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Bürgerliche Zivilisierung in der Bretagne. Die Rolle der Sprache in den Zivilisierungsbestrebungen der bürgerlichen Gesellschaft

Titel: Bürgerliche Zivilisierung in der Bretagne. Die Rolle der Sprache in den Zivilisierungsbestrebungen der bürgerlichen Gesellschaft

Hausarbeit , 2018 , 23 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Michaela Klackl (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit thematisiert die "Zivilisierung der Peripherie durch die Bürgerlichkeit" am Beispiel der Bretagne im 17. und 18. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus auf der Rolle der Sprache als Identifikationsmerkmal und Zivilisierungswerkzeug. Die Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich macht es notwendig, Grundlagen zu klären und sich vor allem mit dem Begriff der "Zivilisierung" auseinanderzusetzen. So werden zunächst die Einheits- und Zentralisierungsbestrebungen im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts umrissen, gefolgt von einer kurzen Untersuchung der Bedeutung der Sprache in der Umstrukturierung. Anschließend wird die Zivilisierungstheorie nach Norbert Elias umrissen und ein Bogen zum hier behandelten Thema geschlagen. Anschließend wird der Frage nachgegangen, welche Position die bürgerliche Gesellschaft in diesem Modell einnimmt und welche Bedeutung der Diskurs hat.

Die folgenden Beispiele für die Einflussnahme auf die Peripherie sind besonders durch ihre Nähe zur Sprache als Identifikationsmerkmal ausgewählt worden. Zudem wir das Spannungsfeld zwischen Kirche und Bürgerlichkeit eröffnet, das einen enormen Einfluss auf das Schulsystem eingenommen hatte und sich nach und nach verlagert. Auch die Einflussnahme der Geheimgesellschaften und Assoziationsbewegungen wird kurz umrissen, da sie sich nicht nur in den Zentren, sondern auch in Provinzstädten größter Beliebtheit erfreut hatten und vor allem mit der Verbreitung literarischer Texte eine besonders große Reichweite erlangen konnten.

Das Beispiel der Bretagne ist eines von vielen Beispielen, in denen die Bedeutung der Sprache als ausgrenzender Faktor gegenüber Dialekten, Regiolekten oder sogar Fremdsprachen, die auf dem Staatsgebiet gesprochen werden, verstanden werden kann. Abschließend wird anhand eines deutschen Beispiels ein anderer Zugang zu Sprache und Bürgertum eröffnet, indem die Sprache als Sonderform als Merkmal von Bürgerlichkeit verstanden wird und als solche Definitionsgewalt behält.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Nation als Einheit

Die Rolle der Sprache

„Zivilisierung“?

Das Bürgertum

Der Diskurs

Einflussnahme auf die Peripherie

Die Kirche

Alphabetisierung

Das Schulsystem

Assoziationsbewegungen

Die deutsche Peripherie im Bürgertum: Eine Gegenüberstellung

Das Schulsystem

Resümee und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der „Zivilisierung der Peripherie durch die Bürgerlichkeit“ am Beispiel der Bretagne im 17. und 18. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie Sprache als zentrales Identifikationsmerkmal und Instrument zur Durchsetzung bürgerlicher Ideale und zentralstaatlicher Normen eingesetzt wurde, um bestehende regionale Strukturen und Dialekte zu beeinflussen bzw. zu verdrängen.

  • Die Rolle der Sprache bei der Konstruktion nationaler Einheit
  • Anwendung der Zivilisierungstheorie nach Norbert Elias auf gesellschaftliche Diskurse
  • Einfluss der Kirche und späterer staatlicher Schulpolitik auf die ländliche Bevölkerung
  • Die Bedeutung von Assoziationsbewegungen und neuen Organisationsformen für die bürgerliche Kultur
  • Vergleichende Perspektive auf die deutsche Peripherie und deren Umstrukturierung

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Sprache

Die Sprache ist ein wesentliches Mittel für die Identifikation mit einem größeren Ganzen, die sprachliche Vielfalt wurde jedoch unterdrückt und die Dialekte und Fremdsprachen wurden in Frankreich bereits vor der französischen Revolution verdrängt. Durch die Zentralisierungsbestrebungen, die die Verwaltung erleichtern sollten, wurde erst das Lateinische, dann das Französische als offizielle Gerichts- und Verwaltungssprache fixiert, das Bretonische und andere Sprachen und Dialekte wurden in die reine Mündlichkeit verdrängt, um die Vereinheitlichung zu unterstützen und der ethnischen Vielfalt ein wesentliches Identifikationsmerkmal zu nehmen und die Zentralisierung zu fördern.

Dies jedoch war kein einfaches Unterfangen: Am Ende des Ancien Régime waren zwei Drittel der Franzosen kaum mit der schriftlichen oder mündlichen Sprache in Kontakt gekommen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass sie Analphabeten waren, sondern vielmehr, dass sie sich eher im Einzugsgebiet nicht französischer Literatur befunden hatten. Zudem war das Interesse an einer rein schriftlichen Sprache, die nur zu Gerichts- oder Verwaltungszwecken verwendet wurde, besonders gering in den ländlichen Regionen, wo das gesamte Alltagsleben auf Baskisch, Flämisch, Bretonisch oder anderen Sprachen stattfand.

