Lebenswelten und Methoden bei Sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Frühkindliche öffentliche Betreuung und Familie. Spannungsfeld oder Ergänzung?


Hausarbeit, 2020

10 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

l.FruheKindheit

2. DieEntwicklungderKindertagesbetreuung
2.1 Kinder unter drei Jahren in der offentlichen Betreuung
2.2 FachkrafteinderKindertagesbetreuung

3.BindungundBindungstheorien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieses Moduls mochte ich naher auf das Themenfeld der sozialen Inter-aktion, der Beziehungs- und Umweltgestaltung in Kindheit und Jugend eingehen. Meinen Fokus mochte ich auf die Beziehungs- und Umweltgestaltung von Kindern unter drei Jahren in der fruhkindlichen Betreuung, in Institutionen fur Kindertagesbe-treuung und Kindertagespflege legen, denn speziell die offentliche Betreuung von Kindern unter drei Jahren hat in den letzten zehn Jahren in Deutschland an groBer Bedeutung gewonnen. Im Zuge des „Tagesbetreuungsausbaugesetzes" (2005) aber auch des gesellschaftlichen Wandels, der Emanzipation und des aktivierenden Sozi-alstaates ist die Zahl der ein- bis dreijahrigen in Kindertagesstatten von 286.905 (2006) auf 818.500 (2019) gestiegen. (vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Ge-sellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/_inhalt.html) Auch der Wandel der Familienstrukturen ist ein signifikanter Grund fur die steigenden Zahlen. Hier weichen die Meinungen in den offentlichen Fachdiskursen voneinander ab. Wahrend z.B. Tyrell von einer De- Institutionalisierung spricht, betonen andere Autoren (wie z.B.: Beck 1986; Beck- Gernsheim 1990; Zapf 1992; Barabass und Erler 2002) zwar ebenfalls den Traditionsverlust, sehen aber in der Auflosung der Verbindlichkeiten einen Gewinn an individueller Freiheit, sie sprechen von einem „Individualisierungs-prozess". (vgl. Nave- Herz 2002, S. 12) All diese und weitere Faktoren, tragen zu ei­nem Wandel von Kindheit bei. Rauschenbach (2009) spricht von einem „fundamen-talen Gestaltwandel des Aufwachsens" von Kindern. Meiner Meinung nach ist es nun Aufgabe der Sozialen Arbeit, dafur Sorge zu tragen, dass alle Aspekte, die bei der Entwicklung eines Kindes Einfluss haben, im Praxisalltag der Kindertagesstatten und anderen Institutionen beriicksichtigt werden. Im Folgenden werde ich einige die-ser Aspekte aufgreifen und die zentrale Bedeutung beleuchten.

1. Friihe Kindheit

Als friihe Kindheit wird der Lebensabschnitt eines Menschen von der Geburt bis zum Schuleintritt bezeichnet. Dieser Lebensabschnitt lasst sich in die Phasen des Saug-lingsalters (1. Lebensjahr), des Kleinkindalters (2. und 3. Lebensjahr und des Kinder­garten- bzw. Vorschulalters (4. bis 6. Lebensjahr) unterteilen. Dank der zunehmenden Kooperation unterschiedlicher Disziplinen (u.a. Neurobiologie, Padiat-rie, Kinderpsychologie, Kleinkindpadagogik) werden Kinder heute von der Geburt an als eigenstandige Subjekte mit spezifischen Kompetenzen angesehen. Seit den 1990ern wird von einem sog. „kompetenten Saugling" ausgegangen, der bereits un-mittelbar nach der Geburt lern- und interaktionsbereit ist und das 21. Jahrhundert lieB das Kind in den ersten Lebensjahren nicht mehr als Objekt von Erziehung und Be-treuung, sondern als „Mensch in einer sensiblen Entwicklungsphase", der sich durch eine „extrem hohe Lernfahigkeit" auszeichnet, erscheinen. (vgl. https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/839_10574_BetreuteKindheit_Heit-koetter.pdf) Die Erfullung der Grundbedurfnisse in korperlicher, geistig - seelischer und sozialer Hinsicht, ist fur Kinder uberlebenswichtig. Diese Erkenntnisse liefien auch rechtliche Veranderungen entstehen. Die UN - Kinderrechtskonvention ver-pflichtet seitdem die Vertragsstaaten dazu, Kindern unabhangig von ihrem Alter um-fassenden Schutz-, Forderungs- und Beteiligungsrechte zu garantieren. Weiterhin werden seit 1968 Kinder von Geburt an uneingeschrankt als Grundrechtstrager aner-kannt. Fur die padagogischen Fachkrafte bedeutete dieser Perspektivenwechsel, nicht mehr vorrangig Kindern das „richtige" Verhalten anzuerziehen, sondern ihnen die Exploration bzw. die Erkundung ihrer Lebenswelt zu ermoglichen, sie in ihrem Er-kundungsdrang zu unterstutzen, lebensweltorientiert an Themen anzuknupfen und diese zu erweitern. (vgl. Maywald 2016, S.40)

