Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire


Magisterarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

GLIEDERUNG

A. Grundlegung
I. Einleitung
II. Fragestellung
III. Gang der Untersuchung
a. Ablauf
b. Methode
IV. Begriffs-Kennzeichnung
a. Das literarische Feld
1. Einordnung in den Kunstkontext
2. Theoretischer Aufbau
b. Das Habituskonzept
c. Das französische Bürgertum

B. Kulturhistorische Verortung
I. Politische und ökonomische Positionen der Restauration
a. Politische Unterdrückung des französischen Bürgertums
b. Ökonomische Unterdrückung des städtischen Proletariats
II. Ästhetische Positionen während der Restauration
a. Zum französischen Neoklassizismus
b. Der Einfluss des aristokratischen Subjektcodes
c. Zur französischen Romantikkonzeption
1. Zum Einfluss von Immanuel Kant
aa. Das Schöne und das Erhabene
bb. Der Import der romantischen Ideen
2. Zur nachrevolutionären Romantikkonzeption
III. Zur Julirevolution und ihren Folgen
a. Louis Phillippe von Orléans
b. Der bürgerliche Subjektcode
IV. Zum Milieu der Bohème
a. L´art bourgeois
b. L´art social
c. L´art pour l´art
V. Der künstlerische Subjektcode
a. Die Definitionsmacht des künstlerischen Genies
b. Kritik und Distanz
c. Le monde de l´inspiration
d. Authentizität und Einzigartigkeit

C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire
I. Biographisches
a. Kindheit und Jugend
b. Poesie, Malerei und das freie Leben
II. Baudelaire als Kunstkritiker
a. Baudelaires romantisch geprägte Kunstauffassung
b. Das Großstädtische
III. Baudelaire als Gesetzgeber
a. Der Aufbau einer autonomen Kritik
b. Baudelaires Eingreifen in die Wagner-Debatte
c. Die Kandidatur an der Académie française
IV. Baudelaire als Avantgardist

D. Schlussbetrachtungen

LITERATURVERZEICHNIS

A.Grundlegung

I.EINLEITUNG

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine kulturwissenschaftlich ausgerichtete Untersuchung zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Der kulturwissenschaftliche Ansatz beinhaltet den Versuch, unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen miteinander zu verbinden. Im Einzelnen handelt es sich dabei um eine Mélange aus Rückblicken zu speziellen historischen Begebenheiten, gepaart mit soziologischen Ableitungen und philosophischen Erkenntnissen. Äußerst hilfreich waren bei diesem Vorgehen das Habituskonzept und die Feldtheorie von Pierre Bourdieu sowie ihre postulierte Relation zueinander.

Die Intention dieser Arbeit besteht darin, die Rolle von Charles Baudelaire bei der Konstitution des literarischen Feldes zu untersuchen.

Weiterführend sollte der Frage nachgegangen werden, ob die von Bourdieu proklamierte wegweisende Position von Baudelaire in diesem Zusammenhang auch von Theoretikern geteilt wird, die nicht aus dem frankophonen Raum stammen. Im Rahmen des Nachvollzugs der Genese des literarischen Feldes rückte jedoch die Beantwortung dieser Frage, die für die Konkretisierung des (Künstler-)Habitus1 von Charles Baudelaire im Sinne Pierre Bourdieus für nötig befunden wurde, in zunehmendem Maße aus dem Fokus der Untersuchung.

Diese Schwerpunktverlagerung wurde notwendig, da im Zuge einer adäquaten Darstellung des Künstlerhabitus von Charles Baudelaire vermehrt nach einer Erklärung für das F u n k t i o n i e r e n dieses Habitus gesucht wurde. Gemäß dem kulturhistorischen Ansatz dieser Arbeit wurde in diesem Zusammenhang nach den historischen, den philosophischen sowie den soziologischen Rangordnungen und Wertigkeiten (den Rechtfertigungslogiken2 ) geforscht, die das spezifische Funktionieren des Künstlerhabitus begründen.

Einen ersten Hinweis bot diesbezüglich der Bourdieu´sche Begriff der ‘Illusio’, welcher die postulierte Relation zwischen einem Feld und einem Habitus beschreibt, teilweise bedingt und darüber hinaus auch i s t:

“[..] die illusio ist die Voraussetzung für das Funktionieren eines Spiels und zugleich, zumindest partiell, auch sein Ergebnis.

Diese interessierte Teilnahme am Spiel findet in der konjunkturellen Beziehung zwischen einem Habitus und einem Feld statt, zwei historischen Institutionen, denen gemein ist, von derselben Grundregel beherrscht zu werden (von geringen Diskrepanzen einmal abgesehen); sie die ‘Illusio’; A.S.St. ist jene Beziehung selbst H.S.St..”3

Diese B e z i e h u n g, die durch die postulierte Relation zwischen Habitus und Feld sowohl geprägt als auch verursacht ist, bezeichnet Bourdieu als ‘Interesse’ des Subjekts, sich an den jeweils feldspezifischen Spielregeln zu beteiligen. Die Ursache für dieses Interesse beziehungsweise für die ‘Illusio’ rührt dabei gemäß Bourdieu “an sehr tiefe Sachen”.4

Im Zuge der Erforschung des Funktionierens des Künstlerhabitus war es demgemäß primär von Interesse, diese tiefen Sachen zu ergründen. Bourdieu selbst sagt zu diesem Unterfangen, dass die Idee der ‘Illusio’ für einen Wissenschaftler sehr interessant sein kann “- vorausgesetzt, sie wird differenziert, verfeinert, und nicht verkürzt.”5

Die Beantwortung der gestellten Frage nach dem Funktionieren des Künstlerhabitus war demnach durch die Verfeinerung und Differenzierung der Idee der ‘Illusio’ zu erreichen.

Im Zuge dieser Ausdifferenzierung des Bourdieu´schen Begriffs der ‘Illusio’, die mit der Abarbeitung der drei notwendigen und untereinander verbundenen Schritte zusammenhängt, die für eine Wissenschaft der kulturellen Werke gemäß Bourdieu notwendig sind (Bourdieu, 1999: 340), wurde das Konstrukt des künstlerischen Subjektcodes6 entwickelt. Dieser Code soll dabei behilflich sein, die Rechtfertigungslogik, die zwischen dem Künstlerhabitus und dem literarischen Feld besteht, besser zu verstehen.

Der künstlerische Subjektcode stellt somit eine Verfeinerung und Ausdifferenzierung des Bourdieu´schen Begriffs der ‘Illusio’ dar. Der Konstruktion des Begriffs lag die Intention zugrunde, die postulierte Relation zwischen dem Künstlerhabitus von Baudelaire und dem sich konstituierenden literarischen Feld in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich zu exemplifizieren.

Der Begriff soll demnach eine historisch entwickelte Hilfestellung zum besseren Verständnis der ‘Illusio’ des (sich konstituierenden) literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich am Beispiel von Charles Baudelaire darstellen.

Der Begriff des künstlerischen Subjektcodes wird in der ‘Grundlegung’ nicht weiter spezifiziert, da die Herleitung des Begriffs selbst einen Teil dieser Untersuchung darstellt.

