Heinrich IV. und seine Zeit

Das Reich am Ende der Regierung Heinrichs III.


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erbe des Heinrich III

2. Das Reich am Ende der Regierung Heinrichs III
2.1 Erster Konflikt: Gottfried der Bärtige
2.2 Auflehnung Konrads, dem Herzog von Bayern
2.2 Der Ungarnkonflikt
2.3 Das Simonieproblem

3. Wie ist Heinrich III. zu bewerten?

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetmaterial

1. Erbe des Heinrich III.

„Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde. Ich will Dir allzeit treu und gewärtig sein - wenn du ein gerechter Herrscher wirst.“1,2

So schwört Rudolf von Rheinfelden, der Herzog von Schwaben, in der ZDF- Dokumentationsreihe 1053 in Tribur dem zukünftigen König, Heinrich IV., seine Treue.3 Jedoch passiert hier etwas außerordentlich ungewöhnliches: Die Treue wird an eine Bedingung angeknüpft.4 Doch wie kommt es, dass dem erst zweijährigen Thronfolger jene Bedingung überhaupt auferlegt wird? Diese Frage findet ihre Antwort im Vorgänger Heinrichs IV., seinem Vater - wo doch solch eine Eigenschaft einem Kind abzuverlangen wenig Sinn macht.

Heinrich III. verfolgte eine Herrschaftspolitik, die sich fast durch seine gesamte Regentschaft unverändert gehalten hat. Er vermachte große Teile seines Landes an die Mitglieder seiner Blutslinie und übersah dabei manchmal mächtige Fürsten und Herzöge, sowie er auch Machtanhäufungen unter seinen Untergebenen planmäßig durch Umverteilung verhinderte.5,6 Dieses Vorgehen führte auf langfristiger Ebene zu Machtverlust und auch zu Auflehnungen gegen den Kaiser, die sogar bis hin zu Mordverschwörungen reichten.7

In der folgenden Arbeit gilt es Komplikationen solcher Art, sowie Entscheidungen und Vorgehensweisen des deutschen Kaisers und ihre Auswirkungen auf das Reich zu untersuchen und anschließend einen Versuch zur Bewertung anzustellen. Dafür wird der Fokus am Ende seiner Regierungszeit liegen. Das Hauptaugenmerk soll hierbei auf den Konflikten mit Ungarn, den Simonieproblemen und den Umgang Heinrichs mit jenen, sowie den innerpolitischen Schwierigkeiten liegen.

Als Grundlage für diese Arbeit sind unter anderem Wissenschaftler wie Egon Boshof, Friedrich Prinz, Matthias Becher und Stefan Weinfurter zu nennen.

2. Das Reich am Ende der Regierung Heinrichs III.

Zum Ende seiner Regierungszeit hatte Heinrich einige Konfliktsituationen zu bewältigen. Diese waren, innen- sowie außenpolitischer Natur. Außenpolitisch waren zum einen die östlichen Landen eine große Sorge, die er versuchte unter Kontrolle zu kriegen. Wobei die Folgen seiner Verfügungen größer waren, als er sie wahrscheinlich zuvor erahnt hatte. So beschwor seine Ungarnpolitik brenzlige Situationen herauf, die dazu führte, dass sich Fürsten und Herzöge sich von ihm distanzierten und ihrem Herren den Rückhalt versagten. Zum anderen waren die Simonieprobleme bei der Vergabe des Papstamtes ein großes Thema, die er als angehender Kaiser zu lösen hatte. Diesbezüglich ist jedoch eine differenzierte Betrachtung von Nöten, da die Gründe und Absichten eine andere Form annehmen, wenn man denn die Umstände in Relation mit seinem Bestreben die Kaiserwürde zu erlangen setzt.

Innenpolitisch sorgten die, aus der heutigen Sicht, Aufspaltungen großer Machtanhäufungen für Aufruhr. Einige fühlten sich in ihrem Recht betrogen und andere scheuten nicht einmal eine offene Konfrontation. Während die salische Dynastie den Herrschaftsanspruch als für selbstverständlich hinnahm, waren anderweitige Persönlichkeiten aus anderen mächtigen Stämmen unterschiedlicher Meinung.

2.1 Erster Konflikt: Gottfried der Bärtige

Eine der politischen Intentionen beziehungsweise Bestrebungen Heinrichs lag darin, dass sich keine größeren Herrschaftsräume innerhalb seiner Grenzen bildeten. Schon in den Zeiten vor seiner Regentschaft hatten große Stämme wie die Sachsen etc. aufgrund solcher Vorteile eine große Gefahr für die Königsfamilien dargestellt. Dies sollte ihm nicht auch passieren; doch da er nicht einfach grundlos Enteignungen vornehmen konnte, musste er sich anbietende Gelegenheiten abwarten.

So kam ihm der Tod Gozelos, dem Herzog von Lothringen, im Jahre 1044 mehr als gelegen. Dieser hatte zunächst das Herzogtum von Niederlothringen inne, bekam jedoch bald auch, nachdem Herzog Friedrich ohne männlichen Nachkommen starb, Oberlothringen verliehen.8 Ob Heinrich die Teilung nach seinem Tode aufgrund des Treuebruches von jenem, oder auch wegen der bereits gesicherten Lage im Westen des Reiches durchführte, sei dahingestellt - Fakt ist allerdings, dass er die alte Ordnung wiederherstellte und Niederlothringen an den Bruder Gottfrieds, Gozelo II. verlieh.9 Die Teilung des Großherzogtums Lothringen blieb nicht folgenlos. Der enttäuschte Gottfried versuchte Heinrich umzustimmen, als er aber kein Gehör fand, suchte er „sein Recht in der Fehde.“10 Was in seiner Sicht allerdings für eine Selbstverständlichkeit stand, war in den Augen des Königs „nichts anderes als Rebellion.“11 Gottfried unternahm dann zwischen 1044 und 1049 zwei Empörungen - beide erfolgloser Natur - die ihn schließlich Lothringen vollständig und auch seine Freiheit kosteten.12 Sein letzter Versuch zu Heinrichs Zeiten, nämlich die Heirat mit Beatrix von Canossa-Tuszien, im Zuge zur Machtgewinnung im italienischen Raum, scheiterte ebenfalls.13 In diesem Fall ließ Heinrich nicht mehr mit sich reden; sein Italienzug mit anschließender Gefangennahme von Beatrix und auch ihrer Tochter Mathilde sollte als Warnung für seine Umgebung unmissverständlich genug sein.14

Hierzu nimmt Prinz jedoch eine gegenteilige Position ein. Er relativiert die Unternehmungen Heinrichs, indem er behauptet, dass die Kriege um Lothringen mehr Schaden angerichtet hätten, als dass sie die Empörenden ein für alle Mal gefügig machen konnten:

„Es kam zu einem mehrjährigen Krieg, der mit dem Eingreifen Frankreichs, Englands und Dänemarks europäische Ausmaße annahm, ohne daß der König bis zu seinem Tode eine Befriedigung Lothringens oder gar eine Lösung in seinem Sinne erzwingen mochte; vielmehr beeinträchtigte diese Auseinandersetzung auch die italienischen Verhältnisse.“15

2.2 Auflehnung Konrads, dem Herzog von Bayern

„Jeder Tod eines prominenten Amtsträgers barg die Gefahr von Auseinandersetzungen um die Nachfolge. Die Mechanismen der Konflikte zeigten sich deutlicher, als Heinrich III. für seine eigene Familie in den Verteilungskampf eintrat und sich dadurch die Gegnerschaft selbst seiner engsten Vertrauensleute zuzog.“16

Ähnlich der obigen Darstellung Ziemanns war es im Falle von Konrad die Ursache für den Disput, sowie beim zuvor erwähnten Gottfried auch, eine Sache der Landverteilung im Reich. Jedoch handelte es sich beim Herzogtum Bayern nicht um irgendein Land - nicht umsonst wird in diesem Zusammenhang vom „Kronland“ gesprochen.17 Schon Heinrichs Vorgänger vergaben Bayern an jene Personen, die später einmal zum König gekrönt werden sollten. Während der salische König selbst einmal Herzog von Bayern war, bekleideten auch seine Vorgänger mit dem Anspruch auf den Thron das Amt des bayerischen Herzogs.18 Ziemann zufolge, wollte Heinrich wohl aus diesen Gründen das Herzogtum Bayern so lange wie möglich nicht vergeben. 1042 schließlich, tat er es dann doch und vermachte das „Kronland“ dem Lützelburger Heinrich.

Nachdem der Lützelburger bereits zwei Jahre später starb zögerte der König ein weiteres Mal. 1049 erst wurde Konrad dann zum Herzog von Bayern erhoben. Auch hier behauptet Ziemann, lag der Grund darin, dass Heinrich die Geburt seiner schwangeren Frau in der Hoffnung, dass sie ihm einen Sohn, also einen männlichen Nachkommen schenke, abgewartet hatte. Zu seinem Nachteil wurde es aber ein Mädchen und der Erbe blieb weiterhin aus.19

Zieht man die Erbfolgeproblematik des nachfolgerlosen Heinrich in Betracht, erscheint der Grund für die Entmachtung Konrads durch seinen König eher trivial: Seine Absetzung soll eine Art Strafe für die Niederbrennung von Parkstein gewesen sein.20 Wäre es zu einer Geldstrafe gekommen, hätte der wohlhabende Ezzone wahrscheinlich die Möglichkeit gehabt, diesen zu begleichen - doch stattdessen wurde er anscheinend in einem größeren Ausmaß für schuldig befunden und daher auch die Herzogswürde aberkannt.

Für die Absetzung im Jahre 1053, soll der Grund für dieses Vorgehen, eher nur ein Vorwand gewesen sein, um das als Kronland angesehene Bayern an die direkte Familie zu binden. Denn in ebenjenem Jahr wurde der langersehnte Erbe geboren und Heinrich hatte für Konrad in so einer wichtigen Position keine Verwendung mehr. So bekamen zunächst aufeinanderfolgend seine Söhne, Konrad und Heinrich und sogar seine Frau Agnes Bayern - das „Wahlrecht der Großen“21 missachtete der Salier.22

Konrad, der ehemalige Herzog von Bayern, ließ das nicht auf sich sitzen. Obendrein fand er sogar Unterstützer: Bischof Gebhard von Regensburg stellte sich 1055 auf die Seite der Rebellen, wahrscheinlich, weil Bischof Gebhard von Eichstätt als vorübergehender Regent in Bayern für den noch unmündigen Heinrich IV. gewählt wurde, statt er selbst.23 Mit von der Partie war ebenfalls Herzog Welf III., dessen Herzogtum mitunter am meisten von den Ungarnschlachten betroffen war.24 Die aggressive Ostpolitik des Königs statt einem

Ausgleichsversuch mit dem Gegner, war für den Herzog von Kärnten nur von Nachteil.25 Die Situation im Reich hatte sich zugespitzt, Heinrich sollte beseitigt werden. Mordpläne wurden geschmiedet, Konrad sollte den Platz Heinrich III. einnehmen.26 Doch dann kam etwas Unerwartetes: Die Verschwörer Welf und Konrad starben. Somit war der Plan der Rebellion noch vor der Durchführung gescheitert und Heinrich verdankte dem Zufall sein Leben.

[...]


1 ZDFmediathek, Die Deutschen. Heinrich und der Papst, 05:36 - 05:48.

2 REICHENAU, Hermann von, Chronicon a. 1053, S. 133 Z. 9-11.

3 BECHER, Matthias: Heinrich IV., S. 155.

4 BOSHOF, Egon, Das Reich in der Krise, S. 267.

5 Ebd., S. 270 f.

6 Ebd., S. 280 f.

7 Ebd., S. 283.

8 REINDEL, Kurt, Gozelo I.

9 ZIEMANN, Daniel, Heinrich III., S. 25.

10 BOSHOF, Egon, Das Reich in der Krise, S. 269.

11 Ebd.

12 Vgl. Hersfeld, Lampert von, Annalen, S. 44.

13 Vgl. ZIEMANN, Daniel, Heinrich III., S. 25.

14 Vgl. Ebd., S.26.

15 PRINZ, Friedrich, Kaiser Heinrich III., S. 541.

16 Ebd.

17 STÖRMER, Wilhelm, Bayern und der Bayerische Herzog im 11. Jahrhundert, S.503 - 546.

18 Vgl. ZIEMANN, Daniel, Heinrich III., S.26.

19 Vgl. Ebd., S. 30.

20 ZIEMANN, Daniel, Heinrich III., S. 33.

21 BOSHOF, Egon, Das Reich in der Krise, S. 281.

22 Vgl. BOSHOF, Egon, Das Reich und Ungarn, S.184.

23 Vgl. BOSHOF, Egon, Das Reich in der Krise, S. 282.

24 Vgl. ebd., S. 282.

25 Vgl. ebd., S.281 f.

26 Vgl. Ebd., S. 283.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Heinrich IV. und seine Zeit
Untertitel
Das Reich am Ende der Regierung Heinrichs III.
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Mittelalterliche Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V516659
ISBN (eBook)
9783346120489
ISBN (Buch)
9783346120496
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heinrich, zeit, reich, ende, regierung, heinrichs
Arbeit zitieren
Osman Taskiran (Autor:in), 2014, Heinrich IV. und seine Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516659

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