2. Die Entwicklung der Kindertagesbetreuung

Von einer Erganzung zur familialen Betreuung und einer sehr privaten Entscheidung, entwickelte sich die Kindertagesbetreuung zu einer selbstverstandlichen Sozialisati-onsinstanz und einem Bildungsangebot fur Kinder vom Sauglingsalter bis in das Vorschulalter und machte gleichzeitig die Forderung von Kindern, in Institutionen fur Betreuung und Pflege, zum groBten Leistungsfeld der Sozialen Arbeit. Die Griinde fur diese Entwicklung lassen sich, wie bereits erwahnt, auf unterschiedliche Aspekte zuriickfuhren: z.B. auf der Seite der Eltern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Wandel der Familie aber auch der Wandel der Rolle der Frau (die Emanzipation). Auf sozialpolitischer Seite spielte die Debatte urn die Optimierung von Teilhabechancen und Prevention von Armut eine groBe Rolle. Mit dem Inkrafttreten des Kinderforderungsgesetztes (KiFoG) 2008, erfolgte stufenweise der Ausbau der Kindertagesbetreuung fur Kinder unter drei Jahren und seit August 2013 haben Kinder, ab der Vollendung des ersten Lebensjahres, einen Rechtsanspruch auf ein Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege. (vgl. Beneke 2016, S.779 f.)

2.1 Kinder unter drei Jahren in der offentlichen Betreuung

Wie bereits eingangs erwahnt, hat die offentliche Betreuung von Kindern unter drei Jahren mit dem Inkrafttreten des „Tagesbetreuungsausbaugesetzes" (2005) einen im-mensen Aufschwung erlebt. Die Betreuung von Kindern unter drei Jahren, stellt die Kindertagesstatten vor fachliche Herausforderungen, denn die Arbeit mit Kindern in diesem Alter stellt hohe Anforderungen an Bindung und Beziehung. Sprachforder-konzepte, Bildungsprogramme und die Zusammenarbeit mit Eltern riicken in den Hintergrund. Die kindliche Entwicklung verlangt einen feinfuhligen, entwicklungs-fordernden, Resonanz gebenden und begleitenden Umgang. Mimik und Gestik, non-verbale, korperliche Ausdrucksformen sind die Interaktionsmuster im Umgang mit den Kindern. Die sprachliche Entwicklung von Kindern dieses Alters befindet sich erst im Aufbau, dies lasst aufmerksames Wahrnehmen und Beobachten aber vor al-lem ein ausgepragtes Vermogen an Empathie, einen bedeutend hohen Stellenwert zu-kommen. (vgl. Beneke 2016, S.788 f) Empirische Studien konnten belegen, dass das Alter der Kinder in der Betreuung und der Umfang der Betreuung, entwicklungspsy-chologisch eine entscheidende Rolle spielt. Je langer die Kinder taglich in einem Be-treuungsverhaltnis untergebracht sind, desto hohere Werte des Stresshormons Cor­tisol konnen im Organismus nachgewiesen werden. Anhand von Langsschnittstudien konnte man einen Zusammenhang zwischen der Dauer der offentlichen Betreuung und spaterem aggressivem Verhalten in der Schullaufbahn feststellen. Laut des Me­morandum der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung" gilt: „ Jejunger das Kindje geringer sein Sprach- und Zeitverstdndnis, je kurzer die Eingewohnungszeit in Begleitung der Eltern, je langer der tdgliche Aufenthalt in der Krippe, je grofier die Krippengruppe, je wechselhafter die Betreuungen, umso ernsthafter ist die mogli-che Gefdhrdung seiner psychischen Gesundheit" Die „Krippenreife" eines Kindes sollte in jedem Fall individuell beurteilt werden, urn Traumatisierungen durch Trennungen und Verlustangste zu verhindern. (vgl. Deutsche Psychoanafytische Vereinigung 2007, S.4)

2.2 Fachkrafte in der Kindertagesbetreuung

Mit dem Wachsen der Bedeutung von Kindertagesbetreuung, entsteht innerhalb des Fachdiskurses die Frage, ob das notwendige Ausbildungsniveau der Fachkrafte aus-reichend ist oder ob es angehoben werden muss. In der Kinder- und Jugendhilfe ist das Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung das einzige, indem fast ausschlieBlich Fachkrafte mit einer Fachschulausbildung tatig sind. Zahlreiche Hochschulen bieten mittlerweile Studiengange im Bereich der Friihpadagogik an, doch bisher haben sich keine Aufgabenfelder im Bereich der Kindertagesbetreuung fur die Absolventen und Absolventinnen der Studiengange ergeben. Es bleibt abzuwarten ob im Zuge der Akademisierung die Leitungsstellen der Kindertagesstatten kunftig von Hochschul-absolventen und Hochschulabsolventinnen besetzt werden und diese durch ihre Er-kenntnisse aus dem Studium zu einer Erweiterung der Kompetenzen der Fachkrafte und damit einer qualitativen Verbesserung der padagogischen Arbeit beitragen kon-nen.(vgl. Beneke 2016, S.789 f)

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Details

Titel
Lebenswelten und Methoden bei Sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Untertitel
Frühkindliche öffentliche Betreuung und Familie. Spannungsfeld oder Ergänzung?
Hochschule
Fachhochschule Münster
Autor
Jahr
2020
Seiten
10
Katalognummer
V515261
ISBN (eBook)
9783346174338
ISBN (Buch)
9783346174345
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeit, sozialer, methoden, lebenswelten, kindern, jugendlichen, frühkindliche, familie, ergänzung, betreuung, spannungsfeld, kindertagesbetreuung
Arbeit zitieren
Svenja Kruse (Autor), 2020, Lebenswelten und Methoden bei Sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515261

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