Tiere im Winter: Ein Vergleich von selbständig hergestellten Tierspuren


Unterrichtsentwurf, 2006

43 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

- In den Gesprächsrunden und der Gruppenarbeitsphase soll Patrick durch ansprechendes Material und durch die Lehrperson immer wieder dazu angeregt werden, sich kommunikativ daran zu beteiligen und versuchen, seine Ideen und Erfahrungen den anderen Schülerinnen und Schülern mitzuteilen.

Wahrnehmung

In den Wahrnehmungsbereichen sind vor allem der auditive und der visuelle Bereich auffällig. Der taktil-kinästhetische Bereich scheint unauffällig zu sein. Im auditiven Bereich werden, wie oben im sprachlichen Bereich bereits näher erläutert, eine Störung der zentral-auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung und Probleme mit der auditiven Merkfähigkeit, vermutet.

Im visuellen Bereich hat Patrick Probleme beim räumlichen Sehen, bei der Auge-Hand-Koordination und bei der Raumlage. Er hat Schwierigkeiten beim Nachfahren auf der Linie, was auch mit seinen feinmotorischen Problemen zusammen hängen kann, und er schreibt Buchstaben und Zahlen oftmals spiegelverkehrt. Aufgrund dieser Auffälligkeiten wird Patrick bereits in einer Sehschule gefördert.

- Patrick werden durch das taktile Erarbeiten der Tierspuren (im Knet) und die die visuelle Wahrnehmung ansprechenden Materialien (Arbeitsanweisungen, Bilder, Symbole) weitere Möglichkeiten angeboten, um über diese Wahrnehmungskanäle die Informationen aufnehmen zu können.
- Die auditive Wahrnehmung wird durch die visuellen Hilfen begleitet und unterstützt.

Motorik

Patricks motorische Fähigkeiten sind ebenfalls nicht altersentsprechend. Im grobmotorischen Bereich fallen Schwierigkeiten beim Gleichgewicht, bei der Koordination und bei Überkreuzbewegungen auf. Ansonsten wirkt Patrick sehr flink und beweglich.

Im feinmotorischen Bereich fällt auf, dass Patrick noch große Schwierigkeiten beim Ausschneiden hat. Beim Schreiben wirkt seine Stifthaltung etwas zittrig und schwach und er braucht für Schreib- und Malarbeiten noch sehr lange.

- Da er im feinmotorischen Bereich noch etwas Schwierigkeiten hat, wird Patrick in der Gruppe mit den einfachsten Tierspuren (Reh) sein. Hier sind die Schablonen der Tierspuren nicht sehr kompliziert zum Ausschneiden und zum in den Knet drücken.

- Bei der zweiten Aufgabe der Gruppenarbeitsphase (Finden des richtigen Weges zum Futter) bekommt Patrick größer gestaltetes Material, damit ihm diese Aufgabe gelingt.

Kognitiver Bereich

Bei der Überprüfung des kognitiven Bereichs mit dem K-ABC schnitt Patrick im ganzheitlichen Denken durchschnittlich ab, hingegen das einzelheitliche Denken war signifikant schwächer. In den Untertests des ganzheitlichen Denkens wurden Stärken in den Bereichen des Sprachverständnisses, des Allgemeinwissens und des Verständnisses von Zusammenhängen und des Erkennens von Handlungsabläufen deutlich. Erhebliche Schwächen zeigten sich in den Untertests des einzelheitlichen Denkens, sobald die auditive Merkfähigkeit gefordert war. Beispielsweise schnitt Patrick in den Untertests Wortreihe und Zahlennachsprechen sehr schwach ab (→ Wahrnehmung; sprachlicher Bereich).

Beim Rechnen mit den Operationen Addition und Subtraktion fällt auf, dass Patrick Probleme mit der Abstraktionsfähigkeit hat. Er kann mit verschiedenen Materialien auf der enaktiven Ebene rechnen, in dem er sie dazu oder weg nimmt und abzählt. Auch Aufgaben auf der ikonische Ebene (Rechenbilder) gelingen ihm nach einer zusätzlichen Erklärung meistens. Aber schon einfachste Aufgaben auf der symbolischen Ebene (Rechenaufgaben nur durch Zahlen dargestellt) gelingen ihm kaum.

- Bei der zweiten Aufgabe der Gruppenarbeitsphase (Finden des richtigen Weges zum Futter) bekommt Patrick so gestaltetes Material, dass es ihm gelingt, den richtigen Weg zu finden.
- An den zusätzlichen visuellen Arbeitsanweisungen kann sich Patrick immer wieder orientieren, falls er den nächsten Schritt nicht mehr weiß.

Schulleistungen

Patrick gehört zu den schwächsten Schülerinnen und Schülern der Klasse. Aufgrund seiner Probleme im kognitiven Bereich und im auditiven Wahrnehmungsbereich kann er einzelne Laute und Silben nur schwer heraushören und sich diese nicht gut merken. Geht es hingegen um ganze Sätze, Reime oder Sprechverse, kann Patrick diese nach mehrmaligem Wiederholen problemlos nachsprechen.

