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Verzweiflung und Authentizität. Eine produktive Weiterentwicklung von Kierkegaard

Title: Verzweiflung und Authentizität. Eine produktive Weiterentwicklung von Kierkegaard

Academic Paper , 2019 , 26 Pages , Grade: 5.5 (Schweiz)

Autor:in: Omar Ibrahim (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Kaum ein anderer Philosoph oder eine andere Philosophin hat sich so ausführlich mit unterschiedlichen existenzialen Positionen und Lebensverständnissen auseinandergesetzt wie Kierkegaard. Diese existenzialen Positionen, die von Kierkegaards Pseudonymen vertreten werden, verfolgen für ihn eine gemeinsame Strategie: Es geht ihm darum aufzuzeigen, dass die verschiedenen Lebensverständnisse allesamt misslingen und sämtliche Figuren auf ihre je eigene Art verzweifeln. Verzweiflung wird daher zum zentralen Thema bei Kierkegaard und auch der hier vorliegenden Arbeit.
Weshalb misslingen die verschiedenen Lebensverständnisse?
Es bleibt jedoch in Kierkegaards Werk ungeklärt, wie genau dieses Misslingen zustande kommt, auch wenn die Gründe dafür angegeben werden. Dies ist somit auch die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit. Es wird sich zeigen, dass die verschiedenen Lebensentwürfe dadurch misslingen, weil sie erstens versuchen, die oben genannten Spannungen zu überwinden und zweitens, weil sie daher dem totalisierten Zweifel über die eigene Authentizität verfallen. Es wird sich zeigen, dass die eigentliche Verzweiflung mit der Authentizität verbunden ist und dieses Verhältnis in einer Unbestimmtheit, in einem totalisierten Zweifel aufkommt. Eigentliche Verzweiflung ist der totalisierte Zweifel darüber, ob wir authentisch leben oder nicht (vgl. Kapitel 4). Für die Arbeit wollen wir Kierkegaard nicht als Existenzialisten, als Theologen, oder schlicht als Literaten verstehen, sondern wir beziehen uns auf die philosophische Anthropologie nach Wesche (2013). Zudem beschränken wir uns hierfür auf seine Werke Entweder - Oder (2014) und Die Krankheit zum Tode (2017). Dass beide Werke zusammenhängen, wird durch die internen Bezüge zueinander deutlich.
Der Aufbau der Arbeit sieht dementsprechend wie folgt aus. Kapitel 2 behandelt die verschiedenen Facetten und die oben erwähnten Spannungsverhältnisse der Kierkegaardschen Verzweiflung. Hierbei ist es wichtig, Unklarheiten, Widersprüche und Probleme aus Kierkegaards Theorie zu vernachlässigen und sie auf die relevantesten Punkte herunter zu brechen. Kapitel 3 zeigt daraufhin auf, wie aus der Verzweiflung die oben vorgeschlagene Hypothese vertreten werden kann. Das Kapitel 4 rundet die vorliegende Arbeit ab. Dabei werden weitere Anknüpfungspunkte vorgestellt und kurz erläutert, wie es möglich wäre, diese Spannungsverhältnisse auszuhalten und den Zweifel über die Authentizität gelassen hinzunehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verzweiflung: Ein komplexes Phänomen

2.1. Selbst und Authentizität

2.2. Gestalten der Verzweiflung

2.3. Phänomenologie der Verzweiflung

2.4. Existenziale Doppelspannung

2.5. Selbstbetrug und unbewusstes Scheitern

2.6. Schwäche und Trotz

3. Verzweiflung über die Authentizität

4. Schlussbemerkungen: Ausweg aus der Verzweiflung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Verzweiflung bei Sören Kierkegaard mit dem Ziel, die Gründe für das Misslingen menschlicher Lebensentwürfe aufzudecken. Ausgehend von der philosophischen Anthropologie wird die Forschungsfrage verfolgt, wie dieses Misslingen zustande kommt und welche Rolle der totalisierte Zweifel an der eigenen Authentizität dabei spielt.

  • Analyse der existenzialen Spannungsverhältnisse bei Kierkegaard.
  • Phänomenologische Untersuchung der Verzweiflung (Indolenz, Melancholie, Schwere).
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Lebensentwürfen des Ästhetikers und des Ethikers.
  • Weiterentwicklung der Kierkegaardschen Theorie durch den Begriff der Authentizität.
  • Erarbeitung der Gelassenheit als mögliche Antwort auf den existentiellen Zweifel.

