Im Rahmen dieses Moduls möchte die Autorin näher auf das Themenfeld der sozialen Interaktion, der Beziehungs- und Umweltgestaltung in Kindheit und Jugend eingehen. Ihr Fokus liegt dabei auf der Beziehungs- und Umweltgestaltung von Kindern unter drei Jahren in der frühkindlichen Betreuung, und in Institutionen für Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege. Denn speziell die öffentliche Betreuung von Kindern unter drei Jahren hat in den letzten zehn Jahren in Deutschland an großer Bedeutung gewonnen. Im Zuge des „Tagesbetreuungsausbaugesetzes“ (2005) aber auch des gesellschaftlichen Wandels, der Emanzipation und des aktivierenden Sozialstaates ist die Zahl der ein- bis dreijährigen in Kindertagesstätten von 286.905 (2006) auf 818.500 (2019) gestiegen.
Auch der Wandel der Familienstrukturen ist ein signifikanter Grund für die steigenden Zahlen. Hier weichen die Meinungen in den öffentlichen Fachdiskursen voneinander ab. Während z.B. Tyrell von einer De- Institutionalisierung spricht, betonen andere Autoren (wie z.B.: Beck 1986; Beck- Gernsheim 1990; Zapf 1992; Barabass und Erler 2002) zwar ebenfalls den Traditionsverlust, sehen aber in der Auflösung der Verbindlichkeiten einen Gewinn an individueller Freiheit, sie sprechen von einem „Individualisierungsprozess“. All diese und weitere Faktoren tragen zu einem Wandel von Kindheit bei. Rauschenbach (2009) spricht von einem „fundamentalen Gestaltwandel des Aufwachsens“ von Kindern. Meiner Meinung nach ist es nun Aufgabe der Sozialen Arbeit, dafür Sorge zu tragen, dass alle Aspekte, die bei der Entwicklung eines Kindes Einfluss haben, im Praxisalltag der Kindertagesstätten und anderen Institutionen berücksichtigt werden. Im Folgenden werde ich einige dieser Aspekte aufgreifen und die zentrale Bedeutung beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Frühe Kindheit
- Die Entwicklung der Kindertagesbetreuung
- Kinder unter drei Jahren in der öffentlichen Betreuung
- Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung
- Bindung und Bindungstheorien
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieses Modul analysiert die soziale Interaktion, Beziehungs- und Umweltgestaltung in der Kindheit und Jugend, mit einem besonderen Fokus auf die frühkindliche Betreuung von Kindern unter drei Jahren in Kindertagesstätten und Kindertagespflege. Der Text untersucht die wachsende Bedeutung der öffentlichen Betreuung in den letzten Jahren, beleuchtet die Herausforderungen und Chancen für die Entwicklung von Kindern in diesem Kontext und beleuchtet die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Spannungsfeld.
- Die Bedeutung der öffentlichen Betreuung von Kindern unter drei Jahren
- Die Herausforderungen und Chancen der frühkindlichen Betreuung für die kindliche Entwicklung
- Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Gestaltung von Beziehungen und Umwelten für Kinder
- Die Bedeutung von Bindungstheorien für die Arbeit mit Kindern
- Die Bedeutung von Sprachförderung und Bildungsprogrammen in der frühkindlichen Betreuung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Themenfeld der sozialen Interaktion, der Beziehungs- und Umweltgestaltung in Kindheit und Jugend ein. Der Fokus liegt auf der frühkindlichen Betreuung und den Herausforderungen und Chancen, die sie für die Entwicklung von Kindern unter drei Jahren bietet. Die steigende Bedeutung der öffentlichen Betreuung in den letzten Jahren wird beleuchtet, sowie die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Kontext.
Das erste Kapitel "Frühe Kindheit" definiert diesen Lebensabschnitt und gliedert ihn in verschiedene Phasen. Die Entwicklung der Betrachtung von Kindern als eigenständige Subjekte wird erläutert, sowie die Bedeutung der Erfüllung der Grundbedürfnisse für ihre Entwicklung. Rechtliche Veränderungen, insbesondere die UN-Kinderrechtskonvention, werden ebenfalls thematisiert.
Das zweite Kapitel "Die Entwicklung der Kindertagesbetreuung" beleuchtet den Wandel von der Ergänzung zur familialen Betreuung hin zu einer selbstverständlichen Sozialisationsinstanz und Bildungsangebot. Die Gründe für diese Entwicklung werden untersucht, einschließlich des Wandels in der Familienstruktur, der Emanzipation der Frau und der gesellschaftlichen Debatte um Teilhabechancen und Prävention von Armut.
Das Unterkapitel "Kinder unter drei Jahren in der öffentlichen Betreuung" fokussiert auf die besonderen Herausforderungen, die die Betreuung von Kindern unter drei Jahren für die Kindertagesstätten mit sich bringt. Die Bedeutung von Bindung, Beziehung und Sprachförderung wird betont, sowie die Herausforderungen, die sich aus dem unterschiedlichen Entwicklungsstand der Kinder ergeben.
Schlüsselwörter
Frühe Kindheit, Kindertagesbetreuung, öffentliche Betreuung, Bindungstheorien, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Emanzipation, Teilhabechancen, Prävention von Armut, Sozialarbeit, Kindertagesstätten, Kindertagespflege, Sprachförderung, Bildungsprogramme, Empathie, Stresshormon Cortisol, Traumatisierung, "Krippenreife".
Häufig gestellte Fragen
Warum ist die Betreuung von Kindern unter drei Jahren so stark gestiegen?
Gründe sind unter anderem das Tagesbetreuungsausbaugesetz von 2005, der gesellschaftliche Wandel, die Emanzipation der Frau und veränderte Familienstrukturen.
Was bedeutet der Begriff „Individualisierungsprozess“ in diesem Kontext?
Autoren wie Beck und Zapf sehen im Verlust traditioneller Familienbindungen einen Gewinn an individueller Freiheit, was als Individualisierungsprozess bezeichnet wird.
Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in der Frühpädagogik?
Die Bindungstheorie ist zentral für die Arbeit mit Kleinkindern, da eine sichere Bindung die Grundlage für eine gesunde Entwicklung und erfolgreiche Sozialisation in Krippen bildet.
Was versteht Rauschenbach unter dem „Gestaltwandel des Aufwachsens“?
Damit ist gemeint, dass Kinder heute immer früher und umfassender in öffentlichen Institutionen statt ausschließlich in der Familie aufwachsen.
Welche Herausforderungen ergeben sich für Fachkräfte in Kitas?
Fachkräfte müssen den unterschiedlichen Entwicklungsständen gerecht werden, Sprachförderung leisten und die psychischen Belastungen (z.B. Cortisolspiegel) der Kinder im Blick behalten.
Was thematisiert die UN-Kinderrechtskonvention in diesem Zusammenhang?
Die Konvention betont die Betrachtung des Kindes als eigenständiges Subjekt mit Rechten auf Schutz, Förderung und Beteiligung von früher Kindheit an.
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- Svenja Kruse (Autor), 2020, Lebenswelten und Methoden bei Sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515261