Die vorgenommene Konstruktion des künstlerischen Subjektcodes geschah im Einvernehmen mit dem Umstand, dass die meisten Ansätze, die von Bourdieu ausgehen, sich meist einer soliden Rekonstruktion eines oder mehrerer Felder annehmen, nicht aber die postulierte Konnexion zwischen Feld und Habitus hinreichend berücksichtigen beziehungsweise sich explizit dem Funktionieren des Künstlerhabitus annehmen:

“In den bestehenden Ansätzen, die von Bourdieu ausgehen, wird meist ganz überzeugend die Struktur des Feldes rekonstruiert. Wie der Habitus des Künstlers/der Künstler funktioniert, wird meistens nicht gezeigt und noch weniger die (postulierte) Konnexion zwischen Habitus und Feld. Ihr Rekurs auf den artistischen Subjektcode7, in den Elemente des aristokratischen Subjektcode eingehen, hilft da weiter.”8

Der ursprünglich intendierte Schwerpunkt, ‘Charles Baudelaires Rolle bei der Konstitution des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich’, untersucht mittels der Feld- und Habitustheorie von Pierre Bourdieu, bleibt somit bestehen. Der Fokus auf die weiterführende Frage nach der Übertragbarkeit der von Bourdieu proklamierten herausragenden Rolle Baudelaires auf nicht-frankophone Autoren verschob sich jedoch, was konkret bedeutet, dass ihm bei Einhaltung des gesetzten Rahmens dieser Untersuchung lediglich der Raum für eine deskriptiv-vergleichende Abhandlung am Ende der Arbeit verblieb. Die Prioritätenverlagerung hatte auf der anderen Seite zur Folge, dass eine Ausdifferenzierung des Bourdieu´schen Begriffs der ‘Illusio’ für einen historisch und thematisch eingrenzbaren Bereich bei Einhaltung des gesetzten Rahmens ermöglicht wurde und damit die Konstruktion des künstlerischen Subjektcodes, bezogen auf Charles Baudelaire in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich.

II. FRAGESTELLUNG

Thema: ‘Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire.’

- Welche Komponenten beinhaltet das literarisches Feld in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich?

- Welche Rolle spielt der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire bei der Genese des literarischen Feldes?

- Welche Bestandteile beinhaltet das postulierte verbindende Element der ‘Illusio’ im Zusammenhang mit dem Künstlerhabitus und dem sich konstituierenden literarischen Feld in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich?

- Ist die geographische Eingrenzung auf Frankreich plausibel?

- Kann Charles Baudelaire als Vorreiter der (historischen) Avantgarde- Bewegungen bezeichnet werden?

III. GANG DER UNTERSUCHUNG

a. Ablauf

Diese Arbeit beinhaltet drei Komponenten:

Im ersten Teil wird der Versuch unternommen, die für den Untersuchungsgegenstand relevante politische und ökonomische Wirklichkeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich modellhaft zu beschreiben. Dieses Vorgehen umfasst die turbulente Zeit von der zweiten Hälfte der Restauration bis hin zu der bürgerlich geprägten Julimonarchie. Eine zweite Komponente innerhalb des ersten Teils ist sowohl der Versuch einer Analyse als auch einer Bestandsaufnahme jener ästhetischen Ideen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich kursierten. Der Fokus liegt dabei auf jenen Theorien, welche inhaltlich mit den Rechtfertigungslogiken9 des sich bildenden literarischen Feldes Gemeinsamkeiten aufweisen und demnach (vermutlich) zu seiner Konstitution beigetragen haben.

Die Beschreibung der romantischen Bewegung, die sich gegenüber dem späten Neoklassizismus durchsetzte, hat in diesem Zusammenhang einen zentralen Stellenwert. Im Zuge dieser Untersuchung wird Immanuel Kants Vorstellung von der Befreiung des künstlerischen Genies von den Regeln der Kunst und damit auch von der Prämisse der Moral und der Zweckmäßigkeit dargestellt, da sie zu jener Konzeption der Romantik beitrug, die später einen Teil der Rechtfertigungsstruktur des literarischen Feldes repräsentieren wird.10

Diese ästhetischen Ideen werden innerhalb dieser zweiten Komponente schließlich von jenen Rechtfertigungslogiken ergänzt, mit denen sich die Aristokratie sowie ein Teil des französischen Bürgertums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts identifizierten. An geeigneter Stelle werden in der Reihenfolge ihres chronologischen Vorkommens in diesem Zusammenhang der aristokratische Subjektcode, der bürgerliche Subjektcode sowie der bereits erwähnte künstlerische Subjektcode dargestellt beziehungsweise eingeführt.

Der zweite Teil untersucht einerseits die Genese des Baudelaire´schen Künstlerhabitus, andererseits die aus ihm resultierenden Handlungen und Haltungen, die (wahrscheinlich) grundlegend zur Konstitution des literarischen Feldes beitrugen. Zu diesem Zweck wird vorerst auf die Kindheit und Jugend von Charles Baudelaire eingegangen, welche unter anderem eine Erklärung für sein großes und stetiges Interesses an dem (Selbst-)Ausdruck mittels der Kunst darstellen kann.11 Es folgen Darlegungen seiner kunstkritischen Schriften, welche eindrücklich die Baudelaire´schen Vorstellungen vom Künstlersubjekt und dem Wesen der Kunst spiegeln. Baudelaires grundsätzliche Einstellung zur Kunst und zum Künstler, die nun modellhaft dargestellt ist, wird im darauf folgenden Abschnitt plastisch beschrieben. Es werden jene Handlungen aufgeführt, die gemäß Pierre Bourdieu entscheidend zur konkreten Konstitution des literarischen Feldes beitrugen.

Zum Abschluss des Kapitels wird die Frage erörtert, ob auch nicht-frankophone Theoretiker in Baudelaire einen Vorreiter der Avantgarde12 sehen beziehungsweise ihm eine ähnlich maßgebliche Rolle zuschreiben, wie es Pierre Bourdieu in ‘Die Regeln der Kunst’ proklamiert.

Der dritte Teil beinhaltet die Schlussbetrachtungen. An dieser Stelle werden die beschriebenen historischen Stationen sowohl hinsichtlich ihrer ökonomisch- politischen Relevanz als auch mit Bezug auf die zeitgenössisch kursierenden ästhetischen Überlegungen ausgewertet. Dies geschieht stets unter Bezugnahme ihrer (postulierten) Verbindung zueinander.13 Nach der Überprüfung der Plausibilität von Teil eins dieser Arbeit wird der dargestellte Künstlerhabitus von Charles Baudelaire im zweiten Teil denselben Kriterien unterworfen.14 Der in dieser Arbeit konstruierte künstlerische Subjektcode wird bei dieser Überprüfung behilflich sein. Dieser Akt stellt gleichzeitig eine Kontrolle seiner Anwendbarkeit in diesem Zusammenhang dar.