Auszug aus dem Buch

Position von A und Kritik:

Der Ästhetiker A kann als Position des hedonistischen Individualismus verstanden werden (Wesche, 2013: 50). Ihm ist sowohl Genuss, als auch Unmittelbarkeit von höchstem Wert (Kierkegaard, 2014: 72). Seine Lebensgestaltung besteht demgemäss nicht im entschlossenen Wählen (vgl. 2.1.), sondern im schlichten Ausprobieren (Gräb-Schmidt in Deuser & Kleinert, 2017: 197). Er verkörpert damit die existenziale Position der nicht ausschöpfenden Möglichkeit. Nichts ist bestimmend für ihn, alles weist einen existenziell gleichen Wert auf und wird nur nach Lustmaximierung beurteilt. Allein die Möglichkeit x oder y zu entwerfen, ist für den Ästhetiker A schon Grund genug zur Befriedigung. Eine Ausführung von x oder y ist dabei nicht mehr nötig. Daher hat er auch kein Gefühl, sich einer Sache oder einem Gedanken zu verschreiben. Die Fantasie reicht ihm vordergründig als Mittel aus, sein Leben zu führen (Kierkegaard, 2017: 52).

Durch die Fantasie, sich in eine Unzahl von Möglichkeiten zu flüchten, gerät Ästhetiker A jedoch in eine Distanz zu seinem eigenen Selbst (Kierkegaard, 2017: 58). Er verfängt sich im Unendlichen und wird damit der Ansicht des Endlichen verlustig (Gräb-Schmidt in Deuser & Kleinert, 2017: 199). Dem Ästheten A fehlt es dementsprechend an Kontinuität und Sinn im Leben, da er keine Verantwortung für sich und seine Lebensgeschichte übernimmt (Kierkegaard, 2014: 750). Kurz, dem Ästheten A fehlt in seinem Lebensentwurf die Orientierung an Notwendigkeit und Endlichkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Bedeutung der Verzweiflung bei Kierkegaard ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Misslingens existenzialer Lebensentwürfe.

2. Verzweiflung: Ein komplexes Phänomen: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Anamnese der Verzweiflung, beleuchtet ihre verschiedenen Stufen und diskutiert die Ursprünge in den menschlichen Spannungsverhältnissen.

3. Verzweiflung über die Authentizität: Hier wird Kierkegaards Theorie weiterentwickelt, indem das Wollen des Selbst in den Kontext der Authentizitätsfrage gestellt und das Phänomen als totalisierter Zweifel interpretiert wird.

4. Schlussbemerkungen: Ausweg aus der Verzweiflung: Die Arbeit schließt mit der Reflexion über die Ergebnisse und schlägt die Kultivierung einer Gelassenheit als Möglichkeit vor, mit der Verzweiflung umzugehen.

Schlüsselwörter

Kierkegaard, Verzweiflung, Authentizität, Existenz, Selbst, Lebensvollzug, Spannungsverhältnisse, Ästhetiker, Ethiker, Gelassenheit, Zweifel, Phänomenologie, Unbewusstes Scheitern, Eigentlichkeit, Selbstwahl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Konzeption der Verzweiflung bei Sören Kierkegaard und analysiert, warum menschliche Lebensentwürfe gemäß seiner Theorie strukturell zum Scheitern verurteilt sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die existenzialen Spannungsverhältnisse (wie Endlichkeit/Unendlichkeit), die Struktur des Selbst, das Phänomen des Selbstbetrugs und die Frage nach authentischer Lebensführung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, das Misslingen menschlicher Lebensentwürfe durch eine interne Analyse von Kierkegaards Werken zu erklären und die Verzweiflung als totalisierten Zweifel über die eigene Authentizität zu bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen philosophisch-anthropologischen Ansatz, der sich hauptsächlich auf eine interne Analyse von Kierkegaards Texten ("Entweder - Oder" und "Die Krankheit zum Tode") stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Anamnese der Verzweiflung als Phänomen sowie eine theoretische Weiterentwicklung des Begriffs, wobei die Spannung zwischen Authentizität und Uneigentlichkeit im Fokus steht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Verzweiflung, Authentizität, Selbst, existenzielle Doppelspannung, Gelassenheit und Kierkegaard.

Was unterscheidet den Ästhetiker vom Ethiker laut dieser Analyse?

Der Ästhetiker flieht in die Unendlichkeit der Möglichkeiten ohne Verbindlichkeit, während der Ethiker sich in einer sturen Konzentration auf Pflicht und Notwendigkeit verliert; beide versuchen vergeblich, die existenzielle Doppelspannung aufzulösen.

Warum wird der Begriff "Gelassenheit" als Ausweg vorgeschlagen?

Gelassenheit wird als Haltung eingeführt, die es ermöglicht, die existenzielle Unsicherheit und den Zweifel anzuerkennen, ohne in irrationale Trotzreaktionen oder ein unauthentisches "Sich-Verlieren" zu verfallen.

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Details

Title
Verzweiflung und Authentizität. Eine produktive Weiterentwicklung von Kierkegaard
College
University of Bern  (Institut für Philosophie)
Grade
5.5 (Schweiz)
Author
Omar Ibrahim (Author)
Publication Year
2019
Pages
26
Catalog Number
V515319
ISBN (eBook)
9783346111449
ISBN (Book)
9783346111456
Language
German
Tags
verzweiflung authentizität eine weiterentwicklung kierekgaard krankheit zum tode
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Omar Ibrahim (Author), 2019, Verzweiflung und Authentizität. Eine produktive Weiterentwicklung von Kierkegaard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515319
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