Das Ziel der vorliegenden Masterthesis ist es, herauszuarbeiten, welche Auswirkung die zunehmende Relevanz von Initial Coin Offering (ICOs) auf das Beratungsgeschäft einer Bank haben kann beziehungsweise wie Banken diese neue Methode der Kapitalbeschaffung im Beratungsgeschäft nutzen können. Da das IPO bereits eine seit Jahren geübte Methode für die Eigenkapitalfinanzierung von Unternehmen ist, soll diese als Vergleichsmöglichkeit dienen, um auf dieser Basis Handlungsempfehlungen für Banken abzuleiten.
Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Forschungsfrage: Auf welche Weise lässt sich ICO in das Corporate-Finance-Geschäft einer Bank integrieren? Um alle relevanten Aspekte der Fragestellung im Detail zu berücksichtigen, lassen sich aus der zentralen Forschungsfrage weitere Forschungsfragen ableiten: Welche wesentlichen Unterschiede ergeben sich aus der neuen Technologie des ICO und des bisher geübten Prozesses des IPO? Inwiefern gibt es zwischen den beiden Verfahren Möglichkeiten zur Substitution oder Ergänzung? Welche Anpassungen müssten aus technischer oder rechtlicher Sicht erfolgen, damit ICOs in der Kapitalmarktberatung angewandt werden können?
Speziell bezugnehmend auf die Integration von ICOs in das Corporate-Finance-Geschäft einer Bank soll ein entsprechendes Geschäftsmodell entwickelt werden, wodurch sich folgende weitere Forschungsfragen ableiten lassen: Welche Anforderungsprofile (potenzielle Zielkundensegmente) können mit ICOs bedient werden und was ist die Value Proposition des Geschäftsmodells? Welche Beratungsprozesse oder -leistungen lassen sich für ICOs ableiten? Welche Infrastruktur wird für ICOs benötigt? Die zentrale Forschungsfrage und die daraus abgeleiteten Forschungsfragen werden anhand von Experteninterviews untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Persönliches Erkenntnisinteresse
1.3 Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
1.4 Ziele und (Forschungs-)Fragen
1.5 Methodisches Vorgehen
2 Theoretische Grundlagen: Begriffe und Konzepte
2.1 Eigenkapitalbeschaffung durch Unternehmen
2.2 Initial Public Offering (IPO)
2.2.1 IPO-Prozess
2.2.2 Rechtliche Grundlagen und aufsichtsrechtliche Voraussetzungen
2.3 Initial Coin Offering (ICO)
2.3.1 Blockchain
2.3.2 Kryptowährungen
2.3.3 Smart Contracts
2.3.4 Digitale ‚Assets‘
2.3.5 ICO-Prozess
2.3.6 Security Token Offering (STO)
2.3.7 Rechtliche Grundlagen
2.4 Modelle zur Beschreibung von Geschäftsmodellen
2.4.1 Diffusion von Innovationen
2.4.2 ‚Four Box Business Model Framework‘
2.4.3 Umsetzung neuer Geschäftsmodelle
3 Analysen zur Deckung des Informationsbedarfs
3.1 Empirische Untersuchung: Design und Durchführung
3.1.1 Forschungsdesign und Ablauf
3.1.2 Forschungsmethode und Datenerhebung
3.1.3 Interviewstruktur
3.1.4 Auswertung der Interviewergebnisse
3.1.5 Kritische Reflexion
3.2 Analyse von Studien und Literaturäußerungen
3.2.1 Vergleiche der Studien führender Unternehmensberatungen
3.2.2 Aktuelle Situation des Marktes für digitale ‚Assets‘
4 Auswertung der gewonnenen Kenntnisse
4.1 Vergleich von Initial Coin Offering und Initial Public Offering
4.1.1 Parallele Geschäftsmodelle oder Substitute
4.1.2 Disruptiver Charakter von Initial Coin Offering
4.2 Ableitung von Einsatzmöglichkeiten von Initial Coin Offering im ‚Corporate-Finance‘-Geschäft von Banken: Erste Hypothesen
5 Einsatzmöglichkeiten von ‚Initial Coin Offering‘ im ‚Corporate-Finance‘-Geschäft von Banken
5.1 Kapitalmarktgeschäft (M&A)
5.2 Beratungsmöglichkeiten kleinerer und mittlerer Unternehmen
5.3 Digitale Plattformen
6 Zusammenfassung der Ergebnisse in Thesenform
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis untersucht, wie sich die zunehmende Relevanz von Initial Coin Offerings (ICOs) auf das Beratungsgeschäft von Banken auswirkt und wie Finanzinstitute diese neue Methode der Kapitalbeschaffung strategisch in ihr Corporate-Finance-Geschäft integrieren können. Unter Verwendung des Initial Public Offerings (IPO) als Vergleichsmaßstab werden Handlungsempfehlungen abgeleitet.