Unter der absolutistischen Herrschaft Ludwigs XIV. hatte sich vor allem Paris zum Zentrum der adeligen und durch das Bürgerrecht ausgezeichneten Gesellschaft aufgeschwungen, diese Elitenbildung verstärkte den Kontrast zwischen den ländlichen Provinzen und dem städtischen Zentrum noch.

Nach der französischen Revolution wurde die Vormachtstellung des Französischen als Sprache der Revolution und der Nation befördert, um das Einheits- und Gleichheitsgefühl der Revolution zu transportieren und zu bestärken. 1793 wurde ein Gesetz erlassen, das in jeder Gemeinde eine staatliche Schule vorsah, in der nur auf Französisch unterrichtet werden durfte. Bereits frühere Gesetzesvorlagen, die beispielsweise in der Bretagne, einen zweisprachigen Schulunterricht vorsahen, waren abgelehnt worden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Zivilisierung der Bretagne und die methodische Herangehensweise unter Nutzung der Zivilisierungstheorie.

Die Nation als Einheit: Analyse der Bemühungen, nach der Revolution ein kollektives Gedächtnis und Einheitsgefühl durch eine konstruierte Geschichte zu etablieren.

Die Rolle der Sprache: Untersuchung der Unterdrückung regionaler Sprachen zugunsten des Französischen als Instrument der Zentralisierung.

„Zivilisierung“?: Theoretische Verortung des Zivilisierungsbegriffs nach Norbert Elias und dessen Anwendung auf gesellschaftliche Kodes.

Das Bürgertum: Definition des Bürgertums als Führungsschicht und Träger neuer Werte, Normen und Lebensformen.

Der Diskurs: Erörterung der Bedeutung der Sprache für den Diskurs und die Rolle von Salons und Öffentlichkeit.

Einflussnahme auf die Peripherie: Darstellung der Strategien zur Beeinflussung der ländlichen Lebenswelt durch Kirche und Staat.

Die Kirche: Analyse des Spannungsfeldes zwischen religiös geprägter Lebenswelt und den Ansprüchen der Republik.

Alphabetisierung: Untersuchung der Bildungsziele und der Alphabetisierungsrate in ländlichen Regionen.

Das Schulsystem: Beschreibung der Entwicklung staatlicher Schulpflicht als Mittel zur Vereinheitlichung und Unterdrückung regionaler Sprachgruppen.

Assoziationsbewegungen: Überblick über Lesezirkel, Logen und Geheimgesellschaften als Träger bürgerlicher Kultur.

Die deutsche Peripherie im Bürgertum: Eine Gegenüberstellung: Vergleich der Entwicklungen in Deutschland, insbesondere Preußen, mit dem französischen Modell.

Das Schulsystem: Analyse der Schulentwicklung in Deutschland im Kontext von Konfessionalisierung und staatlicher Kontrolle.

Resümee und Fazit: Zusammenfassende Conclusio über die Rolle der Sprache im Zivilisierungsprozess und die langfristige Angleichung der Peripherie an die Zentren.

Schlüsselwörter

Zivilisierung, Bretagne, Sprache, Bürgertum, Zentralisierung, Bildungswesen, Nationalstaat, kollektives Gedächtnis, Diskurs, soziale Kodes, Assimilation, Frankreich, Schulpolitik, Aufklärung, Peripherie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht den historischen Prozess der Zivilisierung der Peripherie, speziell am Beispiel der Bretagne im 17. und 18. Jahrhundert, wobei die Sprache als zentrales Machtinstrument betrachtet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung bürgerlicher Kodes, der Sprachpolitik zur Zentralisierung, dem Einfluss von Kirche und Bildungssystem sowie der Rolle von Assoziationsbewegungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprache als ausgrenzender und identitätsstiftender Faktor fungierte, um eine homogene nationale Identität gegen regionale Traditionen durchzusetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine kultursoziologische Analyse, insbesondere unter Anwendung der Zivilisierungstheorie nach Norbert Elias.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Einflussnahme auf die Peripherie, die Rolle des Bürgertums als Definitionsmacht und vergleicht diese Entwicklungen mit Beispielen aus Deutschland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Zivilisierung, Bretagne, Sprache, Bürgertum, Zentralisierung, Bildungswesen und nationales Einheitsgefühl.

Wie unterscheidet sich die bretonische Situation vom deutschen Beispiel?

Während in der Bretagne die Unterdrückung regionaler Sprachen zugunsten des Französischen im Fokus stand, war im deutschen Raum die Standardisierung von Dialekten und die Rolle der Schulen zur religiösen und staatlichen Erziehung von besonderer Bedeutung.

Welche Rolle spielt die Kirche bei diesem Prozess?

Die Kirche war anfangs die primäre Instanz für Bildung in der Peripherie, wurde aber im Zuge der staatlichen Zivilisierungsbestrebungen zunehmend als Konkurrentin zur staatlichen Autorität angesehen und zurückgedrängt.

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Details

Titel
Bürgerliche Zivilisierung in der Bretagne. Die Rolle der Sprache in den Zivilisierungsbestrebungen der bürgerlichen Gesellschaft
Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Autor
Michaela Klackl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V515235
ISBN (eBook)
9783346106186
ISBN (Buch)
9783346106193
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bürgerliche zivilisierung bretagne rolle sprache zivilisierungsbestrebungen gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michaela Klackl (Autor:in), 2018, Bürgerliche Zivilisierung in der Bretagne. Die Rolle der Sprache in den Zivilisierungsbestrebungen der bürgerlichen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515235
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Leseprobe aus  23  Seiten
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