Die in das Baudelaire-Kapitel eingegangenen ergänzenden Ergebnisse hinsichtlich der Frage nach der Übertragbarkeit der besonderen Rolle Baudelaires gemäß Bourdieu auf Theoretiker aus dem nicht-frankophonem Raum werden in den Schlussbetrachtungen ebenfalls berücksichtigt und ausgewertet.

b. Methode

Der beschriebenen Vorgehensweise liegt die historisch hermeneutische Überzeugung zugrunde, dass das vergangene Geschehen als ein kultureller Prozess sowie als Ergebnis menschlicher Handlungen interpretiert werden kann. Der historische Ansatz dieser Arbeit ist demnach der Deutungsversuch eines Rekurses auf die in das vergangene Geschehen eingegangenen kulturellen Ideen und Motive der historischen Akteure.

Spezifischer ausformuliert kann die angewandte Methode auch als “praxistheoretische Vermittlung zwischen der individuellen Intentionalität und der gesellschaftlichen Bedingtheit sozialen Handelns, wie sie das Habituskonzept Bourdieus kennzeichnet”,15 beschrieben werden. Grundsätzlich liegt dieser Arbeit demnach ein praxeologischer Kulturbegriff zugrunde, der Kultur als Handlungen untersucht, die es vermögen, Bedeutungen umzustürzen oder neu zu schaffen.

Die beiden bisher genannten Komponenten dieser Arbeit, die Beschreibung der gesellschaftlichen Lage einerseits und die Bestandsanalyse der Ideen und Motivationen der Individuen andererseits stellen Untersuchungsmerkmale der Feldtheorie und des Habituskonzepts von Pierre Bourdieu dar. Bei dem untersuchten Gegenstandsbereich handelt es sich um “das Schlüsselkonzept, um das Gegensatzpaar Individuum und Gesellschaft in der Kulturtheorie”.16

Die vorliegende Untersuchung grenzt sich damit gegen den ahistorischen Ansatz des Poststrukturalismus ab, der unter anderem mittels des Postulats des ‘Todes des Autors’ (Roland Barthes) das Konzept der Autorschaft und die Vorstellung des Ursprungs zur Disposition stellt.17

IV. BEGRIFFS-KENNZEICHNUNG

a. Das literarische Feld

1. Einordnung in den Kunstkontext

Im Titel dieser Arbeit ist der kunstsoziologische Fachausdruck literarisches Feld von Pierre Bourdieu enthalten.18 Dieser Terminus erscheint hinsichtlich der Tatsache, dass es sich bei dieser Untersuchung um eine Magisterarbeit des Fachbereichs Kunst- und Bildwissenschaften handelt, unter Umständen ein wenig irreführend.

Der Begriff literarisches Feld darf in diesem Zusammenhang nicht wörtlich genommen werden. Er umfasst gemäß Bourdieu nicht bloß die Strukturierung des literarischen Milieus, sondern das der Kulturproduzenten im Allgemeinen. Er kann demnach in seiner Bedeutung entsprechend weit gefasst werden:

“Während des gesamten Textes läßt sich Schriftsteller durch Künstler, Philosoph, Intellektueller, Wissenschaftler etc. ersetzen und literarisch durch künstlerisch, philosophisch, intellektuell, wissenschaftlich etc.”19

Die Wahl für diesen derart weit fassbaren Begriff für diese Arbeit erfolgte aufgrund des historischen Ansatzes: Die ursprüngliche Konstitution des literarischen Feldes erlaubt keine scharfe Trennung der Künste, da beispielsweise ohne die Formulierungskünste der Schriftsteller “die mit der Académie und dem bürgerlichen Publikum brechenden Maler die Konversion [...] nicht erfolgreich [hätten; S.St.] durchführen können.”20

Ausgehend von obigem Zitat wird für die Zwecke dieser Ausarbeitung das Augenmerk jedoch ausschließlich auf die Schriftsteller und Künstler gelenkt, womit die eingangs zitierte Definition des Begriffs im Rahmen dieser Untersuchung eingegrenzt wird. Der Begriff literarisches Feld meint demnach im Folgenden stets auch künstlerisches Feld, ignoriert jedoch das wissenschaftliche-, das intellektuelle- und das philosophische Feld.

Das literarische Feld ist deshalb Gegenstand dieser kunsttheoretischen Untersuchung, da es bezüglich seiner Gesetzmäßigkeiten gemäß Pierre Bourdieu noch immer für die Künstler und Schriftsteller21 relevant ist. Die Genese seiner Struktur bedeutet: “[...] sich an die Ursprünge einer Welt zu versetzen, deren Funktionsweise uns so vertraut geworden ist, daß die Regelmäßigkeiten und die Regeln, denen sie gehorcht, sich uns entziehen.”22

Die zeitgenössische Kunstauffassung folgt demnach Gesetzmäßigkeiten, die zwar allgemein anerkannt werden, jedoch nur von jenen wirklich verstanden werden können, die sich mit seinen historischen Wurzeln befasst haben:

“Die Wahrnehmung, die das nach der Logik des Feldes geschaffene Werk herausfordert, ist eine Wahrnehmung der Verschiedenheit, des Unterschieds, die auf Abstände in Beziehung zu anderen, zeitgenössischen und auch vergangenen Werken achtet; und der Zuschauer ohne historische Bildung ist zur Teilnahmslosigkeit gegenüber dem verurteilt, dessen Unterschiede zu entdecken er nicht die Mittel besitzt.”23

Das von Pierre Bourdieu aufgedeckte Konzept des literarischen Feldes spielt demnach insbesondere bezüglich seiner Genese für das zeitgenössische Kunstverständnis eine enorme Rolle.

2. Theoretischer Aufbau

Ein Feld ist gemäß Pierre Bourdieu einerseits ein territoriales Konzept, welches die verschiedenen realen Autonomisierungen24 in der Gesellschaft beschreibt. Ein Feld ist andererseits auch ein Kraft- und Machtfeld.25 Bourdieu unterscheidet demnach die unterschiedlichen autonomen Bereiche in der Gesellschaft und schreibt ihnen jeweils gewisse dynamische Korrelationen der einzelnen Institutionen innerhalb des jeweiligen Bereiches zu. In jedem Feld gibt es eine bestimmte Sorte von Kapital, die zu mehr Ansehen innerhalb des jeweiligen Feldes verhilft (Raphael, 2004: 272). Für die Erringung der jeweiligen Kapitalsorte weist jedes Feld dabei eine gewisse Anzahl von Ritualen auf, die letztlich auf eine historisch verortbare Strategie zurückführbar sind. Bourdieu definiert Strategie folglich nicht als:

“[...] Produkt der Einhaltung einer explizit gesetzten und eingehaltenen Norm, und auch nicht der durch ein unbewußtes ‘Modell’ bewirkten Regulierung, sondern [als; S.St.] das Produkt einer Bewertung der Stellung der jeweiligen Gruppen zueinander.”26

Die angewendeten Strategien stellen demnach sogenannte Definitionskämpfe (Bourdieu, 1999: 353) dar, die darauf abzielen, die Grenzen des Feldes so abzustecken, dass ihr Verlauf den jeweils eigenen Interessen entgegenkommt. Das umkämpfte feldspezifische Kapital kann dabei nicht mit anderen Kapitalsorten aus anderen Feldern verglichen werden (Jurt, 1995: 85). Gemäß Bourdieu wirken gesellschaftliche Interferenzen nicht auf die einzelnen Akteure des Feldes, sondern werden durch die Struktur des Feldes gebrochen. Die angestrebte Autonomie des literarischen Feldes gegenüber umliegenden Feldern der Politik oder der Ökonomie sowie ihren jeweiligen Kapitalsorten kann dennoch nur relativ sein. Bourdieu betont in diesem Zusammenhang in Abgrenzung zu Louis Althusser zwar die Eigenständigkeit des literarischen Feldes gegenüber ökonomischen oder politischen Instanzen, räumt aber ein, dass die Autonomie nur relativ sein kann, da “der Grad der Autonomie gegenüber feldexternen Instanzen [...] historisch variabel [ist].”27

b. Das Habituskonzept

Der von Erwin Panofsky entlehnte Begriff des Habitus ist das Korrelativ zum Feldbegriff. Er definiert quasi ein “inneres Gesetz”,28 welches großenteils die Antwort auf die früh geübte Anpassung an äußere Zwänge ist.

