Die Schlacht bei Marathon. Welche Rolle spielte Miltiades bei dem Sieg der Griechen über die persische Großmacht?


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Miltiades
II.1 Herkunft und Familie
II.2 Tyrannis auf der Chersones

III Die Schlacht bei Marathon
III.1 Vorläufer
III.2 Miltiades als Stratege
III.3 Verlauf der Schlacht
III.4 Ausgang der Schlacht

IV Die Expedition gegen Paros
IV.1 Vorhaben
IV.2 Verlauf

V Miltiades in der Erinnerung

VI Fazit

I Einleitung

Die Athener sollten mit der Expedition 490 v. Chr. aufgrund ihrer Beteiligung am Ionischen Aufstand bestraft werden. Trotz der Übermacht des persischen Heeres konnten die Griechen erstmals über die Perser siegen1, wobei dieser Sieg meist „Miltiades von Athen […] [zugeschrieben wird, welcher] auf immer mit der Schlacht bei Marathon verbunden“2 sein wird. Daraus ergibt sich die Frage, welche Rolle Miltiades bei der Schlacht spielte und durch welche Entscheidungen er den Konflikt beeinflusste und das griechische Heer letztlich zum Sieg führte.

Die Perserkriege und insbesondere die Schlacht bei Marathon wurden von Herodot auffallend sachlich und umfangreich beschrieben. Bei Angaben zu den Perserkriegen stützt sich die Forschungsliteratur stets auf die Aussagen Herodots, diese wurden in der Forschung vielfach diskutiert und teils widerlegt. Des Weiteren gibt es einen Bericht von Thukydides, welcher die Perserkriege nur am Rand beleuchtet und die Tragödie des Aischylos über die Schlacht von Salamis aus Sicht der Perser, weshalb beide Beiträge für diese Hausarbeit untauglich sind.

Die Gegebenheit, dass Miltiades den Griechen zum Sieg verholfen hatte, wird von der Forschung allgemein akzeptiert.3 Wiederum wird über verschiedenste Aussagen Herodots diskutiert: Etwa der Lauf des Pheidippidès, welcher bei Giessen als „glaubhaft und plausibel“4 gilt, wohingegen Ekschmitt diesen als „freilich legendär und praktisch unmöglich“5 beschreibt. Oder die Diskussion über eine nach Kraft fehlerhafte Übersetzung Schachermeyers einer Aussage Herodots, weshalb die Textstelle nach Krafts Aussage falsch gedeutet wurde6.

Der folgende Hauptteil dieser Arbeit beginnt mit einer kurzen Biographie des Miltiades, seiner Tyrannis auf der Chersones, sowie seiner Rückkehr nach Athen. Darauf folgt sein Wirken in Athen mit seiner Benennung zum Strategen und der daraus resultierenden Machtkonstellation, als auch die Untersuchung der Rolle des Miltiades bei der Schlacht von Marathon und der Entscheidungen, welche er hinsichtlich dieser traf. Letztendlich wird Miltiades Vorhaben zur Paros-Expedition beleuchtet, den Ausgang dieser und seiner Anklage als Konsequenz. Die Untersuchung erfolgt nach dem strukturgeschichtlichen Ansatz, da dieser die Prozesse hinter den Ereignissen am besten herausstellt.

