Quantitative Untersuchungskonzeption zur Analyse des subjektiv erlebten Stresses während des beruflichen Pendelns und des Commitments zur Ableitung von Personalentwicklungsmaßnahmen


Studienarbeit, 2018

37 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Fundierung
2.1 Definition des Berufspendlers
2.2 Definition von Stress
2.3 Definition von Commitment

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Auswahl des Erhebungsinstrumentes
3.2 Anforderungen an quantitative Testformate
3.3 DasForschungsdesign

4. Anwendung
4.1 Die Konstruktionsstrategie
4.2 Konstruktion des Fragebogens

5. Projektplan Der Zeitplan für die Forschungsstudi

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Konstruktmodell zur Analyse beruflicher Pendler

Abbildung 2: Der Pendlerfragebogen: Begrüßung und Instruktionen

Abbildung 3: Der Pendlerfragebogen: Demographische Daten

Abbildung 4: Skala zu Stress Kontrolle und Vorhersehbarkeit nach (Evans et. al)

Abbildung 5: Der COMMIT (Felfe & Pundt)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Ableitung des Kategoriesystems

Tab. 2: Der ideale Prozessverlauf einer Befragung innerhalb eines Unternehmens.

1. Einleitung

Das Folgende Kapitel beschreibt die aktuell auftretenden Probleme von Organisationen, welche ihren Standort innerhalb des ländlichen-, als auch des städtischen Raumes vorweisen, sodass oftmals eine lange Pendelstrecke der Mitarbeiter in Kauf genommen werden muss, welche sich auf die Konstrukte des subjektiv erlebten Stress während des Pendelns und weiterführend auf das Commitment auswirkt. Daraufhin wird sowohl die Zielsetzung dieser Studie im Hinblick auf die nachfolgende Problemstellung als auch der Aufbau des theoretisch zu konzipierenden Tests beschrieben.

1.1 Problemstellung

Der rasant ansteigende technische Fortschritt innerhalb der letzten 20 Jahre bewirkt das stetig andauernde Etablieren neuer technischer Innovationen, welche einen beträchtlichen Einfluss auf den soziokulturellen und den ökonomischen Wandel ausüben. Das Einführen effizienter Verkehrssysteme, wie das der Eisenbahn, während der zunehmenden Industrialisierung in den 30er Jahren sowie den darauffolgenden Errungenschaften im Sektor der Mobilität bewirken, dass die ursprünglich enge Bindung von Wohn und Arbeitsort aufgehoben werden konnte (Dr. Lasch & Dr. Lemke, 2006). Durch diesen beschriebenen Fortschritt im Mobilitätssektor und der wachsenden Infrastruktur sind arbeitende Personen befähigt, einen weiteren Mobilitätsbereich als zuvor abdecken zu können. Denn durch diese hohe Mobilitätsstruktur sind Arbeitnehmer dazu befähigt Stellenangebote anzunehmen, welche eine hohe räumliche Distanz aufweisen, sodass 2012 bereits 40% der Berufstätigen täglich mehrere Kilometer für Hin und Rückweg zurücklegten, um an ihre Arbeitsstelle zu gelangen (WIDO, 2012). 16,91 Kilometer pendelten deutsche Staatsbürger 2016 durchschnittlich zur Arbeit. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) waren es 1999 noch 14,6 Kilometer gewesen. Die Zahl der Pendler erhöhte sich dabei ebenfalls auf 18,4 Millionen. Dies bietet arbeitstätigen Individuen interessante Berufsperspektiven, welche innerhalb ihres erweiterten Mobilitätsspektrums liegen. Das dauerhaft rhythmische Zurücklegen der räumlichen Distanz zur Arbeitsstätte birgt jedoch ebenfalls langfristige Risiken für die psychische Gesundheit des pendelnden Individuums (Feng & Boyle, 2013).

Es wird neuen Stressoren, wie dem Kontrollverlust bei Verkehrsstau oder der Verspätung des Zuges sowie einer generellen chronischen Zeitknappheit ausgesetzt (Hupfeld & Herdegen, 2013). Die Statistiken des Fehlzeitreports 2012 der AOK belegen ebenfalls die Zunahme der psychischen Belastungen (WIDO, 2012). Diese beschreiben die parallele Zunahme psychischer Erkrankungen im Zusammenhang mit der Länge des Anfahrtsweges und den Fehltagen an der Arbeitsstätte. Seit 1994 ist die Zahl der psychischen Erkrankungen um 120% angestiegen. Die Ausfallzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen betrugen 2011 im Schnitt 22,5 Tage je Fall und damit mehr als doppelt so lange wie andere Erkrankungen mit durchschnittlich 11 Tagen je Fall (WIDO, 2012).

