwind, Herr Wirt. Das will ich ja alles wieder gut machen. Franziska, lauf ihm nach: er soll ihm meinen Namen nicht nennen!“ (S. 34)

[...]


[1] Lessing, Abhandlungen von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele in Lessings Werke. Vollständige Ausgabe in 25 Teilen. , Hrsg. Julius Petersen und Waldemar von Olshausen. 20 Bde. Berlin/ Leipzig 1925-29, S.158, zitiert nach Jürgen Hein, Gotthold Ephraim Lessing, Minna von Barnhelm- Erläuterungen und Dokumente, Reclam Verlag Stuttgart, Stuttgart 1970, S. 91.

[2] Vgl. Kröger, Wolfgang: Literaturwissen Gotthold Ephraim Lessing. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH&Co. 1995, S. 37.

[3] Vgl. Heidenreich, Sybille: Erläuterungen zu Gotth. E. Lessing Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück. In: Königs Erläuterungen und Materialien. 4. erweiterte Auflage. Hollfeld: Bange Verlag 1977.

[4] Vgl. Matzkowski, Bernd: Erläuterungen zu Gotth. E. Lessing Minna von Barnhelm. In: Königs Erläuterungen und Materialien. Hollfeld: Bange Verlag 2001.

[5] Vgl. Hein, Jürgen: Gotthold Ephraim Lessing Minna von Barnhelm oder das Soldatenstück. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH 1996, S. 23

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Sprache Lessings in dem Lustspiel Minna von Barnhelm am Beispiel der Dialoge zwischen Minna und dem Major
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Germanistische Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Lessings Dramen
Note
2,0
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V51521
ISBN (eBook)
9783638474702
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Sprache, Lessings, Lustspiel, Minna, Barnhelm, Beispiel, Dialoge, Major, Dramen
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Die Bedeutung der Sprache Lessings in dem Lustspiel Minna von Barnhelm am Beispiel der Dialoge zwischen Minna und dem Major, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51521

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