Die durch den Habitus dauerhaft besetzten Dispositionen29 im Feld sind gemäß Bourdieu demnach gesellschaftlich erworben. Bourdieus damit korrelierende Überzeugung, dass die Biographie für die Rekonstruktion der Positionierungen innerhalb des zu untersuchenden Feldes nötig ist, steht in Abgrenzung zu der Überzeugung Sartres, welcher der schöpferischen Individualität weitaus mehr Gewicht beimisst (Bourdieu, 1999: 302).

Entgegen der Auffassung, das Subjekt könne sich selbst und quasi frei schwebend von seiner Umgebung selbst erschaffen, versucht Bourdieu, sich durch seine Habituskonzeption von einer voluntaristischen Subjekt-Philosophie Sartrescher Prägung abzusetzen. Der Bourdieu´sche Begriff Habitus geht vielmehr weit über seine umgangssprachlichen Bedeutungen wie Anlage oder Gewohnheit hinaus und unterstreicht “die soziale Determiniertheit von Handlungen [und; S.St.] deren Verankerung in vorgegebenen sozialen Lagen und kulturellen Traditionen.”30

Die obige Einführung in das Habituskonzept und die Feldtheorie von Pierre Bourdieu dient lediglich einer modellhaften Beschreibung dieser komplexen Begriffe. Einerseits geschah dies, da bereits wissenschaftliche Abhandlungen zu diesem Sachverhalt existieren31 und andererseits, da der Kern dieser Arbeit die A n w e n d u n g von besagter Begriffskonzeption beinhaltet. Weiterführende Erläuterungen dieses theoretischen Modells würden demnach den gesetzten Rahmen der Arbeit sprengen.

c. Das französische Bürgertum

Das französische Bürgertum hat einen zentralen Stellenwert in dieser Arbeit. Es ist keine homogene Menge, sondern zeichnet sich insbesondere durch unterschiedliche (wirtschaftliche) Interessen aus. Nach oben grenzt es sich gegen den Adel, nach unten gegen das Bauerntum und das städtische Proletariat ab:32

“Die bürgerliche Kultur gewinnt ihre Identität in der Differenz zu als vormodern repräsentierten Kulturen: nach ‘oben’ zur feudalen Aristokratie, nach ‘unten’ zum feudalen dritten Stand und zum Proletariat“.33

Innerhalb ist es durch einen positiv privilegierten und einen negativ privilegierten Teil gekennzeichnet. Diese Aufspaltung des französischen Bürgertums in zwei Gruppen mit je unterschiedlichen Privilegien hat zur Folge, dass es sich mit jeweils verschiedenen Werten identifiziert. Im Zuge dieser Ausarbeitung werden besagte Werte beziehungsweise Rechtfertigungslogiken unter den Oberbegriffen bürgerlicher- und künstlerischer Subjektcode bezeichnet und erläutert.

B. KULTURHISTORISCHE VERORTUNG

Im folgenden Kapitel wird der Faktor Zeit in zweierlei Hinsicht untersucht: einerseits hinsichtlich seiner prospektiven Eigenschaft, sich stetig weiter zu entwickeln, andererseits bezüglich seiner historischen Dimension. Diese ermöglicht es, einen (vergangenen) Punkt auf der Zeitachse aufzusuchen, um ihn näher zu erforschen. Ziel ist es, das für diese Arbeit relevante Zeitgeschehen mit Blick auf die handelnden Subjekte, ihre Intentionen und Vorstellungen in Verbindung mit (anderen) Institutionen, kulturellen Traditionen und ökonomischen Zwängen zu erörtern.

Die unten vorgenommenen Beschreibungen und Erörterungen erfolgen in dem Wissen, dass die gesellschaftlichen Positionen nicht so klar voneinander abzugrenzen sind, wie für den Zweck dieser Untersuchung geschehen. Die dargestellten Begebenheiten im Zeitablauf sowie die unterschiedlichen Vorstellungen und kulturellen Traditionen von Gruppen und Subjekten erheben deshalb nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dienen vielmehr modellhaft der verständlichen Herleitung der im Titel und im Sinne Pierre Bourdieus postulierten Genese des literarischen Feldes.

Praktisch bedeutet dies einen Ausflug ins 19. Jahrhundert, in dem die Wurzeln dieses eigengesetzlich funktionierenden Feldes zu finden sind.

Im Sinne von Eve Chiapello und Luc Boltanski ist dieser Rückblick auch eine Aufdeckung des Ursprungs der Künstlerkritik, die sie mit folgenden Worten definieren: “Kritik, die zu einer Infragestellung der Epoche führt, an der man keinen Anteil nimmt.”34 Die Künstlerkritik, die eine (ablehnende) Haltung gegenüber der Gesellschaft ausdrückt, wird durch die in diesem Zeitraum ebenfalls aufkommende Kunstkritik35 komplettiert, die eine kritische Haltung gegenüber der Institution Kunst36 darstellt. Der alljährlich stattfindende Salon stellt diesbezüglich eine hervorragende Vorlage für die sich zur Kritik berufenen Rezensenten und freien Schriftsteller dar.

Die Kritik an der Institution Kunst erreicht damit, so Bürger, in diesem Zeitraum das Stadium der Selbstkritik (Bürger, 1974: 28).

Für den Gegenstandsbereich dieser Arbeit bedeutet dies, dass mit den beiden genannten Kritikformen jener historische Punkt erreicht wurde, von dem aus sowohl die Institution Kunst als auch die sie umgebende Gesellschaft bewusst und kritisch hinterfragt wurde.

Gemäß Eve Chiapello kann diese Ursachenforschung -und vergegenwärtigung auch für zeitgenössische (postmoderne) Fragestellungen lohnende Erkenntnisse bergen. Sie bezieht sich dabei auf die Frage, warum im auslaufenden 20. beziehungsweise beginnenden 21. Jahrhundert die Künstlerkritik derzeit schweigt oder so schwach geworden ist (Boltanski, 2003: 31) und vermutet in der rekonstruierten Vergegenwärtigung der Ursachen der künstlerisch-moralischen Entrüstung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine fruchtbare Bereicherung für die Debatte um die oben gestellte Frage:

“Sa reconstruction [der Künstlerkritik; S.St.] souhaitable [...] restent entiers, nécessite de remonter aux reproches profonds qui s´expriment aux fondement de son indignation morale, et de la dépouiller de ses figures de styles et de ses incarnations historiques, peut-être maintenant datées qui lui permettaient de s´exprimer mais qui aujourd´hui l´empechent de s´ajuster aux formes contemporaines de la société.”37

Der Weg führt in eine Zeit des permanenten gesellschaftlichen Umbruchs. Beginnend mit der zweiten Hälfte der Restauration, die stellvertretend für die endgültige Emanzipation des französischen Bürgertums gegenüber dem Adel steht,38 führt der Rückblick in die Vergangenheit in chronologischer Reihenfolge weiter zur Julimonarchie, dem ‘Goldenen Zeitalter der Bourgeoisie’.

