"Kinder können fernsehen". Eine kommentierte Zusammenfassung des Ratgebers von Jan-Uwe Rogge


Rezension / Literaturbericht, 1999

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Kinder können fernsehen – eine Zusammenfassung

Kinder können fernsehen – kein „Fernsehpropagierungsbuch“?

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

In seinem Buch „Kinder können fernsehen“, welches in der vom Rowohlt-Verlag herausgegebenen Reihe Mit Kindern leben erschienen ist, versucht Jan-Uwe Rogge einen sinnvollen Umgang mit dem Medium Fernseher aufzuzeigen. Aufgrund der heute auftretenden Flut an Fernsehbildern und der daraus resultierenden Hilflosigkeit von Eltern „fernsehender Kinder“ möchte der Autor Eltern Ratschläge über einen gesunden Umgang ihrer Kinder mit dem Fernseher geben. Er erläutert den von ihm erforschten Fernsehalltag der verschiedenen Altersgruppen und versucht einige Betrachtungsweisen bzw. Mythen näher zu erläutern, um sie danach gegebenenfalls richtig zu stellen.

Rogge ist von Beruf Medienforscher und arbeitet in der Familienberatung. Seine Kenntnisse kindlicher Unterhaltungsbedürfnisse gewinnen aufgrund vieler von ihm durchgeführter Forschungen zusätzlich an Authentizität.

Der Autor ist der Ansicht, dass Kindern die Möglichkeit des Fernsehens durchaus gegeben werden sollte. Weder empfindet er sie als zu klein, um die Sendungen zu verstehen, noch stellt er das Medium als etwas Negatives und für Kinder Schädliches dar. Aber: Er differenziert.

Er macht die unterschiedlichen Fernsehbedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen deutlich. Rogge zeigt die für ihn nicht mehr aus unserer Zeit wegzudenkende Television mit ihren unterschiedlichen Angeboten für alle Altersklassen als eine Seite des Familienalltages auf, die durch bewusstes aber auch tolerantes Eingreifen bzw. Kontrollieren als Bereicherung und Förderung der Kindesentwicklung dienen kann.

Doch spricht er auch einige negative Aspekte des Fernsehens an, um so vor den Folgen von zuviel bzw. nicht kindgerechter Nutzung des Mediums zu warnen.

Ich möchte in der folgenden kommentierten Zusammenfassung des 1990 beim Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienenen Buches Jan-Uwe Rogges näher auf seine Betrachtungsweisen eingehen und mich mit einigen von ihnen auseinandersetzen.

KINDER KÖNNEN FERNSEHEN – EINE ZUSAMMENFASSUNG

Jan-Uwe Rogge kann sich als Medienforscher, der gleichzeitig in der Familienberatung tätig ist, auf viele von ihm durchgeführte Studien stützen. Er ließ Kinder ihre Phantasien malen, ließ sich ihre Ängste erzählen, sprach mit ihnen über ihre Fernseherlebnisse und besprach mit vielen ratlosen Eltern die Probleme des Fernsehkonsums ihrer Kinder. In seinem 1990 beim Rowohlt-Verlag erschienenen Buch „Kinder können fernsehen“ konnte er seine Erkenntnisse zusammentragen und veröffentlichen. Das Buch ist Teil der Eltern-Ratgeberreihe Mit Kindern leben.

