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Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire

Titre: Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire

Mémoire de Maîtrise , 2005 , 99 Pages , Note: 1,5

Autor:in: M.A. Sonja Sturm (Auteur)

Art - Théorie de l'art, Généralités
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Am Beispiel von Charles Baudelaire erforscht die Autorin mittels der Feldtheorie und des Habituskonzepts von Pierre Bourdieu die Entstehung eines spezifischen künstlerischen Bereiches, der seine Wurzeln im 19. Jahrhundert hat und für das aktuelle Kunstgeschehen noch immer relevant ist.

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Die Arbeit ist in hohem Maße methodologisch reflektiert und erreicht dadurch eine problemorientierte Darstellungsform ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Jeder Schritt der Darstellung wird begründet und zeugt von der hervorragenden Kenntnis der für das Thema relevanten Literatur. Die Autorin ist jederzeit in der Lage, einen genuin kulturwissenschaftlichen Ansatz zur Anwendung kommen zu lassen unter Berücksichtigung der international aufgefächerten Literatur. Die Verschränkung der unterschiedlichen Forschungsperspektiven hat in dieser Arbeit zu einem für den deutschsprachigen Raum überaus interessanten Ergebnis geführt, einer Rekonstruktion der Genese des literarischen Feldes in einer Forschungstradition, die noch am Anfang steht, gleichwohl aber viel versprechende Perspektiven aufweist.

(Dr. Christoph Behnke, Universität Lüneburg)

Extrait


Inhaltsverzeichnis

A. Grundlegung

I. Einleitung

II. Fragestellung

III. Gang der Untersuchung

a. Ablauf

b. Methode

IV. Begriffs-Kennzeichnung

a. Das literarische Feld

1. Einordnung in den Kunstkontext

2. Theoretischer Aufbau

b. Das Habituskonzept

c. Das französische Bürgertum

B. Kulturhistorische Verortung

I. Politische und ökonomische Positionen der Restauration

a. Politische Unterdrückung des französischen Bürgertums

b. Ökonomische Unterdrückung des städtischen Proletariats

II. Ästhetische Positionen während der Restauration

a. Zum französischen Neoklassizismus

b. Der Einfluss des aristokratischen Subjektcodes

c. Zur französischen Romantikkonzeption

1. Zum Einfluss von Immanuel Kant

aa. Das Schöne und das Erhabene

bb. Der Import der romantischen Ideen

2. Zur nachrevolutionären Romantikkonzeption

III. Zur Julirevolution und ihren Folgen

a. Louis Phillippe von Orléans

b. Der bürgerliche Subjektcode

IV. Zum Milieu der Bohème

a. L´art bourgeois

b. L´art social

c. L´art pour l´art

V. Der künstlerische Subjektcode

a. Die Definitionsmacht des künstlerischen Genies

b. Kritik und Distanz

c. Le monde de l´inspiration

d. Authentizität und Einzigartigkeit

C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire

I. Biographisches

a. Kindheit und Jugend

b. Poesie, Malerei und das freie Leben

II. Baudelaire als Kunstkritiker

a. Baudelaires romantisch geprägte Kunstauffassung

b. Das Großstädtische

III. Baudelaire als Gesetzgeber

a. Der Aufbau einer autonomen Kritik

b. Baudelaires Eingreifen in die Wagner-Debatte

c. Die Kandidatur an der Académie française

IV. Baudelaire als Avantgardist

D. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kulturwissenschaftlich die Genese des literarischen Feldes in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist die Analyse der Rolle von Charles Baudelaire bei der Konstitution dieses Feldes, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen seinem Künstlerhabitus und den sich entwickelnden Strukturen des literarischen Feldes unter Rückgriff auf die Theorien von Pierre Bourdieu beleuchtet wird.

  • Die Genese des literarischen Feldes im Frankreich des 19. Jahrhunderts.
  • Die Anwendung der Feldtheorie und des Habituskonzepts von Pierre Bourdieu.
  • Die Rolle von Charles Baudelaire als Gesetzgeber und Avantgardist.
  • Die Untersuchung der kulturellen und ästhetischen Subjektcodes (aristokratisch, bürgerlich, künstlerisch).
  • Die kulturhistorische Verortung der Romantik und der Bohème.

Auszug aus dem Buch

b. Poesie, Malerei und das freie Leben

Die Reise hatte den von den Eltern beabsichtigten erzieherischen Zweck nicht erfüllt: Baudelaire nahm seinen eskapistischen Lebensstil nach seiner Rückkehr wieder auf. Zudem gelangte er mit der Erlangung der Volljährigkeit im April 1842 an seinen Anteil aus dem väterlichen Vermögen.

Baudelaire nahm wieder Kontakt zu seinen Freunden von der normannischen Schule auf, mit denen ihn das Interesse für Literatur verband. Prarond Vavasseur und Argonne veröffentlichten 1842 einen Gedichtband, an dem Baudelaire ursprünglich hätte mitarbeiten sollen. Gemäß Prarond sollen in dieser Zeit ebenfalls ein großer Teil der Fleurs du Mal verfasst worden sein: “Baudelaire”, schreibt Prarond, “zeichnet sich schon sehr früh durch seine dichterische Begabung und seine Leidenschaft für alle Künste aus.”