1.2 Zielsetzung

Da diese zeitbedingten neuen Stressoren, welche durch das berufliche Pendeln zustande kommen massive Einwirkungen auf das Individuum vorweisen, welche schwerwiegender und facettenreicher sein können als der bisherige Stand der Forschung belegt, steht das pendelnde Individuum in dieser Studie im Fokus der Betrachtung. Vor dem Hintergrund der steigenden Fluktuationsraten (Im Jahr 2017 mussten 32% aller sozialversicherungspflichtigen Stellen in Deutschland neu besetzt werden (Haunschild & Burg, 2018)), wird der subjektiv erlebte Stress beruflicher Pendler diagnostiziert. Der Einfluss des subjektiv erlebten Stresses während des Pendelns auf das Commitment von Arbeitnehmern kann somit weiterführend analysiert werden, um Maßnahmen der Stressreduktion und der damit einhergehenden Steigerung des Commitment, wie z.B. potentielles Home-Office für Mittel und Langstreckenpendler, ableiten zu können, welche wiederum die Mitarbeiterfluktuation reduzieren.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im Folgenden wird sowohl der theoretische Hintergrund zu der gewählten Probandengruppe von Berufspendlem als auch die Konstrukte des Stresses und des Commitments definiert und weiterführend erläutert, um darauf weiter auf das methodische Vorgehen einzugehen. Dieses beinhaltet die Begründung des gewählten Verfahrens und dessen Anforderungen, das wissenschaftliche Design und die Konstruktionsstrategie zur Konzeption des Testformates.

Darauf wird das konzipierte Testformat anhand eines theoretisch konzipierten Strukturbaums aufgezeigt und spezifisch auf die Operationalisierung der Arbeitscharakteristika, des Stresses und des Commitment eingegangen. Weiterhin wird ein Projektablauf skizziert, welcher den Zeitplan und die Untersuchungsdurchführung darstellt.

2. Theoretische Fundierung

Das Folgende Kapitel beinhaltet sowohl die theoretische Fundierung der Zielgruppe von Berufspendlem, als auch die theoretischen Grundlagen der gewählten Konstrukte des Stresses und des Commitments.

2.1 Definition des Berufspendlers

Rund 230 Milliarden Kilometer legen die Deutschenjedes Jahr während ihres Weges zu deren Arbeitsstätte zurück. Vor 40 Jahren belief sich die Anzahl der Kilometer auf 124 Milliarden Kilometer (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 2016). Das berufliche Pendeln bzw. „die sogenannte Verkehrsmobilität, die auch zirkuläre Mobilität genannt wird, bezieht sich auf regelmäßig ablaufende Verkehrsabläufe, wie die der täglich wiederkehrenden Ortsveränderungen von Personen auf dem Arbeitsweg“ (Hautzinger & Pfeiffer, 1996). Köberlein definiert 1997 berufliche Pendler im Verkehrslexikon als „Personen, deren Wohnsitz und Arbeits bzw. Ausbildungsstätte an räumlich voneinander getrennten Orten befinden und deshalb regelmäßig Fahrten mit öffentlichen und nicht öffentlichen Verkehrsmitteln durchführen müssen. Als Unterscheidungskriterien können räumliche, zeitliche, funktionelle oder entfernungsbezogene Fahrtenmerkmale herangezogen werden.“ (Köberlein, 1997) Das zeitliche Fahrtenmerkmal als Differenzierungskriterium definiert Stadler, Fastenmeier, Gstalter und Lau (2000) „alsjene Personen deren Fahrt zur Arbeit mindestens 45 Minuten beträgt.“ (Gstalter, Lau, Stadler, & Fastenmeier, 2000). Die räumliche Distanz zieht Kronister als Merkmal des Pendelns heran: Pendler sind nach Kronister „unselbständig Beschäftigte, die auf dem Weg zur Arbeit den politischen Bezirk, in dem sie wohnhaft sind, verlassen.“ (Kronister, 2005) Der Fehlzeiten Report der AOK gibt an, dass heutzutage 40% der Erwerbstätigen Deutschlands anhand dieser Definition beschrieben werden können (WIDO, 2012). Die Definition Köberleins 1997, welche dieser Studienarbeit zugrunde liegt, beschreibt keine festen räumlichen bzw. zeitlichen Distanzen, da psychische Belastungsmerkmale ebenfalls auf kurzen Fahrten vorhanden sein können. Weiterhin können kurze Distanzen innerstädtisch eine lange Fahrtdauer und somit psychische Belastungsmerkmale aufweisen.