Um ihr Kind zu verstehen müssen Eltern versuchen, mit den Augen eines Kindes fernzusehen. Dabei ist Rogge folgender Aspekt sehr wichtig: Kinder erleben und interpretieren die Fernsehbilder meist aus ihren eigenen Erfahrungen heraus. Sie sehen die Filmwelt so, wie sie ihre reale Welt bis jetzt kennen gelernt haben. Sie besetzen die Filmhelden mit ihren eigenen Träumen, Phantasien und Wünschen und verarbeiten die angesprochenen Themen mit ihren Sichtweisen, Ängsten und Vorstellungen. Rogge (1990, S.16,17) hebt hervor:

Kinder gehen mit vielfältigen positiven wie negativen, erfreulichen wie verunsichernden Alltagserfahrungen, mit einem Vorwissen, mit präzisen oder weniger klaren Vorstellungen an Sendungen heran. (...) Das, was Kinder aus einem Fernsehhelden für sich herausholen, wie sie ihn interpretieren und für sich vereinnahmen, hat häufig mehr mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun als mit den Absichten, die ein Drehbuchautor oder Regisseur in seine Arbeit hineingelegt hat.

Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und stellt die Grundlage dar, auf der die weiteren Thesen und Erkenntnisse aufbauen. Nach Auffassung des Autors gehen Kinder mit ihren Vorerfahrungen, ihren realen und irrealen Ängsten an Fernsehsendungen und Medienprodukte heran. Demnach, so Rogge, ist es nicht das eigentliche Fernsehthema, das angst machen kann, sondern die Gefühle, die es beim Kind hervorruft. Beispielsweise kann ein Zeichentrickfilm, in dem die Mutter des Kindes, welches die Hauptrolle spielt, stirbt, beim zuschauenden Kind große Angst vorm Tod der eigenen Mutter bzw. geliebter Personen auslösen. Für kleine Fernsehzuschauer muss der Tod einer Filmfigur nicht bloß einen Teil der gesamten Handlung darstellen, sondern kann das entscheidende Moment überhaupt sein. Natürlich reagiert jedes Kind unterschiedlich und entsprechend seiner bisherigen Lebenserfahrung und seines Alters. Es muss eine konkrete Verbindung zwischen dem Filmthema und dem eigenen Leben geben. „Ein Kind eignet sich ein Medienthema an, indem dies zu seinem Thema wird, indem es sich in den Handlungen wiederfindet und diese in Beziehung zu eigenen Alltagsereignissen stellt.“ (Rogge 1990, S.56) Kinder, die beispielsweise von der bevorstehenden Trennung ihrer Eltern wissen bzw. diese schon durchlebt haben, werden einen Film, der dieses Thema anspricht als besonders tragisch empfinden und auch darauf reagieren. Das kann sich in sehr vielen Ausdrucksmöglichkeiten zeigen: manche Kinder werden vielleicht besonders viel Nähe zum verbliebenen Elternteil suchen, andere vielleicht sich den Film noch viele Male ansehen, um mit ihm dieses schmerzvolle Thema zu verarbeiten. Hier sieht der Autor einen durchaus positiven Aspekt des Fernsehens. Es kann Kindern helfen, bestimmte problembehaftete Erfahrungen besser zu bewältigen. Dies geschieht seiner Meinung nach indem das Kind mit dem Filmhelden, der durch das gleiche Schicksal nicht selten zum Lieblingsheld „aufgestiegen“ ist, wieder und wieder das Problem durchgeht und miterlebt. Irgendwann hat das Kind dann eigene Bewältigungsstrategien entwickelt, kann allein dem Problem begegnen und wird sich bald von der Filmfigur loslösen (vgl. Rogge 1990, S.46).

Doch zurück zu dem Film, der von der Trennung eines Elternpaares handelt. Kinder, die ihre Eltern als zwei eng miteinander verbundene Menschen kennen, werden möglicherweise gar nicht auf diesen Film reagieren. Sie begreifen den Filminhalt nicht als problematisch, da ihnen vielleicht der Gedanke an die elterliche Trennung als unwirklich vorkommt und er noch nie Teil ihres bisherigen Lebens war. Das Ansprechen einer Trennung kann aber auch genau das Gegenteil bewirken und die Kinder zum Nachdenken über eine mögliche Scheidung ihrer Eltern animieren. Die Reaktionen von Kindern verschiedener Altersgruppen auf die ihnen vorgezeigte Fernsehwelt können also sehr unterschiedlich ausfallen. Das Alter bestimmt weiterhin die Art der Wahrnehmung des Gesehenen. Rogge zeigt auf, dass je jünger ein Kind ist, desto wichtiger ist ihm die Geräusch- und Bildkulisse und desto intensiver erlebt es den Film (vgl. 1990, S.24). Ein Kind kann je jünger es ist, seine Umwelt nur durch ein buchstäbliches Be-Greifen verstehen und aufnehmen, es ist also auf fass- und greifbare Dinge angewiesen. Da das Fernsehen ihm das nicht bieten kann, sind Geräusche und fürs Kind überschaubare Bildkulissen nötig, um ihm wenigstens ein „minimales Fernseherlebnis“ zu ermöglichen. Außerdem benötigen jüngere Kinder eine stark polarisierte und überschaubare Filmwelt, da bei ihnen die differenzierte Wahrnehmung noch am schwächsten ausgebildet ist. Dies drückt sich vor allem in Märchen aus, wo für die Kinder klar feststeht wer gut und wer böse ist: die gutherzige, schöne Prinzessin und die böse Stiefmutter zum Beispiel. Kinder brauchen und wollen diese polarisierte Welt, denn sie bietet ihnen Überschaubarkeit, Sicherheit und Verlässlichkeit, was Rogge als die obersten Prinzipien und Anforderungen von Kindern an Fernsehsendungen ansieht (vgl. 1990. S.26). Die kleinen Zuschauer können somit sicher gehen, dass ihr Held am Ende gewinnt, und sie können die für sie nervenaufreibende Handlung bis zum Ende durchhalten, da das Happy End gewiss ist. Bei Filmen mit unklarem Ausgang hingegen, können die Kinder gefühlsmäßig überfordert sein und mit Stress reagieren. Das kann sich in physiologischen Reaktionen wie Schweißausbrüchen ausdrücken oder ihnen im Inneren einen mentalen Stress bereiten, der sich noch tagelang in unnormalen Verhaltensweisen zeigen kann. Damit lässt sich erklären, dass Sendungen mit einem überschaubaren Personenkreis, einem über (fast) nur gute Eigenschaften verfügenden Haupthelden, einer eindeutig bösen Filmfigur und einem vorprogrammierten guten Ende bevorzugt werden. Neben dem „übernatürlich guten“ Haupthelden, in den die Kinder ihre Wünsche und nicht auslebbaren Phantasien hineinprojizieren können, existiert oft ein Nebenheld, der meist „mit vielen, ganz menschlichen und nachvollziehbaren Fehlern und Charakterschwächen behaftet (ist).“ (Rogge 1990, S.27) Er verkörpert die Realität. Während Erwachsene hier ein zu einseitiges, polarisiertes Weltbild vermuten könnten, sei, so Rogges Forschungsergebnis solch eine vorgeführte Welt genau das, was Kinder wollten. Wie ich schon sagte kann ein Kind je jünger es ist, weniger zwischen den Personen differenzieren und desto wichtiger ist ihm ein überschaubares, polarisiertes Weltbild. Kinderfilme, die von den Kindern ein zu hohes Maß an Differenzierungsgabe erwarten, überfordern es schlichtweg. Es wird den Film nicht verstehen und ihn somit auch nicht verarbeiten können.

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Details

Titel
"Kinder können fernsehen". Eine kommentierte Zusammenfassung des Ratgebers von Jan-Uwe Rogge
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz  (Fachbereich Sozialwesen - Erziehungswissenschaftliches Seminar)
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V5165
ISBN (eBook)
9783638131445
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Zusammenfassung, Ratgebers, Jan-Uwe, Rogge
Arbeit zitieren
Henriette Hanig (Autor), 1999, "Kinder können fernsehen". Eine kommentierte Zusammenfassung des Ratgebers von Jan-Uwe Rogge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5165

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