- Vergleich der Kapitalbeschaffung mittels IPO und ICO
- Analyse der Marktbeschaffenheit und regulatorischer Rahmenbedingungen für digitale Assets
- Entwicklung von Geschäftsmodellen für Banken zur Nutzung von ICOs
- Identifikation von kritischen Erfolgsfaktoren wie Personalexpertise und IT-Infrastruktur
- Untersuchung von Kooperations- und Integrationsstrategien für Finanzinstitute
Auszug aus dem Buch
2.2.1 IPO-Prozess
Die meist in der Öffentlichkeit wahrgenommene finale Phase eines Börsenganges umfasst nur wenige Wochen, jedoch beginnt der Prozess für die erstmalige Emission von Aktien bereits 12-24 Monate vor dem eigentlichen ‚going public‘.21
Der IPO-Prozess lässt sich in drei wesentliche Phasen einteilen: Pre-IPO, Durchführungs und Vermarktungsphase, Post-IPO. Zum besseren Verständnis soll die folgende Darstel lung den Prozess des IPO veranschaulichen:
Fasst ein Unternehmen den Entschluss, sich Eigenkapital über einen regulierten Kapital markt mittels Ausgabe von Aktien einzuwerben, beginnt es den Prozess der Pre-IPO Phase (Vorbereitungsphase).
In der Pre-IPO-Phase werden erste grundlegende Schritte für den Börsengang vorberei tet. Einer der wesentlichen Schritte in dieser Phase ist die Herstellung der Kapitalmarkt reife des Unternehmens. Die Kapitalmarktreife lässt sich in drei wesentliche Bausteine aufteilen; die rechtliche, die organisatorische und die wirtschaftliche Börsenreife.23 Die rechtlichen Kapitalmarktreife umfasst in erster Linie die Anpassung der Rechtsform in eine börsenfähige Gesellschaftsform wie z. B. eine Aktiengesellschaft (AG) mit entspre chenden Organen (Vorstand, Aufsichtsrat) und Schaffung einer börsenfähigen Satzung.24
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich der Integration von ICOs in das Bankgeschäft.
2 Theoretische Grundlagen: Begriffe und Konzepte: Erläuterung der Grundlagen zu IPO, ICO und Modellen zur Geschäftsmodellentwicklung.
3 Analysen zur Deckung des Informationsbedarfs: Beschreibung des empirischen Forschungsdesigns mittels Experteninterviews sowie die Analyse relevanter Studien.
4 Auswertung der gewonnenen Kenntnisse: Vergleich von IPO und ICO sowie erste Hypothesen für das Corporate-Finance-Geschäft von Banken.
5 Einsatzmöglichkeiten von ‚Initial Coin Offering‘ im ‚Corporate-Finance‘-Geschäft von Banken: Anwendung des Four Box Business Model Frameworks auf die Integrationsmöglichkeiten von ICOs.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse in Thesenform: Synthese der wichtigsten Erkenntnisse in Form von Thesen.
Schlüsselwörter
Initial Coin Offering, Initial Public Offering, Corporate Finance, Blockchain, Tokens, Kapitalmarktrecht, Geschäftsmodell, Investmentbanking, Banken, Regulatorik, Smart Contracts, Krypto-Assets, Digitalisierung, Finanzierung, Finanztechnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Initial Coin Offerings (ICOs) das traditionelle Beratungsgeschäft von Banken im Bereich Corporate Finance beeinflussen und ob Banken diese neue Finanzierungsmethode nutzen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Vergleich zwischen dem etablierten Börsengang (IPO) und dem innovativen ICO, die regulatorischen Herausforderungen sowie die technologischen Grundlagen der Blockchain.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das es Banken ermöglicht, ICOs als Dienstleistung in ihr Angebot zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Forschungsmethode, basierend auf Experteninterviews mit Fachleuten aus dem Banking- und Fintech-Bereich sowie die Analyse aktueller Studien und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Rahmenbedingungen, führt eine empirische Untersuchung durch und bewertet die Substitutions- oder Ergänzungsmöglichkeiten von ICOs gegenüber klassischen Finanzierungsinstrumenten.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich maßgeblich auf Begriffe wie Initial Coin Offering, Corporate Finance, Blockchain, Regulatorik und Geschäftsmodellentwicklung.
Welche Rolle spielen Banken laut der Untersuchung?
Banken werden als vertrauensvolle Intermediäre gesehen, die ihre Kapitalmarktexpertise und ihren Kundenstamm nutzen können, um ICO-Projekte für professionelle Investoren und Emittenten zu strukturieren.
Wie bewerten die Experten das Risiko bei ICOs?
Das größte Risiko wird primär in der IT-Sicherheit, der regulatorischen Unklarheit sowie dem teilweise vorherrschenden "Scam-Image" gesehen, das den Ruf etablierter Finanzinstitute gefährden könnte.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Ist das Initial Coin Offering (ICO) das neue Initial Public Offering (IPO)?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515234