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Der Totentanz. Entstehung und Entwicklung eines Bildthemas

Title: Der Totentanz. Entstehung und Entwicklung eines Bildthemas

Seminar Paper , 2004 , 33 Pages , Grade: 1

Autor:in: Robert Gander (Author)

Art - Painting
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Summary Excerpt Details

Die Bildtradition des Totentanzes ist eine der populärsten Todesbilder, deren ununterbrochene Kontinuität vom Mittelalter bis in unsere Gegenwart zu beobachten ist. Damals wie heute bildet, wenn auch unter verschiedenen gesellschaftlichen Blickwinkeln, die zeitliche wie räumliche Allgegenwärtigkeit des Todes im Leben der Menschen die Kernaussage der Totentanzvorstellung. Der personifizierte Tod greift handelnd in das Leben der Menschen ein. In ihrer künstlerischen Umsetzung war die Bildidee im Laufe der Jahrhunderte mancher Veränderung unterworfen. Aus der ursprünglich mythisch-religiösen, auf das Jenseits gerichteten Vorstellung des Mittelalters wird eine vom Humanismus und der Reformation beeinflusste Ständesatire und gesellschaftliche Morallehre der Renaissance. Der vorwiegend sinnbildhaften Verwendung der Totentanzvorstellung im Barock folgt eine stete Verweltlichung im Zeitalter der industriellen Revolution. An die Stelle des mittelalterlichen Ständereigen („Kaiser, König, Bettelmann“) treten in neuerer Zeit Themen wie das mechanische Töten in Kriegen oder die Ängste vor neuen technischen Errungenschaften, wie der Eisenbahn und später des Autos und des Flugzeuges. Neben traditionellen Themen von überzeitlicher Bedeutung findet ebenso der Tod des Menschen im nuklearen Zeitalter Eingang in das Bildrepertoire der Totentanzdarstellungen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Vorläufer in der Todesdarstellung

3. Entstehung des Topos

3.1 Definition

3.2 Die Legende von den drei Lebenden und den drei Toten

3.3 Die Vado-mori-Verse

3.4 Der lateinische Totentanztext

3.5 Die Ars-moriendi

3.6 Memento-mori und die Conflictusliteratur

4. Früheste bildliche Darstellungen

4.1 Der Heidelberger Codex

4.2 Die Blockbücher

4.3 Die Pest als Ursache?

5. Erste Monumentalzyklen

5.1 La Chaise-Dieu

5.2 Aux SS. Innocents

5.3 Basler und Berner Totentänze

6. Tanzchoreografie

6.1 Tanz im Spätmittelalter

6.2 Der Kettenreigen bzw. Branle

6.3 Der paarweise Aufzug bzw. Basse danse

7. Der Basler Totentanz

7.1 Die Zeit, in der die Totentänze entstanden

7.2 Aufbau

7.3 Erste bezeugte Restauration im 16. Jahrhundert

7.4 Das Totentanzbild im 17. und 18. Jahrhundert

7.5 Abbruch im Zuge der Aufklärung

8. Die Geschichte des Lübecker Totentanzes

8.1 Urheberschaft

8.2 Aufbau

8.3 Restaurationen

8.4 Neuerungen im Bedeutungsgefüge

9. Holbeins Bilder des Todes

9.1 Das Ende der alten Idee

9.2 Das Weiterleben der alten Motive

10. Neuzeitliche Entwicklung

10.1 Barock

10.2 Profanisierung des Todes im 18. Jahrhundert

10.3 Historismus

10.4 20. und 21 Jahrhundert

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung, die ikonografische Entwicklung und die sich wandelnde Bedeutung des Totentanz-Motivs als Bildtradition vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. Dabei wird analysiert, wie sich die Darstellung des personifizierten Todes von einem religiösen Mahnmal hin zu einer gesellschaftskritischen oder profanen Ausdrucksform verändert hat.

  • Ikonografische Wurzeln des Totentanz-Topos in mittelalterlichen Legenden und Bußliteratur.
  • Entwicklung und choreografische Analyse der frühen monumentalen Totentanzzyklen.
  • Kulturelle Transformationen des Todesbildes in Renaissance, Barock und Aufklärung.
  • Einfluss sozioökonomischer Krisen wie der Pest auf die Verbreitung und Ausgestaltung des Themas.
  • Beispiele bedeutender künstlerischer Umsetzungen, insbesondere der Basler und Lübecker Totentänze sowie Hans Holbeins.

Auszug aus dem Buch

3.1 Definition

Die Bildfindung des Mittelalters ist die Darstellung von mit musizierenden Totengestalten gepaarten Ständepersonen in Reigen- oder Tanzhaltung. Die Lebenden sind nach einer bestimmten ständischen Reihenfolge angeordnet, begleitende Verse erläutern oftmals den Inhalt der dargestellten Szene. Der Totentanz definiert sich als eine Folge von Bildern bzw. Szenen mit einem allegorischen, moralischen oder satirischen Bezug, wobei in den nachmittelalterlichen Zyklen das Motiv des Tanzens bzw. des Musizierens in den Hintergrund tritt. Theoretische Grundlage für die Totentanzdarstellungen sind der Glaube an die Auferstehung im Jüngsten Gericht sowie die volkstümliche „Arme-Seelen“ – Vorstellung. Danach steigen die unerlösten Seelen zu mitternächtlicher Stunde aus ihren Gräbern auf und vollführen auf dem Friedhof einen makaberen Tanz.