2.2 Definition von Stress

Selye übertrug den Begriff Stress, welcher ursprünglich im Bereich der Physik angesiedelt war, in die Psychologie. Er bezeichnet Stress als eine Aktivierungsreaktion des Individuums, welche auf einen spezifischen Reiz folgt. Dabei differenziert Selye zwischen Eustress, als eine positive unspezifische Reaktion auf Umweltfaktoren, wie auf Kälte oder Hitze und Distress als negativer Stress, welcher sich schädlich auswirkt, wie beispielsweise bei der Überforderung des Organismus (Selye, 1974). Stress äußert sich in der heutigen Zeitjedoch nicht nur physisch, denn die psychischen Belastungen nehmen aufgrund der Belastungsverschiebung und der damit einhergehenden „Deregulierung und Entstandartisierung von Beschäftigungs und Leistungsbedingungen“ (Lenhardt & Rosenbrock, 2009) zu. In den vergangenen 40 Jahren steigerte sich der Anteil psychischer Belastungen von zwei auf 15,1 Prozent. Die deutsche Gesellschaft psychosozialer Gesundheitsförderung einigt sich im Hinblick auf die Abgrenzung der Domäne Stress und die der psychischen Belastung auf eine synonyme Verwendung: „Wird von mentaler, psychischer, psychomentaler, psychoemotionaler, psychosozialer oder geistiger Belastung gesprochen, ist im allgemeinen Stress das übergreifende Stichwort.“ (Deutsche Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung, 2012). Diese Stressoren, welche auf das Individuum einwirken und somit zu Stress führen, lassen sich folgendermaßen untergliedern. Zu unterscheiden sind physische Stressoren, aufgabenbezogene Stressoren, arbeitsbezogene Stressoren, Rollenstressoren, soziale Stressoren oder veränderungsbezogene und traumatische Stressoren (Bernhardt & Wermuth, 2011). Betrachtet man bisherige Modelle der Stressforschung, lässt sich erkennen, dass sich drei verschiedene Ansätze etablieren konnten (Lazarus & Launier, 1981).

Die reizzentrierten Theorien konzentrieren sich auf Reize, welche zu einer spezifischen Stressreaktion führen (Dohrenwend & Dohrenwend, 1974). Diese Stressmodelle sind vor allem in der Life-Event-Forschung, in Forschungen zum Arbeitsstress, zu sozialem Stress oder zu Stressoren in der Wohnumgebung anzutreffen (Wippert, 2009).

Der Stress auslösende Reiz ist situationsbezogen und der Fokus liegt auf Umweltstressoren mit unterschiedlicher Qualität und Intensität, welche eine Stressreaktion auslösen. In den aktuellen Studien finden sich vermehrt subjektive Einschätzungsprozesse und Bewältigungskompetenzen, welche integriert werden (Dohrenwend & Dohrenwend).

Die reaktionszentrierten Theorien haben die Reaktion des Organismus, welche auf einen spezifischen Reiz folgt, im Fokus. Das Experiment nach Selye (1936) veranschaulicht, dass Individuen ein physiologisch einheitliches Reaktionsschema aufweisen, auch wenn diese unterschiedlichen Stressoren ausgesetzt werden. Er bezeichnete das Reaktionsschema als allgemeines Adaptationssyndrom und definierte dieses als dreistufigen Prozess mit den Stufen der (1.) Alarmreaktion, (2.) dem Stadium des Widerstandes und dem (3.) Stadium der Erschöpfung.