II Miltiades

II.1 Herkunft und Familie

Um 550 v. Chr. wurde Miltiades geboren. Sein Vater Kimon und somit auch er selber gehörten dem athenischen Adelsgeschlecht der Philaïden an. Dieses stand in ständiger Auseinandersetzung mit dem damaligen Tyrann Athens Peisistratos, weshalb Kimon ins Exil ging. Eine Annäherung der Familien wäre für beide Parteien von Vorteil gewesen; für Kimon hätte es die Rückkehr nach Athen bedeutet und für Peisistratos eine Stabilisierung seiner Herrschaft, woraufhin sie eine Abmachung trafen, sodass Kimon nach Athen zurückkehren konnte. 524/23 erhielt Miltiades7 das Amt des Archonten, was für die Familie politischen Erfolg bedeutete, da ihr Einfluss in Athen stetig zunahm. Auch sein Bruder Stesagoras hatte ein wichtiges Amt inne, denn er trat das Erbe seines Onkels, Miltiades des Älteren8, an: Die Tyrannis auf der Chersones.9 Um die selbe Zeit wurde Kimon ermordet, angeblich im Auftrag der Söhne des Peisistratos Hippias und Hipparchos, da sie sich aufgrund der Erfolge von Kimons Söhnen in ihrer eigenen Tyrannis gefährdet sahen.10 Nach Wade-Gery wird aufgrund dieses Mordes auch die Wahl des Miltiades als Archont verstanden, denn „the archonship is part of his advancement“11. Außerdem verhalfen sie ihm zu der Entscheidung, die Tyrannis auf der Chersones zu übernehmen, da sein Bruder ebenso ermordet wurde. Laut Herodot waren sie gegenüber Miltiades sehr freundlich, da sie „ihn über die Ermordung […] hinwegzutäuschen“12 versuchten, sie stellten ihm sogar eine Triere für die Überfahrt zur Verfügung, was nach Bengtson aber eher unwahrscheinlich zu sein scheint. Er gibt für die Unterstützung persönliche Gründe an, da sie die Chersones weiterhin in Abhängigkeit von Athen sehen wollten.13

II.2 Tyrannis auf der Chersones

Ab 520 v. Chr. regierte Miltiades über die Chersones, was auch in Athens Interesse lag, da er für sie die Einfahrt in den Hellespont sichern sollte.14 Sieben Jahre lang hielt er seine Herrschaft aufrecht, indem er sich an Machtinstrumenten bediente, welche er in der Zeit der Herrschaft des Peisistratos kennengelernt hatte. Dazu gehörte auch die Eroberung der Inseln Lemnos und Imbros, die für kurze Zeit unter persischer Herrschaft standen, welche Miltiades aber Athen zur Verfügung stellte.15 513 v. Chr. führte der Großkönig Dareios einen Kriegszug gegen die Skythen, da diese für ihn eine Bedrohung darstellten. In diesen Interessenraum fiel auch die Chersones, weshalb Miltiades nichts anderes übrig blieb, als sich dem Kriegszug anzuschließen, wodurch er jedoch „wichtige Einsichten in die persische Heeresführung“16 gewinnen konnte. Das Unternehmen gegen die Skythen scheiterte und die Perser kehrten nach Asien zurück, woraufhin Miltiades seinen Platz als Tyrann wieder einnahm.17 Als 500/499 v. Chr. der Ionische Aufstand ausbrach, schloss sich Miltiades den Ioniern an. Diese verloren aber gegen die Perser. Aufgrund seiner Illoyalität gegenüber Dareios musste er das Äußerste erwarten, gab seine Herrschaft auf der Chersones auf und flüchtete 493 v. Chr. nach Athen.18 Miltiades Verbundenheit zu Athen lässt sich trotz der Tyrannis erkennen: Zum Einen löste er die Insel Lemnos aus der Herrschaft Persiens, verbannte nichtgriechische Bewohner und übergab die Insel Athen zur Besiedlung. Zum Anderen unterstützte er zusammen mit Athen und Eretria die Ionier bei ihrem Aufstand gegen das persische Großreich.

In Athen wurde Miltiades dann erstmals aufgrund seiner Tyrannis angeklagt, wohlmöglich von Feinden der Demokratie, die in Athen um die Führung kämpften und in Miltiades einen Konkurrenten sahen. Er wurde indes freigesprochen, da er nur über attische Kolonisten Tyrannis ausgeübt hatte, aber nicht über attische Bürger.19 Miltiades hatte es an die Spitze der oligarchischen Partei geschafft und aufgrund seines Traditionsbewusstseins nicht das Flottenbauprogramm des Themistokles unterstützt.20 Außerdem konnte er die Wiederannäherung zwischen Sparta und Athen erreichen und handelte ein Bündnis aus, welches die Spartaner bei einem persischen Angriff verpflichtete Hilfe zu leisten.21 Dank seiner Erfahrungen im Umgang mit den Persern erhielt er reichlich Unterstützung von den Bürgern und die Zustimmung darüber, dass „der Entscheidungskampf […] mit konventionellen Mitteln zu Lande ausgetragen werden würde.“22 492 v. Chr. waren die ersten Anzeichen einer drohenden Gefahr für Athen ersichtlich: Mardonios23 erhielt den Auftrag eines Feldzuges gegen Thrakien und Makedonien, um dort die persische Herrschaft wieder herzustellen. Das Vorhaben der Eroberung Griechenlands stand hier jedoch noch im Hintergrund.24 In Erwartung eines persischen Angriffs wählten die Athener Miltiades 490 v. Chr. zum Strategen. Damit gehörte er zu den zehn, welche die Führung über das aus den Phylen bestehende Heer hatte. Der Polemarch Kallimachos, welcher hierarchisch über den zehn Strategen stand, verfügte über die Führung über die gesamte Operation.25