Reiner Sörries definiert den Totentanz wie folgt: „Unter Totentanz versteht man im engeren Sinn die meist in Versen begleitete mittelalterliche Darstellung von mit Totengestalten gepaarten Ständepersonen in Reigen- oder Tanzhaltung, wobei oft eine Todesgestalt musiziert.“ Diese Begriffsbestimmung muss jedoch erweitert werden, denn unter einem Totentanz kann sowohl ein Tanz für als auch gegen die Verstorbenen verstanden werden (Zeremonien, um den Tod fernzuhalten, Trauer- und Erinnerungsriten).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführender Überblick über die ungebrochene Kontinuität des Totentanz-Motivs als Todesbild von der mittelalterlichen Ständesatire bis zur modernen nuklearen Bedrohung.

2. Vorläufer in der Todesdarstellung: Darstellung der historischen Entwicklung des Todesbegriffs von antiken Todessymbolen bis hin zur Entstehung der spezifisch christlichen Todes- und Heilsangst ab dem Jahr 1000.

3. Entstehung des Topos: Analyse der literarischen und religiösen Quellen des Totentanzes, einschließlich der Legende der drei Lebenden und Toten sowie der Bedeutung der Vado-mori-Verse.

4. Früheste bildliche Darstellungen: Betrachtung der ersten künstlerischen Umsetzungen, wie dem Heidelberger Codex, und der Diskussion über einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen der Pestepidemie von 1348 und dem Aufkommen des Bildthemas.

5. Erste Monumentalzyklen: Überblick über monumentale Freskenzyklen in La Chaise-Dieu und Aux SS. Innocents als Bilderpredigten für eine in Krisenzeiten verunsicherte Menschheit.

6. Tanzchoreografie: Untersuchung der verschiedenen Totentanz-Formen, insbesondere des Kettenreigens und des paarweisen Aufzugs, unter tanzgeschichtlichen und soziologischen Aspekten.

7. Der Basler Totentanz: Detaillierte Untersuchung des berühmtesten monumentalen Werkes des deutschsprachigen Raums, seiner Restaurierungsgeschichte und seines Untergangs in der Aufklärung.

8. Geschichte des Lübecker Totentanzes: Analyse dieses bedeutenden norddeutschen Werkes, seiner spezifischen Ikonografie und der Rolle der städtischen Auftraggeber bei der inhaltlichen Ausgestaltung.

9. Holbeins Bilder des Todes: Untersuchung der Holzschnittfolge von Hans Holbein d. J., die eine Wende zur Individualisierung des Todesbildes in der Renaissance markiert.

10. Neuzeitliche Entwicklung: Rückblick auf die Transformation des Motivs im Barock, der Aufklärung, dem Historismus sowie ausgewählte Beispiele des 20. und 21. Jahrhunderts.

Schlüsselwörter

Totentanz, Memento mori, Vanitas, Ständesatire, Pest, Ikonografie, Mittelalter, Hans Holbein, Basler Totentanz, Lübecker Totentanz, Todesdarstellung, Tanzchoreografie, Renaissance, Aufklärung, Bildgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Bedeutungswandel des Totentanz-Motivs in der Kunst, beginnend im Spätmittelalter bis hin zur heutigen Zeit.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Aspekte sind die ikonografischen Wurzeln, die tänzerische Choreografie, die Auswirkungen von Pest und Kriegen auf die Darstellung sowie die stilistischen Transformationen über verschiedene Epochen hinweg.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Weg des Totentanzes von einer ursprünglich religiös-moralischen Mahnung an die Allgegenwärtigkeit des Todes hin zu einer profanen und gesellschaftskritischen Ausdrucksform nachzuzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die sich auf Literaturanalyse, Quellenstudien und den Vergleich ikonografischer Merkmale stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der literarischen Vorläufer, die Untersuchung monumentaler Zyklen, die choreografische Einordnung sowie spezifische Fallstudien zu prominenten Werken wie dem Basler und Lübecker Totentanz und Holbeins Arbeiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Typische Begriffe sind Totentanz, Memento mori, Vanitas, Ständesatire und Ikonografie.

Warum spielt der Basler Totentanz eine so herausragende Rolle im Text?

Der Basler Totentanz gilt als das bedeutendste monumentale Werk des deutschsprachigen Raums, an dem die Entwicklung von den ersten Fresken bis zur bürgerlichen Ablehnung in der Aufklärung besonders gut abgelesen werden kann.

Was unterscheidet den Lübecker Totentanz von anderen Werken?

Er zeichnet sich durch seine spezifische großbürgerliche Auftragslage aus, bei der der Tod bestimmte Stände für ihre Arbeit und Fleiß sogar lobt, was die religiöse Komponente in den Hintergrund rückt.

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Details

Title
Der Totentanz. Entstehung und Entwicklung eines Bildthemas
College
University of Innsbruck
Course
Vanitas, Vergänglichkeit und Tod in der Kunst des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
Grade
1
Author
Robert Gander (Author)
Publication Year
2004
Pages
33
Catalog Number
V51559
ISBN (eBook)
9783638475006
ISBN (Book)
9783638661751
Language
German
Tags
Totentanz Entstehung Entwicklung Bildthemas Vanitas Vergänglichkeit Kunst Spätmittelalters Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Gander (Author), 2004, Der Totentanz. Entstehung und Entwicklung eines Bildthemas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51559
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