Das Modell der „daily hassles“, beschreibt welche Auswirkungen alltägliche wiederkehrende Stressoren auf das psychophysische Wohlbefinden haben. Es liegt die Annahme zugrunde, dass die täglichen Stressoren die Gesundheit beeinflussen und nicht die Wirkung kritischer Lebensereignisse wie in den früheren Ansätzen der Life-Event Forschung beschrieben wird (Stefanek, Strohmeier, Fandrem, & Spiel, 2012).

Die jüngste, transaktionale Perspektive vereint die vorigen Perspektiven und betrachtet somit die Umwelt, also die auf das Individuum einwirkenden Kräfte und Stressoren in Wechselwirkung mit dem Individuum (Schild & Heeren, 2003). Nach der transaktionalen Stresstheorie von Lazarus (1991) entsteht Stress durch die Interdependenz von situativen Anforderungen und individuellen Beurteilungen der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten (Lazarus & Launier, 1981). Diese subjektive Bewertung des Stressors findet in Form zweier Prozesse statt. Die primäre Bewertung des Reizes hat die Analyse der Bedrohlichkeit des auf das Individuum einwirkenden Reizes im Fokus. Die sekundäre Bewertung beurteilt daraufhin die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten des Individuums auf materieller-, sozialer als auch auf psychischer Ebene (Schwarzer & R, 2000). Empfindet das Individuum einen Stressor als bedrohlich, entscheidet die sekundäre Bewertung darüber, inwieweit Stress ausgelöst wird oder nicht. Je weniger Bewältigungsoptionen zur Verfügung stehen, desto höher wird der subjektiv erlebte Stress.

Der abschließende Prozess des „Copings“ bzw. die Menge anwendbarer Coping Strategien entscheiden mit welcher Intensität ein bestimmter Stressor wahrgenommen wird. Aufgrund mangelnder Coping Strategien wie denen der Handlungshemmung, des direkten Handelns, der Informationssuche oder die der intrapsychischen Anpassung, nehmen die Belastungen im Alltag zu und wirken sich auf die Produktivität des Individuums aus (Menzel & Sonntag, 2009). Es ist zu betonen, dass lebensbedrohliche Konfrontationen meist weniger vorhanden sind als der stetige Dauerstress (Wagner-Link, 2009), welcher beispielsweise bei der Thematik der vorliegenden Studie durch das Pendeln entsteht. Dieser permanente Stress führt zu einer Störung des vegetativen Gleichgewichtes, da das Gegenstück der Stressreaktion, die Entspannungsreaktion ausbleibt (Bamberg, 2004). Vester formuliert 2003 Langzeitfolgen von Dauerstress als keine bzw. geringe Erholungsphasen, die durch Stress entstehende und andauernde Alarmbereitschaft des Organismus, welche in keine „fight or flight reaction“ übertragen werden kann und sich somit negativ auf das Individuum auswirkt (Vester, 2003). Die bereits erläuterten Stressoren (Bernhardt & Wermuth, 2011) können nach Evans & Cohen folgendermaßen charakterisiert werden (Evans & Cohen, 1987). Die erste Dimension entspricht der Salienz, also der Auffälligkeit des Stressors. Je auffälliger der Stressor, desto leichter ist dieser dem Bewusstsein zugänglich. Die zweite Dimension nach Evans beschreibt die Bewältigungsmöglichkeiten im Hinblick auf den gegebenen Stressor, also die Copingstrategien nach Lazarus (Lazarus & Launier, 1981). Die dritte Dimension beschreibt die Importanz des Erkennens einer Stressquelle. Die vierte Dimension beschreiben Evans et. al als die Dauer und Periodizität des einwirkenden Stressors. Die fünfte Dimension beschreibt das Ausmaß der Kontrollierbarkeit eines Umweltstressors. Die sechste Dimension nach Evans und Cohen ist die Vorhersehbarkeit von Stressoren.

2.3 Definition von Commitment

Das Konstrukt des Commitment wird seit mehr als 30 Jahren beforscht (Mowday, Porter, & Steers, 1982) und beschreibt eine Identifikation, bzw. eine Verbundenheit des Mitarbeiters mit demjeweiligen Unternehmen und somit die ganzheitliche Bindung des Individuums an die Organisation (van Dick, 2004). Mathieu und Zajac definieren Commitment (1990) als: „a bond or linking of the individual to the Organisation.“ (van Dick, Wagner, Stellmacher, & Christ, 2004). Die Identifikation mit dem Unternehmen ist die Grundlage für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich auf die Arbeit beziehen. Ist diese Identifikation mit dem Unternehmen hoch ausgeprägt, wird das Individuum innerhalb seines Denkens und Handelns die Perspektive der Organisation einnehmen (Dutton, Dukerich, & Harquail, 1994).