Dieser Zeitraum stellt deshalb das historische Zentrum der vorliegenden Arbeit dar, da sich in dieser Epoche die ersten ‘Früchte’ des sich konstituierenden literarischen Feldes abzeichneten.

Der später durch die Februar-Revolution (1848) eingeleitete Prozess der Desillusionierung des Künstlersubjektes wird in dieser Arbeit nicht mehr behandelt. Die Ausklammerung dieses wichtigen politischen Ereignisses beinhaltet jedoch keinerlei Urteil über seine Bedeutung für die weitere Entwicklung der Konstitution des literarischen Feldes. Die historische Eingrenzung geschieht vielmehr im Hinblick auf den einzuhaltenden Rahmen dieser Arbeit und andererseits kann an dieser Stelle bereits auf die zunehmende Distanz zum politischen Ereignis seitens des in dieser Arbeit relevanten Künstlersubjektes verwiesen werden.39

I. POLITISCHE UND ÖKONOMISCHE POSITIONEN WÄHREND DER RESTAURATION

“Es gibt nur eine vernünftige und gesicherte Regierungsform: die Aristokratie.

Monarchie oder Republik, die sich auf die Demokratie gründen, sind beide gleicherweise absurd und schwach.”40

Die Suche nach dem Ursprung der heroischen Zeiten des Kampfes um künstlerische Autonomie im Sinne einer Befreiung der Kunst von traditionellen Prämissen als auch in Form einer Loslösung vom bürgerlichen Nutzenkalkül beginnt zunächst in der neuen Monarchie, die nach den napoleonischen Kriegswirren (1799-1815) dem französischen Volk zunächst bürgerliche Freiheit41 zusicherte.

Leider brachte weder Louis XVIII. noch sein Bruder Charles X., der im Jahre 1824 die Regierungsgeschäfte übernahm, der französischen Bevölkerung die ersehnte Freiheit. Sie nutzten vielmehr die tiefe Erschöpfung Frankreichs aus, indem sie sich bemühten, die politische und gesellschaftliche Ordnung vor der großen Revolution zu r e s t a u r i e r e n. “Von [...] der bürgerlichen Freiheit, [...] war selbstverständlich keine Rede.”42

Die Periode der Restauration währte insgesamt 15 Jahre (1815-1830), wobei es nicht verwundert, dass am Ende der neuen Monarchie, nachdem das französische Volk wieder zu Kräften gekommen war, erneut eine Revolution stand: Das französische Volk hatte mit der ‘Großen Revolution’ (1789-1815)43 und deren Parole ‘liberté, égalité, fraternité’ bereits die Richtung angezeigt, in die es zu gehen gedachte.44

Der Versuch Charles X. die gesellschaftliche Struktur im großen Umfang wieder zu jener zu machen, die vor der Revolution herrschte, war demnach zum Scheitern verurteilt, und die aristokratische Feudalgesellschaft erlebte in der Restauration eine letzte Blütezeit. Die Geltung religiöser Orientierung wurde in dieser Periode ebenfalls aufgehoben (Graña, 1964: 7).

Mit der Restauration beginnt der historische Rückblick dieser Arbeit, da in dieser Zeit das Begehren des französischen Volkes nach Gleichstellung aus seiner Erschöpfung erwachte, welches gleichfalls schon 1789 die alte französische Gesellschaft und ihre Institutionen aufgelöst hatte:

“If the Revolution of 1789 put an end to ancient France and its institutions, the revolution which dethroned Charles X in 1830 consolidated, as a matter of law and of public hierarchy, the social processes to which 1789 had given such stimulus and point.”45

Die Verfolgung und Darstellung der von der französischen Bevölkerung gestellten Forderung nach ‘Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit’46 bis zum Ausbruch der Julirevolution ist das Ziel des folgenden Kapitels.

Die Politik der zweiten Phase der Restauration unter Charles X. (1824-1830), die den historischen Ausgangspunkt dieser Arbeit darstellt, zeichnet sich durch ihren rückwärtsgerichteten Willen zur Monarchie aus. Zahlreiche Aristokraten kehrten aus dem Exil zurück und hegten die Hoffnung, die Französische Revolution von 1789 ungeschehen machen zu können. Auf der anderen Seite standen das französische Bürgertum und eine sich neu gebildete Arbeiterklasse, das städtische Industrie-Proletariat,47 die sich einerseits in zunehmendem Maße des bestehenden sozialen Unrechts bewusst wurden und andererseits die Vorrechte des Adels vermehrt als untragbar empfanden.

a. Politische Unterdrückung des französischen Bürgertums

Das französische Volk48 war mit dem reaktionären Régime Charles X. unzufrieden. Es hatte für diese widerständige Haltung jedoch keine homogene Basis, sondern besaß, je nach gesellschaftlicher Schichtzugehörigkeit, unterschiedliche Beweggründe, die in diesem Abschnitt eine kurze schematische Darstellung finden sollen. Von diesen jeweils unterschiedlichen Ausgangssituationen, aus denen sich gleichermaßen heterogene Zielvorstellungen ergeben, gab es dennoch zumindest einen gemeinsamen Nenner: die Durchsetzung einer gerechteren Verteilung der politischen Macht.

Das finanzkräftige und das besitzende Bürgertum,49 welches jeweils wirtschaftlich längst an der Macht war und sich von der Vormachtstellung des Adels in seinen Eigentumsrechten, seinen persönlichen Freiheiten sowie seinen politischen Einflussmöglichkeiten extrem eingeschränkt sah, stellte sich eine gerechtere Verteilung der politischen Macht vor, insbesondere in Form einer Übertragung der Macht auf sich selbst als privilegierte Gruppe des französischen Bürgertums. Das Kleinbürgertum50 hingegen forderte tatsächlich für a l l e Gesellschaftsmitglieder die Demokratie und damit eine gerechtere Verteilung der politischen Macht:

“Demokratie in ihrem Munde bedeutete Gerechtigkeit, Freiheit.”51

Das städtische (Industrie-)Proletariat forderte in erster Linie seine alten Werte und Traditionen ein, wie eine sinnvolle Tätigkeit sowie die Beibehaltung seines familiären Zusammenschlusses. Es war ebenso wie das Kleinbürgertum davon überzeugt, dass durch die soziale Demokratie eine Revolution innerhalb des bestehenden Systems möglich ist.

Dieser Glaube gründete auf der Überzeugung, dass die Gesellschaft eine Einheit darstellt, die daran interessiert ist, die sozialen Probleme im Sinne aller zu lösen.