III Die Schlacht bei Marathon

III.1 Vorläufer

Im Sommer 490 v. Chr. startete die Flottenexpedition unter Datis, einem Meder, und Artaphernes, dem Neffen Dareios, nach Griechenland. Laut Herodot hätte sich ihre Flottenstärke auf 600 Schiffe belaufen, was nach moderner Forschung aber übertrieben sei.26 Sie steuerten als erstes die Insel Naxos an, dann weitere Kykladeninseln und schließlich Eretria, welches nach sechs Tagen fiel. Die Perser steckten zur Strafe ihre Heiligtümer in Brand und verschleppten die Bewohner. Nach einigen Tagen des Wartens steuerten sie die Bucht von Marathon an. Aber weshalb gerade die Bucht von Marathon? Laut Herodot soll der ehemalige Tyrann Hippias sie dorthin geführt haben. Sie nahmen ihn mit auf ihre Flotte, um ihn dort wieder als Tyrann einzusetzen.27 In der Erwartung, dass die athenischen Hopliten aus der Stadt ziehen würden und Athen somit für einen Überraschungsangriff ungeschützt sei, zielten sie es auf diesen Ort ab. Zudem sei dieser Zustand optimal, um die Demokratie zu stürzen.28 Ein weiterer Grund für die Landung bei Marathon sei nach Herodot folgender Umstand: „it was a good place for horses: the verb which Herodot uses, enippeusai, is taken to mean ‚good für cavalry manoeuvring‘“.29

III.2 Miltiades als Stratege

Nun gab es für Miltiades zwei Möglichkeiten und eine erste schwere Entscheidung zu treffen: Entweder man bleibe in Athen und warte die Hilfe der Spartaner ab oder man ziehe den Persern im offenen Feld gegenüber und versuche sie abzuwehren. Miltiades reichte in der Ekklesia den Antrag zum Auszug der Truppen ein. Dieses Psephisma mit den berühmten Worten deīn exiénai wurde angenommen.30 Diese Entscheidung hätte den Vorteil, dass das attische Land vor einer Verwüstung bewahrt werden würde. Auch den Landbesitzern, welche die Mehrheit des athenischen Heeres ausmachten, kam diese Entscheidung entgegen, da sie ihren Besitz schützen wollten und befürworteten somit Miltiades in seinem Vorhaben. Auch das zweite von ihm gestellte Psephisma, dass die Sklaven zum Kriegsdienst freigelassen werden sollten, wurde angenommen. Letztendlich wurde noch ein dritter Antrag gestellt, nämlich die Aussendung eines Boten nach Sparta, welcher dort um Hilfe bitten sollte. Dies wird auch Miltiades zugeschrieben, da dieser eine gute Beziehung zu den Lakedämoniern führte.31 Herodot berichtet:

Pheidippidès […] kam am Tag, nachdem er Athen verlassen hatte, in Sparta an. Dort gab er die Botschaft an die Verantwortlichen weiter: ‚Spartaner, die Athener bitten Euch, ihnen zu helfen […] und die Spartaner waren in der Tat auch bereit, den Athenern zu helfen. Sie konnten dies aber nicht sofort, denn sie wollten ihr Gesetz nicht brechen.32

Dieses Gesetz weist laut moderner Forschung religiöse Hintergründe auf: Zu dieser Zeit feierten die Spartaner das Fest der Karneia, in dessen Zeitraum es ihnen untersagt war, in den Krieg zu ziehen.33