Es lassen sich drei Formen des Commitment differenzieren. Die erste Form des affektiven Commitment beschreibt eine starke Identifikation mit den Werten und Zielen der Organisation, der Bereitschaft sich besonders einzusetzen sowie geringer Fluktuationsabsichten (Porter, 1974). Die zweite, kalkulative Form des Commitment kann als eine Kosten-Nutzen-Rechnung des Individuums definiert werden. Diese besagt, dass das Commitment als Resultat aus dem Kalkulieren bisheriger Investitionen, zukünftiger Kosten und den verfügbaren Alternativen entsteht. Diese Form des Commitment muss von den anderen zwei Dimensionen abgegrenzt werden, da diese auf rationalem Kalkül beruht und mit positiven Konsequenzen negativ korreliert (Felfe & Six, 2006). Die dritte, normative Form des Commitment wird definiert als “...the unwillingness to leave the Organization for increments in pay, Status or Professional freedom or for greater collegial friendship.” (Hrebiniak & Alutto, 1972). Diese Dimension hebt die Bedeutung moralischer Wertvorstellungen für die Stärke und Aufrechterhaltung der Bindung an das Unternehmen hervor. Loyalität, Opferbereitschaft, Verzicht auf Kritik und Treue entstehen, da entsprechende Normvorstellungen integriert wurden. Das normative Commitment weist ähnliche Korrelationen auf, wie das affektive Commitment, jedoch deutlich niedriger ausgeprägt. Allen und Meyer vereinigen diese drei Perspektiven des Commitment in ihrem Drei-Komponenten-Modell und beschreiben die organisationale Bindung als Konstrukt mit den drei genannten Subfacetten (Allen & Meyer, 1996). Diese drei Formen des Commitment können simultan und in unterschiedlicher Intensität vorliegen. Eine hohe Ausprägung des Commitment führt zu Chancen der Selbstaufwertung, der Zufriedenheit durch Befriedigung sozialer Bedürfnisse und dient als Ressource zur Stressabwehr. Risiken, welche ein hohes Commitment zur Folge haben kann, ist die individuelle Überlastung, Rollenkonflikte, blinder Gehorsam, sowie die absolute Konformität des Individuums (Franke & and Felfe, 2012).

3. Methodisches Vorgehen

Innerhalb der vorigen Kapitel wurden die theoretischen Grundlagen der Zielgruppe von Berufspendlem und der Konstrukte des Stresses und des Commitments definiert. Diese Ausführungen stellen den Handlungsrahmen für die empirische Untersuchung zur Beantwortung der Forschungsfrage dar. Nachfolgend soll das für die Erhebung relevante methodische Vorgehen konzeptualisiert und begründet werden.

3.1 Auswahl des Erhebungsinstrumentes

Auf Basis der vorherigen Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes, wird im Folgenden das Untersuchungsverfahren definiert. Für das Ziel der Erfassung von subjektiv erlebtem Stress während des Pendelns und dem Commitment stehen verschiedene Erhebungsmethoden zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor und Nachteile aufweisen.

Feldbeobachtungen dienen dem Zweck den Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz bzw. in seinem natürlichen Arbeitsumfeld hinsichtlich relevanter Merkmale zu analysieren. Der Einsatz standardisierter Verfahren ist möglich, bei welchen eine objektive Einschätzung erreicht werden kann. Kritisch zu bewerten ist, dass durch Beobachtungen reaktive Verhaltensmerkmale erfasst werden können. Rückschlüsse auf das gesamte Verhaltensrepertoire des Berufspendlers auf deren dahinterliegenden Einstellungen und Überzeugungen sind mittels der Feldbeobachtung nicht möglich. Weiterhin ist die Erhebung zeit und kostenintensiv und der Einsatz von Experten zwingend notwendig. Hinsichtlich der genannten Gründe scheint eine Realisierung des Verfahrens hinsichtlich der Erhebung von Stress und Commitment nicht sinnvoll.

Neben der Methode der Prozess und Dokumentanalysen, welche mit dem Fokus auf die Erhebung des beruflichen Pendelns nicht in den Fokus der Betrachtung gelangen, lassen sich zwei weitere Verfahren nennen. Das qualitative Interview, welches dem idiographischen Ansatz folgt ermöglicht eine Erhebung, bei welcher sehr individualisiert auf den Berufspendler eingegangen werden kann, da die Stichprobe nicht probalistisch-, sondern bewusst und nach bestimmten Kriterien, wie beispielsweise der Dauer der Pendelstrecke, gezogen wird (Gstalter, Lau, Stadler, & Fastenmeier, 2000).

Diese Interviewform kann mit unterschiedlichem Strukturierungsgrad und bezogen auf spezifisch zu diagnostizierende Fragestellungen angewendet werden. So kann ein narratives-, ein ethnographisches-, ein biographisches-, ein episodisches-, ein Leitfadeninterview, ein multimodales Interview oder ein halbstandartisiertes bzw. ein strukturiertes Interview in Abhängigkeit der Fragestellung konzipiert werden. Durch das qualitative Interview können innovative, unerwartete Aspekte, bei einem hohen Detaillierungsgrad erfasst werden, da eine hohe Flexibilität gegeben ist, welche abhängig vom Interviewenden genutzt werden kann. Die Nachteile dieses Verfahrens äußern sich durch die oftmals geringe Vergleichbarkeit in Abhängigkeit der Standardisierung der Ergebnisse und durch einen hohen Zeitaufwand. Weiterhin wird auch bei diesem Verfahren ein Experte für die Durchführung und die Auswertung der Befragung benötigt. Reaktive Verzerrungen durch Antworttendenzen im Interview, wie der Tendenz der sozialen Erwünschtheit, dem Retrospektionseffekt oder dem Interviewer-Bias können weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund dessen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Befragte während des Interviews die gewählten Items des Pendelaufwands und Items des Konstruktes zu Stress souverän beantworten, die formulierten Fragen zu Commitment jedoch auf Basis sozialer Erwünschtheit reaktiv beantwortet werden. Aufgrund dessen können qualitative Interviews im Hinblick auf die das Ziel der Studie maximal ergänzenden Charakter vor der eigentlichen Erhebung aufweisen, da neue Erkenntnisse, in Hinblick auf die Messung des Stresses und des Commitments, gewonnen werden können. Die Methode des Interviews kann daher in Bezug auf die Untersuchung, ergänzenden Charakter annehmen, um weitere Faktoren zu diagnostizieren, ist jedoch insbesondere aufgrund des sensiblen Themas, bei welchem erwartende Verzerrungen wahrscheinlich eintreten, nicht geeignet.

Bei quantitativen Erhebungen, in Form von Fragebögen, welche dem nomothetischen Ansatz folgen, sind die beschriebenen Nachteile kaum gegeben. Mit vergleichsweise geringem Aufwand kann eine hohe Probandenanzahl erreicht werden. Die Anonymität auf Mitarbeiterebene-, insbesondere bei sensiblen Themen, wie dem des Commitments wird gewahrt, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Antworttendenzen deutlich reduziert wird. Bei quantitativen Erhebungen müssenjedoch Gütekriterien, wie das der Objektivität, der Reliabilität und der Validität gegeben sein, um die jeweilige Fragestellung empirisch präzise untersuchen zu können. Diese werden im nachfolgenden Kapitel 3.2 ausführlich dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Quantitative Untersuchungskonzeption zur Analyse des subjektiv erlebten Stresses während des beruflichen Pendelns und des Commitments zur Ableitung von Personalentwicklungsmaßnahmen
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Autor
Jahr
2018
Seiten
37
Katalognummer
V516100
ISBN (eBook)
9783346114280
ISBN (Buch)
9783346114297
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quantitative, untersuchungskonzeption, analyse, stresses, pendelns, commitments, ableitung, personalentwicklungsmaßnahmen
Arbeit zitieren
Philipp Lange (Autor), 2018, Quantitative Untersuchungskonzeption zur Analyse des subjektiv erlebten Stresses während des beruflichen Pendelns und des Commitments zur Ableitung von Personalentwicklungsmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516100

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