“The important thing is that, like other men of the Enlightenment, Voltaire took it for granted that the rational self-interest of individuals would flow into common tide of social benefits. The merchants, by putting their market transactions above the emotional and ceremonial traditions of their separate religious groups, were really acting in the service of humanity.”52

Die Situation des städtischen Proletariats hat in dieser Arbeit keinen zentralen Stellenwert. Sie wird aber ob ihrer Teilhabe am Gesamtgefüge des französischen Volkes, welches in den noch folgenden politischen Umwälzungen und theoretischen Vorstellungen von Bedeutung sein wird, an dieser Stelle exemplarisch skizziert.

Bei den folgenden Beschreibungen wird darauf hingewiesen, dass die letzten Jahre der Restauration im Zeichen einer wirtschaftlichen Krise standen, insbesondere das Jahr 1827, welches durch eine Hungerkatastrophe gekennzeichnet war. Die im Folgenden beschriebenen Zustände dürften deshalb zum Ende der Restauration sogar noch gravierender gewesen sein.

b. Ökonomische Unterdrückung des städtischen Proletariats

Durch die Zielsetzung des besitzenden Großbürgertums,53 seine Produktionserlöse stetig zu steigern, sank der Lohn der Arbeiter proportional zu ihrer steigenden Arbeitszeit.

Praktisch bedeutete dies, dass ein Arbeiter, der am Tag zwischen 14 und 17 Stunden für den Kapitalisten tätig war, trotz hohem zeitlichen und körperlichen Einsatz dennoch nicht in der Lage war, seine Familie zu ernähren. Die Folge davon war, dass auch Frauen und Kinder gezwungen waren, körperlich harte Arbeiten zu verrichten. Die damit verbundene Auflösung des traditionellen Familienverbundes sowie der Einsatz der Gesundheit wurde sogar noch schlechter entlohnt: Die gleiche Arbeit ergab in der Regel 60% des Einkommens der Männer für die Frauen. Die Kinder, die rechtlich ab dem 7. Lebensjahr eingestellt werden konnten, bekamen noch weitaus weniger Lohn für ihre Arbeit.54

Zu den unzureichenden Löhnen kamen Arbeitslosigkeit, unbezahlbare Brotpreise, erbärmliche Wohnverhältnisse und ein Ausgeschlossensein in einer aristokratisch und bürgerlich dominierten Gesellschaft.55 Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass zwischen 1820 und 1860 circa drei Viertel des Pariser Volkes in Armut und Elend lebten.56

Zusammenfassend lässt sich politisch gesehen die gesellschaftliche Formation zu diesem Zeitpunkt der Geschichte trotz der erwähnten heterogenen Ausgangsvoraussetzungen und Zielvorstellungen grob in zwei Gruppen aufteilen: der in seinem politischen Einfluss schwächer werdende Adel auf der einen Seite und das Demokratie fordernde französische Volk auf der anderen Seite.

II. ÄSTHETISCHE POSITIONEN WÄHREND DER RESTAURATION

Ästhetisch gesehen ist die Periode der Restauration vor allem deshalb für diese Arbeit von Bedeutung, da mit dem Hereinbrechen der Krisenjahre zwischen 1825-1830 der Beginn der bürgerlichen romantischen Bewegung zu verorten ist. Bürgerliche Gruppen setzten sich nun mit den Entwicklungsstufen bürgerlicher Herrschaft auseinander und begannen künstlerische Freiheit und bürgerliche Demokratie zu fordern:

“Hier liegt der Ausgangspunkt der Romantik als bürgerliche Bewegung, die sich ästhetisch gegen die von der Literaturkritik vertretenen Normen der Regelpoetik, politisch gegen die Herrschaft der Restauration richtet”.57

Einige Ausprägungen der philosophischen Ideen der romantischen Bewegung sind in dieser Arbeit von zentraler Bedeutung. Es handelt sich dabei um jene Vorstellungen, die später eine Matrix für jene Werte bilden, die zur Ausbildung des literarischen Feldes beitragen.

Bevor auf diese wichtigen Ideen eingegangen wird, erfolgt jedoch zuvor eine kurze und kontrastierende Darstellung des ästhetischen Vorläufers der Romantik, des Neoklassizismus´. Wie noch dargestellt wird, enthält auch er theoretische Elemente, die, ähnlich wie später bei der Romantik, synonym für eine bestimmte gesellschaftliche Haltung stehen.

a. Zum französischen Neoklassizismus

“Les Royalistes sont romantiques, les Libéraux sont classique.”58

Das assoziativ einführende Zitat von Balzac beschreibt einen bereits gewandelten Zustand: Ursprünglich war der Klassizismus ein höfisch-aristokratischer Stil. Im Zuge des gesellschaftlichen Führungswechsels - von der Aristokratie zum Bürgertum - und mit dem Beginn des politischen Liberalismus, machte dieser Stil jedoch einen Funktionswechsel durch und wurde “zum Vehikel der Ideen des progressiven Bürgertums.”59

Die in der Überschrift verwendete Vorsilbe ‘Neo’ bezeichnet den Rekurs auf die klassische Antike. Der Stil des Neoklassizismus ist durch eine “aristotelische Regelpoetik, [...] der objektiven Proportionslehre der Ästhetik und ihrer imitatio- Lehre”,60 gekennzeichnet, welche sich insbesondere durch die Merkmale “streng rational, zielstrebig und puritanisch”, (Hauser, 1990: 664) auszeichnen. Die Suche nach dem wahren Stil und dem guten Geschmack dehnte sich auf sämtliche Bereiche der Kunst aus; Kunsthandwerk und Innenarchitektur wurden davon ebenso ergriffen wie die Baukunst.

Stellvertreter dieser Kunstrichtung in Frankreich ist vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein vor allem Jaques Louis David (1748-1825), dessen Bild ‘Schwur der Horatier’ im Salon von 1785 als das “klassizistische Bild par excellence”, sowie als “das schönste Bild des Jahrhunderts”, (Hauser, 1990: 664) bezeichnet wurde.

Das Wirken Davids kann als bahnbrechend und revolutionär bezeichnet werden: Die gesamte Gesellschaft war von seiner Kunstauffassung durchwoben:

“Er ist [...] der Kunstdiktator der Revolution, [...] die Autorität, der die ganze künstlerische Propaganda, die Veranstaltung aller großen Feste und Feierlichkeiten, die Akademie mit allen ihren Funktionen, das gesamte Ausstellungs- und Museumswesen unterstellt sind”.61

Beinahe alle jungen Talente gehörten seiner Schule an und hielten ihm, wie beispielsweise sein Schüler Ètienne Jean Delécluze, noch bis in die 1860er Jahre hinein die Treue.

Die Tatsache, dass er auch der Maler Napoleons war, lässt vermuten, dass die Rückbesinnung auf die klassische Antike auch politischer Natur war (Hauser, 1990: 667).62 Die bürgerlich republikanischen Tugenden der griechischen Klassik dienten demgemäß auch den zeitgenössischen Republikanern bei der Legitimation ihres politischen Régimes:

“There is a total coincidence between official success and specific consecration, between temporal and artistic hierarchies, [...] where the highest authorities hobnob with the representatives of political power, [...] Irrespective of the quality of the results produced, a certain nobility was conferred upon any art which was related to these governmental ideas. Nationalism, love of France herself, respect for authority vested in the ruling power, and a desire to root the greatness of France deep in the past [H.S.St.]”.63

David hatte den Klassizismus mit zahlreichen stilistischen Neuerungen versehen, was zu seiner Zeit als revolutionär und gewagt gegenüber seinen klassizistischen Vorgängern angesehen wurde.64

[...]


