Individuum und Gesellschaft in der Schuloper "Der Jasager" von Bertolt Brecht


Hausarbeit, 2020

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Werk und der historische Kontext
2.1 Die Fabel
2.2 Aufführungshistorie

3. Die Bedeutung von Individuum und Gesellschaft in der Schuloper

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Schuloper Der Jasager von Bertolt Brecht. Bei dieser Schuloper wird das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft aufgegriffen, wobei sich im Stück die Frage aufdrängt, ob ein Mensch damit einverstanden sein muss, sich für eine Gesellschaft opfern zu müssen.1

Die Konfliktstruktur von Individuum und Gesellschaft wurde philosophisch und wissenschaftlich bereits sehr häufig thematisiert. Auch Brecht löste mit der Konzipierung dieses Stücks eine weitreichende Debatte aus.2 Im Vordergrund dieser Diskussion steht das Spannungsverhältnis von Einzelwohl und Gemeinwohl. Im Folgenden sollen nun die wesentlichen Aspekte inhaltlich herausgearbeitet werden, um den Aufbau der Handlung und die Konfliktstruktur vorzustellen. Es stellt sich nämlich die Frage, welche Bedeutung die Begriffe Individuum und Gesellschaft in der Schuloper tragen.

Es folgt eine kurze Einführung in das Werk und in den historischen Kontext. Anschließend wird die Bedeutung von Individuum und Gesellschaft aus der Schuloper herausgearbeitet und vorgestellt. Mit einem Fazit werden am Ende dieser Arbeit die Ergebnisse resümiert.

2. Das Werk und der historische Kontext

2.1 Die Fabel

Ein Lehrer besucht den Knaben und dessen Mutter, um sich zu verabschieden, da er für für eine Forschungsreise in die Berge muss. Der Knabe beichtet dem Lehrer, dass er ihn bei dieser Reise begleiten möchte, um für seine schwer kranke Mutter jenseits der Stadt Medizin und Unterweisung zu holen. Der Lehrer und die Mutter können den Knaben nicht davon abhalten die gefährliche Wanderung gemeinsam mit dem Lehrer anzutreten. Schließlich erlaubt die Mutter, dass der Knabe den Lehrer begleiten darf. Der Knabe ist den Anstrengungen dieser Reise jedoch nicht gewachsen. An einem schmalen Grat, den man nur mit beiden Händen zufassend an der Felswand überwinden kann, überlegen drei begleitende Studenten, ob sie dem großen Brauch folgen und den Knaben in das Tal hinab schleudern sollen. Der Brauch sieht aber vor, dass der Knabe gefragt wird, ob man wegen ihm umkehren soll. Des Weiteren sieht der Brauch auch vor, dass der Knabe antwortet, dass man nicht umkehren soll.

Der Knabe akzeptiert die Forderungen aus dem Brauch und gibt anschließend sein Einverständnis. Daraufhin stirbt der Knabe, nachdem die Studenten ihn hinabwerfen.

2.2 Aufführungshistorie

Der Text der Schuloper geht auf das japanische Nö-Spiel Taniko zurück.3 Elisabeth Hauptmann hatte englische Nachdichtungen japanischer Nö- Stücke von Arthur Waley ins Deutsche übersetzt.4 Kurt Weil hatte eine Übersetzung hiervon gelesen (Der Wurf ins Tal) und Brecht anschließend eine Überarbeitung vorgeschlagen.5 Die Kooperation wurde erfolgreich in die Wege geleitet, sodass am 23. Juni 1930 anschließend die Uraufführung in der Aula des Berliner Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht stattfand.6 Zum Zeitpunkt der Uraufführung wurde der Terminus Lehrstück gemieden, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass die Schülerinnen und Schüler zu einem „unreflektierten Jasagen im Sinne unbedingten Gehorsams“7 erzogen werden sollen.8 Anschließend wurde die Schuloper einer Schule zur Aufführung übergeben, um die Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler zu überprüfen.9 Die SuS haben im Aufführungsprozess Protokolle angefertigt, in denen der Tod des Knaben kritisiert wird und andere Lösungsmöglichkeiten gefordert werden.10 Diese Tatsache veranlasste Brecht dazu, den Jasager umzuschreiben und als Parallele dazu den Neinsager zu konzipieren.11

3. Die Bedeutung von Individuum und Gesellschaft in der Schuloper

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird im Stück die Frage aufgegriffen, ob ein Mensch damit einverstanden sein muss, sich für die Gesellschaft opfern zu müssen. Bereits an dieser Stelle kann man feststellen, dass es in dieser Schuloper ein tiefgreifendes Spannungsverhältnis von Individuum und Gesellschaft gibt.

Fest steht zunächst, dass das Stück eigentlich bereits eine Antwort auf die Frage gibt, ob ein Mensch sich für die Gesellschaft opfern muss. Das Einverständnis vom großen Chor in einer Art Prolog getragen und vom Kna- ben selbst geäußert belegt, dass der Knabe gelernt hat, sich für eine

Gemeinschaft zu opfern und alle daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen:12

DER KNABE: Ihr sollt nicht umkehren.

DER LEHRER: Verlangst du also, daß dir geschieht, wie allen geschieht?

DER KNABE: Ja.13

[...]


1 Näheres hierzu kann aus der Fabel im folgenden Kapitel entnommen werden.

2 Die Entwicklung der Schuloper erfolgte in Kooperation mit Kurt Weil und Elisabeth Hauptmann. Vgl. Knopf, Jan (1980): Brecht-Handbuch. Theater eine Ästhetik der Widersprüche. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler Verlag. S. 88 ff.

3 vgl. Krabiel, Klaus-Dieter (1993): Brechts Lehrstücke. Entstehung und Entwicklung eines Spieltyps. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler. S. 134.

4 vgl. ebd.

5 vgl. ebd.

6 Vgl. Fischer Quinn, Susanne (2007): Vom Gebrauch der Gebrauchsmusik Bertolt Brechts Kollaboration mit Paul Hindemith und Kurt Weil im Lehrstück und im Jasager. Mercer University: Athens, Georgia. S.44.

7 Knopf, Jan (1980): Brecht-Handbuch. Theater eine Ästhetik der Widersprüche. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler Verlag. S. 88.

8 Vgl. ebd. S. 88 ff.

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Knopf, Jan (1980): Brecht-Handbuch. Theater - eine Ästhetik der Widersprüche. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler Verlag. S. 89.

13 Brecht, Bertolt (Autor); et. al. (Hrsg.) (1999): Der Jasager und der Neinsager: Vorlagen, Fassungen, Materialien. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 54.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Individuum und Gesellschaft in der Schuloper "Der Jasager" von Bertolt Brecht
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politische Bildung in Zeiten gesellschaftlichen Wandels
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
10
Katalognummer
V515890
ISBN (eBook)
9783346112828
ISBN (Buch)
9783346112835
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Bildung, Der Jasager, Bertolt Brecht, Individuum, Gesellschaft, Einzelwohl, Gemeinwoh
Arbeit zitieren
Mahmud Tunc (Autor), 2020, Individuum und Gesellschaft in der Schuloper "Der Jasager" von Bertolt Brecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515890

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