Die vorliegende Arbeit will ein zusammenfassendes Gesamtbild phonematischer Paraphasien entwerfen. Hierzu werden, nach einer kurzen Einleitung zur Wernicke-Aphasie, phonematische Paraphasien zunächst in ihren verschiedenen Erscheinungsformen vorgestellt. Anhand einiger empirischer Untersuchungen soll gezeigt werden, worin sich phonematische Paraphasien von sprachgesunden Versprechern unterscheiden und welche charakteristischen Eigenschaften phonematische Paraphasien zueigen sind. Auf der Basis eines modularen Sprachproduktionsmodells soll dann geklärt werden, wie phonematische Paraphasien im Sprachproduktionsprozess entstehen können.
Die Beispieldaten sind sämtlich der angegebenen Literatur entnommen. Sie stammen ausschließlich von Wernicke-Aphasikern. Die Wernicke-Aphasie wurde hier speziell heraus gehoben, da für sie eine ausgeprägte Jargonbildung charakteristisch ist, welche im besonderen auch durch ein gehäuftes Auftreten von Neologismen gekennzeichnet ist. Phonematische Neologismen werden im Rahmen einer Relevanz für phonematische Paraphasien in dieser Arbeit ebenfalls berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
0.1 Problemstellung und Thematische Abgrenzung
1. kurze Einleitung zum Wernicke- Syndrom
1.1 Allgemeines
1.2 die Wernicke-Aphasie
2. phonematische Paraphasien
2.1 Klassifizierung
2.1.1 Substitutionen
2.1.2 Addition und Tilgung
2.1.3 Neologismen
2.1.4 Zusammenfassung
2.2 Strukturelle Analyse phonematischer Paraphasien
2.2.1 natürliche Beschränkungen des phonologischen Systems
2.2.2 segmentale Fehler
2.2.3 strukturelle Fehler
2.2.4 Zusammenfassung
3. ein psycholinguistischer Ansatz zur Erklärung phonematischer Paraphasien
3.1 Konzepte eines modularen Sprachproduktionsmodells
3.1.1 Garretts Modell der Satzproduktion
3.1.2 das erweiterte slots-and-fillers Modell nach Shattuk-Huffnagel
3.2 phonematische Fehlberechnungen im Modell
3.2.1 Substitutionen
3.2.2 Addition und Tilgung
3.2.3 Neologismen
3.2.4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein umfassendes Gesamtbild phonematischer Paraphasien bei Wernicke-Aphasikern zu entwerfen und deren Entstehung im Sprachproduktionsprozess auf Basis modularer Modelle zu erklären.
- Phänomenologie und Klassifizierung phonematischer Paraphasien
- Strukturelle Analyse und natürliche Beschränkungen des phonologischen Systems
- Vergleich zwischen sprachgesunden Versprechern und aphasischen Fehlleistungen
- Modulare Sprachproduktionsmodelle (Garrett, Shattuck-Huffnagel)
- Ursachen und Mechanismen der Entstehung phonematischer Paraphasien und Neologismen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 natürliche Beschränkungen des phonologischen Systems
Nach Keller/Leuninger(1993) gibt es innerhalb einer Sprache folgende Typen von Lautfolgen: Neologismen werden in den meisten Fällen vom Typ (Ib) sein. Dies gilt selbst bei Wernicke-Aphasikern mit starkem phonematischen Jargon. Erstaunlich ist, dass auch im Fall einer solch gravierenden Störung die Fähigkeit erhalten bleibt, die eigene Muttersprache von einer fremden oder gar Kunstsprache zu unterscheiden (Poeck(2000)). Was aber entscheidet darüber, ob eine Form nun eine mögliche oder nicht mögliche Form einer Sprache ist?
a) phonotaktische Beschränkungen
Jede Sprache hat definierte mögliche Phonemverbindungen, je nach Position innerhalb eines Wortes oder Morphems (Peuser/Winter (1992/1993)). Es handelt sich hierbei um Konsonantencluster, welche vor oder nach einer V Position innerhalb eines Wortes auftreten können, oder auch nicht. Beispielsweise stehen Nasale und Liquide einem Vokal generell näher als Obstruenten (Eisenberg (1998)). Die sprachspezifischen phonotaktischen Muster dienen einem sehr wichtigen Beschränkungsfaktor bei der Bildung von phonematischen Paraphasien. Bei Transpositionen werden auf diese Weise immer die spezifischen Sequenzregeln für die möglichen Cluster der jeweiligen Sprache eingehalten (Buckingham (1991)), so dass die Segmente nicht willkürlich an einen anderen Platz gesetzt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
0.1 Problemstellung und Thematische Abgrenzung: Einführung in das Ziel der Arbeit, ein Gesamtbild phonematischer Paraphasien unter Berücksichtigung empirischer Daten und modularer Sprachmodelle zu entwerfen.
1. kurze Einleitung zum Wernicke- Syndrom: Überblick über die klinischen Grundlagen der Aphasie und die spezifischen Merkmale der Wernicke-Aphasie, insbesondere im Hinblick auf Jargonbildung.
2. phonematische Paraphasien: Detaillierte Darstellung der Erscheinungsformen phonematischer Paraphasien sowie deren strukturelle Analyse anhand linguistischer Kriterien.
3. ein psycholinguistischer Ansatz zur Erklärung phonematischer Paraphasien: Anwendung modularer Sprachproduktionsmodelle, um die Ursachen und den Entstehungsprozess phonematischer Fehlleistungen theoretisch zu fundieren.
Schlüsselwörter
Wernicke-Aphasie, phonematische Paraphasien, Sprachproduktion, Sprachmodell, Neologismen, phonotaktische Beschränkungen, Sonoranzhierarchie, Silbenstruktur, Modularität, Lexikonzugriff, Monitoring, Versprecher, Sprachstörung, Neurolinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht phonematische Paraphasien, eine Form der lautlichen Sprachstörung, primär bei Patienten mit einer Wernicke-Aphasie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst die Klassifizierung von Paraphasien, die strukturelle Analyse unter phonologischen Gesichtspunkten sowie die theoretische Erklärung durch modulare Sprachproduktionsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie phonematische Paraphasien in den verschiedenen Ebenen des Sprachproduktionsprozesses entstehen und worin sie sich von Versprechern bei gesunden Sprechern unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse bestehender empirischer Daten und linguistischer Modelle (z.B. Garrett, Shattuck-Huffnagel) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Klassifizierung und strukturellen Analyse (z.B. Sonoranz, Silbenstruktur) sowie der psycholinguistischen Modellierung von Fehlberechnungen bei der Sprachplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wernicke-Aphasie, phonematische Paraphasien, Sprachproduktionsmodell, Silbenstruktur und Monitoring.
Warum ist das Monitoring bei Wernicke-Aphasikern von Bedeutung?
Ein gestörtes Monitoring bei Wernicke-Aphasikern führt dazu, dass Fehler in der Sprachproduktion oft nicht erkannt oder korrigiert werden, was das gehäufte Auftreten von Paraphasien erklärt.
Was unterscheidet phonematische Paraphasien von normalen Versprechern?
Während bei Gesunden meist nur ein Fehler pro Wort auftritt, zeigen Aphasiker oft eine massive Fehlerhäufung und strukturverändernde Prozesse, die über rein segmentale Fehler hinausgehen.
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- Dipl. Inf. Hermine Reichau (Author), 2002, Phonematische Paraphasien - am Beispiel der Wenicke-Aphasie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5159