1 Im Folgenden: Künstlerhabitus.

2 Boltanski, Luc u.a.: Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz, 2003: 711.

3 Bourdieu, Pierre: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Frankfurt am Main, 1999: 360.

4 Kneihs, Johann: Interview mit Pierre Bourdieu (deutsche Übersetzung): Transkript eines Gesprächs im Collège de France, Paris, am 19. Juni 1998. Aufgezeichnet für die ORF-Ö1- Sendung “Diagonal - zur Person: Pierre Bourdieu. Die verborgenen Mechanismen der Macht. Über den einflussreichsten Sozialwissenschaftler der Welt”, vom 24. Oktober 1998: “Wenn man Kugeln im Spiel hat, ist man nicht gleichgültig. Das ist “Interesse”, so wie ich das Wort verwende - mehr und mehr sage ich übrigens “Illusio”, um gerade diese Investition ins Spiel auszudrücken. Huizinga, der niederländische Historiker, weist auf die Etymologie des Wortes hin: “in ludere” bedeutet “im Spiel sein”, “im Spiel aufgehen”. [...] Das ist also Interesse... das aber gleichzeitig an sehr tiefe Sachen [H.S.St.] rührt, und die Leute in ihrem Selbstbild berührt, besonders die Intellektuellen, die Künstler, die Schriftsteller, die nicht ertragen, wenn man sagt, daß sie daraus Profit ziehen”.

5 Ebenda.

6 In Abgrenzung zum aristokratischen Subjekt und in Ableitung zu den beiden zentralen kulturellen und symbolischen Codes, die in Reckwitz, Andreas (a): Die Gleichförmigkeit und die Bewegtheit des Subjekts: Moderne Subjektivität von bürgerlicher und avantgardistischer Codierung. In: Klein, Gabriele (Hrsg.): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte, Bielefeld, 2004: 155-184, beschrieben sind.

7 Im Anschluss an die Korrespondenz wurde die Bezeichnung artistisch im Zuge der Ausarbeitung durch künstlerisch ersetzt. Inhaltlich zog diese Umbenennung keine Veränderungen nach sich.

8 Schriftliche Auskunft durch Dr. Joseph Jurt, Professor für französische Literaturwissenschaft im Romanischen Seminar der Universität Freiburg mit dem Arbeitsschwerpunkt u.a. Das Konzept des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu, vom 30.04.2005.

9 Besagte Rechtfertigungslogiken ergeben sich aus der Untersuchug der postulierten Verbindung zwischen dem sich sukzessive entwickelnden Künstlerhabitus und dem sich konstituierenden Feld in dynamisch historischer Form.

10 Verdeutlicht wird dies insbesondere durch den sich im Zuge der Untersuchung konstruierten künstlerischen Subjektcode.

11 Die damit postulierte Relation zwischen Kunstinteresse und Biographie wird ab Seite 11 in Abgrenzung zu J.P. Sartre weiter ausgeführt.

12 Avantgarde im Sinne von Kampf und Vorherrschaft bestimmter Führungsansprüche, um konkurrierende Systeme (Fähnders, Walter: Avantgarde und politische Bewegungen. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.): Text und Kritik. München, 2001: 63.; übereinstimmend Bourdieu, Pierre, 1999: 353-357).

13 Dieses Vorgehen geschah in Anlehnung an Bourdieus empfohlener Vorgehensweise der drei Schritte. In einem ersten Schritt wird das (sich konstituierende) literarische Feld im Feld der Macht - und deren sukzessiver Entwicklung untersucht und in einem zweiten Schritt wird die Analyse der inneren Struktur des literarischen Feldes vorgenommen (Bourdieu, 1999: 340) “eine Untersuchung der Struktur der objektiven Beziehungen zwischen den Positionen, die von den miteinander konkurrierenden Individuen oder Gruppen eingenommen werden.”

14 In Anlehnung an Schritt drei der von Bourdieu empfohlenen Vorgehensweise (Bourdieu, 1999: 340): “die Untersuchung der Genese des Habitus [...] der Dispositionen, die als Ergebnisse eines gesellschaftlichen Werdegangs und einer Position innerhalb des literarischen Feldes [..] in dieser Position eine mehr oder weniger günstige Gelegenheit ihrer Aktualisierung finden”.

15 Jaeger, Friedrich: Historische Kulturwissenschaft. In: Derselbe u.a. (Hrsg.): Handbuch der Kulturwissenschaften. Paradigmen und Disziplinen. Bd. 2, Stuttgart, 2004: 532.

16 Raphael, Lutz: Habitus und sozialer Sinn: Der Ansatz der Praxistheorie von Pierre Bourdieu. In: Jaeger, Friedrich u.a. (Hrsg.): Handbuch der Kulturwissenschaften. Bd. 2, Stuttgart, 2004: 267.

17 Wolf, Herta: Einleitung (1983). In: Dieselbe (Hrsg.): Die Originalität der Avantgarde und andere Mythen der Moderne. Amsterdam u.a., 2000: 42.; Eine nähere Beschreibung des Begriffs des Poststrukturalismus ist in dieser Arbeit nicht vorgesehen, sondern dient an dieser Stelle lediglich dem Zwecke der Abgrenzung zur angewendeten Methode. Der Begriff des Poststrukturalismus wird in angegebenem Werk näher erläutert.; vgl. ebenso u.a. Bertens, Hans: The Idea of the Postmodern. London u.a., 1995.

18 Bourdieu, Pierre: Das literarische Feld. In: Pinto, Louis u.a. (Hrsg.): Streifzüge durch das literarische Feld. Konstanz, 1997: 33-149.

19 Bourdieu, 1997: 34.; übereinstimmend Bourdieu,1999: 341.; ebenso Schwingel, Markus: Kunst, Kultur und Kampf um Anerkennung. Die Literatur- und Kunstsoziologie Pierre Bourdieus in ihrem Verhältnis zur Erkenntnis- und Kultursoziologie. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte und deutsche Literatur, 1997, Tübingen, 22/2: 111.

20 Bourdieu, 1999: 220.

21 Im Folgenden auch: die Kulturschaffenden.

22 Bourdieu, 1999: 84.

23 Bourdieu, 1997: 101.

24 Bezogen auf das literarische Feld beschreibt der Begriff das Ergebnis des sukzessive fortschreitenden Kampfes der Kulturschaffenden um Selbstbestimmung.

25 Jurt, Joseph: Das literarische Feld, Bonn. 1995: 81.

26 Bourdieu, Pierre: Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt am Main, 1987: 34.

27 Jurt, 1995: 90.; ebenso Bourdieu, 1997: 38.

28 Flaig, Egon: Habitus, Mentalitäten und die Frage des Subjekts: Kulturelle Orientierungen sozialen Handelns. In: Jaeger, Friedrich u.a. (Hrsg.): Handbuch der Kulturwissenschaften, Bd. 2, Stuttgart, 2004: 360.