Charles arbeitet zeitweise als Journalist und Kunstkritiker für kleine Zeitungen; verfasst aber auch Beiträge für anonyme Hefte wie die Mystères galans von 1844. Die Mystères stellten eine Sammlung von Anekdoten und Klatschgeschichten aus dem Leben bekannter Schauspieler dar, für die neben Baudelaire verschiedene Vertreter der literarischen Bohème schrieben: Mathieu Dairnvaell, Fortuné Mesuré, Abbé Constant, Privat d´Anglemont. Die Vignette auf dem Umschlag wurde von Gaspard-Félix Tournachon, besser bekannt als Nadar, gezeichnet und anonym mit ‘N’ signiert (Poulet, 1969: 33).

Bedingt durch Baudelaires Interesse für alle Künste beschäftigte er sich in den Jahren 1842-1846 ebensoviel mit der Malerei wie mit der Poesie. Er begann über die zeitgenössischen Maler zu schreiben. Seine Bewunderung für Delacroix, der in seiner Malerei sowie in seinen kunsttheoretischen Betrachtungen als ‘Vollender der Romantik’ (Pochat, 1986: 522) erscheint, war grenzenlos: “Eugène Delacroix ist entschieden der originellste Maler der alten wie der modernen Zeit.”

Zusammenfassung der Kapitel

A. Grundlegung: Einführung in die kulturwissenschaftliche Fragestellung, die theoretischen Ansätze von Pierre Bourdieu und die Definition der zentralen Begriffe.

B. Kulturhistorische Verortung: Historischer Überblick über die politische, ökonomische und ästhetische Lage in Frankreich von der Restauration bis zur Julimonarchie.

C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire: Analyse von Baudelaires Biographie, seinen kunstkritischen Schriften und seiner Rolle bei der Konstitution eines autonomen literarischen Feldes.

D. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Evaluation der Ergebnisse hinsichtlich der Fragestellung und der Anwendbarkeit des theoretischen Modells.

Schlüsselwörter

Charles Baudelaire, literarisches Feld, Pierre Bourdieu, Habitus, Künstlerhabitus, Romantik, Avantgarde, Julimonarchie, Restauration, Kunstkritik, Subjektcode, Bohème, Autonomie, Moderne, Geniekult

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Entstehung und Strukturierung des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich, wobei die zentrale Rolle von Charles Baudelaire als Initiator und Gesetzgeber dieses Feldes im Vordergrund steht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verknüpft kulturhistorische Analysen der politischen und ökonomischen Umbrüche dieser Zeit mit ästhetischen Theorien, der Entwicklung des Künstlerhabitus und der soziologischen Feldtheorie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, wie Charles Baudelaire durch sein Wirken und seinen Habitus zur Konstitution eines autonomen literarischen Feldes beitrug und ob dies als vorbildhafte Position der Avantgarde gelten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine historisch hermeneutische Methode angewandt, die als praxistheoretische Vermittlung zwischen individueller Intentionalität und gesellschaftlicher Bedingtheit sozialen Handelns verstanden wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden neben der kulturhistorischen Einordnung (Restauration, Julimonarchie) die theoretischen Grundlagen des literarischen Feldes und der Subjektcodes (aristokratisch, bürgerlich, künstlerisch) erarbeitet sowie Baudelaire als Kunstkritiker, Gesetzgeber und Vorläufer der Avantgarde analysiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch die Terminologie von Pierre Bourdieu, insbesondere die Begriffe Feld, Habitus, 'Illusio', symbolisches Kapital, sowie durch Begriffe wie 'art pour l'art', Bohème und 'künstlerischer Subjektcode'.

Welche Rolle spielt die 'Illusio' für die Argumentation des Autors?

Die 'Illusio' dient als notwendiges Bindeglied, um die konjunkturelle Beziehung zwischen dem Künstlerhabitus von Baudelaire und der Struktur des sich bildenden literarischen Feldes zu erklären und deren Funktionieren nachzuvollziehen.

Warum wird der Begriff des 'künstlerischen Subjektcodes' konstruiert?

Dieser Begriff wurde von der Autorin entwickelt, um die spezifische Rechtfertigungslogik zu fassen, die zwischen dem Künstlerhabitus und dem literarischen Feld besteht, da existierende Ansätze diese Konnexion oft nicht explizit genug thematisieren.

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Résumé des informations

Titre
Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire
Université
University of Lüneburg  (Kunst und Bildwissenschaften)
Note
1,5
Auteur
M.A. Sonja Sturm (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
99
N° de catalogue
V51632
ISBN (ebook)
9783638475464
ISBN (Livre)
9783638787802
Langue
allemand
mots-clé
Genese Feldtheorie Bourdieu Künstlerhabitus Baudelaire Authentizität Genie Inspiration Kunst Einzigartigkeit Kritik Subjektcode
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
M.A. Sonja Sturm (Auteur), 2005, Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51632
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Extrait de  99  pages
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