III.3 Verlauf der Schlacht

Nun standen sich die zwei Heere in der Bucht bei Marathon gegenüber. Die Athener waren mit einem Aufgebot von etwa 9000 Mann losgezogen, zudem ihnen noch etwa 1000 Hopliten aus dem Verbündeten Platäa zur Seite standen. Demgegenüber waren mindestens doppelt so viele Perser, mit einem Aufgebot an Reiterei und Bogenschützen ausgestattet. Wegen dieser gefährlichen Übermacht waren die Meinungen unter den Strategen, ob man zum Angriff übergehen solle, geteilt, weshalb beide Parteien mehrere Tage ausharrten, ohne einen Angriff zu starten. Die letzte Entscheidungsinstanz hatte aber immer noch der Polemarch Kallimachos inne. Aus diesem Grund habe Miltiades ihn, laut den Überlieferungen Herodots, mit diesen Worten überzeugen wollen34:

[...]


1 Siehe Diesner 1989, S. 24, 25

2 Bengtson 1983, S. 21.

3 Siehe Hölkeskamp 2001, S. 332/Berve 1936, S. 90f./Schachermeyer 1951, S. 27f./Link 2000, S. 40f.

4 Giessen 2010, S. 33.

5 Ekschmitt 1987, S. 44.

6 Siehe Kraft 1964, S. 154f.

7 Nach Bengtson nicht klar, welcher Miltiades dieses Amt bekleidet hatte: Miltiades den Jüngeren hielt er für eher unwahrscheinlich. (Siehe Bengtson 1983, S. 22.).

8 Vermutlich Vetter des Hippokleides und Bruder Kimons mütterlicherseits, zog Stesagoras bei sich auf. (Siehe Berve 1937, S. 2.).

9 Siehe Funke 1999, S. 302f.

10 Siehe Wade-Gery 1941, S. 214.

11 Ebd. S. 214.

12 Bengtson 1983, S. 24.

13 Siehe Bengtson 1983, S. 24.

14 Siehe Will 2010, S. 37.

15 Siehe Kinzl/Pollmann/Wermelinger: DNP, 2006 (letzter Zugriff: 13.03.2019).

16 Ebd. (letzter Zugriff: 13.03.2019).

17 Siehe Funke 1999, S. 305f.

18 Siehe Schachermeyer 1974, S. 27.

19 Siehe Welwei 1999, S. 31.

20 Gründe hierfür waren die Unberechenbarkeit des Meeres, die Einbindung niederer Volksschichten oder dass das Meer des Menschen Feind sei. (Siehe Ekschmitt 1987, S. 28f.).

21 Siehe Schachermeyer 1974, S. 28.

22 Ekschmitt 1987, S. 29f.

23 Sohn des Gobryas, Verschwörung mit Dareios (Siehe Wiesehöfer/Groß-Albenhausen: DNP, 2006. (letzter Zugriff 12.03.019)).

24 Siehe Eder: DNP, 2006 (letzter Zugriff 14.03.2019).

25 Siehe Bengtson 1983, S. 32.

26 Siehe Bengtson 1983, S. 32.

27 Siehe Evans 1993, S. 282. Nach Ekschmitt sei dies zweifelhaft: Das Ziel muss andere Gründe gehabt haben. (Siehe Ekschmitt 1987, S. 41.).

28 Siehe Ekschmitt 1987, S. 42.

29 Evans 1883, S. 282.

30 Siehe Ekschmitt 1987, S. 43f.

31 Siehe Berve 1937, S. 76f.

32 Giessen 2010, S. 33. Nach Ekschmitt sei dieser Lauf unmöglich gewesen (Siehe Ekschmitt 1987, S. 44.).

33 Siehe Luther 2007, S. 384. Diese Meinung wurde nicht von allen geteilt. Es werden noch andere Gründe für die Verspätung des Heeres genannt (z.B. siehe Welwei 1999, S. 35.).

34 Siehe Ekschmitt 1987, S. 46.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht bei Marathon. Welche Rolle spielte Miltiades bei dem Sieg der Griechen über die persische Großmacht?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Klassische Altertumskunde)
Veranstaltung
Die athenische Demokratie
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V516666
ISBN (eBook)
9783346106377
ISBN (Buch)
9783346106384
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marathon, Miltiades, athenische Demokratie, Perserkrieg
Arbeit zitieren
Caroline Meinhardt (Autor), 2019, Die Schlacht bei Marathon. Welche Rolle spielte Miltiades bei dem Sieg der Griechen über die persische Großmacht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516666

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