29 Ein System von Dispositionen ergibt den Habitus.

30 Raphael, 2004: 268.

31 Wie zum Beispiel die in diesem Zusammenhang in der Grundlegung genannten Werke.

32 Hauser, Arnold: Sozialgeschichte der Kunst und Literatur. München, 1990: 572.

33 Reckwitz (a), 2004: 163.

34 Boltanski, 2003: 84.

35 Laut Dresdner, Albert: Die Entstehung der Kunstkritik (1915), Dresden, 1968: 28, jene “literarische Gattung, welche die Untersuchung, Wertung und Beeinflussung der zeitgenössischen Kunst zum Gegenstand hat.”

36 Gemäß Bürger, Peter: Theorie der Avantgarde. Frankfurt am Main, 1974: 29, der “Kunstproduzierende und -distribuierende Apparat als auch die zu einer gegebenen Epoche herrschende Vorstellung über Kunst [...], die die Rezeption von Werken wesentlich bestimmen.”

37 Chiapello, 1998: 18.; ebenso Graña, César: Bohemian versus Bourgeois: French Society and the French man of Letters in the Nineteenth Century. New York, 1964: XIV: “Stendhal, Flaubert, or Baudelaire are not only writers of the French scene. What they said raised nearly every issue of the still-running debate of modern culture generally.”

38 Braudel, Fernand u.a. (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft in Frankreich im Zeitalter der Industrialisierung. 1789-1880. Band 1, Frankfurt am Main, 1986: 54 ff.; übereinstimmend Graña, 1964: 7.

39 Einfalt, Michael: Zur Autonomie der Poesie. Literarische Debatten und Dichterstrategien in der ersten Hälfte des Second Empire, Tübingen, 1992: 81.

40 Baudelaire, Charles: Mein entblößtes Herz. Tagebücher, Kemp, Friedhelm (Hrsg.), Frankfurt am Main, 2. Aufl., 1986: 52.

41 Die Freiheit des Individuums wurde durch die Herrschaft des Gesetzes als Grundlage des liberalen Staates angesehen. Vor dem Gesetz waren alle Franzosen seit der Übernahme der ‘Déclaration des Droits’ aus dem Jahre 1789 theoretisch gleich. Aber Ungleichheiten vor dem Gesetz bestanden weiter. Stellenprivilegien waren beispielsweise an Vermögen, Rang und Geschlecht gebunden; auch Vereinigungen aller Art, sei es unter Unternehmern oder Arbeitern, fielen unter die Bestimmung des Strafgesetzbuches, um nur zwei der bestehenden Ungleichheiten der Franzosen vor dem Gesetz zu nennen. Adeline Daumards drückt den Sachverhalt zusammenfassend folgendermaßen aus (Braudel, 1986: 117): “Der liberale Staat begünstigte die Eliten und die Individuen, die fähig waren, sich selbst durchzusetzen. Aber er war kaum für solche Leute gemacht, die nur als Mitglieder einer Gruppe Selbstbewußtsein und Sicherheit entwickelten.”

42 Hauser, 1990: 707.

43 In Anlehnung an Braudel, 1986.

44 Die berühmte Parole weist auf das wesentliche Kennzeichen der Revolution hin, welches sich laut Braudel, 1986: 17, in der “Liberalisierung der Wirtschaft und der Verwirklichung der nationalen Einheit durch die Abschaffung der Feudalherrschaft und der Standesprivilegien”, ausdrückt.

45 Graña, 1964: 7.

46 Wobei die Umsetzungsversuche ebenso heterogen waren wie die französische Gesellschaft laut Engler, Wilfried: Die französische Romantik, Tübingen, 2003: 12 f, selbst “Franzosen unterschiedlichen Status und geistigen Habitus, Aristokraten und Bürgerliche, Konservative und Liberale [..] transformierten fortan in unterschiedlichen Ansätzen anthropologische und soziologische Entwürfe der Revolution”.

47 Die Mühlen der Industrie vereinnahmte unter diesem Begriff gemäß Hauser, 1990: 572 “Handwerker, Tagelöhner, besitzlose und entwurzelte Bauern, gelernte und ungelernte Arbeiter, Männer, Frauen und Kinder”.

48 Das französische Bürgertum und das städtische (Industrie-)Proletariat.

49 Im Folgenden stets Großbürgertum genannt, wenn eine differenziertere Abstufung nicht für notwendig erachtet wird. Es stellt den positiv privilegierten Teil des französischen Bürgertums dar.

50 Es stellt den negativ privilegierten Teil des französischen Bürgertums dar.

51 Mann, Otto: Der Dandy. Ein Kulturproblem der Moderne, Gerabronn Württ, 1962: 18.

52 Graña, 1964: 89.

53 Gemäß seiner Funktion in diesem Zusammenhang im Folgenden auch als ‘Kapitalist’bezeichnet.

54 Kuczynski, Jürgen: Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus, Bd. 32, Berlin (Ost), 1967: 175, 164.

55 Pruss-Kaddatz, Ulla: Wortergreifung. Zur Entstehung einer Arbeiterkultur in Frankreich, Frankfurt am Main, 1982: 99.

56 Braudel, Fernand u.a. (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft in Frankreich im Zeitalter der Industrialisierung. 1789-1880. Band 2, Frankfurt am Main, 1988: 298 ff.

57 Stenzel, Hartmut: Der historische Ort Baudelaires, München, 1980: 36.

58 Honoré de Balzac: ‘Les illusiones perdus’.

59 Hauser, 1990: 525.

60 Einfalt, Michael: Autonomie, In: Barck, Karlheinz u.a. (Hrsg.): Ästhetische Grundbegriffe, Bd. 1 Stuttgart, 2000: 439.

61 Hauser, 1990: 667.

62 Es sollte in diesem Zusammenhang zwischen dem Geschmack des Regierungsoberhauptes und dem des französischen Bürgertums differenziert werden: Das Bürgertum zog zwar den klassizistischen Stil gegenüber dem sensualistischen und überschwenglichen Barock vor, favorisierte in diesem Zusammenhang jedoch nur den eng umgrenzten rationalen Realismus, das heißt laut Hauser, 1990: 649, “die innere Widerspruchslosigkeit der Darstellung.”

63 Bourdieu, Pierre: Manet and the Institutionalization of Anomie. In: Ders.: The Field of Cultural Production. Polity Press, UK, 1993: 243.

64 Gemäß Hauser, 1990: 671, erscheint der Neoklassizismus nur aus der Perspektive der Nachwelt eklektisch: “Wie gewagt und umwälzend ihnen [den Zeitgenossen; A.S.St. die Neuerungen vorkamen, beweisen am besten die Worte des Akademiedirektors Pierre, der die Komposition der Horatier wegen ihrer Abweichung von dem üblichen Pyramidenschema als ein ‘Angriff auf den guten Geschmack’ bezeichnete.”

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kunst und Bildwissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
99
Katalognummer
V51632
ISBN (eBook)
9783638475464
ISBN (Buch)
9783638787802
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genese, Feldtheorie, Bourdieu, Künstlerhabitus, Baudelaire, Authentizität, Genie, Inspiration, Kunst, Einzigartigkeit, Kritik, Subjektcode
Arbeit zitieren
M.A. Sonja Sturm (Autor), 2005, Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51632

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden