Samuel Huntingtons Kulturdiagnose "Kampf der Kulturen"


Essay, 2006

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Stefan Lange: Kampf der Kulturen – Huntingtons Kulturdiagnose

Einleitung

Ende September 2005 veröffentlichte die dänische Zeitung „Jyllands - Posten“ Karikaturen, die den Propheten Mohammed zeigen. Der Westen verweist auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Die Gefühle islamischer Gläubiger sind zutiefst verletzt. Nach etwa sechs Monaten eskaliert im Nahen Osten die Gewalt, dänische Flaggen werden verbrannt und Botschaften westlicher Länder brennen.[1] Die politische - und die Medienöffentlichkeit werfen die Frage auf: „Befinden wir uns auf dem Weg zu einem Kampf der Kulturen?“

Der amerikanische Soziologe Samuel Huntington[2] wendet sich in seiner Gegenwartsdiagnose dieser Frage zu und gelangt zu einer Antwort, die er jenseits aller multikulturellen Romantizismen angesiedelt wissen möchte. Was bedeutet es für das politische Handeln, für den Umgang der Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen miteinander, wenn Konfliktlinien vor dem Hintergrund kultureller Zugehörigkeiten rekonstruiert werden?

Zunächst berührt eine auf diese Weise gestellte Frage zentrale Kategorien des Menscheins. Wir alle sind Kinder und Schöpfer unserer Kultur. Wir werden in eine Kultur hineingeboren und übernehmen deren spezifische Deutungs- und Interpretationsweisen, ihre weltanschaulichen Orientierungen und Werte. Gleichzeitig reproduzieren wir unsere Kultur. Wir stabilisieren und destabilisieren sie durch unsere Aktivitäten. Damit weise ich darauf hin, dass es keine kulturunabhängige Beobachtung interkultureller Probleme gibt. Huntington entfaltet seine Diagnose vorwiegend aus einem westlich- amerikanischen Blickwinkel.

Er spricht in seiner Analyse internationaler Beziehungen von unterschiedlichen „Kulturkreisen“ und „Zivilisationen“. Worauf weisen diese Begriffe hin? Ein soziologisches Wörterbuch gibt folgende Erklärung: ‚Kulturkreise sind nicht eindeutig abgrenzbar und nicht mit Staatsgrenzen gleichzusetzen. Sie werden von der durch eine einheitliche Sprache, der moralischen Anschauungen und Lebensgewohnheiten verbundenen Bevölkerung selbst anders gesehen, als von kulturfremden Beobachtern.’[3] ‚Zivilisationen sind die höchsten sinnstiftenden und kulturellen Einheiten, denen Menschen aus unterschiedlichen Regionen oder auch Nationalitäten angehören können.’[4] Huntington verwendet die Begriffe „Kulturkreis“ und „Zivilisation“ synonym.[5] ‚Kulturkreise bilden und unterscheiden sich durch ihre Geschichte, Tradition, Sprache, Kultur und jeweilige religiöse Orientierung.’[6] Welche Problemsicht eröffnet Huntingtons Diagnose und welche Lösungen schlägt er vor? Diese Fragen diskutiere ich in meinem Essay.

[...]


[1] Vgl. Leitartikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) am 4.-5.Februar 2006

[2] Ich möchte zunächst eine Unschärfe benennen, die dazu führen kann, dass mein Text missverstanden wird. Wenn im weiteren Text von Samuel Huntington die Rede ist, so meine ich Stefan Langes Diskussion der Thesen von Samuel Huntington. Vgl.: Lange, S. In: Schimank, U.; Volkmann, U. (2000): Soziologische Gegenwartsdiagnosen I. Opladen, S.: 291-307

[3] Vgl.: Hillmann, K. – H. (1994): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart. In vierter Auflage, S.: 460-461

[4] Vgl. Lange, S. In: Schimank, U.; Volkmann, U. (2000), S.: 293

[5] Vgl.: ebd., S.: 293

[6] Vgl.: ebd., S.: 293-294

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Samuel Huntingtons Kulturdiagnose "Kampf der Kulturen"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
9
Katalognummer
V51618
ISBN (eBook)
9783638475396
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis
Schlagworte
Samuel, Huntingtons, Kulturdiagnose, Kampf, Kulturen
Arbeit zitieren
Andreas Lampert (Autor), 2006, Samuel Huntingtons Kulturdiagnose "Kampf der Kulturen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51618

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