Beim Schreiben verdreht Patrick teilweise noch die Buchstaben und hat Probleme, diese in den gewünschten Zeilen unterzubringen.

Im mathematischen Bereich kann Patrick sicher vorwärts bis 10 zählen, rückwärts hingegen gelingt es ihm nicht immer. Auch beim Finden von Nachbarzahlen, bei der Zahlzerlegung und bei der Addition und Subtraktion treten im Zahlenraum bis 10 noch Unsicherheiten auf, was ebenfalls mit seinen Speicherschwächen zusammen hängen könnte. Für Patrick ist es sehr hilfreich, wenn er Material, wie zum Beispiel Rechenschiffchen, zur Verfügung gestellt bekommt. Hierbei kann er dann die richtige Menge durch Abzählen ermitteln (→ kognitiver Bereich). In der Größen- und Längenvorstellung hat Patrick wahrscheinlich noch keine übermäßigen Erfahrungen gemacht, da er oft noch keine Vorstellung davon hat, wie groß oder lang etwas sein könnte.

In den verschiedenen MeNuK-Bereichen kann sich Patrick aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen meist gut beteiligen und sich trotz teilweise fehlendem Wortschatz gut mitteilen. Beim Thema „Tiere im Winter“ wird sich Patrick voraussichtlich gut beteiligen können, da er in diesem Bereich ziemlich sicher schon Erfahrungen gesammelt hat.

1.2.2 Individuelle Lern- und Förderziele von Patrick

Sprachliche Lern- und Förderziele:

- Patrick soll sich sprachlich möglichst in einem ganzen Satz äußern und seine Erfahrungen und Ideen in den Gesprächskreisen und Gruppenarbeitsphasen mitteilen.
- Durch immer wiederkehrende, gleichbleibende Satzmuster werden Patrick viele positive Sprachinputs geboten, damit er dieses Satzmuster bestenfalls auch selbst übernehmen kann. Diese Formate werden in den Gesprächsrunden, den Arbeitsphasen sowie im Einstieg und im Abschluss vorkommen. Dabei achtet die Lehrperson besonders auf Patricks Äußerungen und modelliert diese entsprechend.
- Patricks Wortschatz zum Thema „Tiere im Winter“ und zu der Größe „Längen“ soll durch die Arbeit mit diesen Wörtern in den Arbeitsphasen und die mehrmalige Wiederholung in den Gesprächsrunden erweitert und gefestigt werden.
- Patrick soll sich in der Gruppenarbeit kommunikativ beteiligen und mit anderen Schülerinnen und Schülern verhandeln.
- Patrick soll gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern seiner Gruppe die Ergebnisse der Gruppenarbeit den anderen Schülerinnen und Schülern verständlich präsentieren.
- Patrick soll beim Ausfüllen des Steckbriefes einfache Wörter zu den Bildern schreiben.

Soziale Lern- und Förderziele:

- Patrick soll die Gesprächsregeln beachten.
- Patrick soll sich bei der Gruppenarbeit einbringen und auch seine eigene Meinung oder Idee mitteilen.

Kognitive Lern- und Förderziele:

- Patrick soll, durch den handelnden Umgang mit ihnen, die Tierspuren kennen lernen und eine Größenvorstellung von ihnen bekommen.
- Patrick soll die Nahrung der Tiere kennen lernen und zuordnen können.
- Patrick soll die Vorgehenswiese beim direkten Vergleichen kennen, verstehen und anwenden können und die Sprech- und Schreibweise („ist größer als“ und „>“) des Größenvergleichs kennen und diese auch selbst anwenden.
- Patrick soll versuchen, den direkten, anschaulichen Größenvergleich mit Hilfe der Schreibweise auf die formale Ebene zu übertragen, indem er sie in dem Steckbrief festhält.

- Patrick soll bei der Herstellung der Tierspuren und dem Ausfüllen des Steckbriefes die Reihenfolge der Handlungsschritte verstehen und einhalten.

1.2.3 Individuelle Lernvoraussetzungen von Ebru

Ebru ist gegenwärtig 7;1 Jahre alt.

Sozialverhalten

Ebru verhält sich meist unauffällig, aber nicht immer so wie es von ihr gewünscht wird. Sie hat einen ausgeprägten eigenen Willen, den sie versucht, gegenüber MitschülerInnen und LehrerInnen durchzusetzen. Zu Beginn weigerte sie sich mehrmals, in den Stuhlkreis zu kommen oder eine andere Aufgabe zu erledigen. Inzwischen macht sie meist das, was von ihr verlangt wird, allerdings muss sie dazu direkt angesprochen werden. Auf allgemeine Anweisungen oder Zeichen (z.B. Klangstab) reagiert sie kaum. Dabei ist meist unklar, ob sie dies mit Absicht macht oder ob es mit ihrer auditiven Wahrnehmungsstörung zusammenhängt (→ Wahrnehmung).

In freien Phasen spielt sie meist allein oder mit ihrer Freundin und Nebensitzerin Larissa, die sie schon aus dem Kindergarten kennt. Zu den anderen Schülerinnen und Schülern sucht sie wenig Kontakt, wohl auch weil sie sich aufgrund ihrer Sprache nicht immer verständlich ausdrücken kann (→ sprachlicher Bereich). Wird sie von anderen Schülerinnen oder Schülern geärgert oder fühlt sich durch sie gestört, wehrt sie sich teilweise körperlich, in dem sie schlägt oder staucht.

- Ebru wird zu den Methodenwechseln eventuell von der Lehrperson nochmals direkt auf die neue Situation hingewiesen, um sicher zustellen, dass sie es auch mitbekommen hat.
- In der Gruppenarbeitsphase wird Ebru in der intensiver betreuten Gruppe sein, damit die Lehrperson gleich auf Ablenkungen oder Störungen eingehen kann.

Lern- und Arbeitsverhalten

Ebru arbeitet sehr langsam, weil sie sich oft selbst mit anderen Dingen ablenkt oder sich leicht ablenken lässt. Deshalb bringt sie selten ihre Aufgabe in der geforderten Zeit zu Ende. Fast immer benötigt sie zusätzliche Hilfe durch eine Lehrperson, weil sie die verbalen Arbeitsanweisungen wahrscheinlich nicht aufnehmen kann (→ Wahrnehmung; sprachlicher Bereich). Sie orientiert sich oft visuell an dem, was die anderen Kinder tun oder beschäftigt sich mit anderen Dingen.

In freien Phasen beschäftigt sie sich meist entweder mit dem Computer oder macht das, was ihre Freundin Larissa gerade macht. Allerdings arbeitet sie hier auch sehr langsam, lässt sich sehr leicht ablenken und bringt keine Aufgabe zu Ende, wenn keine Lehrperson nach ihr schaut.

In den Gesprächsrunden der Klasse zu Beginn einer Stunde oder bei einer Problemstellung beteiligt sich Ebru von sich aus selten. Oftmals träumt sie in diesen Phasen vor sich hin oder versucht, zu stören. Wird sie vorher direkt angesprochen und darauf hingewiesen, dass sie zuhören soll, kann sie direkt danach Fragen manchmal beantworten. Ist dies nicht der Fall, weiß sie meist nicht, worum es gerade geht. Ich vermute, dass sie aufgrund ihrer auditiven Wahrnehmungsstörung (→ Wahrnehmung) dem Geschehen nicht folgen kann, und sie, wenn sie nicht vor sich hin träumt, aufgrund von Langeweile versucht, zu stören, um so Aufmerksamkeit zu erlangen.

- In der heutigen Stunde muss darauf geachtet werden, dass Ebru oft direkt angesprochen und mit einbezogen wird. Vor allem in den verbal gesteuerten Unterrichtsphasen (Gesprächsrunden und Präsentation) muss darauf geachtet werden, dass Ebrus Aufmerksamkeit bei der Sache ist und sie dem Unterrichtsgeschehen folgen kann. Dies soll durch visuelle Hilfen (z.B. Bilder) noch zusätzlich unterstützt werden.
- Die Arbeitsanweisungen in den Arbeitsphasen müssen ihr wahrscheinlich nochmals persönlich durch die Lehrperson, mit visueller Unterstützung (z.B. Plakat mit Bildern/Symbolen) dieser, erklärt werden. Auch deshalb wird Ebru in der Gruppenarbeitsphase in der durch die Lehrperson intensiver betreuten Gruppe sein.

Sprachlicher Bereich

Ebrus Sprachstand ist sehr schwer zu beurteilen, weil sie nicht sehr viel spricht und deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Sie wächst zweisprachig (türkisch - deutsch) auf und zu Hause wird vermutlich nur türkisch gesprochen. Ebrus Sprachbeginn war erst sehr spät, etwa mit 3 Jahren. Nach Angaben der Mutter hat Ebru im Türkischen dieselben sprachlichen Auffälligkeiten wie im Deutschen. Sie hat eine sehr schwer verständliche, verwaschene Aussprache, ersetzt die Laute /sch/, /k/ und /g/ durch /ch/ und vereinfacht Konsonantenverbindungen (Bsp.: „Chatze“ statt „Katze“; „Bume“ statt „Blume“). Auch macht es oftmals den Eindruck, dass sie nur einen sehr eingeschränkten passiven und aktiven Wortschatz besitzt und sich viele Wörter nicht merken kann. Sie kennt noch nicht alle ihre Mitschülerinnen und Mitschüler mit Namen, fragt auch heute noch nach den Namen der Lehrerinnen und Lehrer und weiß einfache und oft vorkommende Wörter (Hase, Blatt) teilweise nicht. Dies hängt wohl mit den Problemen der auditiven Merkfähigkeit zusammen (→ Wahrnehmung).

[...]

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Tiere im Winter: Ein Vergleich von selbständig hergestellten Tierspuren
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart, Abteilung Sonderschulen  (Sprachbehindertenpädagogik)
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
43
Katalognummer
V51543
ISBN (eBook)
9783638474894
ISBN (Buch)
9783640857531
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tiere, Winter, Vergleich, Tierspuren
Arbeit zitieren
Vera Fechter (Autor), 2006, Tiere im Winter: Ein Vergleich von selbständig hergestellten Tierspuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51543

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